Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Sponsored Post Was ist das?

Webdesign-Guru Nils Pooker im Interview: „Man braucht ein dickes Fell“

Anzeige
Nils Pooker ist seit 14 Jahren Webdesigner. Eine Zeit, in der man viel erlebt. Im Interview plaudert der ehemalige Gemäldekopist anlässlich des bevorstehenden PHP-Summit jetzt aus dem Nähkästchen und erklärt, was Webdesigner außer einem dicken Fell noch brauchen.

image001 Nils Pooker war viele Jahre als Gemäldekopist selbstständig im Kunstbereich tätig und arbeitet seit 2001 als freier Webdesigner. Er ist Autor des Buches „Der erfolgreiche Webdesigner“ (Galileo Press). Wichtige Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Themen Kundenkommunikation, Projektmanagement und Website-Konzeption. Im Interview spricht er über den Beruf des Webdesigners, damit verbundene Probleme und über Kunden aus der Hölle.

Frage: Nils, als selbständiger Webdesigner fühlst du dich auf allen Displaygrößen Zuhause. Oder?

Nils Pooker: Ja, das ist mittlerweile nicht nur guter Ton, Responsivität ist eine Standardanforderung für fast alle Webseiten. Natürlich muss man immer im Einzelfall prüfen, für wen welche Inhalte wie aufbereitet werden müssen. Für alle Displaygrößen, alle Systeme und alle Browser zu optimieren ist kaum zu realisieren, aber man sollte es wenigstens versuchen.

Frage: Welche technischen Herausforderungen sind die spannendsten, die in den letzten Jahren deiner Berufserfahrung hinzugekommen sind?

Nils Pooker: HTML5 und CSS3 waren technische Herausforderungen an die Kompetenzen der Webdesigner, aber die Herausforderungen an responsive Webseiten sind eher spannend zu nennen. Die Technik sehen weder Kunden noch Nutzer, aber mit Responsive Webdesign ist wieder ein Aspekt hinzugekommen, bei dem alle mitreden wollen und von dem auch alle der festen Überzeugung sind, mitreden zu können. Das sind dann kommunikationstechnisch die echten Herausforderungen.

Frage: Sind das auch die mit dem größten Potenzial für Katastrophen?

Nils Pooker: Absolut. Auf dem Webkongress Erlangen habe ich den Zuhörern beispielsweise versucht klar zu machen, dass für Kunden die Abkürzung von Responsive Webdesign nicht RWD lautet, sondern SAIGA, denn es gilt immer nur die Prämisse „Soll auf iPhone gut aussehen“. Es muss vor allem auf dem coolen und teuren iPhone gut aussehen und die iPhone-Nutzer rufen auch an, wenn etwas nicht ihren Vorstellungen entspricht. Ganz selten hörst du etwas von der Darstellung auf Android-Smartphones. Und sollte jemals ein Kunde sagen, seine Webseite müsse auf dem Blackberry gut aussehen, dann wäre das die ultimative Thrillstory für den Kaminabend mit dem Urenkel.

Frage: Wie gehst du mit solchen „Katastrophen“ um, wenn es zum Beispiel heißt, dass das Porträtfoto auf dem Smartphone in der Mittagssonne so blass wirke?

Nils Pooker: Ruhig bleiben. Zumindest so lange, bis man den Telefonhörer aufgelegt hat. Dieses konkrete Problem lässt sich zum Glück noch auf die Hersteller abwenden, da kontere ich mit einem „vor über 40 Jahren auf den Mond fliegen, aber noch immer kein Display für die ganz normale Saharasonne zustande bringen“. Problematisch ist das nur dann, wenn ein überbelichtetes Handyfoto oder das High-Key-Portrait aus dem Studio für die Webseite übernommen werden muss, das schon unter Idealbedingungen kaum Kontraste zeigt.

Verweigert man die Annahme kommt der Hinweis, das würde schon gehen, baut man es ein, kommt der Anruf aus Palma de Mallorca, der Golfkumpel hätte auf das blasse Foto hingewiesen und das sei ja nun peinlich. In der Regel hilft aber die klare und sachliche Aufklärung, dass es keinen Königsweg für alle Eventualitäten geben kann. Ein moderner PKW mit ASP, ESP, Tempomat und sonstigem Schnickschnack verhindert ja nicht die Möglichkeit, trotzdem einen Verkehrsunfall bauen zu können.

Frage: Du bist als Webdesigner also eigentlich Kommunikationskünstler?

Nils Pooker: Genau. Das ist es auch, was viele Webdesigner und Entwickler nicht so schätzen, die Kundenkommunikation. Mir machte das immer Spaß, ich rede gern und ich finde es spannend, Menschen Dinge zu erklären. Ich bin auch davon überzeugt, dass eine hohe Kommunikationskompetenz gerade für selbstständige Webdesigner extrem wichtig ist.

Frage: Welche weiteren Stärken braucht man deiner Erfahrung nach noch im Webdesigneralltag?

Nils Pooker: Gelassenheit und Konsequenz. Das musste ich erst lernen. Ich bin seit 21 Jahren selbstständig, aber die Diskrepanz zwischen Kundenwünschen und Medienkompetenz auf der einen Seite und den Anforderungen an die Komplexität der Tätigkeit auf der anderen Seite gibt es wohl kaum in einer anderen Branche. Du sitzt und grübelst über eine schlanke, semantisch saubere Lösung im Frontend, im Hinterkopf immer der Gedanke, dass das ganze auch noch im CMS darstellbar bleiben und auf älteren IEs gut aussehen soll.

