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Reportage

Der Diesel-Krimi: Wie US-Forscher Volkswagen auf die Schliche kamen

Diesel-Motor von Volkswagen. (Foto: Simone Mescolini)

Dass der VW-Skandal um manipulierte Schadstoffwerte aufflog, ist maßgeblich einer kleinen Gruppe engagierter Forscher zu verdanken. Wie die VW-Betrugssoftware entdeckt wurde.

Es ist nur ein kleiner Auftrag, nichts Besonderes. Daniel Carder hat keine Ahnung, dass diese Studie ihn einmal berühmt machen und Europas größten Autobauer Milliarden kosten wird. Er und sein Team von Abgas-Forschern an der West Virginia University (WVU) denken sich erst nichts Großes dabei, als sie für die Umweltorganisation ICCT den Schadstoffausstoß einiger Dieselwagen unter die Lupe nehmen. Doch sie stolpern dabei mehr oder weniger zufällig über einen der größten Skandale der Industriegeschichte.

Diesel-Schadstoffausstoß bei VW 35-fach höher als angegeben

Von Februar bis April 2013 untersuchen Carder und seine Leute drei Modelle: einen VW Jetta und Passat sowie einen X5-SUV von BMW. Das Ergebnis ist ein Schock. Bei den Dieselwagen von Volkswagen ist der Ausstoß des Schadstoffs Stickoxid bis zu 35-fach höher als zulässig. Deutsche Ingenieurskunst hin oder her – hier scheint etwas nicht zu stimmen. Bei VW ahnt man es zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht. Doch das größte Debakel für den Konzern überhaupt hat gerade begonnen.

Rund sechseinhalb Jahre zuvor in Wolfsburg: In der VW-Entwicklungsabteilung startet im November 2006 die Arbeit am neuen Dieselmotor EA 189, später hausintern auch „Generation 1“ oder kurz „Gen 1“ genannt. So jedenfalls wird es hinterher ein Insider den US-Ermittlern schildern. Das Projekt ist auch als Eckpfeiler für eine groß angelegte Offensive in den USA eingeplant, mit der VW dort endlich den Markt erobern und am Erzrivalen Toyota vorbeiziehen will.

Aber es gibt ein Problem. Striktere Emissionsregeln versperren ab 2007 den Weg für die bisherige Diesel-Technologie von VW. Auf legalem Wege kommt man nicht weiter. Nun beginnt ein Komplott, bei dem noch immer nicht klar ist, wer bei VW alles davon wusste. Unter Decknamen wie „Akustikfunktion“ oder „Switch Logic“ wird eine Software zum Austricksen von Emissionstests entwickelt. Das Programm sorgt dafür, dass die Abgasreinigung einzig im Testmodus voll aktiviert ist.

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VWs „Clean-Diesel“-Technik gewinnt Preise

US-Aufseher nennen solche Schummel-Instrumente „defeat devices“ (Abschaltvorrichtungen). Bei VW nennt man das Ganze „clean diesel“. Die neue Technologie kommt einer Quadratur des Kreises gleich und ist des Konzerns ganzer Stolz: Sie liefert Top-Werte beim Spritverbrauch und eine starke Motorleistung – trotzdem können die strengen Abgasnormen eingehalten werden. Das kommt gut an. Das US-Fachblatt „Green Car Journal“ krönt den VW Jetta TDI aufgrund seiner „bahnbrechenden Diesel-Technik“ zum umweltfreundlichsten Auto 2008.

Im gleichen Jahr schafft es das Modell mit seiner Kraftstoffeffizienz sogar ins Guinness-Buch der Rekorde. Die Volkswagen-Strategie „US '07“ scheint aufzugehen, die Wolfsburger machen mit einer massiven Marketing-Kampagne von sich reden und punkten bei US-Kunden mit vermeintlich großer deutscher Ingenieurskunst zum kleinen Preis. Diesel-Käufer profitieren in den Vereinigten Staaten sogar von Fördergeldern, da die Technik ja angeblich so umweltfreundlich ist.

Die Konkurrenz reibt sich die Augen, denn in den USA gilt der Diesel eigentlich als Dreckschleuder. Er habe sich damals gefragt, „ob deren Leute einfach smarter sind als unsere“, erzählt Bob Lutz, der ehemalige Chef von General Motors, später in einem Radio-Interview. Seine Ingenieure hätten die Technologie von VW studiert, die Abgasnormen mit der gleichen Hardware aber nicht einhalten können.

Volkswagen-Händler in Prag. (Foto: Josef Kubes)
Volkswagen-Händler in Prag. (Foto: Josef Kubes)

Dennoch vergehen Jahre, in denen VW Hunderttausende weitere illegale „clean diesel“ auf den US-Markt bringt – bis der Schwindel auffliegt. Und die Trickserei wird nicht etwa vom US-Umweltamt EPA bemerkt, das die Fahrzeuge im Rahmen der Zulassung zu checken hat. Es sind Carder und seine Tüftler der Universität von West Virginia, die den Behörden die ersten Hinweise liefern. Danach macht vor allem das kalifornische Umweltamt Carb Druck, bis VW den Betrug am 3. September 2015 zugibt.

Hunderte klagen in den USA gegen Volkswagen

Der vielleicht wichtigste Mosaikstein bei der Aufdeckung des Skandals ist aber eine gemeinnützige und unabhängige Forschungseinrichtung mit dem sperrigen Namen International Council on Clean Transportation (ICCT). Dort will man 2013 wissen, ob die Abgaswerte von Dieselwagen in den strenger regulierten USA weniger stark zwischen Test- und Straßenbetrieb abweichen als in Europa. Einen Anfangsverdacht gibt es nicht, es handelt sich um die Neugier detailversessener Forscher.

