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Karriere

Unternehmenskultur: Wenn Mitarbeiter zu „Abnickern“ werden

    Unternehmenskultur: Wenn Mitarbeiter zu „Abnickern“ werden
© gradt - Fotolia.com

Einatmen, ausatmen. Werde eins mit deiner Umgebung. Nicht auffallen. Ich bin ein Chamäleon, ein Meister der Tarnung. Der Ninja unter den Büro-Angestellten. Jetzt bloß nicht auffallen. Ich habe es tausend Mal geübt, es gibt nur einen Satz, der in dieser Unternehmenskultur wichtig ist und der lautet: „Ich bin ganz Ihrer Meinung, Chef”.

Vorab: Es gibt sie, die Unternehmen in denen Milch und Honig fließt, der Mitarbeiter ein wichtiger Bestandteil ist und nicht nur ein pulsierendes Requisit. Unternehmen, die einen gesteigerten Wert auf die Meinung der Angestellten legen, fernab vom Titel oder Zugehörigkeit einer Kaste. Diese Unternehmen gibt es im Mittelstand ebenso wie bei den ganz Großen.

Unternehmenskultur: Von motivierten Mitarbeitern zu demotivierten Abnickern

Es gibt aber auch die Anderen. Jene Unternehmen, die ihren Mitarbeiter Nummern auf die Rücken kleben, um sie zu unterscheiden. Denen eine Zustimmung mehr Wert ist als eine eigene Meinung. Man findet sie auf Bewertungsportalen wie zum Beispiel kununu. Unternehmen mit einer DNA, die jegliche Innovationsfähigkeit im Keim erstickt.

Eine Studie von Anfang 2013 bringt das Kernproblem auf den Tisch. Motivierte Mitarbeiter werden zunehmend desillusioniert, bis sie sich innerlich komplett vom Unternehmen verabschieden. Mehr als 60 Prozent der Mitarbeiter macht dann nur noch Dienst nach Plan. Wenn überhaupt. Laut der Befragung haben nur 15 Prozent der Befragten eine starke emotionale Bindung und sind bereit sich für ihren Arbeitgeber einzusetzen. Der direkte Vorgesetzte nimmt in dieser Misere eine Schlüsselposition ein. Durch fehlendes, positives Feedback, konstruktive Kritik und das Nicht-Einbeziehen der Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse, stumpft der Mitarbeiter immer mehr ab – bis er schließlich innerlich kündigt. Ursache für den Prozess ist die DNA eines Unternehmens und oft fängt es schon mit der Auswahl der Mitarbeiter an. Akademische Titel werden höher bewertet als Erfahrung und ein lupenreiner Lebenslauf ist das Maß der Dinge. Wer seine Mitarbeiter nur nach Notendurchschnitt einstellt, verpasst spannende Charaktere, die völlig neue Perspektiven mitbringen können.

Unternehmenskultur
Farblose Mitarbeiter sind die Folge einer schlechten Unternehmenskultur. (Foto: © gradt - Fotolia.com)

Unternehmenskultur: Innovationen bleiben aus

Innovation „Made in Germany”? Fehlanzeige. Der Grund ist eben die weiter oben skizzierte Einstellung. Ohne Mitarbeiter mit Rückgrat, die ihre Meinung vertreten und auch kund tun, fehlen neue Impulse und das Unternehmen schmort nur noch im eigenen Saft.

Für Innovationen braucht es einen Nährboden für Ideen. Ideen brauchen ein Team aus Menschen, die mit Herzblut an eine Sache glauben und auch mal Fehler machen dürfen. Menschen brauchen eine Umgebung, in der sie sich wohl fühlen und eine Kultur, mit der sie sich identifizieren. Es braucht keinen Massagestuhl oder Whirlpool, es geht um die Einstellung zu den eigenen Mitarbeitern in einem Unternehmen. Es geht um Gesten. Anerkennung. Am Ende des Tages geht es allen ums Geld, das ist okay. Aber es macht einen Unterschied, ob man ein Gehalt bekommt oder Schmerzensgeld.

