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Valley-Interview mit Social Graph Entwickler Philippe Bouzaglou: „Die Investoren im Silicon Valley sind einzigartig“

Philippe Bouzaglou studierte zusammen mit den Facebook-Gründern in Harvard und entwickelte den „Social Graph“ mit. Bei t3n.de erklärt er, was es mit den „hidden networks“ im auf sich hat, was amerikanische Entwickler von deutschen Entwicklern unterscheidet und warum die Investoren im Silicon Valley so einzigartig sind.

Valley-Interview mit Social Graph Entwickler Philippe Bouzaglou: „Die Investoren im Silicon Valley sind einzigartig“

„Das virtuelle Leben und die reale Welt verschmelzen“

In einer Interview-Reihe befragen wir Menschen, die einen vertieften Einblick in die Silicon Valley Startup-Szene haben, nach ihrer Einschätzung zu aktuellen Trends und den Besonderheiten des kalifornischen Tech-Hotspots. Heute antwortet Philippe Bouzaglou (33), der den „Social Graph“ miteintwickelte, auf den später aufbaute. Anschließend studierte und forschte Bouzaglou einige Jahre lang an der Humboldt-Universität in Berlin. Heute lebt und arbeitet er in San Francisco, wo er aktuell ein Startup im Bereich „real-time search“ entwickelt.

Philippe Bouzaglous' Top-App: NextDraft, ein von Hand zusammengestellter Newsletter mit den zehn Top-Geschichten des Tages.

1. Welche Web- und Startup Trends zeichnen sich aus deiner Sicht gerade ab?

  1. Immer mehr Menschen nutzen ihre Mobilgeräte für fast alle Internet-Aktivitäten. Dieser Trend wird dadurch beschleunigt, dass sich Low-End-Geräte immer stärker ausbreiten und gerade in Entwicklungsländern viele Menschen die Stufe „Computer“ einfach überspringen. Deshalb reicht es für Unternehmen nicht mehr aus, eine Website zu haben. Sie müssen ihren Dienst für mobile Nutzer verfügbar machen.
  2. Das virtuelle Leben und die reale Welt verschmelzen. Wir erleben, dass Menschen in der realen Welt Konsequenzen für ihre Online-Aktionen tragen müssen – von Jobkündigungen bis hin zu Gefängnisstrafen. In den USA wird Facebook mit 20-30 Prozent der Scheidungen in Verbindung gebracht. Auch ist es in den USA mittlerweile möglich, mit PayPal bei bestimmten Handelsketten zu bezahlen.
  3. Die Privatsphäre verschwindet immer mehr und die entsprechenden kulturellen Normen verändern sich, da Menschen die Kontrolle über ihre Informationen verlieren. Anfang 2000 war es noch unnormal, dass Bilder von einem selbst öffentlich im Internet gepostet wurden. Nur zehn Jahre später ist es genau umgekehrt.

2. Was ist aus Deiner Sicht der Grund dafür, dass so viele Startups aus dem Valley zum Global Player werden?

Startup-Gründer im Silicon Valley sind haben Zugang zu wichtigen Informationen, die man nur persönlich austauschen kann. Genauso wie das „hidden web“ (alle hinter Passwörtern verborgenen Informationen) gibt es auch die „hidden networks“ im Silicon Valley bestehend aus Gründern, Entwicklern und VCs. Menschen tauschen hier regelmäßig persönliche Informationen aus, deren Verbreitung über offizielle Kanäle zu umständlich wäre. Außerdem werden hier oft Betatester für neue Funktionen gesucht und dann Menschen angefragt, die man persönlich kennt – ein großer Vorteil für Unternehmen, die hier vor Ort sind.

Auch der leichtere Zugang zu risikofreudigen Investoren ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Die Investoren im Silicon Valley sind wohl ziemlich einzigartig darin, dass sie kein Geschäftsmodell von Startups verlangen, während diese noch im Early-Stage-Modus sind. Sie gehen davon aus, dass es später sicherlich Erlösmöglichkeiten geben wird, wenn Leute das Produkt mögen. Das ist ein großer Vorteil für Unternehmen wie Facebook oder eBay, die eine große Nutzerschaft brauchen, bevor sie erfolgreich sein können.

In Bezug auf den Talente-Pool ist es sicherlich so, dass es in allen Ländern exzellente Entwickler gibt, insbesondere auch in Deutschland. Aber ein großer Unterschied im Silicon Valley ist, dass viele Entwickler hier auch die Gründermentalität haben. Auf diese Weise arbeitet jeder Mitarbeiter eines Startups konstant daran mit, dass das Unternehmen wächst, Umsatz macht und Nutzer gewinnt. Entwickler beziehen diese Aspekte hier in das, was sie bauen, mit ein, anstatt einfach ein technisches Produkt zu bauen, das eine bestimmte Anforderung erfüllt.

3. Welchen Tipp kannst du Gründern und Neuankömmlingen im Valley mit auf den Weg geben?

Hört zu, wenn Menschen euch Ratschläge geben, aber genießt sie mit Vorsicht und zieht eure eigenen Schlüsse daraus. Man kann sicherlich aus jeder Unterhaltung mit Menschen aus der Startup-Szene etwas mitnehmen, aber jeder macht seine ganz eigenen Erfahrungen und Lektionen lassen sich sich eins zu eins übertragen.

Darüber hinaus: Auch wenn man dank Internet wunderbar online miteinander agieren kann, ist es wichtig, manchmal den Computer zu verlassen und andere Menschen aus dem Startup-Ökosystem und im eigenen Bereich persönlich kennenzulernen. Die meisten Geschäfte werden offline gemacht und Vertrauen und Beziehungen mit potentiellen Partnern und Investoren aufzubauen ist unglaublich wertvoll, wenn man später um einen Gefallen oder eine Finanzierung bittet.

4. Welches sind deine drei Lieblings-Apps?

  • Die neue Google Voice Search App (Android und iOS): Ich teste gerne die Grenzen dessen aus, was die Anwendung versteht und welche Antworten sie gibt, und wurde schon oft positiv überrascht.
  • Google Maps App (Android and iOS): Ich mag die vielen kleinen, eingebauten Details. So gibt es zum Beispiel eine Funktion, mit der man beim Busfahren gewarnt wird, wenn man sich der Haltestelle nähert.
  • NextDraft (iOS): Ein täglicher und von Hand zusammengestellter Newsletter von einem Journalisten, der jeden Morgen mehr als 300 Quellen durchschaut und die zehn Top-Geschichten des Tages auswählt mit Links zu den Originalartikeln. Er wird von vielen Journalisten als Tipp für die heißen Storys verwendet und ist auch als Email-Newsletter abonnierbar unter nextdraft.com.

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Eine Antwort
  1. von Ghostwriting am 04.02.2013 (14:23 Uhr)

    Ich dachte die ganze Zeit, dass in dem Interview was zum Social Graph erzählt wird. Schade eigentlich, dennoch ein schönes Interview.

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