Webentwicklung Warum Google auf die Einführung von HTML 5 drängt

(von Jan Tißler) Mit HTML 5 ergeben sich faszinierende neue Möglichkeiten im Browser - zumindest sobald der Standard verabschiedet und weiträumig eingeführt ist. machte auf seiner Entwicklerkonferenz Google I/O nun gehörig Druck und zeigte, was alles möglich wäre. Einige Features haben es dem Webgiganten dabei besonders angetan. Denn sie ermöglichen noch mehr als bisher komplexe Applikationen im Web - unabhängig vom Betriebssystem oder den Plugins anderer Hersteller.

Wer Videos anzeigen will, braucht heute in der Regel einen ellenlangen Code und greift auf das Flash-Plugin von Adobe zurück. Mit HTML 5 lassen sich Videos so simpel integrieren wie heute Bilder. Neben dem Tag <image> gibt es dann noch den Tag <video> - so einfach kann das Leben sein. Google zeigt auf einer YouTube-Seite wie das aussehen könnte, sofern man einen Browser mit entsprechenden Möglichkeiten benutzt. Den Unterschied sieht man dann erst im Quellcode: Look Mom - no Flash! Entsprechend ist für Audio-Inhalte übrigens ein <audio>-Tag vorgesehen.

Neue Anwendungsmöglichkeiten bringen außerdem die „web worker“ in HTML 5. Sie ermöglichen Hintergrundprozesse. Aufwändige Skripte, die früher den Browser lahmgelegt haben, beeinflussen ihn dann nicht mehr. Wer mag, kann es ausprobieren: Browser lahmlegen oder den Browser nicht lahmlegen. Das ermöglicht logischerweise sehr viel komplexere Skripte als heute.

Lokales speichern und das universelle Canvas

Sehr praktisch sind auch Möglichkeiten, Daten lokal zu speichern. Sie funktionieren dann auch ohne Internetzugang und beispielsweise erscheint ein Programm beim nächsten Aufruf wieder so, wie man es verlassen hat. Ausprobieren kann man das mit dieser beispielhaften Notizen-App.

Sehr vielversprechend sieht außerdem das neue „Canvas“-Element aus, mit dem man grafische Dinge umsetzen kann, die man bislang einem Browser nicht zugetraut hat. Ein simples Malprogramm ist damit machbar, aber ebenso auch die grafische Umsetzung von Zahlen in Grafiken, ein Computerspiel oder noch komplexere Animationen.

Auf einer Seite sind alle auf der Google I/O vorgeführten Beispiele zusammengefasst.

Fazit: Alles hängt am Browser

Beispiel für ein komplexes Tool, umgesetzt mit HTML 5: Google Wave.

Beispiel für ein komplexes Tool, umgesetzt mit HTML 5: Google Wave.

Alles hängt jetzt daran, was die aktuellen Browser ermöglichen. Safari, Firefox, Opera und Chrome haben schon begonnen, Teile des geplanten Standards umzusetzen. Der Internet Explorer hängt (mal wieder) deutlich hinterher. Für Microsoft dürfte die Situation allerdings auch nicht angenehm sein, denn es passiert genau das, was sie unter anderem mit dem Niederringen des Navigators verhindern wollten: Dass der Browser zum zentralen Programm wird und das Betriebssystem egal ist.

Googles Interessenlage ist natürlich genau umgekehrt. Sie möchten alle diese Möglichkeiten lieber heute als morgen haben. Mit dem Chrome haben sie immerhin ein eigenes Pferd im Browser-Rennen. Allerdings ist der Marktanteil gegenüber den anderen noch verschwindend klein. Google könnte natürlich alle gewünschten Funktionen von HTML 5  in den Chrome integrieren und seine eigenen Web-Apps genau darauf abstimmen. Wer also alle Features von Google Docs, Google Mail und den vielen weiteren Angeboten nutzen will, bräuchte dann den Google-Browser. Ob sich der Internetriese wagt, diesen Schritt zu gehen? Für die eigene Reputation wäre das jedenfalls mehr als schädlich. Für den Fortschritt des Internets könnte es hingegen einen Schub bedeuten.

 Webentwicklung: Warum Google auf die Einführung von HTML 5 drängt

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9 Antworten

  1. von Ralf 29.05.2009 (12:43Uhr) 1.

    Ich glaube nicht daran, dass es so schnell mit HTML5 geht.
    Es wird noch über Jahre hin alte Browser geben, sogar den IE6. Denkbar wäre aber Wep-Apps an neue Browser zu binden bzw. die auszusperren die eben kein neuen Browser haben.
    Als Webmaster der normale Seiten betreut ist es wohl noch lange nicht soweit HTML5 zu verwenden....

  2. von Jan Tißler 29.05.2009 (14:33Uhr) 2.

    Wie gesagt: Google hat ja mit dem Chrome selbst in der Hand, einen passenden Browser zu entwickeln. Es ließe sich ja sogar so drehen, dass die Nutzer für entsprechende, auf HTML 5 angewiesene Dienste eine Software herunterladen müssen - was dann einfach ein entsprechend umgewidmeter Chrome ist. Wenn ich eine Desktop-Software nutzen will, lade ich sie mir ja auch herunter - gerade den nicht so erfahrenen Nutzern wird der Unterschied gar nicht so klar sein.

