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Startups

Abzocke auf dem Web Summit? Was deutsche Startups zu den Vorwürfen sagen

    Abzocke auf dem Web Summit? Was deutsche Startups zu den Vorwürfen sagen

(Foto: Web Summit)

Vor dem Web Summit 2015 in Dublin hat es harte Vorwürfe gegen die Veranstalter gegeben. Doch ist das Event wirklich Abzocke? Werden hier Gründer über den Tisch gezogen. Wir waren vor Ort und haben mit deutschen Startups die Frage geklärt ob sich der Summit für sie gelohnt hat.

Der Web Summit und die vermeintliche „Abzocke“

42.000 Teilnehmer, 1.000 Investoren, 1.231 Medienvertreter, 2.141 Startups – mit diesen eindrucksvollen Zahlen haben die Organisatoren ihren letzten Web Summit in Dublin öffentlich gefeiert. Fakt ist: Die Veranstaltung läuft in der europäischen Konferenzlandschaft inzwischen außer Konkurrenz. Fakt ist aber auch: Die Art und Weise, wie bei der Veranstaltung mit Zahlen hantiert wird, wirkt – vorsichtig formuliert – bisweilen unseriös. Und genau deswegen stand sie in den letzten Wochen nach einem initialen Beitrag bei tech.eu auch am öffentlichen Pranger.

„Die Startups sind die eigentlichen Verlierer.“

Auf Nachfrage beziffert Robin Wauters, Gründer und Herausgeber von tech.eu und seit Jahren intensiver Beobachter der Tech-Eventszene, die Reaktionen, die per Mail oder als Kommentar über die sozialen Medien auf die dort erschienen Artikel erfolgt sind auf rund 350. Zum einen wird dabei das sehr aggressive Marketing, bei dem – mal mehr mal weniger durchschaubar – Zahlen geschönt werden, um Begehrlichkeiten zu wecken, bemängelt. Und in der Tat: „Nur“ 30.000 Teilnehmer haben den eigentlichen Web Summit besucht, die weiteren 12.000 verteilten sich auf Sidekick-Events über Dublin – das aber erschließt sich erst beim Lesen des gesamten Blogposts der Veranstalter. Zum Anderen geht es bei den Vorwürfen um die vermeintliche „Abzocke“ von Startups. Grund genug der Sache nachzugehen. t3n hat sich daher mit einer Vielzahl von Startups aus Deutschland vor Ort unterhalten um zu prüfen, inwieweit die Vorwürfe tatsächlich zutreffen.

Web Summit geht 2016 nach Lissabon

Gründer Paddy Cosgrave beim Web Summit 2015. (Foto: Web Summit)
Gründer Paddy Cosgrave beim Web Summit 2015. (Foto: Web Summit)

„Es stellt sich die Frage nach der Refinanzierung einer so großen Veranstaltung.“

Der Web Summit 15 war groß und in weiten Teilen auch tatsächlich großartig. Der wichtigste Grund hierfür: Vielfalt. Eine Vielfalt an Themen und vor allem an Menschen, die mit unterschiedlichen Zielen aus allen Teilen der Erde anreisen. Eins aber eint sie alle: die Begeisterung für Innovation und digitale Technologien. Für Startups besteht hier – im Unterschied zu nahezu allen größeren Veranstaltungen in Europa – die Chance auf Investoren aus Europa, den USA und Asien zu treffen. Denn: Hier sind sie wirklich! Viele Veranstalter haben sich genau darum in den letzten Jahren vergeblich bemüht. Das Team des Web Summit um Paddy Cosgrave hat es geschafft. Das ist ein großer Verdienst. Jetzt stellt sich also die Frage: Sollten Startups – unabhängig von ihrem Finanzierungs- und Reifegrad – Geld dafür bezahlen, dass sie die Chance haben mit eben diesen Investoren in Kontakt zu kommen?

