Versteckte Kosten: Ist Android in Wirklichkeit teurer als Windows Phone 7?

Für die Hardware-Hersteller könnte die Verwendung des offenen mobilen Betriebssystems Android teurer sein, als die Nutzung des kommenden Windows Phone 7 von Microsoft. In einem Artikel im Business Insider werden dafür einige interessante Argumente aufgeführt. Beispielsweise sei die Open-Source-Lizenz anfällig für Rechtsstreitigkeiten. Zudem sei der Entwicklungsaufwand durch die Architektur von Android höher.

Keine Frage, die kostenlose Nutzung von Googles mobilen Betriebssystem ist für viele Hersteller in der Vergangenheit ein wichtiger Faktor bei der Auswahl der Plattform gewesen. Gleiches gilt für die vielfältigen Anpassungsmöglichkeiten des Open Source Systems und natürlich auch für die Entwicklungsstärke von Google als federführendes Unternehmen der Open Handset Alliance. Doch das könnte sich mit dem Erscheinen von Microsofts 7 durchaus ändern.

Nach Informationen von Business Insider will für sein neues Smartphone-OS 15 US-Dollar pro Lizenz von den Handyherstellern verlangen. Für die Hersteller würden sich bei einem Wechsel von Android auf Windows Phone 7 auf dem ersten Blick Mehrkosten von eben diesen 15 US-Dollar ergeben, doch ist Android wirklich komplett kostenlos? Ein Microsoft-Vertrauter sagt nein und begründet dies wie folgt:

WP7 Office1
Microsoft wirbt mit der Office-Integration.

  1. Die OEMs der Hersteller verwenden nicht die originale Version von Android. Die Anpassungen verursachen Kosten bei der Entwicklung.
  2. Es gibt bei Android keinen echten Schutz gegen Lizenzstreitigkeiten mit anderen Unternehmen, gegen deren Patente Teile von Android möglicherweise verstoßen könnten. Microsoft dagegen ist als Lizenzgeber der direkte Adressat für alle rechtlichen Auseinandersetzungen.
  3. Die freie Android-Plattform ohne Reglementierungen der Hardware sorgt für einen fragmentierten Markt, bei dem selbst für kleine Komponenten eigene Hardware-Treiber entwickelt werden müssten.
  4. Im Gegensatz zu Android können die Entwickler ihre Erweiterungen für Windows Phone 7 unabhängig vom OS programmieren, so dass neue OS-Versionen nicht automatisch auch Anpassungen der Plugins bedeuten müssen.
  5. Android OEM-Versionen müssen für viele Must-Have-Features wie Apps zum Bearbeiten von Office-Dokumenten oder proprietäre Audio- und Videocodecs Lizenzgebühren abführen, die bei Windows Phone 7 bereits enthalten sind.
  6. Für das Testen neuer Geräte steht bei Windows Phone 7 eine automatische Testroutine zur Verfügung, die es für Android in dieser Form nicht gibt.
  7. In das neue mobile OS von Microsoft sind vielfältige Erfahrungen aus verschiedenen Hard- und Software-Plattformen eingeflossen – Erfahrungswerte, die sich Android erst noch erarbeiten muss.

Sehr objektiv sind diese Argumente sicher nicht. Ob es beispielsweise wirklich notwendig ist, auf einem Smartphone MS-Office-Dokumente bearbeiten zu können, könnte durchaus in Frage gestellt werden. Und auch die angepriesenen Erfahrungen von Microsoft sind vielleicht weniger wert, als es Microsoft selbst gerne sehen würde. Denn wie sonst könnte man gescheiterte Produkte wie das Kin-Smartphone erklären?

Weiterführende Links zu aktuellen News auf t3n.de:

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7 Answers

  1. von Martin 31.08.2010 (13:43Uhr) 1.

    Wie man am aktuellen Streit zwischen Oracle und google sieht, könnte an einigen Ideen im Artikel durchaus was dran sein. Aber ist deswegen Windows 7 mobile eine Alternative? Oder doch eher wieder das iPhone OS?

    Martin

  2. von Thomas Quensen 31.08.2010 (14:01Uhr) 2.

    Selbst wenn Android am Ende teurer ist als die Konkurrenz hat es immernoch den großen Vorteil, dass die Hardware-Hersteller das Systen nach Belieben anpassen können (Aber keinesfalls müssen). Das ist für viele Hardwarehersteller ein entscheidener Grund auf Android zu setzen. Bei Windows Phone 7 gibt es eine Menge Restriktionen bzw. Vorgaben seitens Microsoft (Anders als bei den alten Windows Mobile Versionen).

