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Digitales Leben

Weblife: Verhaltensregeln fürs digitale Leben von der Telekom? Toll!! Nicht.

    Weblife: Verhaltensregeln fürs digitale Leben von der Telekom? Toll!! Nicht.

Wusstet Ihr, dass die Deutsche Telekom ein „Creation Center“ hat? Ich auch nicht. Das aber hat jetzt etwas hervorgebracht, auf das alle gewartet haben: eEtiquette - 101 Leitlinien für die digitale Welt. Habe ich „alle“ gesagt? Ich meinte „niemand“. In diesen Leitlinien werden z.B. so immens überlebenswichtige Fragen beantwortet wie jene, ob wir das Handy im Restaurant auf den Tisch legen dürfen (hängt davon ab, ob eine Decke draufliegt oder nicht) und wenn ja, ob mit dem Display nach oben (böse) oder unten (okay). Ist das nicht super? Ja, das ist nicht super.

Wir erfahren außerdem, ob wir Leuten auf den Bildschirm starren dürfen (nein), wie viel Abstand beim Handy-Telefonieren zu halten ist (3 Meter) und dass wir unser nächstes Date doch bitte nicht im Vorfeld via Google ausspionieren sollen.

Toll, dass mir das jetzt einer alles einmal erklärt. Vorher kam ich mit dem Leben nicht zurecht. Jetzt geht's doch gleich schon viel besser.

In einem Anflug von Selbstironie werden die 101 Überflüssigkeiten für das digitale Leben in altdeutscher Stickoptik präsentiert. In gegenwartsüblicher Social-Media-Modernigkeit gibt es natürlich Channels bei den bekannten Nasen wie YouTube (bislang 0 Videos und 1 Abonnent), Flickr (0 Fotos), Twitter (immerhin schon 28 Tweets und reger Austausch) und Facebook (läuft).

Interessant ist, dass die 101 Unsäglichkeiten fürs digitale Leben offenbar von einem richtigen Team aus der Taufe gehoben wurden, nämlich dem „Team des Creation Centers der Telekom Laboratories unter der Leitung von Raimund Schmolze“ und in einem langwierigen Prozess entstanden sind: „... nach mehrmonatiger intensiver Recherchearbeit und zahlreichen Workshops mit Teilnehmern aus mehr als 12 Nationen“ - sofern das alles nicht am Ende zur Satire deklariert wird, was man im Grunde nur hoffen kann. Bestimmt ist das ein humoriger Beitrag, um „eine Diskussion anzuregen“ oder ähnlicher Schmarrn. Man kennt das ja. Der nächste bitte.

Creationisten bei der Telekom

Aber was, zum Henker, ist dann nun eigentlich dieses „Creation Center“, in dem solche Dinge entstehen? Ganz einfach:

Das Creation Center wurde im April 2008 in Berlin gegründet und entwickelt neue Produktkonzepte für alle Unternehmensbereiche der Deutschen Telekom. (...) Am Ende des Innovationsprozesses stehen Lösungen, die den Kunden begeistern und dem Unternehmen Marktanteile und Umsätze sichern.

Ah. Ja. Gut. Also zum Beispiel 101 Peinlichkeiten für die digitale Welt? Es scheint so. Eigentlich soll es in dem Center aber um „spannende, innovative, ökonomisch erfolgreiche und für den Alltag unserer Kunden wertvolle Produkte“ gehen. Aha. Und was sollen dann diese 101 Regeln für Zucht und Ordnung? Mensch, was ist denn da wieder schiefgelaufen, liebe Telekom? Hatten die Mitarbeiter zuviel Zeit, während sie auf ihre neuen iPhones 4 gewartet haben (falls sie dazu überhaupt bereits eine vernünftige Aussage vom Call Center erhalten haben sollten)?

Eigentlich sollen die Creationisten der Telekom nämlich „neue oder noch unbekannte Bedürfnisse der Kunden“ finden und diese „mit Produkten und Dienstleistungen von der Deutschen Telekom befriedigen“. Nun gut. Ich habe aktuell kaum den Drang, mich mit Produkten und Dienstleistungen von der Deutschen Telekom zu befriedigen. Aber das ist eine Entscheidung, die jeder für sich allein treffen muss.

Anstatt in so einem Creation Center ganz viele funny neue Dinge zu entwickeln, könnte man zur Abwechslung mal die vorhandenen Dinge optimieren. Aber das wäre natürlich sowas von unfancy. Da würde dann nämlich keine „qualitative Marktforschung“ am „Anfang des Innovationsprozesses“ stehen, deren Erkenntnisse man dann filtern und in „Main Search Areas/Innovation Fields“ gliedern kann. Und auch der weitere, offenbar irrsinnige aufwändige Entscheidungsprozess könnte nicht mit feinstem Marketinggedröhn beschrieben werden:

Diese sind dann die Grundlage für eine sehr offene Ideation, auf die dann wiederum das Filtering folgt. Hier werden dann die Ideen (zumeist über hundert in einem Workshop) auf Brand Fit, Business Case und technische Umsetzbarkeit hin überprüft. Die ausgewählten Ideen (etwa 10 bis 20) werden in Konzepte ausgearbeitet, die durch Storyboards illustriert werden und dann in das Concept Testing gehen. Die erfolgreichen Konzepte werden dann Bestandteil der Länder-Roadmaps.

Äh, ja. Genau. Oder auch nicht. Wer weiß.

Aber dafür haben wir ja jetzt unsere 101 Leitlinien fürs digitale Leben. Und wenn sowas Tolles dabei rauskommt, wollen wir uns mal nicht beschweren.

Oder doch?

