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Webtrends: Facebook und Twitter werden zum Universal-Login – OpenID endgültig am Ende? (+ Abstimmung)

OpenID steht als universeller Login fürs Netz schon seit langem kurz vor dem Durchbruch - nun scheint das unabhängige System endgültig von und überholt zu werden. Yahoo integriert den Login per Facebook in alle seine Seiten und Google nutzt das Identifizieren per Twitter im Rahmen von Friend Connect. Ist damit OpenID abgehängt?

Die offene Struktur des Internets ist eine tolle Sache, hat für manche Anwendungen aber einen entscheidenden Nachteil: Nutzer sind prinzipiell nicht sicher wiedererkennbar. Brauche ich diese Wiedererkennbarkeit für meinen Dienst, führt oft kein Weg an einem Login vorbei. Jeder von uns wird das kennen: Immer wieder muss man ein neues Konto anlegen, soll sich idealerweise ein neues Passwort ausdenken und sich das alles merken.

Kein Wunder, dass vielerorts an Lösungen dieses Problems gearbeitet wird. Für den Firefox gibt es Überlegungen, das Identity-Management direkt in den Browser zu integrieren. Einen ähnlichen Service bieten Programme wie beispielsweise die Software 1Password. Oder aber es setzt sich auf Dauer ein Login durch, den sowohl die Nutzer als auch die Anbieter akzeptieren. Ein Ansatz: OpenID.

openid-crash

Nun aber scheint sich Facebook als Universal-Login durchzusetzen. Das Social Network hat inzwischen 350 Millionen Mitglieder und wächst immer weiter. Mit Facebook Connect haben Seitenbetreiber die Möglichkeit, neue Nutzer einfach über ihren Zugang zu dem Social Network zu identifizieren.

Sowohl für die Nutzer als auch die Anbieter ist das verführerisch einfach.

Der größte Haken daran: Damit bekommt ein Unternehmen wie Facebook eine sehr grundlegende Rolle im Web - und damit eine ungeheure Macht. OpenID hingegen ist unabhängig und offen angelegt.

Aber ist der Siegeszug von Facebook Connect überhaupt noch aufzuhalten? Für mich schwer vorstellbar. OpenID ist prinzipiell eine gute Idee - auf einer intellektuellen Ebene. Für den durchschnittlichen Internetnutzer ist es aber viel zu erklärungsbedürftig. Der Button „Login mit Facebook“ lässt hingegen kaum Fragen offen.

Oder wird sich auf lange Sicht doch die offene Lösung durchsetzen, weil die Masse der Webnutzer doch noch mitbekommt, dass ein einzelnes Unternehmen wie Facebook einfach nicht so eine zentrale Rolle spielen darf?

Was ist Eure Meinung dazu?

Abstimmung

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6 Antworten
  1. von Harald Kirschner am 03.12.2009 (10:15Uhr)

    Schade, scheint als ob t3n nicht verstanden hat wo der Unterschied ist. OpenID und OAuth zu vergleichen liegt, doch der Teufel liegt im Detail. Kontroverse Diskussionen die aber am Ende oft klare Unterschiede sehen findet man viele wenn man "openid vs oauth" googlelt.

    OpenID dient zum Authentifizieren einer Session *und* Austauschen der Identität. OAuth dagegen nur zum Authentifizieren, nicht sessionbasierend.

    Daher hat Twitter mit anderen Firman auch am OAuth Standard gearbeitet, weil es bei Twitter nicht um Identitäten geht *und* weil man APIs als Browser-unabhängige Schnittstelle nicht mit OpenID authentifizieren kann.

    Facebook Connect ist ein "Walled Garden", es basiert auf undurchschaubarem JavaScript und geheimen Zutaten, was in viele Businesslösungen nicht passt.

    Google dagegen bietet den Hybrid aus OAuth und OpenID, vereint beide Standards. Da liegt dann wohl die Zukunft.

    Ansonsten sind eure Artikel gut, aber diese Umfrage ist unsinnig und irreführend.