Dann erhältst du eine E-Mail mit dem Hinweis, dass die Frau des Prokuristen meine, die Farben seien ja viel zu kräftig oder viel zu blass, die müsse es übrigens wissen, weil sie mal ein halbes Semester Innenarchitektur studiert hätte vor 40 Jahren. Angesichts solcher Scharmützel an der Gardinenfront fragst du dich erstmal, ob die Semantik in der hinteren Ecke deines Codes nicht dein kleinstes Problem sein könnte. Aber dann atmest du durch, schreibst zurück, dass du dich später äußern würdest und frickelst am Code weiter. Man muss also ein dickes Fell haben und konsequent seinen Weg gehen.

Frage: Wird der Beruf des Webdesigners im Allgemeinen also eher unterschätzt?

Nils Pooker: Natürlich wird er das, aber das gilt ja für viele Berufe. Als Webdesigner haben wir einerseits das Problem, dass es noch nicht lange festgelegte Berufswege wie in anderen Branchen gibt, andererseits eignet sich die Webseite auf dem Monitor herrlich als Anlass, Geschmäcker und Meinungen zu kommunizieren. Immer und überall droht die erwähnte Gardinenfront. Programme, mit denen man ohne jegliche HTML-Kenntnisse mal eben eine Webseite basteln kann, gab es schon in den Anfangszeiten des Internets. Auf Grund dieser Tatsache galt ein Webdesigner auch sehr lange als eine Art Hobby-Computerkünstler.

Diese Wahrnehmung hat sich vor allem bei den kleinen Kunden gehalten, die ein Budget von 1.000 Euro als üppig ansehen, weil sie eben davon ausgehen, dass Webdesigner auch heute noch diese Programme verwenden. Jeden Abend zeigt auch die Fernsehwerbung, dass jeder mit dem richtigen Homepage-Baukasten ganz flott und sicher eine schicke Webseite zusammenklicken kann. Da sich die Anforderungen an professionelles Webdesign aber seit jenen 90ern extrem erweitert haben, muss man einschränken, dass der Beruf des Webdesigners zumindest heutzutage unterschätzt wird.

Frage: Auf dem PHP-Summit hältst du als Webdesigner eine Night Session … Wer kam denn auf die Idee?

Nils Pooker: Das waren Sebastian Bergmann, Stefan Priebsch und Arne Blankerts von thePHP.cc. Sie hatten meinen Artikel im Webkrauts-Adventskalender gelesen, das fiktive Tagebuch eines Webdesigners.

Frage: „Das Necronomicon des Webdesigns“ … Was möchtest du den Teilnehmern damit vermitteln?

Nils Pooker: Vieles von dem, was wir hier besprochen haben und was zum Alltag eines Webdesigners gehört. In erster Linie möchte ich das Auditorium natürlich unterhalten, ich mache seit 14 Jahren Webdesign und da wäre schon genug für einen abendfüllenden Vortag vorhanden, ich werde allerdings die besonders kuriosen und skurrilen Episoden herausfischen. Ich muss da nichts erfinden oder konstruieren, die Realität ist oft viel schräger als jede Fantasie.

Frage: Hand auf’s Herz: Würdest du es wieder tun? Wieder Webdesigner werden?

Nils Pooker: Ja, sonst würde ich es auch nicht mehr machen. Es gibt jeden Tag mindestens einen Moment, in dem ich am liebsten ein T-Shirt meiner Frau anziehen würde, auf dem steht „Ich schmeisse alles hin und werde Prinzessin“. Dann erinnere ich mich an die Zeit als Bildausstatter und Gemäldekopist, in der ich einmal Goldbronze ins fertige Bild malen sollte, weil das so lebendig wirken würde oder an den Überzug eines Gemäldes mit verdünnter schwarzer Farbe, weil dem depressiven Kunden die originalen Farben dann doch zu fröhlich waren. Sobald solche Erinnerungen auftauchen, tippe ich gern wieder Code, fluche über Adobe-Abstürze und nehme wieder die Telefonate von der Gardinenfront entgegen.

Webdesigner und Entwickler, jetzt für den PHP-Summit anmelden!

6 Reaktionen
Jens
Jens

Ich kannte den guten Mann auch nicht. Nach dem Durchschauen seiner Website habe ich aber auch nicht das Gefühl, da was verpasst zu haben.
Was macht ihn jetzt genau zum Webdesigner-Guru? Sehe bei seinen Referenzen nichts Herausragendes, keine Innovation... und von Design, möchte ich mal gar nicht sprechen.

Antworten
Dr. No
Dr. No

Meine Worte...

Antworten
Torsten
Torsten

Auf jeden Fall ein tolles Interview, das mich sehr zum schmunzeln brachte.

Antworten
guru
guru

Verstehe, aber da vertraue ich lieber auf Leute wie Paul Irish, Chris Coyier, Nicole Sullivan, Brad Frost oder Harry Roberts und co.

Antworten
Nina Gerling
Nina Gerling

Wenn du von Nils Pooker noch nichts gehört hast, ist dir ein essentieller Teil der deutschen Webszene entgangen :-)

Antworten
guru
guru

Noch nie von Ihm gehört.

Antworten
Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden