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Startups

Dr. Google in seriös: Wie Verily versucht, eine Suchmaschine für medizinische Antworten zu bauen

    Dr. Google in seriös: Wie Verily versucht, eine Suchmaschine für medizinische Antworten zu bauen
(Bild: Shutterstock-vedOliver

Verily setzt ständig neue Maßstäbe im Health-Tech-Bereich. Jetzt versucht das Unternehmen eine seriöse Suchmaschine zu entwickeln, die Antworten auf medizinische Fragen liefert. Kein leichtes Unterfangen.

Es ist einfach, im Internet nach den besten Restaurants in der Nähe zu suchen. Oder ein günstiges Hotel zu finden. Verschiedene Suchmaschinen lassen sich dafür hervorragend nutzen. Etwas schwieriger ist es jedoch, aktuelle und seriöse Informationen aus der Medizin zu erhalten. Viele wissenschaftliche Arbeiten sind nämlich nicht frei im Internet zugänglich, sondern liegen gut behütet auf verschlüsselten Servern in Forschungseinrichtungen.

Verily will das weltweite Wissen der Medizin vernetzen und auffindbar machen

Andy Conrad ist CEO von Verily. Für ihn ist „Medizin mehr eine Kunst anstatt eine Wissenschaft“. (Screenshot: YouTube-WSJ)
Andy Conrad ist CEO von Verily. Für ihn ist „Medizin mehr eine Kunst anstatt eine Wissenschaft“. (Screenshot: YouTube-WSJ)

Ändern will das Andy Conrad, CEO von Verily. Das Unternehmen, das zuvor unter dem Namen „Google Life Sciences“ geführt wurde, arbeitet aktuell daran eine Koalition aus Krankenhäusern, Universitäten, Patentämtern und mehr zu formen, die untereinander ihr Wissen austauschen. Conrad will das weltweite Know-how der Medizin an einer Stelle auffindbar machen – er selbst nennt sein Projekt, ein „Google for Human Systems Biology“.

„Die meisten wissenschaftlichen Informationen sind nicht öffentlich verfügbar.“

Vergangene Woche sprach der angesehene Biologe mit Doktortitel der University of California auf der „Future-of-Genomic-Medicine“-Konferenzin in San Diego. „Leider sind die meisten wissenschaftlichen Informationen nicht öffentlich verfügbar“, teilt er den Anwesenden mit. „Die Daten liegen hinter schwer indexierbaren Domains.“

Er macht mit seinem Auftritt nicht nur auf das große Problem aufmerksam, er adressiert vor allem auch die Menschen, die er einladen will, sich einer Lösungsfindung anzuschließen: Forscher, Mediziner und Leiter verschiedenster Einrichtungen.

Was die Details seines Projektes angeht, bleibt Conrad auf der Bühne jedoch vage. Zu hart umkämpft ist der Health-Tech-Markt. Was er verrät ist, dass Verily an einer medizinischen Bibliothek arbeitet, die auf Technologien des maschinellen Lernens aufbaut. Algorithmen sollen dafür sorgen, dass Forschungsergebnisse nicht nur auffindbar, sondern auch miteinander verbunden sind. Und viel wichtiger: dass Muster aus den Daten gelesen und bislang unbekannte Informationen beurteilt werden.

Verily entstand aus Google X, der Forschungsabteilung von Alphabet

Dass sein Projekt großes Potential hat, wird auch dadurch deutlich, dass er in den nächsten Monaten 1.000 neue Mitarbeiter an seinen Campus in South San Francisco holen will. Verily arbeitet jedoch nicht nur an besagter Suchmaschine, sondern hat in der Vergangenheit auch mit einer Kontaktlinse für Diabetiker auf sich aufmerksam gemacht, die den Zuckerspiegel in der Tränenflüssigkeit misst.

Laut der Website arbeitet Verily vor allem auf drei Feldern: Medizinsoftware, -hardware und klinische Forschung, die gemeinsam mit Partnern durchgeführt wird. Entstanden ist das Projekt vor Jahren aus Google X, der übergeordneten Forschungsabteilung von Alphabet. Inzwischen agiert das Medizinforschungsunternehmen jedoch unabhängig und ist zudem nicht mit Calico zu verwechseln, einer Alphabet-Tochter, die unter Führung von Arthur Levinson an lebensverlängernder Technik forscht.

„Medizin ist mehr eine Kunst anstatt eine Wissenschaft.“

Die Idee der Indexierung weltweiter medizinischer Informationen ist indes keinesfalls neu – schon IBM Watson und viele andere Unternehmen entwickeln ähnliche Technologien, die auf künstliche Intelligenz zurückgreifen. Anders als anderen Protagonisten auf dem Markt, denkt Conrad allerdings nicht nur technisch: „Medizin ist mehr eine Kunst als eine Wissenschaft“, erzählt er gerne. Insofern legt der Visionär auch großen Wert auf die individuellen menschlichen Komponenten in seiner Arbeit.

Verily arbeitet nicht nur mit messbaren Größen und Zahlenwerten sondern auch mit Ärzten, Müttern und sogar Anwälten vermeintlich Erkrankter zusammen. Beispielhaft erzählt Conrad gerne von einem Arzt, der in seinen Protokollen diverse Kürzel wie „TLS“ nutzt – was soviel heißt wie „They look sick“. Der Code dürfte in der Welt des Arztes etwas bedeuten, jedoch für viele Außenstehende kaum aufschlussreich sein. „Das lässt sich nur schwer in einem Algorithmus abbilden“, sagt der Verily-CEO. „Wir werden es trotzdem versuchen!“

Wer mehr über die Health-Tech-Ambitionen von Alphabet erfahren möchte, dem empfehlen wir einen Blick in den Artikel: „Von Diabetes bis Unsterblichkeit: Wie Alphabet mit Google X, Verily und Calico die Forschung aufmischt“

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