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Die Hölle, das sind die Waschsalons: US-Startup Washio im t3n-Test

Die Hölle, das sind die Waschsalons: US-Startup Washio im t3n-Test

Die Besuche in den Waschsalons von sind die Hölle, meint unser Silicon-Valley-Korrespondent Daniel Hüfner. Die Gelegenheit, mal wieder ein zu testen, das damit Schluss machen will. In diesem Fall: Washio. Über einen intimen Service, der Freude und Angst zugleich macht.

Die Hölle, das sind die Waschsalons: US-Startup Washio im t3n-Test

(Foto: Washio/Vimeo)

Die Hölle, das sind die Waschsalons

Bloß nicht schon wieder, denke ich. Es ist Freitag, eigentlich Wochenende und ich hab Pech. Der Wäschekorb unter meinem Fenster ist voll. Und er müffelt – was ungefähr so viel heißt wie, dass ich mit ihm wieder anderthalb Stunden durch die Hölle auf der anderen Straßenseite gehen muss, will ich meine Unterhosen von Montag an nicht notgedrungen auf links tragen. Und das will ich natürlich nicht.

In den nächsten anderthalb Stunden erwartet mich ein Krach-Cocktail aus Scheppern, Quietschen, Surren und Piepen.

Die Hölle, das sind für mich die unzähligen Waschsalons in . Das liegt erstens am Bargeld, dass ich für deren Nutzung brauche, aber nie bei mir habe. 16 Quarterdollars, ziemlich genau vier US-Dollar, verlangt das blecherne Monster mit seinem Trommelschlund für einen Durchlauf. Zweitens: Ich habe die Wahl zwischen kalt, warm oder heiß. Temperatureinstellung? Fehlanzeige. Umdrehungen? Fehlanzeige. Einschubfach für Waschmittel? Fehlanzeige. Alles wird samt Wäsche in die Trommel gekippt. Drittens: So ruppig der riesige Apparat aussieht, so klingt er auch. In den nächsten 90 Minuten erwartet mich ein Krach-Cocktail aus Scheppern, Quietschen, Surren und Piepen. Alles multipliziert mit 30, denn so viele Waschmaschinen stehen in jedem dieser Salons. Die Trockner noch nicht mit eingerechnet. Eins ist klar: Danach ist der Kopf mindestens so weich wie der eingelaufene Pullover.

US-Startup Washio verspricht die schnellere, bessere und saubere Wäsche

Zum Glück gibt es in San Francisco aber auch für dieses Problem eine Lösung, die sofort auf dem Smartphone ausprobiert werden kann. Mit dem Claim „Faster. Better. Cleaner“ weckt das Startup Washio mein Interesse für seine App, die mir neben sauberer Kleidung auch eine Zeitersparnis verspricht: „The average urban professional dedicates 10.5 hours monthly to laundry and dry cleaning“, schreibt Washio auf seiner Website. „Help make freetime truly free“, so der Tenor.

Ich zücke mein iPhone und lege ein Konto bei Washio an. Danach geht es direkt zur Sache: Ich kann ein genaues Datum und ein 30-minütiges Zeitfenster festlegen, wann meine Wäsche von einem „Ninja“ – ein Washio-Mitarbeiter – abgeholt und später zurückgebracht werden soll. Die Lieferzeit gibt das Startup unter der Woche mit maximal 24 Stunden an, an Wochenenden – wie in meinem Fall – sind es 48 Stunden. Wie oft soll die Wäsche abgeholt werden? Jede Woche? Oder alle zwei bis drei Wochen? Ich entscheide mich für „One time only“ und drücke auf bestellen.

Die Kekse von Kristopher sollen meine Angst bändigen

Etwas mulmig ist mir schon. Aus zwei Gründen:

Erstens musste ich keine Angaben zu meiner Kleidung machen. Das klingt erstmal gut, lässt mich aber auch im Unklaren darüber, was der Service überhaupt kostet. In seiner App bietet Washio lediglich eine Übersichtstabelle, nicht aber eine inzwischen zum Standard gehörende Kostenvorschau an. Erst beim Nachschlagen erfahre ich, dass die beliebteste Option „Wash & Fold“ mit 1,60 US-Dollar pro Pfund (etwa 500 Gramm) zu Buche schlägt. Will ich bestimmte Kleider – wie mein Hemd – zusätzlich professionell reinigen, zahle ich sechs US-Dollar drauf. Zum Glück ist meine Jacke noch gut in Schuss. Sonst wären es noch einmal elf US-Dollar oben drauf geworden. Wirklich weiter hilft mir das aber nicht.

