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War for Talents im Silicon Valley: Wie Facebook, Eventbrite und Atlassian um Mitarbeiter buhlen

War for Talents im Silicon Valley: Wie Facebook, Eventbrite und Atlassian um Mitarbeiter buhlen

IT-Konzerne und bieten viele Zusatzleistungen, um anderen Arbeitgebern im War for Talents einen Schritt voraus zu sein. Unser US-Korrespondent Andreas Weck hat bei , Eventbrite und Atlassian genauer nachgefragt.

War for Talents im Silicon Valley: Wie Facebook, Eventbrite und Atlassian um Mitarbeiter buhlen

War-of-Talents im Silicon-Valley. (Bild: Flickr-JDHancock / CC-BY-2.0)

Die Tech-Branche in San Francisco und dem ist ein Märchenland für deren Anhänger: Jeder kennt die Geschichten von den großartigen Büros, in dem alles bunt und hell erleuchtet ist und wo den Mitarbeitern die Wäsche gewaschen wird. Viele Unternehmen bieten Ruheräume, die zum Mittagsschlaf einladen und einen 5-Sterne-Koch, der mehrmals am Tag eine hochwertige Mahlzeit serviert. Und das alles neben einer Gehaltszahlung, die nicht weniger attraktiv ist. Die Großen im Märchenland, allen voran Google, haben es vorgemacht und die kleineren Protagonisten versuchen es so gut es geht nachzumachen. Zurückzuführen ist der Trend auf Sergej Brin, der für die Eltern unter den Google-Mitarbeiter jeweils eine Nanny bereitstellte. Damals hatte der Suchmaschinen-Dienst noch weniger als 100 Mitarbeiter, wie der Personalchef Laszlo Bock gegenüber Forbes zu berichten weiß.

Fragt man in den Unternehmen nach, warum derartige „Benefits“ im Märchenland existieren, ist die Antwort stets gleich: „Weil wir es unseren Team-Mitliedern so angenehm wie möglich machen möchten!“ – und das bedeutet in speziellen Fällen eben auch mindestens einen Gourmet-Koch in der hauseigenen Kantine anzustellen. Doch natürlich ist das nur die halbe Wahrheit. Hinter der Antwort steckt auch ein weitaus weniger prestigeträchtiger Fakt, nämlich dass hinter den Kulissen des Silicon Valleys ein bitterlicher Kampf um die besten Mitarbeiter aus Entwicklung, Design und Marketing tobt – der sogenannte „War for Talents“.

Facebook bietet medizinische Grundversorgung und Zeit für eigene Projekte

Der Courtyard in der Facebook-Zentrale in Menlo Park. (Bild Facebook)
Der Courtyard in der Facebook-Zentrale in Menlo Park. (Bild Facebook)

Die IT-Unternehmen in der Bay-Area kümmern sich gut um ihre Leute. Bei Facebook wird beispielsweise nicht nur für gutes Essen, sondern auch für eine kostenlose medizinische Grundversorgung der Team-Mitglieder im Hauptquartier gesorgt. Und das bedeutet in den USA bares Geld! Neue und alte Mitarbeiter erwartet ein gut sortiertes medizinisches Gesundheitszentrum mit einem Allgemeinmediziner, einem Zahnarzt, einem Chiropraktiker und einem Akupunkteur. Auch eine Apotheke befindet sich auf dem Campus. Wem es nicht gut geht, findet direkt an Ort und Stelle erste Hilfe. Und wer einfach nur einen Vorsorgetermin braucht, muss dafür auch nicht extra in die Stadt fahren, sondern kann sich nur einen Flur weiter kostenlos untersuchen lassen.

„Facebook-Mitarbeiter arbeiten unglaublich hart und die Vergünstigungen sollen die Arbeitsmoral unterstützen – alles ist vorhanden, so dass sie die Arbeit ohne unnötige Ablenkungen erledigen können“, verrät uns beispielsweise eine Facebook-Sprecherin aus der Firmenzentrale in Menlo Park. Dazu gehört auch, dass das Team keine festen Arbeitsstunden im Vertrag vorgesetzt bekommt und die Mitarbeiter in der Lage sind, selber zu entscheiden, ob sie vom Büro oder von einem anderen Ort aus arbeiten. Zudem ist es ihnen erlaubt, sich auch mit eigenen Nebenprojekten während der Arbeitszeit zu beschäftigen – nicht zuletzt, um für etwas Abwechslung zu sorgen. „Wir fördern diese Art von Unternehmergeist und Kreativität. Darin unterscheidet sich Facebook von vielen anderen Tech-Unternehmen“, erfahren wir im Gespräch.