„Wir dachten, die Fahrzeuge seien sauber“, sagt John German vom ICCT später dem Blatt Businessweek. Doch man will der Sache auf den Grund gehen. Da das ICCT nicht über die nötige Ausrüstung verfügt, testet es mit den Experten der WVU zusammen. So entstehen ohne jede böse Vorahnung die Ergebnisse, die den Abgasbetrug später offenbaren.

VW hat sich inzwischen mit hunderten US-Zivilklägern auf einen bis zu 15,3 Milliarden Dollar teuren Vergleich geeinigt. WVU-Mann Carder kämpft derweil dagegen, dass ihm sein knappes Forschungsbudget weiter gekürzt wird. „Ich habe noch immer schlaflose Nächte und überlege, wie ich meine Leute bezahlen kann“, sagte er der New York Times. Ein Trostpflaster gab es immerhin: 2016 wurde Carder vom Magazin Time für die Liste der 100 einflussreichsten Menschen nominiert.

Von Hannes Breustedt, dpa

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2 Reaktionen
thowe
thowe

UND.. Wie kamen sie VW auf die Schliche? Das steht nicht im Text!

Gute Software mögen viele nicht
Gute Software mögen viele nicht

Bei Grafik-karten usw. sind solche Techniken früher auch aufgefallen.
Bei Fahrrädern bei Rennen wird inzwischen nach verkappten Motoren gesucht ! und infrarot-aufnahmen. Teilweise könnte man auch schlauere oder auf die Strecke vor-programmierte Federungen bei Downhill usw. einbauen und dadurch die Strecke schneller "herunter-rutschen" mit BMW-Downhill-Rad.
Schummeln lauert überall.

Bosch hat vielleicht auch mitgemacht.

Wieso hat nicht GM die Autos selber durchgemessen ?

http://www.golem.de/news/schummelsoftware-analysiert-wie-bosch-und-vw-die-dieselautos-manipulierten-1512-118205.html

Ich fordere schon ewig, das man Firmwares und Baupläne hinterlegen muss und updaten darf, wenn die Firma das nicht macht oder nicht schafft. Windows hat jahrelang manche Bugs nicht gefixt ! Android darf zwangsgerootet und updatefiziert werden. Alle Linux-Treiber sind zu outen. Finanzminister, Ministerien oder öffentliche Ausschreibungen beweisen die Wirksamkeit der Offenheits-Anforderung und 30-jährigen Daten-Garantie bei Ausschreibungen: M$-XML wäre sonst immer noch ein proprieräres geschlossenes System wie NTFS es leider immer noch ist.
Pharmafirmen wollten ihre Untersuchungs-Berichte 50 Jahre lang archivieren können. Also bleibt nur Archive-PDF(eine Sonderform wo alle Fonts mit drin sind und weniger Schnickschnack) und XML statt M$-Proprietär. Würden Greenpeace, Unesco usw. nur noch Android mit hinterlegten Treibern kaufen, müsste die Chip-Konkurrenz endlich nachlegen und das Update wäre sicher...
Oder will auch Greenpeace alle 2 Jahre alle Android-Geräte neu kaufen weil sie noch funktionieren aber keine Updates kriegen ? Na also.

Bald hingegen darf der Bundestag und alle Verwaltungen und Versicherungen vielleicht alle digitalen Millionen Verwaltungs-Lichtschalter z.B. in Strombergs Büros austauschen wegen Firmware obwohl die Hardware perfekt funktioniert. Das bezahlen alles wir obwohl man Firmwares ja ultra-bequem patchen könnte.

http://www.golem.de/news/abgastests-software-ingenieure-verantwortlich-fuer-vw-betrug-1510-116832.html
Software ist nicht lukrativ. Man lernt besser dasselbe wie die Politiker-Kinder oder die Kinder von Bill Gates.
http://www.golem.de/news/strafanzeige-in-den-usa-vw-ingenieur-raeumt-manipulationen-von-dieselsoftware-ein-1609-123203.html
Hätte er aufgemuckt, wäre er wohl entlassen worden und nie wieder Arbeit bekommen oder zum nächsten Snowden geworden...

http://www.reuters.com/article/us-volkswagen-emissions-fees-idUSKCN10M1NG

Als ich forderte, definierte Verbraucher-Gesetze für die Rückabwicklung zu regeln, hat es natürlich keinen interessiert.
Man hätte die Autos zurückkaufen können und Abgas-Zertifikate als Ausgleich für das CO2 aufkaufen und verbrennen oder was man damit dann macht (also sicher nicht weiterverkaufen vermute ich mal). Dasselbe für die Note 7.
Autos werden ständig nachgebessert also Rückruf-Aktionen. Software hingegen wo das endlos billiger ginge, kriegt keine Updates...

- Nennt drei erfolgreiche FDP-IT-Projekte.
- Nennt drei erfolgreiche Bitkom-IT-Projekte.
Da wählt man lieber Protest. Denn für Wahrheit und Ehre wird man oft genug nicht belohnt.

Das Informanten dicke Geldsummen kriegen, sollte auch für diesen Fall irgendwie möglich gemacht werden.
Die Bonis der Beteiligten werden einkassiert und 10% geht an die Aufdecker in inflations-gesicherte Rentenfonds für alle Beteiligten (wie bei IMDB und Film-Abspännen ja alle aufgelistet) bei der FED. Ist wohl nicht so wichtig...

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