  3. von mbirth 31.08.2010 (14:35Uhr) 3.

    Ab "Ein Microsoft-Vertrauter sagt nein und begründet dies wie folgt..." konnte ich den Artikel nicht mehr ernst nehmen.

    Android-Fragmentierung ist mittlerweile unter Kontrolle - mein letzter Stand von vor einigen Wochen war, dass bereits über 60% der Geräte mit Android 2.x bestückt sind.

    Ab Android 3.x will Google das eh so modular gestalten, dass die Hersteller in jedem Fall das unveränderte Basis-Android nehmen können und nur noch ihre Änderungen dazupacken. Dadurch funktionieren System-Upgrades unabhängig von den Modifikationen der Hersteller.

    Ab Punkt 4 sind dem Microsoft-Fritzen dann die handfesten Argumente ausgegangen und er hat WP7-Features in den Himmel gelobt, ohne auch nur die durchaus vorhandenen Gegenargumente anzusprechen. Lachhaft!

  4. von milkstyle 31.08.2010 (15:38Uhr) 4.

    Erinnert mich an diese lustigen Aussagen von Microsoft-Managern gegen Linux. Ist zwar ein paar Jahre her, aber auch damals verfolgte man diese Strategie. Da geht man halt wieder auf Bauernfängerei... Ich meinen Augen nicht ernst zu nehmen.

  5. von Falko 03.09.2010 (10:57Uhr) 5.

    Ich verstehe zwar dass diese Punkte nicht von euch stammen, warum erläutert ihr die Kritik aber nicht!? Ich versuche 6 von 7 Punkten zu entkräften:

    Punkt1: Unsinn - Android macht auch ohne Anpassungen Sinn, Wer WinMobile7 customizen will (wenn das überhaupt geht) muss auch investieren
    Punkt3: Unsinn - Für win7 muss man keine Treiber schreiben?!?
    Punkt4: Unsinn - jeder der sich mit Android Programmierung beschäftigt weiß das dieser Punkt kompletter Unfug ist. Es gibt klare gute Dokumentation bei Android, man kann alles customizen ohne das Betriebssystem anzufassen.
    Punk5: Wer definiert "Must-have-features"? Ich kann mit GoogleDocs kostenlos und sehr innovativ Dokumente bearbeiten, Adobe Reader gibt es für Android, und wenn man Android vorwirft, dass es nicht die properitären Formate von Windows unterstützt, dann weiß auch nicht was ich sagen soll...
    6. Kompletter Unsinn - http://source.android.com/porting/index.html angucken!
    7. Android ist schon jetzt ein OS für Smartphones, Mp3 Player, Tablets, Fernseher, Laptops... Das einzig innovative an WindowsPhone7 ist warscheinlich dass sie nicht auf WindowsMobile 6.5 aufbauen!

  6. von steffen 04.10.2010 (11:39Uhr) 6.

    android dieser asoziale datenfresser.... unerhört das ich ohne bewilligung mein telefonbuch bei google einsehen kann... schweinerei

  7. von Kevin Albrecht 22.12.2010 (22:18Uhr) 7.

    Spannende Kommentare - aber irgendwie hat man bei jedem Kommentar das Gefühl, dass der Verfasser grundsätzlich schon eine bestimmte Meinung vertritt und gar keine Lust hat, seine Meinung zu ändern.

    Die Argumente klingen zum Teil durchaus schlüssig - klar kosten die Anpassungen (wie z.B. bei Sony Ericcson) Geld - das fällt bei WP7 weg, weil das OS unverändert übernommen wird. Und auch das mit den Hardware-Treibern klingt nachvolziehbar, schließlich sind die Vorgaben bei WP7 so streng, dass es hardwaretechnisch nur wenig Spielraum gibt. Bei Android ist das anders, die Hardwaremöglichkeiten sind riesig, also müssen unter Umständen auch eigene Treiber geschrieben werden. Die Argumente 4,5,6 und 7 sind dagegen eher schwammig, seh's aber nicht als so immens wichtig an.

    Um auch mich noch etwas zu outen: ich bin seit kurzer Zeit WP7-Nutzer, und ich muss zugeben, dass ich's toll finde. Reduziert, stylisch - einfach echt schick. WP7 kann es sicherlich mit den Platzhirschen aufnehmen - spätestens wenn schon im Januar die Funktionen nachgerüstet werden, die z.B. das iPhone auch erst seit kurzem beherrscht.

    Im Großen und Ganzen könnt an der Sache schon was dran sein.

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