Es stellt sich hier die grundsätzliche Frage nach der Refinanzierung einer derart großen Veranstaltung. Reichen Teilnehmergebühren und Sponsorengelder? Sicher nicht. In der Regel greifen auch die Städte und Regierungen mit ihren Wirtschaftsförderungsinitiativen unter die Arme. Hierin dürfte nicht zuletzt einer der Gründe zu sehen sein, warum der Web Summit ab 2016 (vorerst) in Lissabon stattfindet. 700.000 Euro waren Paddy Cosgrave für drei Jahre Dublin offenbar nicht genug. Zu den Sponsoren gesellen sich bei solchen Events die Aussteller. Im Verständnis des Web Summit – und selten war das deutlicher zu sehen als in diesem Jahr – sind das die Startups. Sie stellen ihre Ideen ins Schaufenster und buhlen um Investoren und Aufmerksamkeit.

Schenkt man den Veranstaltern Glauben, so wird längst nicht jedes Startup zum Web Summit zugelassen. Unter den eingegangenen Bewerbungen werden Startups ausgewählt und kontaktiert. Dabei wird das Geschäftsmodell, vor allem die Refinanzierung, und der Wert für die Nutzer hinterfragt. Je nach Reife- und Finanzierungsgrad werden die Startups in die Kategorien „Alpha“, „Beta“ und „Start“ eingeordnet und zur Kasse gebeten: 1.950, 2.950 oder 3.950 Euro kostet die Beteiligung. Offenbar gibt es hier aber Verhandlungsspielraum, so zumindest war von den Startups zu hören. Auch war zu hören, dass weibliche Gründerinnen und ausgewählte Startups auch ohne Kosten dabei sein können. Hier ist der Prozess aber leider – wie auch an anderen Stellen – nicht wirklich transparent. Auch dass in verschiedenen Fällen den Startups suggeriert wurde, dass die reguläre Beteiligung um ein Vielfaches höher sei und sie somit quasi nicht nur ausgewählt, sondern auch gleich noch etwas „gewonnen“ hätten, darf durchaus kritisiert werden. Dass dieses Vorgehen komplett überflüssig ist, zeigt sich daran, dass alle der befragten Startups – insgesamt rund 25 der rund 140 vor Ort anwesenden deutschen Gründerteams – das für einen Marketingtrick halten. Und dennoch fühlte sich niemand „abgezockt“. Aus zum Teil unterschiedlichen Gründen waren alle Gründer der Überzeugung, dass das Investment in den Web Summit gut angelegt sei. Das zeigen auch die folgenden Statements:

20 Euro für das Mittagessen? Das sagen Startups der Start-Phase (3.950 Euro)

Der Startup-Bereich des Web Summit. (Foto: Web Summit)
Der Startup-Bereich des Web Summit. (Foto: Web Summit)

„Ich kann die Kritik nicht ganz nachvollziehen. Ich denke nicht, dass Startups nichts bezahlen müssen, weil ich der Meinung bin, dass ich für das, was ich hier bezahle, eine sehr gute Gegenleistung erhalte. Ich fühle mich sehr gut betreut durch persönliche Ansprechpartner bei den Veranstaltern, die man wirklich immer anrufen kann und die sich um einen kümmern. Wir haben Zugang zu Investoren, die wir aktiv anschreiben konnten und die auch uns aktiv angeschrieben haben. Die Vermittlung und die Gespräche finden auch tatsächlich statt. Das ist nicht nur etwas, was versprochen wird. Wir haben in zwei Tagen rund 20 Investorengespräche geführt. Wenn ich eine solche Fülle an Services bekomme, kann ich nicht den Anspruch haben, dafür nichts zu bezahlen. Der Preis wurde uns auch von Beginn an transparent kommuniziert.

Die Investoren sind schon sehr international. 40-50 Prozent dürften aus den USA sein. Auch der deutschsprachige Raum ist stark vertreten hier, daher kann man deutschen Startups durchaus empfehlen hierher zu kommen. Der Traffic an den Ständen ist enorm. Es gibt viele Investoren, die jeden Tag durch die gleichen Hallen laufen, weil sie thematisch gruppiert sind. Die Investoren, die sich auf E-Commerce, IoT oder was sonst spezialisiert haben, gehen jeden Tag los und klappern alle Startups ab. Zudem gibt es genügend Möglichkeiten, sich auch außerhalb des Web Summit mit Investoren zu treffen, man muss sie halt ansprechen – etwa beim Pub-Crawl. Beim WebSummit kann ich eigentlich nichts Negatives anmerken, mit Ausnahme von Kleinigkeiten – etwa, dass man 20 Euro für das Mittagessen bezahlen soll. Aber das ist, nichts worüber ich mich aufregen würde.“

