Web 2.0: OpenCritics, eine Wikipedia für Kundenmeinungen

Mitglieder des OpenCritics-Teams mit dem Projektlogo.

Unter dem Namen „OpenCritics“ entsteht ein Portal für Bewertungen und Meinungen, das sich in der Tradition der Wikipedia sieht. Das bedeutet vor allem: Anders als bei der bereits etablierten Konkurrenz, sollen die Inhalten allen frei zur Verfügung stehen. Ein Shop könnte also beispielsweise sein Informationsangebot um solche Kundenmeinungen erweitern. Ein Widget ermöglicht es, dass Kunden auf einer Seite ihre Meinungen schreiben, die wiederum allen zur Verfügung stehen. Georg von Zimmermann, Geschäftsführer der hinter dem Projekt stehenden e.velope GmbH, hat uns per E-Mail einige Fragen zu OpenCritics beantwortet.

Was ist unter "OpenCritics" zu verstehen?

OpenCritics ist ein Bewertungsnetzwerk. Auf einer Partnerseite abgegebene Nutzerbewertungen sind automatisch auf allen anderen Partnerseiten sichtbar. So erreicht der Autor der Bewertung mehr Leser. Gestartet sind wir mit Filmbewertungen, weitere Kategorien werden zügig folgen. Wichtig ist uns: Es ist ein freies, offenes System.

Was heißt „open“ bei Euch ganz konkret? Wie sieht es mit Lizenzen und der Nutzung aus?

Die Inhalte sind nach einer Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine Veränderung) lizenziert. Weiterhin werden wir vollständig offene Schnittstellen anbieten. Damit ist es ein im besten Sinne vollständig offenes System.

Wir sind davon überzeugt, dass das die Zukunft des Internets ist. Wenn ich irgendwo Daten eingebe (und seien es „nur“ Kritiken), dann will ich die auch wieder zu anderen Diensten mitnehmen/exportieren können.

opencritics screen

Wie ist die Idee entstanden?

Den Anstoß hat eine Geschichte um Wikipedia-Gründer Jimmy Wales gegeben, der vor zwei Jahren mal einen Artikel über ein Restaurant in Kapstadt geschrieben hat, der dann von einem Wikipedia-Editor in den USA für nicht relevant befunden und gelöscht wurde. Da haben wir uns überlegt, ob denn subjektiver Inhalt, also Nutzermeinungen oder Kritiken nicht auch genauso wie der objektive Inhalt bei Wikipedia frei lizenziert  der gesamten Internetgemeinschaft zugänglich gemacht werden sollte.  Daraus ist die Grundidee entstanden, die dann weiter gesponnen wurde und aus der nun OpenCritics entstanden ist.

Warum ist das aus Eurer Sicht ein wichtiges Thema?

georg von zimmermann
Georg von Zimmermann

Es schreiben mehr Leute Nutzerbewertungen, als Mitglieder in sozialen Netzwerken sind (und jetzt, da Facebook 1 Mrd. User anpeilt will das etwas heißen). Aber gute Rezensionen zu schreiben kostet Zeit. Die Nutzer investieren diese Zeit, da sie Anderen bei der Produktauswahl behilflich sein wollen, tun dies also für die Internetgemeinschaft. Sollten die Rezensionen dann aber nicht auch der Internetgemeinschaft „gehören“ - indem sie frei lizenziert werden und so ausgetauscht werden können?

Praktische Perspektive:  Überlassen wir im Bereich Nutzerbewertungen geschlossenen/proprietären Bewertungsplattformen das Feld, führt dies zu Monopolbildung im Internet. Kleinere Shops mit weniger Kunden können weniger Bewertungen anzeigen und haben so einen weiteren Nachteil gegen die Marktführer.  OpenCritics bricht diese Struktur auf, indem auch kleinere Shops durch das OpenCritics-Netzwerk mehr Rezensionen anzeigen können. Das stärkt den Wettbewerb.

Meinungsportale geraten gern einmal in den Blick von Juristen. Wie sichert Ihr Euch hier ab?

Zunächst einmal bauen wir die Kategorien Filme, Games usw. aus. Da fühlt sich niemand so persönlich angegriffen wie auf Bewertungsportalen für Lehrer, Ärzte oder Anwälte. Außerdem haben wir selbst einen Juristen an Bord.

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