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Kolumne

Die Wahl-O-Matisierung der Demokratie

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Mit dem erstaunlichen Ergebnis, dass ich immerhin 56 Prozent Übereinstimmung mit ihr erziele, was ein rein statistischer Effekt ist. Ganz abgesehen davon, ob eine Partei, die sogar der oben genannten Holocaust-Frage neutral gegenüber steht, auch nur ansatzweise wählbar sein kann, zeigt dieses Ergebnis, woran das Prinzip Wahl-O-Mat krankt: Wahlentscheidungen lassen sich einfach nicht ohne weiteres auf ein paar Fragen und einen Algorithmus reduzieren.

Der menschliche Faktor

Dabei passt diese Flut der Wahl-O-Mat-Klone perfekt in unsere Zeit. Ständig füttern wir Algorithmen mit allerlei Daten und die spucken dann Ergebnisse aus, das als Entscheidungshilfe dienen sollen. Was ausgesprochen hilfreich ist, wenn ein Navi den kürzesten Weg berechnen soll, ist aber immer dann ein Problem, wenn wir die Ergebnisse erst noch interpretieren müssen: Wurden alle wichtigen Aspekte berücksichtigt? Wie genau muss ich hinsehen, um zu bemerken, dass ich eine scheinbar sehr hohe Übereinstimmung mit einer Partei habe, die dann aber in ein oder zwei Punkten Positionen vertritt, die ich absolut nicht teile und diese Partei für mich unwählbar machen?

Ein schönes Beispiel ist der Tegel-O-Mat zum parallel laufenden Volksbegehren in Berlin. Ein Ja auf die Frage, ob Berlin einen Ausweichflughafen zusätzlich zum BER brauche, bringt einen Punkt fürs Offenhalten des Flughafens Tegel, auch wenn man es für eine bekloppte Idee hält, einen solchen Flughafen mitten in der Stadt zu haben.

Beim Wahl-O-Mat ist die Interpretation noch relativ einfach: Die Bundeszentrale für politische Bildung selbst weist ja darauf hin, das Ergebnis nicht als Wahlempfehlung aufzufassen. Trotzdem ist es relativ schwierig, sich der Suggestion der Prozentzahlen zu entziehen. Die Zahl auf dem Bildschirm strahlt eine gewisse Autorität aus, besonders wenn sie auf den Monitoren von Sachbearbeitern erscheint, die eher Stress mit ihren Vorgesetzten bekämen, würden sie sie in Frage stellen. Auch wenn das dahinter versteckte System kaum besser ist als ein Persönlichkeitstest in einer Frauenzeitschrift.

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Köpfe statt Themen

Ob beim Wahl-O-Mat oder anderswo: Viel zu unterbelichtet bleibt der menschliche Faktor. Was in Parteiprogrammen steht, muss noch lange nicht Koalitionsverhandlungen überleben. Und was eine Koalition in ihren Vertrag schreibt, kann sich sehr von dem unterscheiden, wie am Ende tatsächlich regiert wird. Der Spruch „Themen statt Köpfe“ ist überbewertet. Denn schließlich werden in den kommenden vier Jahren Fragen auf uns zu kommen, an die wir gerade noch gar nicht denken. Und dann kommt es darauf an, welchen Köpfen wir am ehesten darin vertrauen wollen, gut mit diesen Fragen umzugehen. Also darauf, welche Menschen das sind, die da auf den Listen stehen und als Direktkandidaten zur Wahl stehen.

Algorithmen sind immer noch erstaunlich schlecht darin, diesen menschlichen Faktor abzubilden. Egal ob es um den Wahl-O-Mat geht oder eine Filmempfehlung beim Streamingdienst. Eines allerdings muss man dem Wahl-O-Mat und seinen Klonen lassen: Ein Screenshot vom Ergebnis zu posten, führt immer wieder zu angeregten und fruchtbaren Diskussionen in den sozialen Medien, warum man wen wählen sollte und wen nicht. Mit echten Menschen.

Die Hintergründe des Wahl-O-Mats hat t3n in diesem Artikel beleuchtet. 

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