Es ist ein Irrglaube, dass man sich Motivation kaufen kann. Man kann seine Mitarbeiter auf noch so viele Seminare schicken. Außer einer schicken Urkunde bleibt da nichts übrig, wenn das Gesamtbild nicht stimmt. Leidenschaft ist nicht erlernbar. Ein Top-Mitarbeiter zeichnet sich nicht durch errungene Zertifikate aus, sondern in der Menge Herzblut, die er zu investieren bereit ist. Und das ist steuerbar durch eine entsprechende Unternehmenskultur.

Unternehmenskultur: Ohne Umdenken wird es teuer.

Vernachlässigen Unternehmen ihre Mitarbeiter, kann das im schlimmsten Fall zu einem Mitarbeiterschwund führen. Dann müssen neue Kräfte gesucht werden, die nach einer kostenintensiven Einarbeitungsphase genauso demotiviert sind wie die Vorgänger. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, wird all das, was die Mitarbeiter nicht leisten dürfen, von außen eingekauft. Es ist makaber, dass gute, interne Kräfte vernachlässigt werden und man stattdessen auf teure, externe Berater setzt. Extern eingekauftes Know-How ist nie von Dauer und muss regelmäßig erneuert werden. Ganze Scharen von Beratern verdienen mit solchen Unternehmen viel Geld. Nachhaltig ist das nur für den Berater, nicht für das Unternehmen.

Um erfolgreich zu sein, bedarf es einer Unternehmenskultur, welche Ideen der Mitarbeiter fördert und anerkennt. In der Mitarbeiter zu Kollegen werden und man die Arbeit wertschätzt. Erfolg hängt von vielen Faktoren ab und nicht zuletzt auch vom Mitarbeiter.

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8 Reaktionen
Christian Schrader
Christian Schrader

Sehr spannender Artikel.
Die guten Nachrichten sind:

Es gibt Unternehmen, die den Wert eines einzelnen Mitarbeiters zu schätzen wissen. Man muss sie nur finden.

Alle anderen Unternehmen sehen sich, in unterschiedlich starker Ausprägung, einem Wandel gegenüber, der es immer schwerer macht, gute Mitarbeiter zu finden. Man muss also glaubhaft attraktiver werden. Und wenig ist glaubhafter, als die Empfehlung eines Arbeitsplatzes durch einen Mitarbeiter. Und der muss erst einmal erarbeitet.

Spannende Zeiten!

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Anneke
Anneke

DANKE für diesen Artikel. Kennt man wirklich nur zu gut - gerade als eher junger Arbeitnehmer ist man noch hochmotiviert, möchte wirklich was bewegen, hat "frisches" Wissen und landet dann im Sumpf der eingefahrenen Unternehmensstrukturen, die die Innovation eigentlich gar nicht wollen, obwohl sie einen dafür einstellen. Super frustrierend.

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waldorio
waldorio

Ein sehr interessanter Vortrag zum Thema Expertenglaube:
http://www.ted.com/talks/noreena_hertz_how_to_use_experts_and_when_not_to.html
Quintessenz: Schreib auf Deine Visitenkarte XYZ Agency und die Leute fressen Dir aus der Hand und schütten Dich mit Geld zu. Verfügst Du dagegen "nur" über jahrelange Erfahrungen stehen die Chancen gut, dass Dich Dein Vorgesetzter völlig ignoriert. Traurig aber Realität. Ich könnte hier jeden Tag mindestens ein neues Beispiel dafür liefern :) Ein sehr interessanter Vortrag zum Thema Expertenglaube:
http://www.ted.com/talks/noreena_hertz_how_to_use_experts_and_when_not_to.html
Quintessenz: Schreib auf Deine Visitenkarte XYZ Agency und die Leute fressen Dir aus der Hand und schütten Dich mit Geld zu. Verfügst Du dagegen "nur" über jahrelange Erfahrungen stehen die Chancen gut, dass Dich Dein Vorgesetzter völlig ignoriert. Traurig aber Realität. Ich könnte hier jeden Tag mindestens ein neues Beispiel liefern :) Unglücklicherweise hat das ganze etwas kafkaeskes - einen guten Ausgang gibt es nicht, der Vorgesetzte macht die Karriere, nicht Du.

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Philipp
Philipp

Das mit den Doppelbotschaften gepaart mit Meinungswechsel kenne ich auch. Als ich damals ein Template für unseren Shop entworfen habe hieß es das Logo sei zu klein, das könnten ältere Kunden ja gar nicht sehen. Jetzt hat ihm dann ein "Profi" gesagt das man das so macht und schwupps sind kleine Logos was tolles. Die Meinung des "Profis" lag dann auch in den tausenden. Bei uns ist das Tagesform abhängig, heute hüh morgen hot. So leidet der Mitarbeiter weil er kaum was zu Ende bringen kann, aufgrund dieser Hin und Her Entscheidungen ist unser Internetshop seit 3 Jahren nur halb fertig.

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dulljöh
dulljöh

Ich erkenne so manche Unart, nein, Dämlichkeit wieder, und die Liste lässt sich verlängern:
- das Tellerrand-Syndrom. Lieber Mitarbeiter, wozu blickst du über deinen Tellerrand? Lass' das!
- damit einher geht die Gefangenschaft im Tagesgeschäft. wir leben geistig von der Hand in den Mund. Strategisches Denken (siehe auch Tellerrand-Syndrom) findet auf keiner Ebene statt. Aufgaben abarbeiten, darin erschöpft sich jegliche Form der Arbeit.
- "Ich weiss zwar nicht, was herauskommen soll, aber was du machst, ist schlecht". Selbst erlebt - und rasch die Reißleine gezogen.
- die Königsdisziplin für Vorgesetzte lautet immer noch: Doppelbotschaften aussenden gepaart mit häufig wechselnden Meinungen.

Zum Glück gibt es auch andere Formen der Zusammenarbeit. Wenn die Unternehmenskultur passt, ist es weitgehend egal ob sie angestellt ist, oder freiberuflichen Charakter hat.

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waldorio
waldorio

Ein herrlicher Artikel, leider finden sich da wahrscheinlich Millionen von unglücklichen Mitarbeitern und vermeidlichcen Managern wieder. Das völlige Ignorieren von Mitarbeiterkompetenzen und im Gegenzug der bedingslose Glaube an externe Spezialisten ist für mich die Krankheit Nr. 1 - auch hier bei meinem Arbeitgeber in der Schweiz. Hinzu kommt der krampfhafte Versuch Kreativität bzw. alternative Lösungsansätze in Raster zu zwängen - so ist z. b. der geregelte Ablauf eines Brainstorming Meetings und dessen Protokoll wichtiger, als die dabei gefundenen neuen Ideen - im Zweifelsfall wird ja eine externe Firma mit der Umsetzung beauftragt :) In diesem Zusammenhang sei auch noch die wunderbare VOMSADN-Technik (Vom Schreibtisch aus dem Sinn) von vorgesetzten Managern und Teamleadern erwähnt: Projekte die sie von ihren Vorgesetzten erhalten, werden ohne detaillierte Aufbereitung und vor allen Dingen ohne eigene Reflektion, diskussionslos an den Untergebenen weitergereicht. Das Einzige was der Teamleader im Kopf behält ist das Abgabedatum. Verläuft das Projekt positiv, steckt der er die Lorbeeren ein. Verläuft das Projekt negativ ist der Untergebene der Schuldige.

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einstein
einstein

Vielen Dank für diesen Artikel. Ich musste immer schmunzelnd nicken beim lesen - weil so passend für meine gegenwärtige situation.
Ich kenne das nur zu gut - möchte aber nicht zum Abnicker werden und habe meine konsequenzen gezogen. Ende dieser Woche werde ich meine Kündigung dem HR übergeben. Statt Abnicker werde ich jetzt erstmal Picknicker und bin raus.

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Phil
Phil

Kenne ich nur zu gut. Ich sage seit zwei Jahren nur noch "ja". Auf alles andere folgt eine ellenlange Diskussion. Dafür verpulvert das Unternehmen dann doppelt soviel Geld um Fehler wieder zu korrigieren und für Leute die einem die gleichen Innovationen für teuer Geld verkaufen. Ist mir aber mittlerweile egal, ist ja nicht mein Geld.

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