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7 Reaktionen
Knut Pankrath
Knut Pankrath

Finde ich ja spaßig von der TeeLeeKomm, dass sie solche Texte klöppelt und damit das Spöttelhirn von Jan fit hält. "brand fit" finde ich übrigens total klasse. Ein Konzern drückt sich so aus, dass mindestens 2/3 seinen Kunden ihn nicht verstehen. Das nenne ich Lemmingmarketing...

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Rudie
Rudie

Sicher sind diese Regeln keine absoluten Neuigkeiten und den meisten Menschen, die sich mit schöner Regelmäßigkeit im Netz und im digitalen Leben tummeln und in Sachen "Benimm" eine normale "Ausbildung" durchlaufen haben, bekannt und eine Selbstverständlichkeit. Aber ich finde nichts Schlimmes dabei, diese mal zu formulieren. Sicher wird der Prozess wieder unnötigerweise sprachtechnisch aufgebläht, aber das Produkt am Ende ist verständlich und regt zumindest zum Nachdenken an.

Gerade Menschen, die nicht mit Selbstverständlichkeit digital unterwegs sind, überschreiten gewisse Grenzen, ohne dass ihnen dies bewusst ist. Das fängt dabei an, dass ohne Rückfrage an den Computer der Kollegen gegangen wird, um was zu suchen oder dass der Klingelton des Handys der mit Abstand ohrenbetäubendste ist, weil man halt nicht weiß, wie man den leiser macht. Oder vor Anhängen explodierende Mails, weil niemand weiß, wie man zippt. Das sind sicher Fragen fehlenden Wissens der jeweiligen Person, nicht fehlenden Anstands. Aber kleine Regeln können doch auch dabei helfen, sich die richtigen Fragen zu stellen.

Ich betreue zudem eine Online-Community und auch da finden sich teils haarsträubende Beispiele dafür, dass manchen Menschen nicht bewusst ist, dass auch im Netz die normal anerkannten Regeln des Anstands gelten sollten.

Viele Grüße

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Emanuel
Emanuel

aus telekom-sicht ist die idee sicherlich nicht schlecht. wenn es nicht zu oberlehrerhaft rüberkommt, kann man kunden, die bisher wenig berührungspunkte mit den interwebs hatten, vermitteln, dass man bei den ersten schritten im "neuen medium" zur seite steht. die frage ist nur noch, wie man die dinger unters volk bringt, denn einfach 101 regeln auf eine seite zu klatschen, ist sicherlich nicht zielführend.

und dass der gemeine "web native" meilenweit über diesen regeln - und der ganzen idee als solcher - steht, verwundert mich nicht. ist aber auch nicht schlimm, denn die zielgruppe ist eine andere. abgesehen davon, scheinen manche regeln zwar übertrieben banal zu klingen, doch sind sie im endeffekt richtig und könnten von vielen in den "mitmach-webs" beherzigt werden. die vermessenheit zu glauben, man wüsste sich im netz zu bewegen, wenn man nur einen twitter-account einrichten kann, ist schließlich weiter verbreitet, als man glauben mag.

zum schluss noch die subjektive komponente: wenn ein konzern wie telekom anfängt etiquette-regeln aufzustellen, bin ich natürlich auch erstmal skeptisch und fange nicht an, diese aufzusaugen wie ein schwamm, freudig erregt wie ein dreijähriger, der zum geburtstag ein bobby-car geschenkt bekommt :-)

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fnagel
fnagel

Mhh die Telekom sollte erstmal Anstand im echten Leben lernen. Zumindest ihr Callcenter für Kündigungen bei mobile. Die rufen einen nämlich 2 Dutzend mal am Tag an ohne das jemand dran ist, denn ihr Telefon-Automat legt auf wenn grad kein Callcenter-Agent frei ist.

Im Endeffekt versucht man halt Inkompetenz durch Marketing-Bla zu überdecken. Naja, das nächste staatliche IT-Projekt ohne Zeit und Budget-Limit kommt bestimmt :-)

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schoschie
schoschie

Au warte. Das ist so himmelschreiend dumm und so ur-deutsch, dass ich Kopfschmerzen kriege. Aber überrascht bin ich nicht. Entspricht ziemlich exakt meiner Vorstellung von den Profis bei der Telekom. Wieviel Geld das wohl gekostet hat?

Und dann dieser Worthülsen-Marketing-Sprech. Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich darüber abkotzen möchte. Die Leute, die so was schreiben, wissen doch selbst nicht mehr, was diese ganzen Begriffe bedeuten.

Am allerliebsten ist mir ja das Wort »Lösungen«. Es scheint, als arbeite alle Wert an Lösungen. Bei ’nem Chemielaboranten ist das ja sicher zutreffend. Bei allen anderen ist es ein beschissenes Leerwort, das irgendwann mal jemand benutzt hat (in diesem Fall natürlich auch wieder ein Anglizismus aus »solutions«), und dann haben alle anderen ferngesteuerten Marketing-Idioten es übernommen, da es sich irgendwie buzzwordy und corporate anhört (hey, ja, ich kann selber auch so schreiben). Ich möchte die Leute links und rechts ohrfeigen, den ganzen Tag.

»Hallo Oma, na wie gehts Dir?«
»Och ganz gut, mein Enkel. Wie läufts bei der Arbeit? Was machst du da eigentlich genau?«
»Ach, ich? Ich schaffe Lösungen.«
»Mh-hm.«

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Gino
Gino

...naja, ich denke nicht das sich diese regeln an leute wenden, die wie wir permanent im netz unterwegs sind, sondern eher an menschen, die vielleicht auch berührungsängste mit facebook und so haben. oder?

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Chron2
Chron2

Lustig. Ein paar von den 101 sind sogar nachvollziehbar. Das muss ich zugeben.

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