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Verkappter Dislike-Button: Facebook testet Sternchenbewertung

testet oft neue Funktionen und ändert immer wieder mal testweise kleine Dinge, die nicht immer Bestand haben. Sollte der aktuelle Test mit Sternchenbewertungen für Inhalte im Newsfeed aber für alle dauerhaft eingeführt werden, wird sich die Nutzung von Facebook insgesamt komplett verändern.

Verkappter Dislike-Button: Facebook testet Sternchenbewertung

Sternchenbewertung bei Facebook – ein verkappter Dislike-Button

Der Wunsch nach einem Dislike-Button ist fast genauso alt wie Facebook selbst, doch wie Facebook immer wieder klarstellte, wird es einen solchen Button niemals geben. Facebook ist eine Like-Welt, in der Misstöne möglichst ausgeblendet werden sollen. Aus diesem Grund ist kürzlich mit Hater ein Gegenentwurf zur rosaroten Facebook-Welt gestartet. Doch auch wenn Facebook sich gegen einen Dislike-Button sträubt, ist das Fehlen von Grautönen in der bunten Facebook-Welt durchaus ein Problem, denn die Qualität der Inhalte soll eigentlich ein wichtiger Faktor für den EdgeRank sein. Ein aktueller Test mit Sternchenbewertungen für Inhalte im Newsfeed könnte nun die Lösung des Problems sein, wobei man sie auch als verkappten Dislike-Button ansehen könnte.

Die Sternchenbewertung, die Facebook gerade testet, könnte so etwas wie ein Dislike-Button werden. (Foto: zeevveez / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Sternchenbewertungen an sich sind nichts Neues, sondern ein gängiges Bewertungssystem für Produkte, beispielsweise bei Amazon oder eBay oder auch für Inhalte auf Webseiten – wie hier bei uns unter den Artikeln. Im Facebook-Test geht es allerdings um persönliches Feedback zu bestimmten, von Facebook ausgewählten Inhalten: „How interesting is this story to you?“ Was als offenes Feature nicht erwünscht ist, kommt demnach möglicherweise durch die Hintertür. Denn die Abstufung von einem bis zu fünf Sternchen bedeutet letztlich: Je weniger Sternchen vergeben werden, desto schlechter ist der bewertete Inhalt für den Nutzer.

So sieht der Test der Sternchenbewertung im Newsfeed von Facebook aus. (Screenshot: allfacebook.de)

Die Sternchenbewertung sieht nur Facebook

Wer bei Facebook gute Inhalte verteilt, dürfte sich über dieses Feature durchaus freuen, denn die Annahme, dass viele Sternchen zu einem besseren Ranking und somit zu einer höheren Reichweite führen, ist nicht nur logisch, sondern dürfte auch die Motivation hinter dem Test sein. Doch der wirft auch viele Fragen auf. So scheinen die Bewertungen der Nutzer privat zu sein, so dass andere Nutzer sie nicht sehen können, egal wie die Privatsphäre eingestellt ist. Das wäre dann der erste größere Unterschied zur gewohnten Funktionalität solcher Bewertungssysteme.

Das Feedback der Nutzer soll nicht öffentlich sichtbar sein, weder für andere Nutzer, noch für die Contentlieferanten. (Screenshot: allfacebook.de)

Für die Contentlieferanten ist eine Sternchenbewertung auch eine gute Möglichkeit, noch näher an die eigenen Leser zu rücken. Statt für das Feedback lediglich quantitative Werte wie Likes, Kommentare und Shares an die Hand zu bekommen, wären daher qualitative Abstufungen bei den Bewertungen sinnvoll und nützlich. Doch auch hier scheint sich Facebook anders entschieden zu haben. Zumindest in dem aktuellen Test können Seitenbetreiber die für ihre Inhalte abgegebenen Bewertungen nicht selbst einsehen. Es scheint sich also ausschließlich um ein Feature zu handeln, mit dem Facebook den Newsfeed-Algorithmus, der gemeinhin als EdgeRank bezeichnet wird, zu verbessern.

Fazit: halbherziger Test mit viel Potenzial

Ob die Sternchenbewertung überhaupt die Testphase übersteht, ist erstmal fraglich. Wenn es aber tatsächlich ein neues Feature zur Bewertung von Inhalten geben sollte, dann wäre es sehr wünschenswert, wenn sich Facebook an die allgemein üblichen Formen halten würde. Eine offene Feedbackfunktion wäre für alle Beteiligten die beste Lösung und in der Lage, die Qualität der Inhalte bei Facebook langfristig zu verbessern. Reine Interaktionsposts ohne Inhalt wie zum Beispiel „Like, wenn du auch endlich Frühling haben willst“, bekämen damit eine qualitative Alternative. Allerdings ließe sich eine Feedback-Statistik für Fanseiten auch sehr gut monetarisieren …

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Eine Antwort
  1. von Dirk am 27.03.2013 (13:19Uhr)

    Dass sie kein Dislike-Gunktion implementieren wollen, ist im ersten Augenblick überraschend, aber letztendlich eine richtige Entscheidung.

    Durch ein Dislike wird auch Mobbing oder Shitstorms begünstigt. Und da viele Jugendliche in Facebook sind, wäre in diesem Bereich Mobbing sehr wahrscheinlich, was bis zu Selbstmord führen kann.

    Genau das will natürlich kein Unternehmen begünstigen und nimmt dann in Kauf, dass die Nutzer keine sinnvollen Bewertungen abgeben können und andere davon profitieren können besser einschätzen zu können, was sein Umkreis oder seine Zielgruppe für gut oder schlecht befindet.

    => So wenig ich Facebook zwar mag, muss man sie aber leider dennoch dafür loben, dass sie eine Dislike-Funktion nicht einbauen wollen.

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