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Webentwicklerkonfenz beyond tellerrand überzeugt mit Flair und guten Inhalten

Webentwicklerkonfenz beyond tellerrand überzeugt mit Flair und guten Inhalten

Die Liste der Sprecher auf der „beyond tellerrand“ liest sich wie die Crème de la Crème der Webentwickler. Und in der Tat konnten auch die Vorträge der englischsprachigen und in Düsseldorf stattfindenden Konferenz überzeugen. David Maciejewski war für t3n vor Ort.

Webentwicklerkonfenz beyond tellerrand überzeugt mit Flair und guten Inhalten
Jon Tan vor dem Schriftzug der Konferenz – passend zu seinem Vortrag zur Typograph…

beyond tellerrand 2011An zwei Tagen (21. und 22. November 2011) hielten 15 Sprecher in einem Slot jeweils einen Talk von 45 Minuten. Im „Capitol“ in Düsseldorf konnten keine zwei Slots belegt werden, was sich aber durchaus als Vorteil herausstellte: Zum einen konnten die Zuschauer so jeden Talk ohne Überschneidungen verfolgen, zum anderen zeichnet sich der genutze Raum im Capitol – der „Club“ – durch seine Atmosphäre aus. Bis auf die hinteren Reihen gruppieren sich die vorderen Stühle um mit Lampen versehenen Tischen. Was zunächst sehr gewöhnungsbedürftig anmutet und entfernt an eine Bar erinnern könnte, förderte aber die Gesprächskultur. Und um genau die ging es auch bei .

Der Veranstalter Marc Thiele hat die Sprecher nicht etwa im Backstagebereich vor den Zuschauern versteckt und sie nach dem Talk zum privaten Interview entführt, sondern sie mitten im Publikum sitzen lassen. So wurden Barrieren abgebaut und Fachgespräche gefördert. Aber auch auf der Bühne gab es Gesprächsstoff und sogar Unterhaltung pur.

Die Talks vom ersten Konferenztag

Chris Heilmann durfte am Dienstag als erster Sprecher auf die Bühne. Er war ein paar Jahre als Webstandards Evangelist für Yahoo in London tätig, hat hunderte von Artikeln veröffentlicht und arbeitet inzwischen bei Mozilla. Sein Talk „Breaking the barriers – Moving browsers and the web forward“ zeigte auf, dass die Browser nicht nur zum Darstellen von einfachen Webseiten da sind, sondern stellenweise schon heute Technologien beinhalten, mit denen man verblüffende Ergebnisse erzielen kann. Es gibt kein Grund, diese nicht einzusetzen.

Folie zum Talk

Die Chefredateurin von „Web Standards Sherpa“ Steph Troeth fragte in ihrem Talk „Cheat your way with UX“ das Publikum, für wen sie ihre Webseiten eigentlich bauen. Sie stellte ein paar Möglichkeiten vor, wie man sich ein Bild der User machen kann, die die Webseite nutzen sollen.

Folien zum Talk

Aaron Gustafson ist Gruppenmanager beim Web Standards Project (WaSP) und Herausgeber des Buches „Adaptive Web Design“. Sein Vortrag „Crafting Rich Experiences with Progressive Enhancement“ ist angelehnt an die Inhalte des Buches und erklärt, was „progressive enhancement“ im Webdesign eigentlich ist, was es bedeutet und wie es funktioniert.

Folien zum Talk

„Going Beyond“ hieß es bei Naomi Atkinson - Sie ist Designerin und Illustratorin und hat für Brands wie Audi, British Telecom, Macmillan Cancer Support und Aviva gearbeitet. „Um als Selbständiger präsent zu sein, sollte man sich zur Marke machen“, sagt sie und zeigt and Hand von drei Prominenten, wie diese sich zur Marke gemacht haben und was für Schlüsse der Webentwickler bei der Selbstfindung daraus ziehen kann.

Naomi Atkinson (Foto: Stefan Nitzsche)

Den undankbaren Job des ersten Vortragenden nach der großen Mittagspause durfte der vortragserfahrene Programmierer und Autor Heiko Behrens ausüben. Dass er Eclipse aktiv mitenwickelt, merkt man spätestens bei seinem ersten Live-Coding, in dem er zeigt, wie man mit simplem HTML, CSS und JavaScript native Anwendungen für mobile Geräte vorbereitet, bevor sie kompiliert werden. Aber auch sonst steckte sein Talk „Mobile Apps with JavaScript – There's More Than Web“ voller Überraschungen. Er koppelten den iOS-Simulator und andere Tools, verband sie mit seiner Konsole und nahm mit JavaScript direkten Einfluss auf das Geschehen.

Folien zum Talk

Vitaly Friedman, Herausgeber vom Smashing Magazine, zeigte gute und weniger gut gelungene Webseiten, und fragte sich, warum alle immer unglaublich viel Zeit damit verschwenden, sich inspirieren zu lassen, statt selbst tätig zu werden. Für ihn sind die Webseiten ideal, die ihn schnell an sein Ziel bringen: Verständliche Visualisierungen fördern das zum Teil eher als abstrakte Klapplisten, so Vitaly.

