Aufgenommen wurde das Statement unter anderem von Eric Eggert, der sich via Twitter mit Thomas Scholz und Michael Jendryschik einen regen Argumentationsaustausch lieferte. Eine Zusammenfassung dieser Diskussion hat Eggert alias @yatil auf seinem Blog bereitgestellt. In seinem Blogbeitrag „Aufs falsche Pferd gesetzt” beschreibt er außerdem seine eigene Sicht der Dinge:
„Als die Webstandards-Bewegung an Fahrt aufnahm, war XHTML die Zukunft des Webs. Das W3C hatte die HTML-Arbeitsgruppe eingestellt und entwickelte XHTML1.1 und auch die Arbeiten an XHTML2.0 begannen recht zügig. Heute ist von dieser XML-Euphorie nichts mehr übrig. Die Erweiterungsfähigkeit von XHTML ist dank der miesen Browserunterstützung genauso ein feuchter Webentwickler-Traum wie die verlässliche externe Verarbeitung von XHTML-Dokumenten. XHTML wird leider immer noch mit dem Mime-Type text/html ausgeliefert (weil der IE das nicht versteht), ein entsprechender XML-Parser muss also immer davon ausgehen, das das Dokument fehlerhaft ist (und in der Tat sind dies die überwiegende Mehrheit der Dokumente bis dato).“
Schon in den Kommentaren geht die Diskussion weiter - Beispiele:
Arne Kolja: „Aus Deinem Artikel lese ich vor allem wieder das Problem der Probleme schlechthin heraus: Den Internet Exploder ;-). Nehmen wir mal an, der IE wäre von Anfang an mit application+xml klargekommen. Wäre diese Situation dann überhaupt eingetreten, würden die meisten Argumente kontra XHTML dann überhaupt noch greifen? Vielleicht hätte man ohne den IE, bzw. mit einem besseren IE, dann ja wirklich ein besseres Web gehabt, in dem sogar die validen XHTML-Dokumente inkl. Mime-Type funktioniert hätten.”
David Maciejewski: „Soll doch jeder so schreiben, wie er mag. Ich selbst nutze XHTML, weil ich die Schreibweise einfach schöner finde. Da kommt bei mir auch der Programmierer durch. Dass ich anderen dann eher XHTML als HTML (4) beibringe, liegt auf der Hand. Und so lange es egal ist (weil XHTML und HTML 4 deckungsgleich sind) habe ich doch die Wahl. ;-).”
Nico Puhlmann: „Wenn – wie bei XHTML – die Verarbeitung abgebrochen wird, so erzielt man hiermit auch einen Lerneffekt. Ich bevorzuge XHTML, auch wegen der schöneren und leserlicheren Schreibweise.”
Weitere Reaktionen aus der Blogosphäre
- Webstandard: Was ist besser: HTML oder XHTML?
- molily: XHTML wird zu Grabe getragen
- spackblog: Warum ich XHTML schreibe und HTML meine
Es scheint also gute Argumente für beide Seiten zu geben, die eine Diskussion anheizen. Wie sieht das bei Euch aus - HTML oder XHMTL? Wo seht Ihr die Zukunft? Oder ist die Diskussion am Ende gar überflüssig?
Bildnachweis: Web Standards Fortune Cookie unter Creative Commons BY 2.0








18 Antworten
von Stefano Picco 29.04.2009 (15:08Uhr) 1.
Ich nutze auch nur noch XHTML, allein schon weil man indirekt gezwungen wird alles sauber zu schreiben und auch kleine Fehler von Validatoren angemeckert werden :)
von wortwart 29.04.2009 (15:30Uhr) 2.
HTML? Im Jahr 2009? Mit großgeschriebenen Tags, nicht geschlossenen Elementen, Attributen ohne Anführungszeichen und Horror-Syntax wie b/Text/ - seid ihr noch bei Trost?
von Eric Eggert 29.04.2009 (16:02Uhr) 3.
@wortwart: Das ist doch eine Stilfrage, niemand hat gesagt, dass man unsemantische Elemente benutzen soll oder weniger Sorgfalt beim Schreiben von HTML walten lassen soll.
von wortwart 29.04.2009 (16:10Uhr) 4.
