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„VZ Pausenhof“: SchülerVZ jetzt mit Mobbing-App

    „VZ Pausenhof“: SchülerVZ jetzt mit Mobbing-App

So wirklich gut geht es den VZ-Netzwerken ja schon lange nicht, doch nun scheint SchülerVZ komplett aus dem Ruder zu laufen. Mit „VZ Pausenhof“ wurde jetzt eine App gestartet, mit der Freunde als „Top“ oder „Flop“ bewertet werden sollen. Soll also Mobbing als Ausweg aus dem schleichenden Niedergang der Plattform dienen?

„VZ Pausenhof“ nimmt den Mobbing-Trend auf

Was es in anderen sozialen Netzwerken aus guten Gründen nicht gibt, soll das angeschlagene SchülerVZ scheinbar vor dem Untergang retten: Mobbing!

Zwar gibt es auch bei Facebook immer wieder die Forderung nach einem Dislike-Button, doch letztlich ist allen Nutzern klar, dass dieser niemals kommen wird. Der Grund ist ganz einfach: Ein Dislike-Button wäre ein Einfallstor für Diskreditierungen oder wie man neuerdings sagt - für Mobbing.

Auf der SchülerVZ-Plattform macht die App „VZ Pausenhof“ noch einen recht harmlosen Eindruck, von Mobbing ist hier noch nichts zu sehen... (Screenshot: schuelervz.net).

Doch den Begriff Mobbing gäbe es nicht, wenn es dieses Verhalten in der heutigen Gesellschaft nicht geben würde. Und auch im Bereich der Social Networks, im weitesten Sinne, ist das Mobbing keine Neuerung. So gab es beispielsweise schon die Plattform iShareGossip, auf der User unter dem Schutz der Anonymität Mobbing betreiben konnten. Nach einigen Vorfällen, bei denen das Mobbing auf der Plattform dann auch zu ernsthaften Auseinandersetzungen im echten Leben führte, wurde iShareGossip in Deutschland im Frühjahr auf den Index gesetzt. Später wurde die Plattform auch noch gehackt. Heute ist sie nicht mehr erreichbar.

... in einer E-Mail wirbt SchülerVZ dagegen sehr direkt mit der Funktion „Top oder Flop“ (Bild: Wolfgang Luenenbuerger-Reidenbach).

In die entstandene Lücke scheint nun SchülerVZ stoßen zu wollen, denn das neue Plugin „VZ Pausenhof“ fordert die Schüler direkt dazu auf, ihre Mitschüler positiv oder negativ zu bewerten. Das über E-Mails beworbene neue Mobbing-Feature sorgte schnell für ein großes Echo, das zum überwiegenden Teil sehr kritisch ausfiel. So ruft beispielsweise Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach auf seinem Blog zum Boykott von SchülerVZ auf. Eltern sollten sich mit ihren Kindern an den Rechner setzen und die Accounts bei SchülerVZ löschen.

SchülerVZ dementiert Mobbing-Funktion von „VZ Pausenhof“

In einem Telefonat mit PRler Mirko Lange erklärte der CMO der VZ-Netzwerke, Tobias Scheiba, dass die Flop-Bewertungen auf der Plattform nicht angezeigt werden. Außerdem gebe es eine Menge Filter und Mechanismen, die das Dissen und Mobben verhindern sollen. Dargestellt würden nur die Tops, von denen in der Praxis auch jeder Schüler welche bekommen habe.

Dabei stellt sich doch eine Frage: Wozu gibt es eine Funktion für negative Bewertungen, wenn diese nirgends zu sehen sind und auch sonst keine Einflüsse haben sollen?

So recht glauben mag ich das jedenfalls nicht. Sollte denn das „Top oder Flop“ nur ein Lockmittel sein, um ein Netzwerk zu retten, das sich im steten Niedergang befindet?

Und die Pädagogen, die bei SchülerVZ tätig sein sollen, müssen sich der Frage stellen, wie man überhaupt auf die Idee kommen konnte, negative Bewertungen für andere Schüler zuzulassen. Gerade durch die Diskussionen um das Internetportal spickmich.de, auf der Schüler ihrer Lehrer bewerten können, sollte eine solche Funktion für ein Netzwerk der gleichen Zielgruppe ausgeschlossen sein.

Hintergrund: Spielt der Holtzbrinck-Verlag mit seiner Reputation?

Als Holtzbrinck Anfang 2007 das unter anderem von den Samwer-Brüdern aufgezogene Studenten-Netzwerk StudiVZ für kolportierte 100 Millionen Euro übernahm, stand schnell die Frage im Raum: Was will die renommierte Verlagsgruppe (u.a. „Die Zeit“) denn bloß mit einem sozialen Netzwerk? Vielleicht besaß das Management die Fantasie, dass die Plattform für einen noch höheren Betrag weiterveräußert werden könne - beispielsweise an Facebook. Das Social Network von Mark Zuckerberg hatte lange Zeit mit StudiVZ gestritten, weil das deutsche Netzwerk dem amerikanischen Vorbild sehr ähnlich sah. Zu einer Übernahme des „Plagiats“ kam es dann aber bekanntlich nicht. Ganz im Gegenteil: Im September 2009 einigten sich die beiden Rivalen auf eine Entschädigungszahlung, die StudiVZ an Facebook leisten musste. Über die Höhe der Zahlung wurde nichts bekannt.

Vielleicht war auch ein Börsengang als eine Exitstrategie für Holtzbrinck angedacht. Immerhin war zum Zeitpunkt der Übernahmen gerade erst das Business-Netzwerk Xing mit einigem Erfolg an die Börse gegangen. Doch dessen Voraussetzungen waren deutlich besser. Xing hatte mit dem Freemium-Modell ein funktionierendes Businessmodell, StudiVZ setzen dagegen auf Werbung.

Schon im Vorfeld der Übernahme gabe es immer wieder Kritik an StudiVZ. Mal waren es Sicherheitslücken, dann wieder Serverprobleme oder Diskussionen über seltsame Gruppen, deren Inhalte von Nazi- bis zu Stalkerthemen reichten. Holtzbrinck als Betreiber der Plattform, stand dabei letztlich in der Verantwortung und spielt bei den VZ-Netzwerken massiv mit der eigenen Reputation.

Die neuerlichen Schlagzeilen sind da sicher keine Hilfe. So stürzt sich die Konkurrenz, beispielsweise der Wochenzeitung „Die Zeit“, auf die Story „VZ Pausenhof“. Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte als Beispiel einen Artikel mit dem Titel „SchülerVZ – "Top oder Flop"-Spiel unter Mobbing-Verdacht“.

Vielleicht ist dieser Mobbing-Verdacht nun sogar der sprichwörtlich letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Gerüchte über einen möglichen Verkauf der VZ-Netzwerke gibt es ja schon seit Monaten - allein ein Käufer ist nicht in Sicht.

Weiterführende Links zum Thema „VZ Pausenhof“ und die Mobbing-App von SchülerVZ:

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