    Insofern ist aus meiner Sicht eben bereits heute interessant, was offiziell erst in einigen Jahren zum Standard wird. Und wenn Google mit seinen Diensten (wie Google Wave) erst einmal zeigt, was man nun alles machen kann, werden auch andere nachziehen. So jedenfalls könnte ich es mir vorstellen.

  3. von Sebastian Kippe 02.06.2009 (10:37Uhr) 3.

    "Wer also alle Features von Google Docs, Google Mail und den vielen weiteren Angeboten nutzen will, bräuchte dann den Google-Browser."

    Das stimmt so überhaupt nicht. Die kommenden Finals und aktuellen Betas von Firefox, Safari und Opera unterstützen ebenso die wichtigsten HTML5-Features wie z.B. Datenbanken und JavaScript Workers, und im Internet Explorer lässt sich das mit Google Gears nachrüsten (welches im Prinzip nichts anderes als eine große HTML5-Toolbox ist). Google müsste also nur verlangen entweder Gears oder irgendeinen der großen Nicht-Microsoft-Browser zu installieren.

  4. von Andreas Dantz 02.06.2009 (10:38Uhr) 4.

    Ich sehe bei Microsoft auch ein großes Problem. Man hängt jetzt schon der Technik massiv hinterher. Selbst der gerade erschienene IE8 hängt den anderen Browsern ein paar Jahre hinterher.

    Allerdings scheint die breite Masse das auch immer mehr wahr zu nehmen. Was passiert, wenn wirklich zunehmend Anwendungen die Zusammenarbeit mit dem IE verweigern und nahe legen, Firefox, Opera oder einen WebKit-Browser zu nutzen?

    Microsoft sollte sich schleunigst was überlegen oder man ist selbst das nächste Netscape auf dem Browsermarkt. Da dies mit den Eigenentwicklungen aber offensichtlich nicht klappt, bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, die Gecko- oder WebKit-Engine zu nehmen und eine eigene Oberfläche davor zu schrauben. Nichts anderes ist ja Chrome. Alternativ könnte man die Jungs von Opera kaufen.

    Jedenfalls ist es meiner Meinung nach tödlich wenn MS weiter in dem Tempo Browser entwickelt wie in den letzten Jahren.

  5. von Jan Tißler 02.06.2009 (11:49Uhr) 5.

    @Sebastian Kippe: Der Satz ist schon absichtlich im Konjunktiv gehalten: Google hätte diese Möglichkeit. Warum wohl entwickelt Google sonst einen eigenen Browser?

    Google Wave nutzt beispielsweise ein Feature, das derzeit nur mit Gears funktioniert. Sie haben es als Wunsch fürs kommende HTML 5 eingereicht, um einen offiziellen Weg zu gehen. Aber was meinst Du ist wahrscheinlicher:

    - Google startet einen supergenialen Dienst, den sonst keiner hat, obwohl nur der hauseigene Browser zunächst alle Features nutzen kann.
    - Google wartet noch viele Jahre, bis HTML 5 Standard ist und alle aktuellen Browser ihn korrekt beherrschen. Erst dann startet Google seinen supergenialen Dienst.

    Ich denke, das Google auf jeden Fall alles umsetzen will, was sich ihre Ingenieure ausdenken - egal, ob der Firefox das dann bspw. schon kann oder nicht.

  6. von Sebastian Kippe 02.06.2009 (12:07Uhr) 6.

    Klar. Aber wie gesagt, die meisten Features werden bald von den meisten Browsern unterstützt. Falls ihr neuer Vorschlag nicht dabei ist, können sie einfach Gears verlangen, wofür man aber keinen Google-Browser braucht.

  7. von francois 02.06.2009 (15:49Uhr) 7.

    Sollte Google versuchen den Weg über Chrome zu gehen, halte ich die Aussage "Für den Fortschritt des Internets könnte es hingegen einen Schub bedeuten." für falsch.

    In anderer Form hat MS genau das gemacht.
    Da wurden ActiveX Controls verwendet oder MS-Tags verwendet (Stichwort DHTML) und nun soll das der Weg zu den Standards sein!?

    Ich für meinen Teil werde sicher kein Chrome verwenden,
    nur um bestimmte Webdienste zuzugreifen.
    Und auch google wird das nicht einfach tun, denn immerhin wird es viele verschrecken.

    Sicher ist es richtig und wichtig sich für html5 einzusetzen aber mit einem Ausschluss wird das wahrscheinlich nicht gehen & zu wenig werden sich deshalb einen neuen / anderen Browser installieren.

  8. von Youtube Html 5 Demo 03.06.2009 (10:53Uhr) 8.

    [...] Youtube Demo in Html 5 29.05.09: Video-Tag Demos von YouTube und Daily Motion 29.05.09: Warum Google auf die Einführung von Html 5 dräng 30.05.09: Video-Tag bereits im Einsatz 03.06.09: Erste Videoplattform stellt um: Html 5 macht Flash [...]

  9. von Neues vom Herrn Internet - Google Wave,… 10.06.2009 (18:39Uhr) 9.

    [...] Interessante Artikeln: http://t3n.yeebase.com/webentwicklung-google-einfuhrung-html-5-drangt-245748/ [...]

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