@Eric: Von Semantik war nicht die Rede, und syntaktisch ist all das in HTML korrekt. Mir ist bewusst, dass die eigentliche Pointe von XHTML wegen fehlender Unterstützung entsprechender MIME-Typen im IE bis heute nicht zündet. Das ist aber IMHO kein Grund, fragwürdige Syntax aus den 80er-Jahren zu benutzen.
Ich glaube, XHTML hatte von Anfang ein Marketing-Problem: Wenig Code-affine Menschen halten es für total schwierig und geheimnisvoll, dabei ist XHTML gerade wegen seiner strengeren Syntax erheblich einfacher und klarer.
von Eric Eggert 29.04.2009 (16:22Uhr) 5.
@wortwart: Es fordert kein Mensch Code aus dem letzten Jahrtausend. Du kannst selbst in HTML4 die selbe Syntax benutzen wie in XHTML, da gibt es bis auf den schließenden Schrägstrich keinen Unterschied. HTML schreibt nicht schlechten Code vor und ich bin der letzte, der empfehlen würde schlechten Code zu benutzen, im Gegenteil.
von wortwart 29.04.2009 (17:01Uhr) 6.
@Eric Wenn wir an HTML alles weglassen, was (bis auf die Schrägstriche) den Unterschied zu XHTML ausmacht, warum nehmen wir dann nicht gleich XHTML? Wer HTML sagt, sagt auch b/Text/ und .
von Eric Eggert 29.04.2009 (17:06Uhr) 7.
@wortwart: Wenn du nicht an einer vernünftigen Diskussion interessiert bist, dann bin ich es auch nicht.
von wortwart 29.04.2009 (17:15Uhr) 8.
Ich dachte eigentlich, dass wir hier vernünftig diskutieren, deshalb verstehe ich deine Reaktion nicht. Die Frage in meinem letzten Kommentar war ernst gemeint. Falls es da Missverständnisse gibt: Mir ist klar, dass man mit HTML sauberen Code und mit validem XHTML sehr hässlichen schreiben kann.
von Francesco 29.04.2009 (17:26Uhr) 9.
Deine anfängliche Aussage
HTML? Im Jahr 2009? Mit großgeschriebenen Tags, nicht geschlossenen Elementen, Attributen ohne Anführungszeichen und Horror-Syntax wie b/Text/ - seid ihr noch bei Trost?
...widerspricht sich irgendwie etwas mit dieser hier:
Mir ist klar, dass man mit HTML sauberen Code und mit validem XHTML sehr hässlichen schreiben kann.
Oder nicht?
von wortwart 29.04.2009 (18:11Uhr) 10.
@Francesco Das ist kein Widerspruch. Du kannst mit HTML sauberen Code schreiben, aber wenn es das ist, worauf es dir ankommt, ist XHTML die plausiblere Wahl, weil es konsistentere Regeln hat.
von monika.ts 29.04.2009 (19:19Uhr) 11.
ich kann mich nicht erinnern je in html gschrieben zu haben -
ich bin - trotz meines Alters - auch noch nie mit einem Auto ohne Bremskraftverstärker gefahren -
und die Argumente: fehlende Unterstützung von Entities diverser CMSe, Kunden können es nicht -
dies bedeutet für mich: einen guten WYSIWYG Editor zu nehmen und ein gutes CMS - deswegen anderes HTML - damit zäumt man für mich das Pferd vonhinten auf
lg
von Michael Fritz 29.04.2009 (23:49Uhr) 12.
Im Enddeffekt ist und bleibt das X im XHTML eine Illusion. Gerade weil soviele unterschiedliche und unterschiedlich reagierenden Systeme aufeinandertreffen, muss der Standard fehlertolerant sein, was XML nie war. Insofern ist der Standard gescheitert - da gebe ich Dir Recht. Aber seit dem XHTML Standard sind viele Codes, und vor allem die CMSse besser geworden, deshalb begrüsse ich die Entwicklung.
von HTML oder XHTML was ist besser, moderner… 30.04.2009 (00:10Uhr) 13.
