Drücke die Tasten ◄ ► für weitere Artikel  

„Web Squared“: Tim O’Reilly und sein Blick auf die Zukunft des Web als allwissender, weltumspannender Organismus

„Web Squared“ (also „Web hoch zwei“ oder auch „Web im Quadrat“) ist das Schlagwort, das der Verleger, Web-2.0-Vordenker und Open-Source-Aktivist Tim O'Reilly prägen will. Gemeint ist damit ein zukünftiges Internet, das nicht nur Menschen, sondern auch Dinge aller Art miteinander verbindet und die heute noch vorhandenen Grenzen zwischen der realen Welt und den digitalen Informationen im Web verwischen soll.

Aufgebracht hat er den Begriff erstmals auf der Web 2.0 Expo in San Francisco im April. In einem Webcast Ende Juni erklärte er ihn gemeinsam mit John Batelle von Federated Media genauer. Jetzt haben sie gemeinsam ein ausführliches White Paper erstellt, das man hier nachlesen und herunterladen kann.

Das „Web hoch zwei“ sollte man sich demnach eher als Gesamtorganismus vorstellen und weniger seine einzelnen Bestandteile betrachten. Zudem werden nicht mehr nur Menschen an ihren Tastaturen das Netz mit Inhalten füllen: Sensoren aller Art liefern zunehmend Daten, die wiederum verarbeitet werden können.

Die dahinter stehenden Gedanken klingen teilweise wie Science Fiction, sind aber schon seit geraumer Zeit in diversen Veröffentlichungen zu finden. Inzwischen scheinen sie realistisch, denn die technischen Entwicklungen der letzten Jahre machen deutlich, dass das Netz immer alltäglicher wird und für manche Menschen heute bereits jederzeit verfügbar ist. Kommt das oft beschworene „Web der Dinge“ hinzu, das möglichst alles mit allem vernetzt, und haben wir als Menschen darüber hinaus einen permanenten und vor allem einfachen Zugriff auf das Netz, ist das „Web Squared“ greifbar nahe.

Tim O'Reilly auf der Web 2.0 Expo San Francisco. Foto: Paul May
Tim O'Reilly auf der Web 2.0 Expo San Francisco. Foto: Paul May

Auch diesen Zugriffs aufs Netz muss man sich anders vorstellen. Man denke hier weniger an Laptops als vielmehr an die ersten praktischen Beispiele in Sachen „Augmented Reality“, wo Informationen aus dem Internet in die reale Umgebung eingeblendet werden. Für Smartphones gibt es bereits heute entsprechende Anwendungen. In einem Fall sieht man auf dem Handy-Bildschirm seine Umgebung, ergänzt um Informationen darüber, in welche Richtungen die nächsten U-Bahn-Haltestellen zu finden sind und wie weit es bis dorthin ist. Es gibt viele weitere Anwendungszenarien: Informationen zu den Ausstellungsstücken in Museen, Wegweiser in Gebäuden, Stadtrundgänge und vieles mehr.

Somit ist nicht das Semantic Web der Nachfolger des ebenfalls von Tim O'Reilly bekannt gemachten Begriffs „Web 2.0“. Es ist auch nicht das mobile Web oder das Echtzeit-Web. Es ist eine Vereinigung aller dieser Anwendungen und Technologien sowie ihre nahezu nahtlose Integration in unseren Alltag.

Das „Web Squared“ wirkt, wie der Begriff selbst, heute noch sehr ungewohnt und die Ideen dahinter scheinen in vielen Teilen futuristisch. Mit dem„ Web 2.0“ war das vor fünf Jahren zwar ähnlich, aber der Begriff hat sich sehr bald selbstständig gemacht. Inwiefern das „Web im Quadrat“ ähnliches leisten kann, bleibt fraglich. Spannend sind die Ideen und Visionen dahinter dennoch.

Videos

Erklärfilm zum Begriff „Web Squared“ von ComputerExplained.com:

Mitschnitt des Webcasts von Tim O'Reilly und John Batelle:

Gefunden bei: Filtertraum, Leander Wattig, Blogpiloten

Bildnachweis: Paul May, Flickr. Lizenz: CC BY.

Empfiehl diesen Artikel jetzt weiter!

Bewerten
VN:F [1.9.22_1171]
6 Antworten
  1. von http://twitter.com/ithoughts_de am 21.08.2009 (09:59Uhr)

    Ich fürchte "Web Squared" IST eigentlich das "Semantic Web". Daten mit einer ID und einer ableitbaren Beschreibung, was man damit machen kann.

    O'Reilly ist jemand, den jeder kennt, und der sein Geld mit seiner Popularität und seinen Reden verdient, für die einige Leute ziemlich viel Geld bezahlen. Leider hat Tim, als er den Begriff "Semantic Web" geprägt hat, lediglich nicht darüber nachgedacht, dass die meisten Menschen mit dem Wort "Semantik" gar nichts anfangen können. Dann hat er vermutlich überlegt, dass er als der Buzzword-Macher vielleicht etwas einfacheres als Begriff publizieren sollte. Der Begriff "Web 3.0" würde nicht genug Buzz verursachen, da der schon echt lange im Umlauf ist. "Web Squared" ist wieder etwas mit einer Nummer, das hat sich schon vorher bewährt. Ausserdem gab es den Begriff noch nicht, so kann O'Reilly wieder um die Welt reisen und Geschäftsleuten sein neues Buzzword erklären.

    Nachdem ich mit die Videos angesehen habe, bin ich noch mehr überzeugt von dem was ich gerade geschrieben habe. BuzzBullshit. Binäre Kommunikation übers Netz gab es schon vorher, auch wenn das für O'Reilly was neues ist. Ich meine ich habe ihn selbst schon zitiert, aber man kann doch nicht einfach ALLE schönen neuen technischen Errungenschaften aufzählen und die als neuen Begriff zusammenfassen. /RANT

  2. von Freizeitler am 21.08.2009 (13:54Uhr)

    Ich schliesse mich meinem Vorredner in den meisten Punkten an. Diese Begriffe wurden/werden hauptsächlich geprägt, um einen konsequenten Fortschritt in ein Produkt zu pressen und dieses zu Vermarkten. Man muss nur genügend Leute erreichen, die einem zuhören wollen.

    Allerdings würde ich Semantic Web und Web 2.0/Web² nicht unbedingt auf eine Stufe stellen. Die Idee des Semantic Web (geprägt von Tim Berners-Lee)ist wesentlich eindeutiger und greifbarer als Web 2.0 und Konsorten.

    Tim und Tim stehen sich eher kritisch gegenüber. Ein Kampf um Marktanteile?

  3. von Web 2.0 Summit Ende Oktober in San Franc… am 21.08.2009 (18:08Uhr)

    [...] Erklärung Web Squared (deutsch, t3n Magazin) [...]

  4. von Christian am 22.08.2009 (14:21Uhr)

    An der FernUni in Hagen haben wir zu diesem Thema einen Beitrag geschrieben, der sich mit "Buzzwords" (wie z. B. dem Web 2.0) aus einer theoretischen Perspektive beschäftigt. Im Kern läuft die Argumentation darauf hinaus, dass Akteure - wie Tim O'Reilly - mit solchen Buzzwords gezielt die Nachfrage nach ihren eigenen Dienstleistungen oder Produkten in Schwung bringen, indem sie in gewisser Hinsicht ein neues "Symbol" wie das Web 2.0 oder Web Squared prägen. Erst mit dem Begriff "Web 2.0" hat ja z. B. das Interesse der Öffentlichkeit an Techniken eingesetzt, die im Prinzip schon seit geraumer Zeit bekannt waren. Falls Interesse besteht: Der Beitrag steht als Download bei der FernUni zur Verfügung.

  5. von Trendschau am 24.08.2009 (08:28Uhr)

    Aber dass es sich um die Kreation eines Buzzwords handelt und der Schöpfer sich damit erneute Popularität erhofft ist doch ohnehin klar, da muss man m.E. nicht viele Worte verlieren. Die Frage ist doch, ob es zum rechten Zeitpunkt kommt und genügend Leute diesen Eindruck teilen, dass das Web an der Schwelle zu etwas Neuem steht. Wenn ja, dann kann es durchaus auch eine Leistung sein, über neue Begriffe auch ein neues Verständnis zu katalysieren. Web squared = semantic web finde ich ein bisschen verkürzt, im Papier geht es m.E. eher um die Durchdringung von Netz und realer Welt, zumindest so wie ich es verstehe... Hier eine kleine Meinung zum Papier...

Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Open Source
AngularJS 2.0: So sieht die Zukunft des beliebten Javascript-Frameworks aus
AngularJS 2.0: So sieht die Zukunft des beliebten Javascript-Frameworks aus

Google arbeitet fleißig an Version 2.0 von AngularJS. Wir zeigen euch, wie die Zukunft des Open-Source-Frameworks aussehen wird. » weiterlesen

Heartbleed: Was Nutzer, Entwickler und Seitenbetreiber über die SSL-Sicherheitslücke wissen müssen
Heartbleed: Was Nutzer, Entwickler und Seitenbetreiber über die SSL-Sicherheitslücke wissen müssen

Heartbleed ist in aller Munde, doch was ist das überhaupt genau – und wie kannst du dich davor schützen? In diesem Artikel beantworten wir diese Fragen, geben euch Links an die Hand und zeigen,... » weiterlesen

GitBook: Einfach schöne Programmierbücher und Übungen erstellen
GitBook: Einfach schöne Programmierbücher und Übungen erstellen

Mit GitBook wird es ganz einfach eigene Programmierbücher und interaktive Übungen zu erstellen. Das Tool setzt auf Git/GitHub und Markdown und liefert überzeugende Ergebnisse. » weiterlesen

Kennst Du schon unser t3n Magazin?

t3n-Newsletter
Top-Themen der Woche für Web-Pioniere
Jetzt kostenlos
anmelden
Diesen Hinweis verbergen