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  2. von Jan Tißler am 03.12.2009 (10:31Uhr)

    Hallo Harald, vielen Dank für Deine Hinweise! Dass es technisch gesehen gewaltige Unterschiede gibt, ist schon klar. Meine Fragestellung zielt in eine andere Richtung: Wer bietet dem normalen Nutzer ohne technisches Hintergrundwissen den einfachen Login an? Und aus meiner Sicht ist es so, dass sich kaum jemand damit beschäftigen wird, was "OpenID" überhaupt ist, wenn er daneben die Buttons für Facebook und Twitter (usw.) findet - die ihm genau dieses schnelle Login ermöglichen. Das wiederum macht die Accounts bei Social Networks wie Facebook erneut wertvoller für den Betreiber, während eine unabhängige Lösung wie OpenID gar nicht mehr beachtet wird.

    Ich hoffe, ich habe Dich richtig verstanden und konnte mich wiederum verständlich ausdrücken ;-)

    Sicherlich werden hier Dinge in einen Topf geworfen, die prinzipiell unterschiedlich sind. Ich stoße nur vermehrt auf die Möglichkeit, mich per Facebook zu identifizieren, während OpenID nach wie vor eher etwas für einen Kreis von Eingeweihten ist, wenn es um diese Frage geht.

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  3. von Matthias Pfefferle am 03.12.2009 (11:07Uhr)

    Im Moment ist OpenID wirklich kein ernst zu nehmender Konkurrent zu den Login-Mechanismen von Twitter und Facebook (wobei Twitter ja zumindest schonmal OAuth benutzt und Facebook immerhin OpenID-Relying-Party ist) aber das werden sie nicht dauerhaft halten können. Am Beispiel MySpace sieht man recht gut, dass ein SocialNetwork nicht ewig lebt und seine Nutzer irgendwann zum nächsten wandern (anderes Beispel: StudiVZ und Wer-Kennt-Wen) und spätestens dann wird das Verlangen nach einem SocialNetwork unabhängigen Login-Mechanismus größer werden! Das kann sicherlich noch eine Weile dauern und ob dann OpenID zu DER Alternative wird steht auch in den Sternen, aber es wird sich in Zukunft sicherlich ein offener Standard durchsetzen.

    Zum Thema: Spannend ist hier sicherlich auch die Entwicklung von Webfinger, einem Standard der es ermöglicht, auch eine E-Mail - Adresse mit Meta-Daten anzureichern um sie dann auch als z.B. OpenID verwenden zu können: http://hueniverse.com/2009/08/introducing-webfinger/

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  4. von thuhn am 03.12.2009 (13:24Uhr)

    Passend zum Thema kam über Facebook gerade von David Recordon, einem der führenden Mitglieder der OpenID Foundation und gleichzeitig "Mr. Open" bei Facebook folgende Meldung rein: "Think you're an awesome enough engineer to help make Facebook Connect support open standards like OpenID and OAuth. Email me."

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  5. von Harald Kirschner am 03.12.2009 (14:00Uhr)

    Danke für die zusätzlichen Details Jan. Wenn auf OpenID "Login mit Yahoo", "Login mit Flickr", "Login mit MySpace", "Login mit Google Account" etc. steht, wird es dann einfacher? Ist ja ehe eine Frage der UX als der eigentlichen Technologie.

    Auch wenn mehr und mehr Twitter und Facebook haben, ich würde gerne Statistiken sehen a) wie viele überhaupt den Login-Service nutzen und b) wie viele Anbindungen an Twitter API's immer noch nicht auf OAuth umgestiegen sind (vor allem weil es ein komplizierter Prozess ist).

    Um meinen Vote abzugeben: Ich finde Birnen schöner anzusehen als Äpfel :)

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  6. von Marco am 03.12.2009 (17:58Uhr)

    Spannend!

    Gerne würde ich aber auch noch auf diesen Artikel in der Angelegenheit verweisen.

    http://www.readwriteweb.com/archives/identity_wars_google_yahoo_bow_to_facebook_twitter.php#

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