Philipp Renger, AX Semantics (Stuttgart)

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3 Reaktionen
Hanniball
Hanniball

Wir waren in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Web Summit mit einem Stand auf dem Alpha Track vertreten. Im Vorfeld hatte ich mit Freunden, die bereits vorher daran teilgenommen hatten, über Sinn und Unsinn gesprochen. Ob es sich wirklich lohnt, 2k dafür auszugeben, denn es gibt so viele andere Veranstaltungen, die auch Geld nehmen und wo nichts bei rum kommt.

Wir sind froh, dabei gewesen zu sein. Ich habe auf keiner anderen Konferenz jemals so viele Leute kennengelernt. Die Investition von 1.950 € hat sich für uns enorm gelohnt und wir wussten vom ersten Gespräch an, das dies soviel kosten würde. Wir hatten am dritten Tag unseren Stand und hatten im Minutentakt Gespräche. Wir wurden vorher von Investoren angeschrieben und hatten dementsprechend auch Meetings auf dem Balcony, das war richtig gut.

Wir haben viele mögliche Kooperationspartner dort gefunden, sogar einige, potentielle Kunden und ich kann jedem nur den Pub Crawl empfehlen. Bei einem Bier zusammen andere Gründer kennen zu lernen war echt super und total einfach.

Als Aussteller muss man aktiv auf die Leute zugehen, wir haben so ziemlich jeden angesprochen, der auch nur in die Nähe unseres Standes kam und das war meistens immer ein Treffer für beide Seiten.

Besonders cool war die Vielzahl an Investoren, die bei uns am pijaca Stand waren. Sowohl leicht erkennbar (an den roten Badges bzw. Bändchen) als auch inkognito. Wir haben zudem den Angel's Choice Award gewonnen an Tag drei. Da haben sich in den letzten 2,5 h die Investoren bei uns die Klinke in die Hand gedrückt und wir sind kaum hinterher gekommen.

Ich kann sagen, für uns war die Veranstaltung ein echter Mehrwert und die Investition hat sich mehr als ausgezahlt bisher. Wer wie im Internet alles immer umsonst haben will, der ist dort am falschen Platz. Soll Paddy damit doch sein Geld verdienen, wenn ich den Mehrwert erhalte, ist das vollkommen ok. Schade finde ich, das wir es in Deutschland nicht auf die Reihe kriegen, so eine Veranstaltung auch aufzuziehen. Einziger Kritikpunkt war für mich der Preis des Essens mit 20 €, aber da wir umsichtig gebucht hatten haben wir auf der gegenüberliegenden Seite der Konferenz unser Appartement gebucht und konnten so mal schnell zum Essen rüber. Alles in allem perfekt! :)

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Strukturen
Strukturen

Bevor man mit einem Stand dort auftaucht sollte man erst mal 2 Jahre lang als Besucher dort (oder zumindest auf den Seiten-Events) gewesen sein.

Aktuell findet in Norwegen wohl ein Startup-Konferenz oder sowas mit angeblich auch vielen (Vorzeige-)VCs statt.

Vermutlich hat jedes Land sowas. An der Southpark-Folge über die Fluggesellschaften erkennt man ähnliche Strukturen...

Dublin fand es wohl nicht gut, das das Summit demnächst in Lissabon stattfinden soll. Die Argumentationen beider Seiten sollte man auch gesehen haben...

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Nicole Simon

Als jemand der noch nie auf dem Web Summit war kann ich trotzdem sagen: wie jedes Event muß ein Startup sich vorbereiten und kalkulieren ob der Trip es wert ist.
D.h. vorher entsprechend Medien / Investoren usw pitchen (bin da, wer noch), recherchieren wer wann wo wie da ist, Termine komplett durchtakten (der Kalender sollte keine freie Minute haben) usw. Nur hingehen bringt nichts.

Wenn keine passende (Seiten-) Veranstaltung stattfindet, kann man selber Leute zusammenbringen, denn das ist der Punkt: Alle Leute die man treffen will sind für einen begrenzten Zeitraum in einer Stadt und erreichbar.

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