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Software & Infrastruktur

Webdesign-Ikone Jeremy Keith: „Wir brauchen ein Backup des Internets“ [BTCONF 2013]

Jeremy Keith eröffnete die Beyond Tellerrand und forderte in seinem Talk ein Backup des Internets

Webdesign-Ikone und Netz-Vordenker Jeremy Keith aus Brighton hat die Beyond Tellerrand in Düsseldorf, eine der renommiertesten Konferenzen für Webentwickler und Webdesigner in Europa, mit einem spannenden Vortrag eröffnet. Darin fordert er die Web-Industrie dazu auf, sensibler mit Daten umzugehen. „Wir brauchen ein Backup des Internets“, sagt er. Nur so sei die Entstehung eines historischen Bewusstseins des Netzes möglich, dass zu seiner stetigen Verbesserung nötig ist.

Keith plädiert dafür, die Geschichte der noch jungen Web-Industrie stärker ins Bewusstsein zu rücken. Das Internet sei zwar noch recht jung, umso wichtiger aber sei es, die Anfänge des Webs zu dokumentieren. Als negatives Beispiel führt Keith den Web-Service GeoCities an – ein Dienst, der kostenloses Webhosting anbot und vor allem in den 90er Jahren extrem populär war. Solche Dienste, die es Nutzern auf einfache Art und Weise ermöglichen, etwas zu publishen, seien ein großartige Sache und wichtiger Grundbestandteil des Webs, so Keith. Im Falle von Geocities kaufte Yahoo den Dienst 1999 – und stellte ihn 2009 ein. Und: Der Internetkonzern löschte bei der Schließung des Services einfach alle Daten der Nutzer. So verschwanden von einem Tag auf den anderen Millionen von Websites von der Bildfläche – von Nutzern kreierte Daten sind auf diese Weise für immer verschollen.

Jeremy Keith eröffnete die Beyond Tellerrand und forderte in seinem Talk ein Backup des Internets
Jeremy Keith eröffnete die Beyond Tellerrand und forderte in seinem Talk ein Backup des Internets.

Zwar waren die meisten Websites jener Zeit in Sachen Design auf einem Niveau, das im Vergleich zu heute kaum als schön zu bezeichnen ist. Darauf komme es, so Keith, aber auch nicht an – was im Falle von GeoCities verloren gegangen sei, sind historische Daten, die den Charakter des Webs der 90er Jahre veranschaulichten. GeoCities sei nur ein Beispiel, das die grundlegende Datenproblematik kostenfreier Web-Dienste aufzeige. Heute – in Zeiten von Facebook, Twitter und Google – ein Problem, dass noch viel akuter ist.

Historisches Bewusstsein für das Web nötig

Je mehr kostenfreie Services heute im Netz um Nutzer buhlten, desto wichtiger werde es, das sensible Thema Daten und Datensicherung zu thematisieren. Dass wir bei Facebook, Twitter und Co. mit unseren Daten bezahlen, ist kein Geheimnis. Umso wichtiger aber ist es, die Souveränität über die eigenen Daten wieder zu gewinnen – kein neuer Gedanke, jedoch rückt Keith ihn auf ein höheres Level und betrachtet die Datenproblematik in Bezug auf das gesamte Web. Nur historisches Bewusstsein erlaube es, so Keith, bereits begangene Fehler nicht zu wiederholen. So seien wir auch heute mit Problemen im Webdesign konfrontiert, die auch vor einigen Jahren auftraten – als Beispiele nannte Keith unter anderem Responsive Images. Und man mache zum Teil die gleichen Fehler, weil wichtiges Wissenvon damals nur bedingt dokumentiert sei.

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Was Webdienste aktuell tun sollten

Was also können Web-Dienste aktuell tun, um die Problematik in Sachen Datensicherheit anzugehen und die Lage zu verbessern? Erstens sollten sie mit Daten behutsam und viel sensibler umgehen, als sie es bisher tun. Schließlich sind Daten die Währung, mit der Facebook und Co. ihre Geschäftsmodelle aufziehen. Zweitens sollten sie Nutzern ermöglichen, nicht nur Daten hochzuladen, sondern auch herunterzuladen – „No Upload without Download“. Und schließlich drittens, und das hängt unmittelbar mit dem zweiten Punkt zusammen: „If you close a System, support Data Rescue“- Sprich: bei geschlossenen Systemen – die womöglich irgendwann aufgekauft und geschlossen werden – zumindest die Möglichkeit bieten, den gesamten Datenstamm zu sichern.

Archive.org: Ein Backupversuch des Internets
Archive.org: Ein Backupversuch des Internets.

Kurzfristiges Denken fatal

Die aktuelle Tendenz im Web gehe allerdings in die falsche Richtung. Es entstünden immer mehr geschlossene Systeme, in denen Daten zwar hochgeladen werden können – Nutzer aber kaum die Möglichkeit haben, ihre Daten zu sichern. Riesige Datenmengen werden zentralisiert gespeichert und sind vor einer totale Löschung nicht sicher. Wir dürfen nicht – so Keith – zu kurzsichtig denken, nur weil das Web eine noch so junge Technologie ist. Was ist in zehn, 20 Jahren? Was passiert etwa, wenn Facebook pleite geht oder Twitter von einem anderen Unternehmen geschluckt wird? Was ist dann mit den Daten, mit unseren Daten? „Wir brauchen ein Backup des Internets“, so Keith. Eine verrückte Idee, aber es gibt tatsächlich Projekte, die so etwas versuchen – archive.org etwa scannt sämtliche Websites und speichert diese. Ein Schritt in die richtige Richtung, so Keith.

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3 Reaktionen
Christian Benedictä

archive.org „versucht“ das, ja. Leider aber nur mit mäßigem Erfolg, denn abgeschottete Seiten wie Facebook & Co lassen sich schlecht archivieren. Zudem erzeugen wir geradezu aberwitzige Mengen an Daten - unterschiedlicher Qualität - jeden Tag NEU! Das Backup solcher Riesenmengen kann eigentlich nur von den Anbietern selbst „gebackuped“ werden …

Vielleicht finden wir aber ja eine Möglichkeit, Teile des Webs in einer Art digitalem Museum zu erhalten?

Eine spannende Idee das mit dem Backup jedenfalls.

iwanitoo

Recht hat der Mann! Was aber eure mobile Version der Seite angeht: Sie ist nicht mobil teilbar. Dann bitte auch die Sharing-Buttons raus.

Benny Lava

Deshalb sollten wir anfangen, das Internet auszudrucken.

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