Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

E-Commerce

Weblife: Endlich das Haus nicht mehr verlassen – dank Schnitzelshopping bei Amazon

    Weblife: Endlich das Haus nicht mehr verlassen - dank Schnitzelshopping bei Amazon

Konnte ich bei Amazon bislang schon Steckdosenleisten (6-fach, 2,0 m) grau, Qualitäts-Herrensocken in schwarz, Waschmaschinen und Macheten mit Antihaftbeschichtung kaufen, gibt es nun (endlich!) auch die Lima Bio Linsensuppe mit geräuchertem Tofu, Möhren, Rapunzel Popcorn Mais und Kopfsalat. Der Nutzen wird sofort klar: Nie wieder das Haus verlassen! Nie wieder Supermarkt! Und das ist noch längst nicht der einzige Vorteil, wie man schnell feststellt. Die Kunden sind schwer begeistert. Naja, mehr oder weniger.

Sehen wir der Wahrheit doch einmal ins Auge: Der Supermarkt des 21. Jahrhunderts ist unserer fortschrittlichen Zeit überhaupt nicht angemessen. Dumpfes Herumgelatsche zwischen Regalen sollte dem allzeit vernetzten, immer beschäftigten und generell mit dem Fortschritt bestens ausgelasteten Gegenwartsmenschen nun wirklich nicht zugemutet werden. Hinzu kommen weitere Nachteile des Konzepts: Man denke hier nur an die „Quengelkasse“ mit geschickt platziertem Süßkram oder der obligatorische Rentner direkt vor einem in der Kassenschlange (immer!), der den Inhalt seiner Geldbörse zunächst intensiv analysiert, bevor die Kassiererin letztlich beherzt eingreift und das Geld selbst in die Hand nimmt. Von nicht funktionierenden EC-Karten und teilweise nachlässig gepflegten Mitbürgern mal ganz zu schweigen. Das ist alles kein Spaß. Jedenfalls kein Spaß im eigentlichen Sinne.

Aber jetzt kommt Amazon und hilft uns: Auch Getränke und Lebensmittel kann ich hier nun endlich bestellen. Herrlich. Natürlich zunächst als „beta“, was sich hoffentlich nicht auf die Produkte selbst bezieht.

Wobei Amazon generell nicht ganz der erste Laden ist, der auf diese Idee kommt. Die Älteren unter uns werden sich an „Webvan“ erinnern. Immerhin ging der Online-Lebensmittelhändler als eines der größten Dotcom-Desaster aller Zeiten in die Geschichte ein. Gut, die Macher hatten sich auch mal eben für 1 Milliarde Dollar überall in den USA Lagerhäuser bauen lassen und eine enorme Flotte von Lieferwagen angeschafft. Wie diese irrsinnigen Ausgaben jemals per Lebensmittelverkauf wieder reinkommen sollten, war 1999/2000 in Zeiten der Internet-Spekulationsblase nicht so wichtig.

Und zu wem gehört Webvan heute? Richtig: zu Amazon. Und damit schließt sich der Kreis.

Schön ist auch das Feature: „Stellen Sie Ihre eigenen Bilder ein“...

Nach kurzem Test kann ich feststellen: Es macht sehr viel Spaß, in diesem hochmodernen Nachfolger der Rewes und Edekas dieser Welt herumzustöbern. Doch, wirklich. Bei welchem Supermarkt kann man sich schon per E-Mail informieren lassen, sobald das Schnitzel vom Schwein wieder lieferbar ist? Eben, bei keinem. In den Diskussionen der Kunden erfährt man auch viel Nützliches. So erklärt uns ein gewisser „Schimi“ beim Schweineschitzel: „Pute, Hähnchen und die meisten Fische (vielleicht mit Ausnahme des Schweinswals) stehen bei mir höher in der Genussliste.“ Und „joghurtKULTUR“ warnt bei den Bananen (Dole, 180g): „Anscheinend wurde hier aber B-Ware versandt, die Banane war total krumm! Wer diese Banane als Geschenk für seine Liebste kaufen will sollte sich das nochmal überlegen, für den Eigenbedarf ist das Ding echt gut!“

Auch an anderer Stelle sind die Kunden bei aller Begeisterung kritisch. So bekamen die Bio-Zitronen sehr viele Rezensionen, da die abgebildete Frucht offenbar zunächst einer Birne verdächtig ähnlich sah.

Wie dankbar die Menschheit allgemein und die Amazon-Nutzer speziell sind, kann man dagegen beispielsweise im Kopfsalat-Diskussionsforum nachlesen. Dort schreibt Amazon-Kunde Marco Seelmann: „nie wieder diese qualvollen lauf zum supermarkt, 50 m und auch noch ne straße überqueren. aber gott sei dank gibt es ja amazon, bestell jetzt wöchentlich.“ Wenn Amazon-Chef Jeff Bezos das liest, hat er Tränen der Rührung in den Augen. Zu Recht!

Wer Schnitzel kauft, kauft auch frisches Krustenbrot. Interessant.

