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Kolumne

Vergesst das iPhone X – die Apple Watch mit LTE ist die eigentliche Revolution

    Vergesst das iPhone X – die Apple Watch mit LTE ist die eigentliche Revolution
(Screenshot: t3n)

Die Kombination aus Apple Watch mit LTE sowie den kabellosen „Airpods“-Kopfhörern stellt erstmals eine Alternative zum Smartphone dar. Die Tragweite dieses Moments ist enorm.

Der eindeutige (Medien-)Star der jüngsten Apple-Keynote, was Hardware angeht, war das iPhone X. Doch hinsichtlich des disruptiven Potenzials hätte die Apple Watch Series 3 mit integrierter Mobilfunkverbindung diese Rolle verdient. Es spricht einiges dafür, dass die LTE-Version der Uhr in Kombination mit den drahtlosen Airpod-Kopfhörern das digitale Ökosystem ähnlich durcheinanderschütteln wird, wie es das iPhone nach dem Debüt 2007 tat.

Als die Apple Watch 2015 auf den Markt kam, war ich nicht sonderlich beeindruckt. Doch seitdem haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert:

  1. Die Apple Watch Series 3 bietet erstmals eine eingebaute Mobilfunkverbindung an. Damit steigt das Produkt von einem sekundären zu einem primären Gadget auf. Zumindest in der Theorie lässt sich die Uhr nun komplett ohne iPhone verwenden. Diese Tatsache dürfte Käuferschichten anlocken, die bislang der Charakter der Watch als teures iPhone-„Addon“ abschreckte.
  2. Immer mehr Menschen ärgern sich über ihre eigene Smartphone-Besessenheit, und sie sind sich über die negativen Folgen für ihr Wohlbefinden im Klaren. Doch solange sich das Smartphone ständig in Reichweite befindet, fällt es ihnen schwer, ihre Gewohnheiten zu ändern. Das Verlangen nach dem stetigen Dopamin-Kick ist zu stark. In der Apple Watch mit Mobilfunkmodul könnten einige ihre große Chance sehen, mit einem harten Schnitt gefühlte Autonomie zurückzugewinnen: Wer das Smartphone zumindest ab und an zu Hause lässt, zwingt sich angesichts des Mini-Displays und der für ausgedehnte Interaktionen ungeeigneten Position der Watch am Arm dazu, mit problematischen Smartphone-Verhaltensmustern zu brechen, ohne auf die essenziellen digitalen Alltags-Funktionalitäten verzichten zu müssen.
  3. Als die erste Version der Apple Watch in den Handel kam, gab es Apples kabellose Kopfhörer Airpods noch nicht. Nachdem der Konzern die kleinen weißen Ohrstecker Ende vergangenen Jahres präsentiert hatte, stellte sich die Frage, ob das Tragen ähnliche negative Reaktionen in der Öffentlichkeit auslösen würde wie Google Glass kurz zuvor. Zumindest aus meiner Wahlheimat Stockholm kann ich nun berichten, dass die Zahl meiner Airpod-Sichtungen in freier Wildbahn in den letzten Wochen und Monaten stark gestiegen ist. Mittlerweile fühle ich mich mit meinen kabelgebundenen Ohrsteckern sogar bereits etwas rückständig (leider sitzen die Airpods in ihrer aktuellen Form bei mir nicht gut, sonst hätte ich sie mir längst gekauft). Die Normalisierung der im ersten Moment seltsam anmutenden weißen Stummel im Ohr ihrer Träger ist zumindest hier in vollem Gange. Ein Freund aus Berlin kommentierte meine Beobachtung mit der Anmerkung, dass er als Airpod-Träger zwar noch komische Blicke erhalte, aber „wenigstens nicht mehr der einzige Idiot“ sei. Das Sentiment dürfte ausreichen um zu verhindern, dass die Wireless-Kopfhörer aus Scham doch wieder in der Schublade landen.
  4. Der große Verkaufserfolg von Amazon Echo beweist den Appetit auf Sprachsteuerung, trotz der noch immer mangelnden Intelligenz und Eloquenz der digitalen Assistenten. Mittlerweile bietet Google ein Echo-Konkurrenzprodukt, und auch Apples Smart Speaker fürs Heim kommt demnächst in die Läden. Zwar ist es ein Unterschied, ob Menschen in ihren vier Wänden von Alexa, Siri oder dem Google Assistant missverstanden werden oder in einem voll besetzten U-Bahnwagen mit unzähligen „Zeugen“. Doch nachdem Echo und Co. Millionen mit dem Voice-Interface vertraut gemacht haben, ist eine graduell steigende Bereitschaft zur Ausweitung der Einsatzszenarien in den öffentlichen Raum hinein wahrscheinlich. Siri im Supermarkt, im Bus oder im Fitnessstudio per Airpods nach dem Wetter, dem Fahrplan oder dem Kontostand zu fragen, dürfte sich zu einem akzeptierten Verhalten entwickeln.

Sofern meine Prognose sich bewahrheitet, steht der Digitalbranche ein tiefgreifender Wandel bevor. Eine zumindest partielle Verlagerung der mobilen Aktivitäten vom Smartphone zur Smartwatch samt Voice-Interface wird sämtliche heute im mobilen Segment erfolgreichen Akteure dazu zwingen, ihre eigenen Anwendungen anzupassen. Wie immer bei derartigen Transformationen wird es Gewinner und Verlierer geben.

Weitere Kolumnen der Serie Weigerts World findet ihr hier. Ihr könnt die vom Autor täglich kuratierten News zur Netzwirtschaft abonnieren oder seinen wöchentlichen E-Mail-Newsletter mit englischsprachigen Leseempfehlungen beziehen.

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6 Reaktionen
Eric
Eric

Und so lange es WhatsApp nicht für die Apple Watch gibt, muss ich erst mal allen Leuten sagen, dass ich nur per SMS und Messenger erreichbar bin, wenn ich die Uhr mal zu Hause lasse. Hm.

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Eric
Eric

wenn ich das iPhone mal zu Hause lasse natürlich.

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Martin Weigert
Martin Weigert

@ Ich
Soweit ich weiß mit jedem aktuellen Bluetooth-Gerät. Der Vorteil der AirPods ist die "Integration" von Siri durchs "Tappen" auf einen Airpod.

@ Hubert Mayer und @ daddel
Ja es gibt noch eine Reihe von Hindernissen, bevor man mit der Apple Watch den Großteil der typischen Smartphone Use Cases abdecken kann. Die Series 3 mit LTE ist sicherlich nur der Beginn einer längeren Entwicklung. Aber es ist ein Beginn.

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daddel
daddel

Aber mit einer Smartwatch telefonieren (ob nun via Bluetooth-Headset oder direkt) oder Musik hören ist doch nicht erst jetzt *erstmalig* möglich?!

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Hubert Mayer
Hubert Mayer

Eigentlich ja echt spannend - aber eines der schönsten Anwendungsszenarien wäre beim Gang zum Strand das iPhone in der Unterkunft zu lassen. OTja. LTE im Ausland gesperrt, Anwendungssfall damit leider auch schon wieder erledigt...

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Ich
Ich

Funktioniert die Uhr nur mit den Airpods oder auch mit anderen Bluetooth-Geräten?

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