Neben vielen anderen Zusatzleistungen dürfen sich vor allem aber auch die Facebook-Programmierer über ein sattes Einkommen freuen: Im vergangenen Jahr lockte das Unternehmen beispielsweise mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 118,857 US-Dollar. Facebook ist mit Sicherheit einer der interessantesten Arbeitgeber an der kalifornischen Westküste.

Eventbrite: Urlaub so viel, wie man will – oder vertreten kann

Auch das ist ein Argument im War-for-Talents: Hunde sind bei Eventbrite erlaubt. (Bild: Eventbrite)
Auch das ist ein Argument im War for Talents: Hunde sind bei Eventbrite erlaubt. (Bild: Eventbrite)

Mit einem ganz anderen Vorteil versucht Eventbrite im War for Talents zu punkten – nämlich mit der Anzahl an Urlaubstagen. Während in Deutschland den Arbeitnehmern mindestens 24 gesetzlich festgeschriebene Urlaubstage zur Verfügung stehen, dürfen Angestellte in den USA mit durchschnittlich 16 Urlaubstagen rechnen – wobei die häufig unbezahlt und vor allem nicht vom Gesetzgeber vorgeschrieben sind.

Eventbrite hält davon eher wenig und setzt völlig auf Vertrauen und Eigenverantwortung: Die Team-Mitglieder des Online-Ticket-Service dürfen selber entscheiden ob und wie lange sie Urlaub machen. Die einzige Voraussetzung ist, dass sie ihr Fernbleiben vor den Kollegen vertreten können. Kritiker behaupten dahingehend oft, dass diese Art von Urlaubsregelung eher das Gegenteil bewirkt und die Mitarbeiter gar keinen Urlaub nehmen – aus Angst vor Missgunst. Ein Eventbrite-Sprecher lässt uns jedoch wissen, dass derartige Regelungen das Ergebnis von internen Umfragen sind. „Sie orientieren sich vor allem daran, was sich unsere Kollegen wünschen, um angenehmer, kreativer und produktiver zu arbeiten“, heißt es auf Nachfrage.

Um das zu gewährleisten, gehört auch eine Vielfalt an Bequemlichkeiten im Büro dazu: Eventbrite hat beispielsweise eine eigene Vorstellung von Ergonomie am Arbeitsplatz entwickelt. Team-Mitglieder können neben dem Schreibtisch auch am Stehpult arbeiten. Viel interessanter ist jedoch, dass zur Freude der Mitarbeiter auch Arbeitsplätze in Hängematten und auf Laufbänder eingerichtet wurden. Kurios dürften auf viele Leser hingegen die Tablet- und Laptop-Halter auf dem Klo wirken – aber im Silicon Valley ist man eben hin und wieder auch etwas übermotiviert.

Atlassian: Finanzielle Bonusprogramme erhalten die Freundschaft

Atlassians Hauptquartier in San Francisco. (Bild: Atlassian)
Atlassians Hauptquartier in San Francisco. (Bild: Atlassian)

Bei Atlassian wird neben attraktiven Zusatzleistungen wie frisches Essen, hauseigenen Yoga-Kursen oder ergonomischen Arbeitsplätzen auch nicht wenig über finanzielle Zuwendungen geregelt.

So gibt es nicht zuletzt für Arbeitnehmer der Niederlassung in San Francisco ein ausgeklügeltes Bonusprogramm: Jeder Mitarbeiter, der einen neuen Angestellten für eine ausgeschriebene Stelle anwirbt, bekommt eine Belohnung von 10.000 US-Dollar zugeschreiben. Wer mehr als drei Jahre im Unternehmen ist, erhält zudem eine Gutschrift von einmalig 3.000 US-Dollar zum Monatsgehalt. Und auch das sogenannte „Kudos“-Programm knüpft an derartige Wertschätzungen an: Mitarbeiter können sich gegenseitig mit kleinen Geschenken danken – auf Kosten des Unternehmens und ohne bestimmte Begrenzungen in Bezug auf die Häufigkeit oder einer notwendigen Zustimmung eines Vorgesetzten. Jeder Mitarbeiter kann unter anderem Kino-Gutscheine oder iTunes-Karten an seinen Kollegen schicken – insofern derjenige in den Augen des Schenkers eine Belohnung verdient.