[...] mehr darüber wissen möchte, bei t3n gibt es einen guten Einstieg ins Thema. Merken und weiterempfehlen Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue [...]
von Thomas Meinike 30.04.2009 (09:59Uhr) 14.
Wenn man (wie ich) im XML-Umfeld arbeitet (ich haben Tonnen an XML-Dokumenten in Form von SVG, XAML, DocBook, DITA usw. verfasst und arbeite gern und viel mit XSLT), führt eigentlich kein Weg an XHTML vorbei. Die Regeln sind glasklar und relativ schnell zu lernen (siehe Buch und Kurs von Michael Jendryschik). Ich sehe es nicht als Nachteil an, wenn Browser XHTML als text/html verarbeiten, sende aber dennoch application/xhtml+xml, sofern Browser die Unterstützung signalisieren.
XHTML 5 wäre die logische Konsequenz für die Zukunft. Die hier geführte Diskussion bringt letzlich wenig, da die Entscheidung am Ende eher Geschmackssache bleibt.
von Uta 30.04.2009 (22:49Uhr) 15.
Mir ist es eigendlich egal, aber jetzt hat man sich doch an XHTML gewöhnt. Und irgendwie macht man weiniger Fehler weil man immer auf die / achtet.
Dummerweise gibt es immer wieder Fehler mit Modulen und Extensions die eben noch mit HTML arbeiten.
Es wäre schön wenn es endlich nur noch ein Ding gibt. Das nicht alle paar Jahre alles geändert wird. Ich Frage mich etwa warum es unbeding nötig war beim BR den / dranzuhängen. Klar ist es so Konsequenter aber im Altag mit vielen Modulen aus der "Vorzeit" ist das ein Wahnsinn. Wenn man bedenkt was das kostet (so für alle Seite im Web) das zu beheben könnte man glauben das hier "Arbeitsbeschaffungsmassnahmen" betrieben werden.
Ich wünsche mir eine Erweiterung und nicht das Ändern bekannter Dinge.
XML ist was anderes das ist wenigstens ein Fortschritt.
von Harald 03.05.2009 (19:13Uhr) 16.
Es scheint mir, dass die Entscheidung XHTML oder HTML sich bei vielen inzwischen auf Coding Style beschränkt. Schade, wer weiß, wie sich das Web entwickelt hätte, wenn Microsoft XHTML (und SVG, MathML ...) nicht ignoriert hätte. Aber das kann sich noch ändern.
Uta schreibt: "... aber im Altag mit vielen Modulen aus der "Vorzeit" ist das ein Wahnsinn."
Der Umkehrschluss daraus ist für mich, konsequent XHTML einzusetzen, denn ich kann es nicht ausschließen, dass in 5 oder 10 Jahren mal jemand meinen Code mit echtem XHTML einsetzen will und kann.
von bbbux 11.05.2009 (14:00Uhr) 17.
Ich selber bevorzuge XHTML. Auch bei mir kommt da der Programmierer durch. Und HTML 4.0 ist ja teilweise wirklich unschön.
Und wenn ich jemandem etwas beibringe, dann ebenfalls XHTML. Und da beginne ich zumeist mit der Basis, nämlich XML. Das ist ein guter Einstiegspunkt, da ja XML selbst von Excel/OO-Spreasheet 'verstanden' wird, und somit klar wird, wozu das ganze eigentlich entwickelt wurde: Um Dokumente KLAR STRUKTURIERT abzulegen. Und klar wird dann auch, dass das Aussehen dann mit einer zweiten Datei zu verändern ist (CSS), da das mit der Struktur nichts zu tun hat!
Keine Sinn sehe ich allerdings 'zwei' XHTML Standards zu führen, nämlich strict und transitional. Ich verwende grundsätzlich transitional, schon allein aufgrund der Tatsache, dass strict keine iframes (ja tatsächlich!!!) unterstützt, die immer wieder verwendet werden müssen (leider).
von Twitter Trackbacks for Webstandards: Ist… 28.08.2009 (22:15Uhr) 18.
[...] link is being shared on Twitter right now. @yeebase_t3n, an influential author, said Webstandards: Ist [...]