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Entwicklung

Webentwickler Jens Grochtdreis: „Prinzipiell ist CSS eine simple Sache. Und das sollte auch so bleiben!“

    Webentwickler Jens Grochtdreis: „Prinzipiell ist CSS eine simple Sache. Und das sollte auch so bleiben!“

(Foto: Software & Support Media GmbH)

Anfang Oktober ist es so weit: Die HTML5 Days, AngularJS Days und JavaScript Days starten in Berlin. Auch der Web-Experte Jens Grochtdreis wird als Sprecher vor Ort sein.

Im Interview mit dem Journalisten Thomas Wießeckel spricht Jens Grochtdreis über Stolpersteine in der Entwicklung mit HTML und CSS und gibt einen Einblick in seinen Workshop über modulare Webentwicklung mit Sass, den er auf den HTML5 Days halten wird.

Webmontag #22 am 16. Mai 2010 in der Brotfabrik in Frankfurt. Dieses Foto untersteht dem Copyright von Patrick Lenz. Verwendung in Beiträgen und Weblogs über den Webmontag Frankfurt sowie persönlicher und nicht kommerzieller Verwendung ist mit expliziter Quellenangabe mit Link zurück zu dieser Seite gestattet. Alle anderen Rechte vorbehalten. Bitte nehmen Sie für jedwede andere Verwendung Kontakt via Email auf.
Web-Experte Jens Grochtdreis (Foto: Patrick Lenz)

Thomas Wießeckel: Jens, wir befinden uns im Jahr 2015, wir besitzen moderne Browser und CSS sollte eigentlich allen gebräuchlich sein. Warum gibt es noch immer so viele Fehlerteufel? Sind die Features zu mächtig oder gar zu uneindeutig in der Verwendung?

HTML und CSS erscheinen immer so simpel. Aber viele verstehen Techniken wie Floats noch immer nicht.

Jens Grochtdreis: Das Zauberwort ist „sollte“. Ich gebe viele Schulungen. Dabei treffe ich immer wieder auf Entwickler, die eigentlich Backend-Entwickler sind, aber Frontend mitmachen müssen. Sie machen dies oft halbherzig, ohne Begeisterung und ohne jemals die Techniken richtig erlernt zu haben.

HTML und CSS erscheinen immer so simpel. Aber viele verstehen Techniken wie Floats noch immer nicht. Diese Entwickler eint mit der anderen großen Gruppe der „normalen“ Frontend-Entwickler, dass sie während der Arbeit selten Zeit für Fortbildung bekommen und dementsprechend von der Entwicklung abgehängt sind.

Wießeckel: Was sind so die typischen Stolpersteine?

Grochtdreis: Ich sehe drei Unterschiedliche: Der Entwickler hat ein Sprachfeature nicht verstanden. Das passiert gerne bei Floats und Clearing, natürlich erst recht bei selten eingesetzten Techniken wie Flexbox. Der Designer hat leider nicht genügend Ahnung von Frontendentwicklung und schätzt Techniken falsch ein. Oder er kennt Techniken nicht und kann sie deshalb nicht zum Guten des Designs nutzen. Oder der Kunde möchte ganz bestimmte Features und Techniken, ist aber selber mit einem Browser unterwegs, der diese nicht beherrscht. Natürlich soll die Webseite auch und gerade intern genauso toll sein, wie beim Endkunden mit einem modernen Browser. Das ist der Klassiker und er wird es bleiben.

Wießeckel: Aktuell schickt sich ein kleines Unternehmen aus Redmond an, mit Microsoft Edge alte Fehler wieder gut zu machen. Gelingt das deiner Meinung nach?

In Großunternehmen und Behörden wird man eher keinen modernen Internet Explorer finden.

Grochtdreis: Das liegt nur zum Teil in Händen von Microsoft. Technisch sind sie schon seit einigen Jahren sehr gut dabei. Das Problem ist die Langlebigkeit ihrer Produkte. Sie gewähren lange Garantie, die Großkunden wollen das aber auch so. Letztens zeigte ein Foto aus dem Bundestag eine große Leinwand, auf der der Startbildschirm von Windows XP zu sehen war.

Und der Bundestag ist damit nicht allein. In Großunternehmen und Behörden wird man eher keinen modernen Internet Explorer (IE) finden. Wär ich für 10.000 Rechner verantwortlich, würde ich auch kein Chrome installieren wollen, der sich einfach mal selber aktualisiert, ohne kontrollierbar zu sein. Ich denke, dieses Dilemma werden wir nie loswerden.

 Die HTML5 Days finden vom 5. bis 7. Oktober in Berlin statt. (Logo: Software & Support Media GmbH)
Die HTML5 Days finden vom 5. bis 7. Oktober in Berlin statt. (Logo: Software & Support Media GmbH)

Wießeckel: Sind all die angesprochenen Probleme ein Grund, warum sich Präprozessoren wie Sass noch immer einer immensen Beliebtheit freuen?

Grochtdreis: Diese sind bestimmt beliebt, weil sie Arbeit mit Vendor-Prefixes abnehmen müssen. Aber auch deshalb, weil sie echte modulare Arbeit ermöglichen. Präprozessoren können in jeglicher Hinsicht Arbeit abnehmen. Aber sie werden noch von zu wenigen Entwicklern genutzt.

Wießeckel: Auf den HTML5 Days gehst du auf modulare Webentwicklung mit Sass ein. Nähert sich die Frontendentwicklung damit noch mehr der „klassischen“ Entwicklung an?

Grochtdreis: Nein. Wir können zwar mit Loops in Sass arbeiten, aber das bisschen Programmierbarkeit macht aus Frontend-Entwicklung noch keine „klassische“ Entwicklung.

Zudem muss ich nach einigen Jahren intensiver Arbeit mit Sass sagen, dass mir hauptsächlich ein paar Kernfeatures gefallen, ich aber nie alle Sprachfeatures nutzen würde. Man kann Stunden mit der Erschaffung neuer Mixins verbringen. Die muss man nachher aber auch anwenden. Daran hapert es oft.

Präprozessoren nehmen Frontendentwicklern Arbeit ab. Aber sie machen nicht aus einer Beschreibungssprache eine Programmiersprache. Das wäre auch schade. Denn prinzipiell ist ja CSS eine simple Sache. Und das sollte auch so bleiben.

Wießeckel: Wird es nicht Zeit, dass CSS endlich Features übernimmt, die Präprozessoren schon seit langem bieten?

Grochtdreis: Ich wüsste nicht, warum. Ich vermisse beispielsweise keine Variablen. Ich denke bei so etwas auch immer an die Kompatibilität. Seit Jahren kann man nun schon „::before“ schreiben. Das steht so im Standard. Aber der IE versteht dies erst ab Version 9. Solange es also noch genügend IE8-Nutzer gibt, schließe ich sie mit der modernen Schreibweise unnötig ab.

Sollten zum Beispiel Variablen eingeführt werden, müsste erst der IE bis einschließlich v11 aussterben, damit man sie ruhigen Gewissens und ohne Hacks nutzen kann. Da sehe ich keinen Nutzen.

Neue Techniken können immer gerne eingeführt werden. Aber dann bitte echte CSS-Techniken, die man dann auch im Browser sieht. Aber keine Sprachfeatures von Präprozessoren. Wer Variablen nutzen will, der nutzt einen Präprozessor oder baut sich sein CSS mit PHP selber zusammen. Daran ist nichts Schlimmes. Das müssen wir nicht ändern.

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