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Weigerts World: Wie EU und Bitcoin dafür sorgen, dass elektronisches Bezahlen bald billiger wird [Kolumne]

Weigerts World: Wie EU und Bitcoin dafür sorgen, dass elektronisches Bezahlen bald billiger wird [Kolumne]

Die Kreditkarte ist für viele Händler und Dienste das wichtigste Zahlungsmittel – allerdings zerstören hohe Gebühren die Marge. Mit einer geplanten EU-Deckelung und durch den von verursachten Innovationsdruck wird sich die Lage aber bald verbessern. Ein Thema für . Ein ausgewählter Beitrag im Rahmen der Themenwoche „Die Zukunft des Geldes“.

Weigerts World: Wie EU und Bitcoin dafür sorgen, dass elektronisches Bezahlen bald billiger wird [Kolumne]

(Foto: © svort – Fotolia.com)

Für Händler und Dienstleister ebenso wie für Anbieter von Onlineservices gilt bei ihrer Preissetzung, einen mitunter gewichtigen Kostenblock im Auge zu behalten: die Transaktionsentgelte, die beim elektronischen Bezahlen anfallen. Speziell die vom Anbieter abzuführenden Kreditkartengebühren können am Ende zwei oder drei Prozent des Kaufpreises betragen. Bei digitalen Dienstleistungen mit üblicherweise niedrigen Grenzkosten fällt das zwar weniger ins Gewicht, beim Verkauf von niedrigmargigen Konsumgütern oder auch bei Reisen aber fressen Kartengebühren im schlimmsten Fall den gesamten Überschuss auf.

Und so kommt es dazu, dass selbst bei einem Elektronikhandelsriesen wie Saturn in der Regel keine Kreditkarte akzeptiert wird. Viele europäische Online-Reisebüros und Billigfluggesellschaften berechnen Kunden, die mit Visa oder Mastercard bezahlen wollen, zusätzliche Gebühren, und manche Startups aus dem FinTech-Bereich sanktionieren sogar das Aufladen des Onlinekontos per Kreditkarte. In vielen anderen Branchen, in denen weltweiter Wettbewerb herrscht, beißen Anbieter stattdessen in den sauren Apfel und gestatten Kreditkartenzahlungen trotz der unattraktiven Zusatzkosten – ist es doch gerade bei einer internationalen Kundschaft beziehungsweise Zielgruppe das Zahlungsmittel Nummer 1.

Die EU deckelt die Gebühren

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Bisher sind die Gebühren für Kreditkartenzahlungen in Deutschland auch im internationalen Vergleich sehr hoch. (Foto: © Arman Zhenikeyev – Fotolia.com)

Doch es gibt aus Sicht von Händlern, Dienstebetreibern und Kunden Hoffnung auf Besserung: Ende vergangenen Jahres wurde von der EU für Kartenzahlungen innerhalb der Union eine Höchstgrenze für die sogenannten Interbankenentgelte festgelegt: 0,3 Prozent für Kreditkarten und 0,2 Prozent für Debitkarten (wie die EC-Karte).

Gerade die Deckelung für Kreditkartengebühren ist signifikant: Wie die FAZ aufführt, liegen die offiziellen Entgelte von Visa und Mastercard hierzulande bei 1,58 beziehungsweise 1,73 Prozent. Das sind die Gebühren, die bei einer Transaktion von der Bank des Händlers an die Bank des Kunden fließen. Wie die Zeitung anmerkt, haben sich einige Branchen zwar schon niedrigere Gebühren erkämpft. Dennoch stellt die neue Untergrenze einen massive Preisrutsch bei den Gebühren in Aussicht.

Im Vergleich mit anderen Industrienationen sind die Interbankenentgelte für Kartenzahlungen in Deutschland bislang besonders hoch. In der Schweiz beispielsweise liegen sie derzeit bei 0,95 Prozent und sollen bis 2017 auf 0,44 Prozent gesenkt werden. Auch in den nordischen Ländern bringt der Einsatz der Karte selten Gebühren über einem Prozent mit sich. Gleichzeitig ist dort im Vergleich zu Deutschland eine hohe Verbreitung und Nutzung von Kreditkarten festzustellen. Eine Korrelation zwischen Gebührenhöhe, Händlerakzeptanz und Kundenakzeptanz ist offensichtlich. Das eine bedingt das andere.

Erhöhte Kartenakzeptanz und Preissenkungen möglich

Gerade in den nordischen Ländern ist die Kreditkarte deutlich weiter verbreitet. (Foto: Shutterstock / Urheberrecht: Oleksiy Mark)
Gerade in den nordischen Ländern ist die Kreditkarte deutlich weiter verbreitet. (Foto: Shutterstock / Urheberrecht: Oleksiy Mark)

„Generell wird der Vorstoß dem Thema Kartenzahlungen gut tun.“

Sobald die EU-Deckelung im Laufe des Jahres in Gesetzform gegossen wurde, ist mit einem deutlichen Fallen der Gebühren zu rechnen. Für Kunden wird das aller Wahrscheinlichkeit zur Folge haben, dass sie häufiger mit Visa oder Mastercard zahlen können. Vielleicht winken Verbrauchern auch niedrigere Preise, sofern schon heute Kreditkarten akzeptierende Händler und Onlineservices Teile ihrer eingesparten Transaktionsentgelte weitergeben.

„Generell wird der Vorstoß dem Thema Kartenzahlungen gut tun, da die Preise für das Payment vor allem im E- und M-Commerce sinken werden“, sagt der Payment-Experte André M. Bajorat. Er vermutet, dass das mittelfristig auch generelle Auswirkungen auf die Akzeptanz von Kartenzahlungen haben wird. Eine Saturn-Sprecherin erklärte auf Anfrage, dass man „den Markt beobachte“ und die aus den bisher hohen Kartengebühren resultierende Entscheidung contra Kreditkartenzahlung kontinuierlich prüfe.

Bitcoin zwingt Finanzwelt zur Innovation

Den Banken und Karteninstituten, die nach Überzeugung von Bajorat bisher gut von den Interbankenentgelten leben konnten, wird die EU-Entscheidung dagegen nicht schmecken. Wahrscheinlich werden sie versuchen, sich Teile der verlorenen Umsätze durch eine Verschlechterung der Karten-Konditionen beim Endkunden zurückzuholen. Allerdings ist ihr Spielraum für radikale Einschnitte ohne Gegenwehr gering. Denn mit Bitcoin existiert eine „Konkurrenz“-Technologie, die geradezu ideal für die Durchführung verifizierter, abgesicherter Transaktionen ist – weil dabei nicht der Bearbeitungsaufwand anfällt, mit dem Interbankenentgelte gerechtfertigt werden.

Ich spekuliere, aber es würde mich angesichts der jüngst gezeigten Sympathien des Finanz-Establishments für Bitcoin nicht wundern, wenn am Ende die Technologie von den Alteingesessenen dafür verwendet wird, die eigenen Kosten von Kartentransaktionen zu senken. Insofern muss man sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, um zu prognostizieren, dass elektronisches Bezahlen in Zukunft erheblich billiger wird.

Mehr Kolumnen aus „Weigerts World“ findet ihr hier.

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3 Antworten
  1. von Kosten einsparen am 29.01.2015 (19:23 Uhr)

    "Bei digitalen Dienstleistungen mit üblicherweise niedrigen Grenzkosten fällt das zwar weniger ins Gewicht"
    Grenzkosten sind dabei m.E. eher zweitwichtig weil man keinen Six-Pack einer App oder eines Spieles oder sonstwas kauft. Ab 7 Euro machen sich die 3% stärker bemerkbar als die 20 Cent Mindestgebühr. Das wäre z.B. ein Netflix-Abo pro Monat aber vermutlich eher meist physische Waren wo noch Porto usw. draufkommen.

    Die Erstkosten (oder wie das heisst) sind oft "mindestens 20 Cent pro Transaktion" o.ä. Hier wurden ja öfter verschiedene Payment-Startups und ihre Gebühren vorgestellt. Oft waren es wohl
    Maximum ( 20 Cent ; 2%..3% des Umsatzes ) .
    Die Mindest-Gebühr macht bei 79-Cent-Apps oder Zeitschriftenartikeln für 50Cent bis 3Euro meist den dickeren Anteil aus als die 3%. Macht Apple mit dem Appstore überhaupt Gewinn oder nur Umsatz ?

