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USA und Europa: Facebook-Müdigkeit nimmt weiter zu

Statistiken zeigen: Die Facebook-Besuche in den wichtigsten Märkten nehmen ab. Lediglich in den Schwellenländern herrscht Aufbruchsstimmung. Kann dieser Besucherschwund in den USA und Europa für das soziale Netzwerk unangenehm werden?

USA und Europa: Facebook-Müdigkeit nimmt weiter zu

Besuche auf Facebook nehmen ab

Haben wir satt? Einige würden darauf ganz klar mit „Ja!“ antworten. Anderen wiederrum ist die Frage so egal, wie sie nur irgendwie sein kann. Nachdem wir vor einigen Wochen darüber diskutiert haben, ob Facebook nur noch etwas für die älteren Nutzer ist und warum die jungen Facebooker scharenweise andere Plattformen entdecken, werden nun erneut Zahlen veröffentlicht, die ein grundsätzliches Bild zeichnen wollen: Nicht nur nimmt die Anzahl der Abmeldungen unter den jungen Nutzern zu – auch gehen die durchschnittlichen Besuche – gerade in den USA und in Europa – signifikant zurück.

Nur ein Klick entfernt: Immer weniger Nutzer aus den USA und Europa schauen regelmäßig auf Facebook vorbei. (Bild: ©iStockphoto.com/ymgerman)
Nur ein Klick entfernt: Immer weniger Nutzer aus den USA und Europa schauen regelmäßig auf Facebook vorbei. (Foto: © iStockphoto.com/ymgerman)

Aktuelle SocialBakers-Zahlen besagen: In den USA wurden im vergangenen Monat sechs Millionen Besuche weniger verzeichnet als noch im Vormonat – in Großbritannien waren es 1,4 Millionen. Damit ist der Schnitt in Übersee um vier Prozent gefallen, auf der Insel sind es sogar 4,5 Prozent. Doch auch in Kanada, Spanien, Frankreich, Deutschland und Japan, wo Facebook die größten Marktanteile hält, haben die Nutzer scheinbar immer öfter Besseres zu tun, als das soziale Netzwerk zu besuchen.

Facebook wird für viele alltäglich

Doch woran liegt das? Beobachter haben längst verstanden, dass Facebook immer weniger innovative Ansätze für seine Nutzer bereithält. Anstatt sich mit neuen Funktionen zu beschäftigen, die den Spaß an dem Netzwerk aufrecht erhalten, macht man sich in den Labs des Internetgiganten scheinbar mehr Gedanken darum, wie man Promoted Posts unter die Leute bekommt und das Layout so designt, dass es auch in der mobilen Variante noch attraktiver für Werbung wird. So hat Mark Zuckerberg erst kürzlich in einer Telefonkonferenz zu Analysten gesagt: „Das Newsfeed-Design entwickelt sich, um Geschichten großzügiger darzustellen und neue Chancen bei der Vermarktung etwas anderer Anzeigenformate zu eröffnen.“ Sicherlich alles Dinge, an denen man zurecht arbeitet, jedoch nichts, was Nutzer wirklich dazu bewegt, täglich auf Facebook vorbeizuschauen.

Eines ist klar: Facebook wird gerade für die langjährigen Nutzer immer alltäglicher. Viele schauen nur noch vorbei, wenn sie über ihr mobiles Gerät eine Benachrichtigung erhalten. Und auch im Feed tauchen für viele zu oft Markenbotschaften auf, sodass der regelmäßige Blick auf die Neuigkeiten nicht mehr reizt. Und die Updates der eigenen Freunde? Nun, die werden auch immer weniger im Newsfeed – klar, wenn sie kaum noch online sind. Langsam, aber sicher richten es sich die Nutzer auf neuen Plattformen wie Tumblr oder Instagram häuslich ein.

In den Schwellenländern hingegen, wo noch Nachholbedarf besteht, hält die Facebook-Welt der Zahlen Überraschungen bereit. So zeigt die Statistik, dass das soziale Netzwerk besonders in Südamerika stark an Bedeutung gewinnt. Die monatlichen Besuche sind in Brasilien beispielsweise um sechs Prozent angestiegen – auf 70 Millionen. Doch auch in Indien wird kräftig aufgeholt. Dort stieg die Kennziffer um vier Prozent an – 64 Millionen Besuche hat man dort im März aufgezeichnet. Angesichts der Bevölkerungsgröße ist absehbar, dass die Werte noch nicht das Ende der Fahnenstange darstellen.

Auch Facebook ist vor Disruption nicht gefeit

Muss Facebook sich also keine Sorgen um seine weltweite Nutzerschaft machen? Zeigen die Werte nur einen ganz normalen Besucherschwund? Ist hier noch alles im grünen Bereich? Ganz so locker scheint man es dann doch nicht zu nehmen. Vor einigen Wochen warnte das Unternehmen bereits in seinen Börseninformationen, dass sich ein Trend abzeichnet: Viele Nutzer kehren Facebook den Rücken. Das Zuckerberg-Imperium muss zusehen, dass es mehr auf die Nutzer und weniger auf die Aktionäre eingeht. Ansonsten wird der blaue Riese zum Opfer der Disruption – wie schon Stayfriends, MySpace oder hierzulande StudiVZ. Nur, wer sich permanent neu erfindet und den Nutzern etwas Aufregendes bietet, wird Publikumsliebling bleiben.

Update, 29.04.2013 - 17:14

Die Socialbakers-Zahlen berufen sich auf das Facebook-Anzeigentool, welches eine ungefähre Schätzung abgibt, wie viele Personen man mit einer Anzeige erreichen könnte. Insofern variieren diese von den veröffentlichten Zahlen aus dem Hause Facebook.

Weiterführende Links

(Titelbild: birgerking  / flickr.com, Lizenz: CC-BY )

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3 Antworten
  1. von Almedin Candic am 29.04.2013 (15:39Uhr)

    SocialBakers hat diese Zahlen eindeutig dementiert:

    http://tnw.co/1541A9l

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  2. von Horst am 30.04.2013 (10:10Uhr)

    Letzten Endes geht es bei FB doch auch nur darum, Kohle zu machen, mit den Daten der User und darauf basierender Werbung. Das wissen die User ganz genau. Leider ist das die einzige Einkommensart, die FB vorweisen kann. Es sei denn, FB würde selbst kostenpflichtig werden. Das wäre zumindest ehrlicher den Usern gegenüber und kann auch ein Erfolgsmodell sein, siehe z.B. XING.

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  3. von Andrea am 30.04.2013 (11:43Uhr)

    irgendwann ist auch der hype vorbei von facebook

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