Folien zum Talk

Seb Lee-Delisle war am ersten Tag der Entertainer schlechthin. Mit JavaScript zeigte er in seinem Talk „CreativeJS – Beauty in the Browser“ binnen von wenigen Minuten, wie aus einem leeren Canvas-Element ein sich im Wind bewegender Baum entsteht – stets unter frenetischem Jubel der Anwesenden. Seb ist ein international anerkannter kreativer Coder, der in diversen Workshops und Vorträgen weltweit Menschen mit Spaß zusammenbringt, in dem er sie stets aktiv beteiligt. Wer Seb noch nicht erlebt hat, sollte seinen Namen auf den Gästelisten der Konferenzen suchen und hingehen.

Seb Lee-Delisle (Foto: Stefan Nitzsche)

In seiner Kolumne „Bald Condensed“ und für FontFeed schreibt Yves Peters Artikel über Typographie, stellt Fonts vor und analysiert deren Einsatz. So auch in seinem Vortrag „Trajan in movie posters: the rise and fall of the Roman Empire“. Die hier präsentierten Ergebnisse seiner sehr umfangreichen und langwierigen Recherche über die Schriftarten auf Filmpostern sind beeindruckend und belustigend zugleich. Er vergleicht verschiedene Filmposter aller Epochen und klassifiziert sie an Hand von Typographie und Art. Und der Zuschauer erkennt sofort, dass Hollywood oft nach einem Schema verfährt, in dem es bestimmte Filme je nach Rubrik immer gleich gestaltet. Sehenswert ist in diesem Zusammenhang auf jeden Fall das Video Flying Poster Floating Heads.

Der zweite Konferenztag

Am zweiten Konferenztag von beyond tellerrand reichten sich Des Trayner, Steph Hay, Simon Collison, Tomas Caspers, Dan Rubin, Jake Archibald und Jon Tan das Mikrofon.

Des Traynor startet am Morgen mit seinem Talk „Creating Dashboards & Data Visualisations that Resonate“, in dem er einfache Statistiken zeigen, die je nach Darstellsart des Graphen und bei gleichen Datenbestand ganz andere Rückschlüsse zulassen. Er zeigt auf, wie man Daten gut visualisiert, aber auch, wie andere sie eben gar nicht gut visualisiert haben. Des Trayner ist UX-Designer und -Berater und hält regelmäßig Vorträge auf internationalen Veranstaltungen.

Steph Hay lebt in Washington und ist Informationsarchitektin und Autorin. In ihrem erfrischenden Talk „Who Cares About Content?“ zeigt sie auf, wie Unternehmen Ihre Dienstleistungen und Produkte mal gut und mal weniger in Szene setzen. Inhaltlich sollte eine Webseite ihrer Meinung nach dem User zeigen, wie dieser von den Angeboten profitiert, Bedürfnisse weckt. Es reicht nicht aus, einfach nur die Produkte zu beschönigen. Statt ungenaue Zielgruppen zu definieren, sollte man lieber jemanden im Café ansprechen und in in Erfahrung bringen, was seine Bedürfnisse sind.

Folien zum Talk

In „Notes from the Edge“ erklärt der britische Webdesigner und Buchautor Simon Collison, dass Webentwickler oft naiv sind und immer die gleichen Fehler machen. Sie scheitern an ihren Tools und lassen sich von ihren Zielen abbringen. Für ihn ist es an der Zeit, damit aufzuhören und stattdessen zielgerichteter zu denken und von den Fehler zu lernen.

Folien zum Talk

beyond tellerrand 2011

Der Experte für Barrierefreiheit Tomas Caspers berät Unternehmen und Behörden, konzipiert zugängliche Webseiten und setzt diese um. In vielen Artikeln und Vorträgen vermittelt er stets sein Wissen weiter. In seinem Vortrag „How to sneak Accessibility into your project without anybody noticing it“ zeigt er nicht nur viele Katzen- und Hundebilder, sondern vermittelt in erster Linie auch, warum man Webseiten zugänglicher machen solle, auch wenn man keine „blinden Benutzer“ hat. Die Barrierefreiheit ist kein Programmierstil, sondern hat etwas mit Menschen zu tun. Er erklärt, wie man als Agentur die Webseite des Kunden für jeden öffnet und gleichzeitg das Budget einhalten kann.

Folien zum Talk

Dan Rubin ist Autor, Lehrer und passionierter UX-Designer und Webstandards-Evangelist. In „Hands-on Prototyping with HTML & CSS“ stellt er heraus, dass Usabilitytests und Design keine getrennten Prozesse sein müssen. Mit relativ einfachen Mitteln lässt er seine Kunden seine Designs erkunden. Photoshop-Entwürfe bindet er in einer Webseite ein und setzt vereinzelt Links oder bindet Formularelemente ein, um die starren Bilder, die die Webseite darstellen, ein Stück „benutzbar“ zu machen. So kann er erkennen, wie die User die Webseite nutzen, warum sie auf einen Link geklickt haben oder warum sie etwas erwarten, was nicht da ist.

