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Kolumne

Verdrängungswettbewerb: Videos überrollen soziale Netzwerke

    Verdrängungswettbewerb: Videos überrollen soziale Netzwerke

(Foto: Shutterstock)

Führende Social-Media-Dienste setzen immer stärker auf Bewegtbildinhalte. Das ergibt in vielen Situationen Sinn. Wer nicht explizit Anwendungsfälle bedient, in denen Videos die ungeeignetere Medienform sind, muss sich ihnen öffnen, erläutert Martin Weigert in seiner Kolumne Weigerts World.

Einige Sekunden bei Facebook oder Twitter genügen meist, um in Kontakt mit einem automatisch startenden Video zu kommen. Nicht selten starrt man eine Minute später noch immer auf den Clip, obwohl man eigentlich etwas ganz anderes vor hatte. Mehr als acht Milliarden Mal werden Videos pro Tag auf Facebook angeschaut. Mit Live-Videos soll diese Zahl jetzt noch schneller wachsen. Rivale Snapchat ist zwar hinsichtlich der Anwenderbasis viel kleiner als Facebook, durchbrach jüngst aber ebenfalls die Marke von acht Milliarden täglich ausgelieferten Videos. Das zeigt, dass Bewegbilder für den Dienst aus Los Angeles eine noch größere Rolle spielen.

Neben Facebook, Twitter und Snapchat darf man natürlich YouTube nicht vergessen, wenn es um Bewegtbilder geht. Und auch Instagram will Anwender dazu bringen, mehr Clips hochzuladen. Die jüngst verkündete Erweiterung der Maximallänge von 15 auf 60 Sekunden setzt ein deutliches Zeichen. Selbst ein Contentriese wie Buzzfeed hat die enorme Zugkraft von Videos erkannt und ein eigenständiges Angebot nur für Bewegtbilder lanciert.

(Bild: tanuha2001 / Shutterstock.com)
Instagram, Facebook und Twitter steigen immer mehr ins Bewegtbild ein. (Bild: tanuha2001 / Shutterstock.com)

Was den Video-Boom antreibt

Die generelle Stoßrichtung ist klar: Die führenden Social-Media-Riesen sehen für die nahe Zukunft Video als heiligen Gral. Und zwar aus folgenden Gründen:

  • (Unterhaltsame) Videos sind das ideale Mittel, um die Zeit zu erhöhen, die Nutzer bei einem Dienst verbringen. Jede zusätzliche Minute bringt neue Gelegenheiten, ihnen Werbung zu präsentieren oder anderweitig die Monetarisierung zu forcieren — gerade auch mit Blick auf die weiterhin riesigen TV-Werbebudgets vieler Unternehmen. Aus Sicht der Plattformen ist die Fokussierung auf Video deshalb ein logischer Schritt. Gleichzeitig zwingt der Wettbewerb sie dazu, den Trend nicht zu ignorieren.
  • Nutzer lieben Videos. In vielerlei Hinsicht bietet der Konsum von Bewegtbildern ein anderen Medienformen überlegenes Anwendererlebnis. Man muss nur einmal Snapchat-Stories seiner Freunde vergleichen. Zwischen Video-Stories und denen, die nur aus Fotos bestehen, liegen in Sachen Unterhaltungswert Welten.
  • Sinkende Infrastrukturkosten, bessere Smartphones, schnellere Internetverbindungen und großzügigere Datenpakete räumen viele der Hindernisse aus dem Weg, die bislang gegen Videos sprachen.

„Für viele User sind Videos attraktiver als Fotos.“

Hier kommt eine nicht gerade gewagte Annahme: Für die Mehrzahl der User und in der Mehrzahl der Einsatzfelder stellen Bewegtbilder eine attraktivere Medienform dar als Fotos. Auf die Masse der Nutzer ausgelegte Onlinedienste, bei denen noch immer Fotos im Mittelpunkt stehen, laufen deshalb Gefahr, aufs Abstellgleis zu geraten. Das gilt gerade für Instagram. Laut dem Global Web Index konsumiert gut jede(r) Dritte Videos bei dem Service. Das ist nicht schlecht, aber zeigt auch den Nachholbedarf. Im direkten Vergleich zu Snapchat wirkt Instagram durchaus etwas anachronistisch. Vielleicht ist das auch einer der Gründe dafür, dass Snapchat den Rivalen Instagram bei US-Teens in Sachen Popularität überholt hat. Das Risiko, schlagartig etwas angestaubt zu wirken, existiert beispielsweise auch für den weiterhin sehr bildlastigen Social-Bookmarking-Dienst Pinterest sowie für Messaging-Apps, die es versäumen, ihre Anwendungen für das Teilen und Konsumieren von Bewegtbildinhalten zu optimieren.

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Wann Video ungeeignet ist

Livestreaming gilt als einer der wichtigsten Trends für 2016. (Bild: Shutterstock
Für manche Bereiche eignen sich Bewegtbilder gut – für andere eher mäßig. (Foto: Shutterstock

Freilich eignen sich Bewegtbilder nicht in jedem Kontext und für jeden Anwendungsfall. Hier sind einige Szenarien, in denen Videos eine untergeordnete Rolle spielen.

  • Wenn User selbst entscheiden wollen/sollen, in welchem Tempo sie Informationen aufnehmen (die bessere Alternative: Text).
  • Wenn User nicht in der Lage sind oder keine Lust darauf haben, auf einen Bildschirm zu schauen (die bessere Alternative: Audio).
  • Wenn eine zu übermittelnde visuelle Information so simpel und trivial ist dass die Produktion/Darstellung/der Konsum eines Videos Zeitverschwendung wäre, zum Beispiel im Falle eines kurzen Nachrichtentextes, begleitet von Fotos.
  • Wenn künstlerische oder handwerkliche Aspekte im Zentrum des Kreativwerks stehen (beispielsweise professionelle Fotografie, Kunst generell, Illustrationen als Begleitwerke anderer Medienprodukte)

Daraus resultiert in meinen Augen folgende Schlussfolgerung: Apps und Dienste im Jahr 2016, deren Geschäftsmodelle mit der Verbreitung von Medieninhalten zu tun haben, müssen entweder eines dieser vier Szenarien bedienen oder voll auf Bewegtbilder setzen.

Weitere Kolumnen-Artikel aus „Weigerts World“ findet ihr hier. Hier könnt ihr dem Autor auf Twitter folgen.

 

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Eine Reaktion
Johnny
Johnny

Ich finde gerade den Autoplay-Kram penetrant und schaue mir diese Videos in der Regel erst recht nicht an.

Besonders beliebt ist das mittlerweile leider auch unterwegs im Mobilnetz :(

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