In ganz neuem Licht erscheinen auch die intelligenten Amazon-Empfehlungen. Wer sich beispielsweise für das Schnitzel vom Schwein interessiert, erfährt: Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch Kopfsalat, frisches Krustenbrot 500g und Rispentomaten 120g - fertig ist das Essen. Auch interessant: Kunden, die sich den Kopfsalat angesehen haben, haben sich nicht nur das Schweineschnitzel angesehen, sondern auch „Sarkasmus Pur“ von Luz de Santana (Taschenbuch - 2000) und Knorr Fix für Knusprige Hähnchen-Schenkel, 24er Pack (24 x 28 g Beutel). Das eröffnet aus meiner Sicht modern denkenden Autoren ganz neue Chancen zur Selbstpromotion, wenn sie ihre Bücher geschickt zwischen totem Tier und Mahlzeitwürzmittel platziert bekommen.

Alles in allem ist das neue Amazon-Lebensmittel-Angebot eine runde Sache. Frisch und knackig umgesetzt. Gut, die Preise sind teilweise horrend, was Amazon-Kunden wie den „Salatfreund“ zur Anmerkung verleitet: „Erstaunlich, dass die Versandkosten trotz der Anlieferung im Tieflader so günstig sind!“ Und, ja, die Lieferung kann manchmal eine Weile dauern. Aber dafür bleibt man eben schön zu Hause. Man gönnt sich ja sonst nichts. Mahlzeit!

Finde einen Job, den du liebst zum Thema E-Commerce

7 Reaktionen
Tom
Tom

Sorry, dieser Artikel ist meiner Meinung nach genauso überflüssig wie der Onlineverkauf von Lebensmitteln. Das Netz scheint nur noch dazu da zu sein, irrsinnige Ideen noch weiter zu verbeiten. Die soziale Kompetenz im Social Web - Wo ist Sie?

Antworten
Tim Ehling

Moin zusammen,

ich sehe das wie Lars. In anderen Ländern Europas ist der Vershandel mit Lebensmitteln schon etabliert.
Das es damals mit Webvan gescheitert ist, ist so denke ich war das mangelnde Interesse. Damals sind die Leute noch viel eher zum Laden in die Stadt gegangen, als Online zu shoppen.

Heute ist das schon etwas anders. Und ich denke das interesse wird steigen. Und Amazon ist ja nicht der erste Shop, der die Sache wieder aufgreift: http://www.froodies.de. Exsistiert schon seit 2007, glaube ich und ist immer noch da.

Was ich mich aber gerade Frage, kann ich mir die Bachforelle auch zu einer PAKETBOX senden lassen, bin ja bei dem Wetter im Freibad(Achja gibst das eigentlich auch schon zu bestellen?).

Antworten
Lars

Ich finde, einer muss damit in Deutschland endlich richtig anfangen. In der Schweiz haben Coop@home und LeShop den Einkauf von Grundgütern via Onlineshop längst etabliert. Hier wird entweder ein eigener Lieferdienst oder eben die Post für die Auslieferung genutzt. Ich selbst habe schon seit knapp 2 Jahren keinen richtigen "analogen" Grosseinkauf mehr getätigt. Meist bestellen wir abends auf dem Sofa unseren Wocheneinkauf; wirklich alles vom Klopapier, über Bier, Pasta bis hin zu Fisch und Fleisch. Ich möchte das nicht mehr missen, denn man vergeudet doch so viel Zeit und lässt so viele Nerven im Supermarkt.

Antworten
Marcel Schwarzenberger

@mark

So wie ich das sehe, gehts auch weniger um eine (tatsächlich nicht vorhandene) Neuerung. eher um die Bandbreite, die Beliebigkeit im Onlinehandel. Neben Bücher eben Wurst etc. Ich finde den Trend nicht mal konsequent; es gibt keine Notwendigkeit. Im Buchhandel möchte ich Blättern und den Duft von Papier - was soll mir der Metzger neben dem Bücherregal? Im Internet ist es auch kein Muss. Auch dort darf es Profil geben.

Antworten
mark
mark

Nach diesem Artikel könnte man meinen das Amazon mit dem Onlineverkauf von Lebensmittel besonders inovativ sei. Nun es gibt schon länger Online Supermärkte, sogar solche die zu vereinbarten Zeiten liefern inkl. Tiefkühlwaren.

Antworten
Alexander Köhler

Ein weiterer Artikel zum Thema eCommerce & Lebensmittel ist auch hier zu finden: http://www.ecommerce-lounge.de/lebensmittel-im-ecommerce-2403

Viele Grüße,
Alexander Köhler

Antworten
Marcel Schwarzenberger

Ha! So richtig schließt sich der Amazon-Kreis doch erst, wenn die Waren wirklich auch automatisch, wenn nicht Pixel für Pixel (neudeutsch: beamen) beim Kunden ankommen. Bis dahin müssen leider noch immer Tausende armer Lieferanten raus auf die Piste.
Fazit: da wird immer noch zu viel frische Luft von Menschen eingeatmet. Und überhaupt braucht Amazon auch endlich eine eigene Partnervermittlung, eine Internethochschule, das Beerrdigungsinstitut ... Ja, das mit der virtuellen Beerdigung wird noch ein hartes Ding.

Da gibts also noch viel zu tun für Programmierer. Schöne neue Welt. Grundgütiger

Antworten

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen