Wer Videos anzeigen will, braucht heute in der Regel einen ellenlangen Code und greift auf das Flash-Plugin von Adobe zurück. Mit HTML 5 lassen sich Videos so simpel integrieren wie heute Bilder. Neben dem Tag <image> gibt es dann noch den Tag <video> - so einfach kann das Leben sein. Google zeigt auf einer YouTube-Seite wie das aussehen könnte, sofern man einen Browser mit entsprechenden Möglichkeiten benutzt. Den Unterschied sieht man dann erst im Quellcode: Look Mom - no Flash! Entsprechend ist für Audio-Inhalte übrigens ein <audio>-Tag vorgesehen.
Neue Anwendungsmöglichkeiten bringen außerdem die „web worker“ in HTML 5. Sie ermöglichen Hintergrundprozesse. Aufwändige Skripte, die früher den Browser lahmgelegt haben, beeinflussen ihn dann nicht mehr. Wer mag, kann es ausprobieren: Browser lahmlegen oder den Browser nicht lahmlegen. Das ermöglicht logischerweise sehr viel komplexere Skripte als heute.
Lokales speichern und das universelle Canvas
Sehr praktisch sind auch Möglichkeiten, Daten lokal zu speichern. Sie funktionieren dann auch ohne Internetzugang und beispielsweise erscheint ein Programm beim nächsten Aufruf wieder so, wie man es verlassen hat. Ausprobieren kann man das mit dieser beispielhaften Notizen-App.
Sehr vielversprechend sieht außerdem das neue „Canvas“-Element aus, mit dem man grafische Dinge umsetzen kann, die man bislang einem Browser nicht zugetraut hat. Ein simples Malprogramm ist damit machbar, aber ebenso auch die grafische Umsetzung von Zahlen in Grafiken, ein Computerspiel oder noch komplexere Animationen.
Auf einer Seite sind alle auf der Google I/O vorgeführten Beispiele zusammengefasst.
Fazit: Alles hängt am Browser
Alles hängt jetzt daran, was die aktuellen Browser ermöglichen. Safari, Firefox, Opera und Chrome haben schon begonnen, Teile des geplanten Standards umzusetzen. Der Internet Explorer hängt (mal wieder) deutlich hinterher. Für Microsoft dürfte die Situation allerdings auch nicht angenehm sein, denn es passiert genau das, was sie unter anderem mit dem Niederringen des Navigators verhindern wollten: Dass der Browser zum zentralen Programm wird und das Betriebssystem egal ist.
Googles Interessenlage ist natürlich genau umgekehrt. Sie möchten alle diese Möglichkeiten lieber heute als morgen haben. Mit dem Chrome haben sie immerhin ein eigenes Pferd im Browser-Rennen. Allerdings ist der Marktanteil gegenüber den anderen noch verschwindend klein. Google könnte natürlich alle gewünschten Funktionen von HTML 5 in den Chrome integrieren und seine eigenen Web-Apps genau darauf abstimmen. Wer also alle Features von Google Docs, Google Mail und den vielen weiteren Angeboten nutzen will, bräuchte dann den Google-Browser. Ob sich der Internetriese wagt, diesen Schritt zu gehen? Für die eigene Reputation wäre das jedenfalls mehr als schädlich. Für den Fortschritt des Internets könnte es hingegen einen Schub bedeuten.






