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Urlaub, wann und so viel du willst? Bei Virgin entscheiden jetzt die Mitarbeiter

Urlaub, wann und so viel du willst? Bei Virgin entscheiden jetzt die Mitarbeiter

Urlaub ist – nicht nur in Deutschland – oft streng reglementiert, für ihn gibt es eine feste Anzahl an Tagen pro Jahr, es gibt Urlaubsanträge und unternehmensinterne Regelungen. Doch beim britischen Unternehmen Virgin soll sich das jetzt ändern. Traum oder Alptraum?

Urlaub, wann und so viel du willst? Bei Virgin entscheiden jetzt die Mitarbeiter

Wer entscheidet über den Urlaub? (Foto: berkuspic / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Urlaub? Das entscheiden die Mitarbeiter

Seine Mitarbeiter entscheiden selbst über ihren Urlaub: Richard Branson. (Foto: Shinsuke JJ Ikegame / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

„Wir haben keine 9-to-5-Richtlinie, also brauchen wir auch keine Urlaubsrichtlinie.“

Richard Branson, Chef der Virgin-Group, die in der Musik-, der Mobilfunk- und der Luftfahrt-Branche ihr Geld verdient, hat eine Vision: Er will seine Mitarbeiter befreien – von starren Urlaubsregelungen und bürokratischen Anträgen. Zumindest in der Holdinggesellschaft von Virgin, in der etwa 170 Angestellte arbeiten, sollen die Mitarbeiter selbst über ihren Urlaub entscheiden. Und wenn das Experiment funktioniert, so Branson, könnte es auch auf das ganze Unternehmen mit seinen 50.000 Mitarbeitern ausgerollt werden.

„Wir sollten den Fokus darauf setzen, wie viel die Leute schaffen“, schreibt Branson im Virgin-Blog, „nicht darauf, wie viele Stunden sie am Tag arbeiten. Und genauso, wie wir keine 9-to-5-Richtlinie haben, brauchen wir auch keine Urlaubsrichtlinie.“

Auch andere Unternehmen experimentieren mit dem Urlaub

„Unbegrenzter Urlaub kann auch dazu führen, dass niemand mehr freinimmt.“

Was auf den ersten Blick nach einem Traum für jeden Mitarbeiter klingt, hat erstens jedoch genauso seine Regeln, und zweitens auch seine Schattenseiten. So fordert Branson selbstverständlich von seinen Mitarbeitern, dass die Arbeit auch in ihrer Abwesenheit erledigt wird und die Mitarbeiter verantwortungsbewusst mit der Neuregelung umgehen. So sollen sie sich nur dann Urlaub nehmen, wenn sie sich zu 100 Prozent wohl mit dieser Entscheidung fühlen und diese weder dem Unternehmen noch ihrer Karriere schade. Klingt fast wie eine Drohung. Und so schreibt auch der Spiegel: „Genauso gut hätte Branson schreiben können: 'Nimm Urlaub – wenn du dich traust.' Denn wer fährt nach dieser Ansage schon entspannt in den Urlaub, wenn Arbeit liegen bleibt? Wer geht nach Hause, wenn die Kollegen Überstunden machen? So gesehen kann unbegrenzter Urlaub dazu führen, dass niemand mehr freinimmt.“

Julian Vester. (Foto: elbdudler)
Julian Vester. (Foto: elbdudler)

So passiert ist das tatsächlich bei anderen Unternehmen wie Evernote, die eine ähnliche Regelung eingeführt haben, wie es in dem Bericht weiter heißt: „Auch beim IT-Dienstleister gilt die 'Urlaub ohne Ende'-Regelung. Die Folge: Manche Mitarbeiter haben seit Jahren keinen Urlaub mehr gemacht. Das Unternehmen zahlt seinen Angestellten deshalb 1000 Dollar, wenn sie mindestens eine Woche im Jahr freinehmen.“

Auch deutsche Unternehmen haben schon die Urlaubs-Regelung aufgelöst oder gelockert, wie beispielsweise das deutsche Startup elbdudler von Julian Vester, der im t3n-Interview erklärte: „Manche Menschen brauchen mehr Urlaub, andere weniger – das kann ich doch nicht von außen festlegen. Wer wegfahren will, kann das jederzeit tun.“ Natürlich gebe es Limits, was finanziell tragbar sei – bezahlter Urlaub hat also seine Grenzen. Aber wenig ist wirklich festgelegt bei elbdudler.

Und was haltet ihr von solchen Regelungen? Traum oder Alptraum?

via www.spiegel.de

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2 Antworten
  1. von Armin am 26.09.2014 (15:57 Uhr)

    Ich habe schon in vielen Firmen gearbeitet in denen man schief angeguckt wird, wenn man keine Überstunden macht. Und zwar nicht nur von den Chefs, auch von Kollegen. Mir persönlich ist das schnuppe aber ich glaube viele andere knicken hier schon ein. Beim Urlaub kann ich mir vorstellen ist es noch drastischer.

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  2. von Donngal am 26.09.2014 (16:01 Uhr)

    Sehe ich ähnlich. Sozialer Druck führt immer dazu dass man im Zweifel besser etwas mehr als etwas weniger arbeitet. Gleitzeit ohne Zeiterfassung der Pause etc. führt bei mir dazu, dass ich täglich zwischen 30 und 60 Minuten mehr arbeite als ich müsste. Oben drauf kommen dann noch Überstunden, die ich mache wenn viel zu tun ist. Unbezahlt natürlich.

    Warum sollte es beim Urlaub anders sein? Im Zweifel wird man weniger Urlaub machen. Ich schätze sehr, dass ich wirklich Urlaub habe, wenn ich Urlaub habe. Im Zweifel bleibt halt was liegen. Und das ist auch gut so. Denn sonst würde ich nie Urlaub machen können, denn es gibt immer was zu tun.

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