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Verunsicherung bei den Nutzern: Wie zukunftssicher ist OpenOffice.org?

.org gilt als eines der Vorzeigeprojekte der Open-Source-Szene. Nun scheint plötzlich seine Zukunft in Frage gestellt. .org-Entwickler Michael Meeks sieht es als "zutiefst krankes Projekt". Der deutsche OpenOffice.org-Marketingchef Florian Effenberger hält dagegen: "Von einem sterbenden Pferd keine Spur".

Ende Dezember sorgte der Novell-Mitarbeiter und OpenOffice.org-Programmierer Michael Meeks mit einem Blogbeitrag für Schlagzeilen. "Stirbt OpenOffice?" oder "OpenOffice.org gehen die Entwickler aus" war im Anschluss beispielsweise zu lesen. Die Gründe für diese pessimistischen Zukunftsaussichten sind zwei Kernaussagen von Meeks: "OpenOffice.org ist ein zutiefst krankes Projekt und hat nur noch 24 aktive ".

Einer der 24 aktiven Entwickler ist Meeks selbst. Er arbeitet für Novell in Vollzeit an der Weiterentwicklung von OpenOffice.org und hat daher auch Zugriff auf sämtliche Statistiken des Open-Source-Projektes. In diesen Daten will Meeks denn auch erkannt haben, dass das Projekt OpenOffice.org krank ist. Es fehlt an aktiven Entwicklern, deren Zahl zur Zeit auf einem Tiefpunkt angelangt sei. Noch 2004 betrug die Zahl der Entwickler immerhin 65. Auch fehle es an freien Entwicklern aus der Open-Source-Community.

Etwas überraschend kommt diese Kritik schon, bedenkt man, wie gut die Version 3.0 von OpenOffice.org mit ihren Verbesserungen und Erweiterungen angekommen ist. Wenig Verständnis für die Sichtweise von Michael Meeks zeigt folglich auch Florian Effenberger als Vorstandsmitglied von OpenOffice.org Deutschland und Mitverantwortlicher für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. In der Online-Ausgabe des Linux-Magazins betont er in einer ausführlichen Stellungnahme: "OpenOffice.org liegt nicht im Sterben".

Er begründet dies im Anschluss auch mit Fakten. Beispielsweise seien einige der neuen Funktionen, wie die Notizfunktion in Notes2 oder Verbesserungen der finanzmathematischen und statistischen Funktionen von Calc, beinahe ausschließlich von Seiten der freien Entwickler gekommen. Auch an der Portierung auf Mac OS X waren Freiwillige beteiligt.

Nach Ansicht von Effenberger gehört zu einem vitalen Projekt auch das Drumherum wie: "Dokumentation, Übersetzung, Marketing und dergleichen mehr". Zudem sei man immer bestrebt, neue Entwickler in die Community einzubinden: "Auch für Entwickler, die nicht so tief in das Programm einsteigen können, bieten wir durch den Extensions-Mechanismus vielfältige Möglichkeiten, zum Code beizutragen. Mit Erfolg, allein im Dezember gab es an die 50 neue Extensions, die die Funktionalität von OpenOffice.org erweitern und verbessern. Die meisten von ihnen von freien Entwicklern."

Fazit

Und kann man nun weiter auf OpenOffice.org vertrauen? Ich meine: Auf jeden Fall. Die Office-Suite ist in der jetzigen Version ein beeindruckendes Beispiel dafür, was eine aktive Open-Source-Community leisten kann. Vielleicht hat Michael Meeks Recht, wenn er die zu komplexen Strukturen hinter den Kulissen bemängelt, ihm manches offenbar zu langsam geht und er u.a. fordert, dass sich Sun weniger einmischen sollte. Das ändert aber nichts daran, dass OpenOffice.org ein umfangreiches Softwarepaket ist, das z.B. durch die Extension-Struktur zukunftssicher und flexibel ist. Die OpenOffice.org-Community hat hier Außerordentliches geleistet. Es ist gut, wenn Strukturen und Abläufe in Frage gestellt werden. Das ganze Projekt totzusagen, ist allerdings deutlich übers Ziel hinausgeschossen.

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