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Web Summit: Die Tech-Szene beginnt sich vor sich selbst zu fürchten

Web Summit in Lissabon. (Foto: t3n)

Mit Sonnenschein und guter Stimmung hat der Web Summit in Lissabon begonnen. Doch das alles dominierende Thema der Tech-Konferenz hat eine düstere Seite.

Stephen Hawking warnt vor der Superintelligenz

„Wird KI uns helfen oder zerstören?“ steht auf großen rosafarbenen Tafeln auf dem Web Summit, eine der größten Tech-Konferenzen der Welt, die am Montagabend in Lissabon eröffnet wurde. Das Thema künstliche Intelligenz (KI) bestimmt in diesem Jahr die Konferenz – sowohl als Helfer für Unternehmen bei der Auswertung großer Datenmengen und als Treiber der technologischen Entwicklung vom autonomen Fahren bis zu digitalen Assistenten. Aber auch als mögliche Bedrohung der Menschheit oder kurzfristig zumindest des Arbeitsmarktes.

Vor einem düsteren Szenario warnte der Astrophysiker Stephen Hawking bei der Eröffnung der Konferenz mit 60.000 Teilnehmern. KI können sowohl das Beste werden, was der Menschheit je passiert ist – oder das Schlimmste. Die rasanten Fortschritte auf dem Gebiet der KI durch die Technik des Machine Learnings, insbesondere Deep Learning in Kombination mit künstlichen neuronalen Netzen, haben für viele führende Köpfe der Tech-Szene ein theoretisches Szenario näher rücken lassen, das als Konzept schon lange existiert: die technologische Singularität. Damit wird in dem Konzept  der Moment bezeichnet, in dem eine generelle künstliche Intelligenz die menschliche überflügelt und in seinem sich selbst verstärkenden Prozess sich selbst immer weiter verbessert.

Das Thema KI dominiert den Web Summit in Lissabon. (Foto: t3n)

Eine solche Superintelligenz könnte das Ende von Alter, Krankheit, Tod und allen Menschheitsproblemen sein, glauben manche – oder der Untergang der Menschheit. Die meisten Anhänger der Theorie halten beide Szenarien für möglich, je nachdem wie es uns gelingt, die Regeln für eine solche KI zu definieren.

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Bauer der Super-KI: Singularity-Net startet ICO am 29. November

Einer, der eine solche Superintelligenz bauen will, ist der Roboter- und KI-Forscher Ben Goertzel. Sein Projekt Singularity-Net verbindet die drei großen aktuellen Hype-Themen der Tech-Branche: Künstliche Intelligenz, die Blockchain und Token Sales – eine Crowd-Finanzierung von Startups derzeit vorbei an jeder Regulierung über Kryptowährungen. Der verwegene Plan Goertzels: Das Verbinden vieler spezialisierter KIs über die dezentrale Datenbank-Technologie Blockchain zu einer großen KI, die jeder über sogenannte „Smart Contracts“ nutzen kann. Auf der Hauptbühne des Web Summit verkündet Goertzel in Beisein zweier Roboter – Sophie und einer Albert-Einstein-Nachbildung – den Token Sale des Projekts für den 29. November.

Auch Einstein und Sophie kommentieren die angeblichen durch KI drohenden Szenarien für die Menschheit auf der Bühne. „Wir Roboter haben keine Absicht Dinge zu zerstören, aber wir werden euch eure Jobs wegnehmen“, sagt Sophie. Unklar ist, wie viel Machine Learning wirklich in den Robotern steckt. Von außen wirkt es so, als könnte die Roboter lediglich auf vorher definierte Schlüsselworte reagieren und dann einen Gesprächsteil abspulen – Zuschauerfragen an die Roboter gibt es keine. Noch sind solche Szenarien – egal, ob Rettung der Menschheit oder Gefahr für den Fortbestand – weit weg, falls sie überhaupt jemals eintreffen.

Das Szenario, das Roboter Sophie anspricht, scheint dagegen deutlich näher als das der technologischen Singularität: Autonome Autos könnten schon in zehn bis zwanzig Jahren einige der größten noch verbliebenen Berufsfelder für Geringqualifizierte grundsätzlich umwerfen: Taxis, Postzustellung und Fernfahrer.

„Meiner persönlichen Einschätzung nach – das ist keine Unternehmensmeinung – dürfte es in den kommenden zehn bis 20 Jahren soweit sein, dass die meisten Autos autonom fahren. Eher 20“, sagte Mytaxi-CEO Andrew Pinnington t3n.de am Rande der Konferenz. Auch danach gebe es aber Aufgaben für Menschen in den Fahrzeugen von Mytaxi – beispielsweise Assistenz für Ältere oder Kinder. Letztlich sei das eine Frage des Preises und des Service.

Wie können alle von der KI-Revolution profitieren

Allerdings gehen viele Experten davon aus, dass die Revolution des autonomen Fahrens die weitere Automatisierung, auch von Dienstleistungen, durch künstliche Intelligenz den Arbeitsmarkt gerade in westlichen Ländern gründlich durchschütteln wird. Auch abseits des futuristischen Themas der Superintelligenz dominieren daher nachdenkliche Themen die Konferenz. Für Max Tegmark, Präsident des Future of Life Institute, gilt es daher einerseits in die Sicherheit von KI zu investieren, anderseits aber auch sicherzustellen, dass von den Früchten der Technologie möglichst alle profitieren. Für Tesla-Chef Elon Musk beispielsweise liegt die Antwort darauf in der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

UN-Generalsekretär António Guterres warnte vor den Auswirkungen der Technologien auf den Arbeitsmarkt: „Es besteht das Risiko massiver Arbeitslosigkeit auch in der entwickelten Welt“, sagte der ehemalige Ministerpräsident Portugals bei der Eröffnung. Trotz Sonnenschein und guter Stimmung der überwiegend jungen Besucher der Tech-Konferenz ist der Web Summit damit ein weiteres Zeichen dafür, dass die Phase des unreflektierten Technologe-Optimismus aus den Anfangstagen des Silicon Valleys längst einer sehr grundsätzlichen Debatte über Technik auch in der Branche selbst gewichen ist. Dass Technologien unser Leben verbessern können, daran zweifelt in Lissabon niemand – dass dies aber automatisch tun werden, glaubt gleichzeitig auch kaum noch jemand.

Disclosure: Die Reise unseres Autors zum Web Summit wurde von Daimler Nutzfahrzeuge finanziert. Einfluss auf die Berichterstattung hat das nicht.

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