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Auf dem visuellen Auge blind: Wieso der Facebook-Instagram-Deal unterschätzt wird

Auf dem visuellen Auge blind: Wieso der Facebook-Instagram-Deal unterschätzt wird

Die Übernahme von durch stieß in der Medienlandschaft auf ein gemischtes , insbesondere der vermeintlich exorbitante Verkaufspreis von einer Milliarde US-Dollar für einen Fotosharing-Dienst mit 13 Mitarbeitern verwunderte. PR-Experte Björn Eichstädt verrät in seinem Gastbeitrag, warum mit der Akquisition alles richtig macht.

Auf dem visuellen Auge blind: Wieso der Facebook-Instagram-Deal unterschätzt wird

Ende 2011 habe ich einen Ausblick auf das Jahr 2012 geschrieben. Die Headline: “Das Bild vom großen Ganzen”. Meine wichtigste Voraussage für dieses Jahr darin war: der Siegeszug des Bildes im Social Web – und damit immanent auch die Herabwürdigung des Textes als globales Austauschmittel in einer auf Emotion (“like”) und Empathie (“share”) ausgerichteten Netzwerkwelt. Im Zentrum der Überlegungen: Instagram.

Interessanterweise waren die Reaktionen eher verhalten. “Interessant” fand das der ein oder andere. Aber: “Das ist doch “nur” ein Fotosharing-Service”. Google+ sei doch viel wichtiger. Und so gingen viele zur Tagesordnung über. Spannend, dass kurz darauf von den selben Protagonisten (in meiner Community und meinen Timelines sind naturgegeben viele PRler und Journalisten) ein großer Hype um Pinterest inszeniert wurde. Den ich zwar kurz mitmachte, mir aber dann doch recht sicher war, dass Instagram auf Dauer die Bedeutungsnase vorn haben würde (wie etwa zuletzt hier in meinem Tweet vom 4. April 2012).

Gestern nun die (scheinbar) große Überraschung: Facebook kauft Instagram. Für EINE Milliarde! Und die Reaktionen in der text-basierten Kommunikationsbranche sind wieder gleich: “NUR ein Photosharing-Service.” “Eine Bubble.” “Total überbewertet.” Dabei hatte Instagram mit dem lange erwarteten Launch seiner Android-App vor wenigen Tagen gerade erst gezeigt, dass es zu so ziemlich allem in der Lage ist. Sowohl im mobilen Bereich als auch im Fotoumfeld. Vor allem aber: als Social Network; eine Tatsache, die an vielen vorbeigegangen ist, die bislang Instagram nur von außen kennen: als Fotozuspieler ihrer Freunde auf Facebook und der Menschen, denen sie folgen, auf Twitter. Aber eben nicht die große Macht der globalen Community innerhalb Instagrams. Auch diese hatte schnell eine Meinung zum Facebook-Deal – beziehungsweise viele Meinungen, wie man auf den kreativen Bildern mit dem Hashtag #Facebook schnell erkennen konnte.

Instagram – mehr als Fotoverzierung

Und gerade diese Reaktion zeigt vor allem eines: Instagram IST ein Social Network. Ein mächtiges Social Network. Eines, das – im Gegensatz zur derzeit übertrieben hochgejazzten Pinterest-Community – ausschließlich aus Produzenten besteht. Und damit aus “Machern” des Netzes. Während Pinterest als Kuratoren-Netzwerk vor allem auf der Konsumentenseite des Netzes angesiedelt ist. Eine Tatsache, die PRlern und Journalisten eigentlich nicht hat verborgen bleiben dürfen. Außer….

Texter sind oft visuell wenig ausgebildet: Ein Faktum, das die bisherige Ignoranz von Journalisten und PRlern gegenüber Instagram erklären könnte. Die Tatsache, dass eine neue Form der globalen, mobilen Kommunikation das Thema Text in weiten Teilen umgeht (oder extrem reduziert – siehe die Text/Bild-Kompositionen im oben stehenden Instagram-Foto), damit Sprachgrenzen aufbricht und sich somit auch jenseits der Eigenerfahrung (und Priorität) des textorientierten Menschen bewegt, scheint vor allem zur Negierung zu führen: “Ist alles nicht so wichtig.”

Nur wenige Unternehmen haben sich bislang auf Instagram als Plattform eingelassen. Diejenigen, die es getan haben – etwa Burberry als weiterhin schillerndstes Corporate-Account-Beispiel – waren auch in der Vergangenheit visuell orientiert und wurden von den Usern der lebendigen Plattform reich mit Likes und Followings belohnt. Andere halten sich erstaunlich zurück. Und wenn, dann gehen sie auf Pinterest – ein Ansatz der zeigt, dass nicht die Produktion eigenen Bild-Contents im Erfahrungsschatz der handelnden liegt, sondern das Nutzen von Bildern, die Unternehmensfremde (also Fotografen) der Unternehmenskommunikation beisteuern. Auch auf dieser Ebene blieb das Potenzial von Instagram bislang eine Black Box.