Interessant ist auch, dass Mitarbeitern zusätzlich fünf bezahlte Urlaubstage gewährt werden, um in einer Stiftung auszuhelfen oder einem bestimmten Projekt, das dem Gemeinwohl dient, unter die Arme zu greifen. „Atlassians Mitarbeiter sollen die Möglichkeit haben, sich auch gemeinnützigen Projekten zu widmen, die sie mit Leidenschaft unterstützen. Unser ‚Foundation Match’-Programm hilft ihnen dabei“, lässt uns ein Atlassian-Sprecher wissen. Ein schönes Beispiel dafür, wie Unternehmen der Gesellschaft etwas zurückgeben können.

Eizellen-Entnahme als Game-Changer im War-for-Talents: Wer hat, der kann!

Beispiele wie diese zementieren, warum das kalifornische Tech-Ökosystem den Ruf eines Märchenlands verdient. Alleine stehen Facebook, Eventbrite und Atlassian mit diesen Zuwendungen jedoch nicht. Jedes andere IT-Unternehmen, das es sich leisten kann und mit anderen Mitbewerbern um die Gunst der Mitarbeiter kämpf, gewährt derartige Benefits. Und wer hier bereits die Spitze des Eisberges erwartet, liegt verkehrt. Denn es geht auch um einiges kurioser!

So wurde erst gestern bekannt, dass Apple und Facebook es ihren weiblichen Mitarbeitern künftig ermöglichen, die eigenen Eizellen einfrieren zu lassen. Damit reagieren die IT-Konzerne auch auf den Umstand, dass sich viele Frauen an einem bestimmten Punkt in ihrem Leben oft für ein Kind und gegen die eigene Karriere entscheiden. Mit der Zusatzleistung – die in der Presse bereits als „Game-Changer“ im War-for-Talents gefeiert wird – lässt sich der eigene Nachwuchs auf später verschieben. Diesen Vorteil lassen sich die Unternehmen einiges kosten: Ab 10.000 US-Dollar kostet es die Eizellen zu entnehmen. Hinzukommen 500 US-Dollar pro Jahr für die Speicherung. Wer hat, der kann!

t3n im Silicon Valley

Andreas WeckAndreas Weck hat 2014 für t3n aus San Francisco und dem Silicon Valley über neue Trends, spannende Tools und interessante Orte des Tech-Epizentrums berichtet. Sein Eindruck: Im Valley gibt es viele schlaue Köpfe und genauso viele bekloppte Geschäftsideen. / Twitter, Facebook.

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Eine Antwort
  1. von Kian am 15.10.2014 (10:45 Uhr)

    Ihr solltet bei den Artikeln in denen Ihr Gehälter im Silicon Valley erwähnt nicht vergessen, zu erwähnen, dass die Lebensunterhaltskosten dort etwa dem 3-fachen der deutschen entsprechen. Dazu kommt das in diesem Gehalt nicht wie in Deutschland keinerlei Beiträge zu Versicherungen/Rente usw. enthalten sind. Eine private Krankenversicherung kostet in den USA zwischen 600 und 2000 USD pro Monat. Besonders wenn man schon Kinder hat und kein kostenloses Schulsystem wird das noch extremer. Wenn man das alles zusammenrechnet entspricht ein 120.000 USD Jahresgehalt in Kalifornien etwa einem 45.000 EUR Gehalt in Deutschland. Wir haben selber in beiden Ländern Mitarbeiter und haben das mal entsprechend durchgerechnet. Wer also glaubt er könnte nach Kalifornien ziehen und dort in Saus und Braus leben, weil er doppelt so viel verdient wie in Deutschland irrt leider. Bei 4000-5000 USD Miete im Monat und 1000 USD Versicherungen und Nahrungskosten vom 2-3-fachen des deutschen Niveaus bleiben von den 6.000 USD (netto) im Monat nicht mehr allzuviel übrig. Das habe ich bei meinem 6 monatigen San Francisco Aufenthalt letztes Jahr auch am eigenen Leibe erlebt. Mein Fazit war: In Deutschland geht es bis aufs Wetter deutlich besser als in Kalifornien.

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