Jake Archibald arbeitete als JavaScript-Guru bei der BBC und betreute später Kunden wie eBay, Sony und Canonical. Heute betreut er die Plattform Lanyrd, mit der Twitter-User ihre Konferenzbesuche für das Jahr planen und mit ihren Freunden abstimmen. Dass er durchaus zum Entertainer taugen könnte, stellt er im Talk „Reusable , for good or for awesome!“ unter Beweis. Mit Können und Witz zeigte er, wie man das Beste aus seinem Code rausholt und ihn so zusammenstellt, dass andere ihn leicht verstehen und erweitern können.

Jon Tan (Foto: Stefan Nitzsche)

Jon Tan war der letzte Redner der beyond tellerrand. Er ist Designer, gründete Fontdeck mit, schreibt Artikel, hält Vorträge und versucht seine „zwei Söhne in den Griff zu bekommen“. Im Vortrag „Welcome to the brave new world of web type“ hatte er das Publikum auf jeden Fall auf seiner Seite. Er vermittelte seine Liebe zur Typographie und präsentierte Webseiten, die die Fonts als Stilmittel einsetzen. Das Papier hat sich in Pixel gewandelt und die Schriften haben sich ebenfalls gewandelt, so Jon.

Mein Fazit von der beyond tellerrand

Marc Thiele hat ganze Arbeit geleistet, interessante Speaker zusammengetrommelt und eine wunderschöne Location aufgetan. Die Reaktionen auf Twitter waren während und nach der Konferenz überschwänglich und forderten eine Fortsetzung im nächsten Jahr. Dem kann ich mich nur anschließen. So viele internationele Webentwickler in Deutschland hat man selten am Nebentisch sitzen, die jederzeit auch für Gespräche zu haben waren. Aber auch nach den letzten Vorträgen an den beiden Tagen trafen sich alle, um über das Web und die Zukunft zu disktutieren, aber auch zu reflektieren, warum sich deutsche Webentwickler auf dem internationalen Parkett so schwer tun. Eine Sprachbarriere ist im Alltag vorhanden, spielete bei beyond tellerrand aber keinesfalls eine Rolle. Zeugnis davon ist auch der 48. Workingdraft-Podcast, den ich zusammen mit acht Webentwickler-Kollegen produziert habe und bei dem wir auch mit Naomi Atkinson über eben diese Sprachbarriere gesprochen haben. Die Folge könnt ihr euch anhören oder auch bei YouTube in ganzer Länge ansehen.

Ich habe viel mitgenommen und wünschte, die Konferenz würde nicht aufhören. Wer sich ärgert, nicht dabei gewesen zu sein, darf sie auf die Videoaufzeichnungen freuen, die im Moment vorbereitet werden. Die Fotos in diesem Artikel hat uns Stefan Nitzsche zur Verfügung gestellt.

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5 Antworten
  1. von marc thiele am 25.11.2011 (14:49 Uhr)

    Hallo David,

    das ist wirklich ein netter und umfassender Artikel. Lieben Dank! Ich freue mich, dass es dir so gut gefallen hat und hoffe, dass ich nächstes Jahr da anknüpfen kann…

    Beste Grüße aus dem Wald!

    /marc

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  2. von David Maciejewski am 25.11.2011 (15:04 Uhr)

    Danke. Sobald die Videos verfügbar sind, werde ich sie hier auch nachtragen.

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  3. von better am 26.11.2011 (09:01 Uhr)

    danke David, damit hat sich meine Frage geklärt.. ich konnte aufgrund meiner Arbeit leider nicht erscheinen, da kommt es mir gerade richtig, dass es Videos geben wird :)

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  4. von bobCat am 26.11.2011 (13:41 Uhr)

    Interessanter Artikel.

    Da dies eine Webentwicklerkonferenz ist / war, gehört da nicht auch Flash dazu?
    Dabei meine ich den Desktopbereich. Oder war diese Konferenz rein auf "mobile",
    bzw. "neue" Technologien bzw. "pure HTMLs" plus non-flash Plugins bezogen ?

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  5. von marc thiele am 29.11.2011 (11:20 Uhr)

    @bobCat: Ich habe bewusst auf konkrete Technologien verzichtet, bei der Auswahl der Themen. Ich wollte einen Mix aus Design und Development-Themen, ohne dabei konkrete Tools oder Technologien in den Vordergrund zu stellen. Das alles gesalzen mit einer Prise Type und JavaScript. Und das Feedback zeigt, dass das Programm gut ankam.

    Anders ist es bei meinem Event im April, der das 12. Mal stattfindet. Dieser Event, der ehemals "FFK" hieß, ging aus der Flash Community hervor, beschäftigt sich aber nun schon seit Jahren auch mit anderen Dingen befasst. Vom 24. bis 27. April findet die Veranstaltung mit dem Motto "Play" statt und bisher bestätigt sind: Joshua Davis, Grant Skinner (mit einem Vortrag zu Easle JS), Rob Bateman (Away3D Gründer), Tom Beddard, Eugene Zatepyakin und Frank Reitberger. Weitere folgen in Kürze.

    Bei Fragen gerne eine Mail an contact-at-beyondtellerrand.com

    /marc

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