Facebook hat die Vitalität der Instagram-Community erkannt. Hat gesehen, dass die Hinzunahme einer weiteren Plattform wie Android einen erneut großen Push in Richtung Instagram gebracht hat (und wohl nicht umsonst bis kurz nach Launch der Android App mit der Kaufankündigung gewartet). Facebook weiß, dass Fotos auch schon bisher die größten Interaktionspotenziale auf der eigenen Plattform gebracht haben. Und Facebook plant die Expansion in Märkte, die sich der lateinischen Schrift entziehen; nicht aber der Kraft des Bildes.

Das Web wird visueller. Das sollten sich auch bislang textorientiert arbeitende Medienschaffende eingestehen und das Bild in den eigenen Schaffenskanon integrieren – schnell. Sonst geht die nächste Stufe des Social Webs an PR und klassischem Textjournalismus vorbei. Und das wäre wirklich schade.

PS: Den Kommentar, dass es sich hierbei auch um einen Text handelt, werde ich nicht überraschend finden. Es wäre ein typischer Texterkommentar.

Der Autor

Björn Eichstädt ist Managing-Partner der Storymaker Agentur für Public Relations GmbH. Der 36-jährige Neurobiologe ist seit 2005 im Web 2.0 aktiv. Seither berät er Unternehmen in der strategischen Entwicklung ihrer Online- und Social-Media-Kommunikation. Storymaker mit Sitz in Tübingen berät technologieorientierte IT- und Fertigungsunternehmen in der PR- und Online-Kommunikation und hat eine Schwesterfirma in Peking.

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9 Antworten
  1. von SimZie am 10.04.2012 (11:57 Uhr)

    Habe ich was verpasst? Instagram hat Facebook für 1Mrd. $ übernommen ^^ Bei einem aktuell gehandelten Börsenwert von 100 Mrd $ hat Instagram ein wahres Schnäppchen damit gemacht :)

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  2. von gtdhgr am 10.04.2012 (12:00 Uhr)

    "Die Übernahme von Facebook durch Instagram"

    Wow wo hat Instagram denn so viel Geld her ;)

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  3. von stuenie am 10.04.2012 (12:05 Uhr)

    Hm, die Einleitung ist aber leicht bis mittelschwer misslungen :-D

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  4. von Der Dings am 10.04.2012 (12:09 Uhr)

    "Ein mächtiges Social Network. Eines, das – im Gegensatz zur derzeit übertrieben hochgejazzten Pinterest-Community – ausschließlich aus Produzenten besteht. Und damit aus “Machern” des Netzes."

    Auf einen Knopf drücken und dann einen Filter drüberjagen ist nicht "etwas machen", schon gar nicht Fotografie. Es ist Bullshit.

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  5. von Frank am 10.04.2012 (13:58 Uhr)

    Wen...
    ...interessiert's?

    Hab mich bei Twitter schon gewundert, was das für ein Dienst ist, der Fotos von Twitteristi so verhunzt. Soll Facebook das ruhig übernehmen, vielleicht ist es dann ja weg.
    Fotos vom Nachbarn haben oft den Charme einer Urlaubsfoto-DIA-Show vergangener Jahre.

    Facebook geht es um eine gewisse Vormachtstellung im Netz und Erweiterung ihres Portfolios.
    Instagram fehlte da scheinbar und etwas in der Art wie Pinterest biete Facebook von Hause aus, fehlt denen also absolut nicht.
    Aus der Übernahme zu schließen, dass Instagram wichtiger und damit unterschätzt sei, halte ich für eine um 180° verkehrte These. Ist aber auch gut so, sonst wird Pinterest auch aufgekauft.

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  6. von huettenzauber am 10.04.2012 (15:23 Uhr)

    man kann sich alles schön reden, sogar den grössten betriebswirtschaftlichen schwachsinn ever

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  7. von Dr. Ben am 10.04.2012 (16:01 Uhr)

    Beruhigt Euch, wenn FB an die Börse geht, ist der Zenith erreicht und es geht steil bergab.
    So zumindest die Erfahrung, die man von den ganzen Dotcom-Wunderkindern (also Web 1.0, die Älteren werden sich erinnern) lernen kann.
    Groupon hat ja schon mal einen vorgelegt ;-)

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  8. von Oliver am 10.04.2012 (17:18 Uhr)

    Hierzu empfehle ich folgende Lektüre:
    http://www.iconicturn.de/

    „In Medias Res – Zehn Thesen zum Iconic Turn“. Hier spannt er den Bogen von der Erfindung des Kupferstichs bis hin zur Digitalisierung und den damit verbundenen fundamentalen Umwälzungen in der Gesellschaft und ihrer Kommunikation. „Die heutigen Wunderkammern sind nicht mehr die von Dresden, sondern das sind Google und Facebook“, so Dr. Burda.

    April 2011

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  9. von georg kuklick am 12.04.2012 (09:57 Uhr)

    Das ganze Selbstlob kratzt an der Grenze des Wiederlichen!

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