„Schmeiß rein, was du hast“ – in dem Moment wird mir bewusst, wie intim der Service eigentlich ist.“

Zweitens ist mir der Typ, der pünktlich am Nachmittag wie von meinem iPhone per Echtzeit-Karte prophezeit vor meiner Haustür steht, total fremd. Er heißt Kristopher, trägt Sonnenbrille und hält mir nach einem kurzen „Hi!“ grinsend zwei schwarze Beutel entgegen. „Der eine für normal waschen, der andere für reinigen“, sagt er. „Schmeiß rein, was du hast“. In diesem Moment wird mir bewusst, wie intim der Service eigentlich ist. Schließlich steige ich hier nicht einfach zu einem Fremden ins Auto oder gebe das Skateboard eines Kollegen aus der Hand, sondern den halben Koffer, den ich aus Deutschland mitgebracht habe. Unterhosen, gestrickte Socken von Oma, das 96-Trikot, die sündhaft teure, aber passgenaue Jeans. „Sehe ich das Zeug wieder?“, frage ich Kristopher und stopfe die Klamotten etwas halbherzig in die Beutel. „Klar“, sagt er, „am Sonntag bin ich wieder hier“ und drückt mir zwei Schokokekse in die Hand.

In diesen Beuteln erhielt ich binnen 48 Stunden einen halben Koffer frisch gewaschener und gebügelter Wäsche zurück. (Foto: t3n)
In diesen Washio-Beuteln erhielt ich binnen 48 Stunden einen halben Koffer frisch gewaschener und gebügelter Wäsche zurück. (Foto: t3n)

Sie sollen offensichtlich meine Angst bändigen, doch sie helfen kaum. Die nächsten 48 Stunden zehren doch sehr an meinem Gewissen, aber irgendwie bin ich auch fasziniert, weil ich nachverfolgen kann, wie der aktuelle Status ist. Am Samstag Abend ist die Wäsche fertig, Sonntag früh bekomme ich die heiß ersehnte SMS auf mein iPhone. „Daniel, your Ninja is en route and will arrive in an hour.“ Das Klingeln der Haustür hat etwas von einem Erlebnis. Kristopher lacht und hält mir wieder die zwei Beutel entgegen. Ich will die gut duftende und ordentlich zusammengelegte Wäsche herausnehmen, als Kristopher mich lachend unterbricht: „Nein, Du Anfänger, die behältst du. Für's nächste mal.“

Fazit: Guter Service, hoher Preis

Unterm Strich bietet Washio einen zuverlässigen Service mit großem Mehrwert. Der aber hat auch seinen Preis. Der Selbstest zeigt: Verglichen mit Diensten wie beispielsweise Uber, das eine hochfrequentierte Dienstleistung einer traditionellen Branche schon allein preislich unterbietet, richtet sich Washio primär an Besserverdiener mit wenig Zeit und starker Aufschieberitis.

In meinem Fall beliefen sich die Kosten auf brutto 33,99 US-Dollar, nach Abzug meines Neukundenrabatts in Höhe von 10 US-Dollar habe ich am Ende circa 24 US-Dollar bezahlt. Sogar die Lieferung der sauberen Kleidung wurde jedoch zusätzlich berechnet. Ja, vielleicht ist das preislich alles gerechtfertigt. Immerhin erhalte ich im Gegenzug viel Komfort, spare Zeit, bezahle bargeldlos und einen womöglich nicht am Hungertuch nagenden Washio-Ninja, der mich von einer der wohl lästigsten Aufgaben im Haushalt erlöst. Geld aber spare ich damit nicht, ich zahle ordentlich drauf. Mein Resüme: Dann doch lieber anderthalb Stunden Hölle auf der anderen Straßenseite. Und hinterher zur Belohnung einen neuen Pulli in der Boutique nebenan. Ist doch auch was, oder?

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4 Antworten
  1. von smudyn am 08.02.2015 (07:17 Uhr)

    Toller Service, aber ist eine eigene Waschmaschine keine Option? Bei nur 1x/Woche waschen kämen im Waschsalon 832 $/Jahr zusammen, dafür kannst du dir eine Maschine kaufen inkl. Geld für Wasser und Strom. Waschmittel ist ja auch im Waschsalon nicht inkl. Aber ob jetzt Salon, Service oder eigene WaMa, muss eben jeder selber sehen, was er sich leisten kann und will.

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  2. von Путин В. am 08.02.2015 (22:30 Uhr)

    muss es denn immer ne app sein???

    wir haben in frankfurt auch nen hohl und bringservice von ner reinigung...

    jeden dienstag um 11 uhr ist der wechsel. hemden 1,- hosen 1,50 gewaschen und gebügelt. für alles was nicht gebügelt werden muss lohnt sich daher gar nicht der aufwand...

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  3. von Frank am 09.02.2015 (09:59 Uhr)

    In Stuttgart ist Ende letzten Jahres auch ein "Lieferheld für Textilreinigungen" gestartet. Ich weiß, dass die jetzt auch bald in andere Städte gehen.

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  4. von Frank am 09.02.2015 (10:00 Uhr)

    Die Website heißt ...

    Waschheld.de

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