    Jetzt wäre also interessant inwieweit Paypal, Amazon usw. ihre Gebühren senken werden. Bisher waren die meisten Payment-Dienstleister ja quasi Mittelsmänner der Kreditkarten-Firmen. Möglicherweise geht es denen aber auch schlechter weil sie vermutlich Mengenrabatt kriegen und der Händler trotzdem 3% bzw. 20 Cent weniger ausgezahlt bekommt. Der Payment-Dienst zahlt aber vielleicht nur 2% oder 15Cent an die Kreditkartenfirma und kann die Differenz als Brutto-Gewinn (vor Kosten) behalten. Wenn die Berechnungsbasis von 3% auf 0.3% sinkt, wirken sich die Aufpreise der Dienstleister optisch viel stärker aus.
    Aber Amazon-Wallet und Google-Wallet gibts in Europa vermutlich immer noch nicht...

    Die Kosten in USA wären auch mal interessant gewesen. Die nordischen Länder haben ja auch weniger Einwohner und/oder basieren vielleicht auf Handels-Systemen wo man anschreiben liess und nach der Ernte bzw. Heuer-Auszahlung die Rechnung bezahlte. Lange Wege bedeuten auch seltenere und somit größere Einkäufe so das pro Einkauf absolut mehr hängen bleibt obwohl die Prozente weniger sind.

    Evtl. versucht man über die Geldwechselkosten einen Teil der Gewinn-Rückgänge zurückzuholen.
    Ein Aufdecker von Madoff meinte mal im TV, das Forex-Gebühren (FOReign-EXchange=Geld wechseln) mit 3% wohl auch recht teuer wären weil die echten Kosten dafür eher 0,3% wären
    Diese 3% werden also auch und primär von Bitcoin disruptiert. Auch weil oft Konten bzw. Kreditkarten an beiden Enden einer Bitcoin-Internet-Bezahlung ihre Gebühren weiterhin in Rechnung stellen können wenn man kein Bitcoin-Wallet selber betreibt. Bisher war den Kreditkarten-Firmen also ziemlich vieles ziemlich egal weil am Ende immer alles über Konten bzw. Karten lief und deren Gebühren immer fällig wurden; egal wer mittendrin beteiligt war.

    Interessant ist also nicht so sehr die eigentliche Meldung sondern viel mehr wie sie ihre bisherigen Profite trotzdem weiter beibehalten werden.
    Wahrscheinlich etwas ganz einfaches was die Wirtschafts-Ressorts des Qualitäts-Journalismus schon heute hätten vorhersagen sollen.

    Die AppStores stehen in USA. Evtl. kauft man demnächst also vielleicht in USA mit immer noch 3% Gebühren statt bei den Luxemburger Niederlassungen oder wo die in Europa sonst sitzen (London, Stockholm,...).

    Man könnte auch die Sicherheit ohne echten Aufwand erhöhen und somit die riesigen Kreditkarten-Betrüger-Kosten einsparen.

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  2. von Martin Weigert am 29.01.2015 (23:35 Uhr)

    Du hast recht, ich habe in meiner Feststellung, dass die Gebühren für digitale Dienste nicht so ins Gewicht fallen, eine Kategorie völlig unterschlagen: Micropayments. Für die sind die Transaktionsgebühren natürlich auch ein riesiges Problem. Apple macht das mit App Store übrigens geschickt: Es berechnet nicht sofort sondern gesammelt nach einigen Tagen.

    Ich gehe davon aus, dass der Wettbewerb der verschiedenen Zahlungsdienstleister und Mittler, seien es Paypal, Stripe, Amazon, payleven usw, dazu führen wird, dass die gesenkten Gebühren auch an die Kunden, also Händler und Webanbieter, weitergereicht werden. Einer fängt mit dem Preiskampf an und andere ziehen nach.

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  3. von Erik Eikonal am 30.01.2015 (22:57 Uhr)

    Da bleibe ich doch einfach beim Bargeld...

    Jeder Supermarktgast der mit Karte zahlt verzögert den Ablauf an der Kasse.

    Gerade bei Heise gelesen: Kreditkarten-Studie: Shopping-Gewohnheiten verraten Nutzer-Identitäten. 90% Trefferchance, zusätzliche Infos durch soziale Netzwerke sichern Trefferquote auch bei Anonymisierung.

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kreditkarten-Studie-Shopping-Gewohnheiten-verraten-Nutzer-Identitaeten-2533532.html

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