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Marketing

Weigerts World: Der unerwartete Aufstieg von Instagram in den Social-Media-Olymp

    Weigerts World: Der unerwartete Aufstieg von Instagram in den Social-Media-Olymp

(Screenshot: Twenty20)

Seit über vier Jahren wächst Instagram kontinuierlich. Der zu Facebook gehörende Dienst zählt über 300 Millionen aktive Nutzer und hebt sich von anderen Shooting-Stars der Branche dadurch ab, dass er in allen demografischen Gruppen wächst. Es ist ein Aufstieg, den man so nicht erwarten konnte – und der seinen Höhepunkt noch lange nicht erreicht hat. „Weigerts World“, die t3n-Kolumne von Martin Weigert, versucht das Phänomen zu fassen.

Ein „War ja klar“ als Reaktion auf Instagram? Gibt es nicht

 

weigerts world square 2„Rückschaufehler“ nennt sich ein Phänomen aus der Psychologie, das die Tendenz von Menschen beschreibt, Ereignisse und Entwicklungen im Nachhinein anders zu bewerten als vor ihrem Eintreten. In der Internet- und Technologiewirtschaft greift der Rückschaufehler immer dann, wenn das Aufkommen von wegweisenden, die Massen in Begeisterung versetzenden Trends und Produkten rückwirkend vollkommen vorhersehbar erscheint. Dass Messaging-Apps Milliarden Menschen begeistern und dass das Smartphone für hunderte Millionen Menschen in Entwicklungsländern den ersten Kontakt mit dem digitalen Leben darstellt, hat sich aus dem heutigen Verständnis heraus lange abgezeichnet.

Doch noch vor ein paar Jahren existierte die Erwartungshaltung, dass öffentliche soziale Netzwerke wie Facebook die endgültige Abkehr von der traditionellen Eins-zu-eins-Kommunikation auslösen würden. Günstige Notebooks wurden als das geeignetste Mittel angepriesen, um die Dritte Welt in das Computerzeitalter zu bringen.

Social-Media-Marketing: Das Foto-Netzwerk Instagram hat bietet einige Vorteile für Marken. (Screenshot: Instagram / t3n)
Das Foto-Netzwerk Instagram ist nicht nur für Marken interessant. (Screenshot: Instagram / t3n)

Obwohl ich in meinen eigenen Gedankengängen den Rückschaufehler selbst häufiger beobachten kann, ist er in Bezug auf den Erfolg des Foto- und Video-Dienstes Instagram bisher ausgeblieben. Mit anderen Worten: Noch immer fällt es mir nicht leicht, den kometenhaften Aufstieg der von Facebook übernommenen App hundertprozentig nachvollziehen zu können. Ein „War ja klar“ als Reaktion auf das jüngste Erreichen der Marke von 300 Millionen aktiven Instagram-Nutzern gibt es von mir nicht. Dabei war ich vom ersten Tag an dabei.

Instagram: Eine mittelgroße Überraschung

„Speziell bei jungen Leuten soll Instagram immer mehr die Rolle des Facebook-Streams übernehmen.“

Im Oktober 2010 habe ich meinen ersten Schnappschuss angefertig, nachdem ich bei TechCrunch einen Artikel zum Instagram-Launch gelesen hatte. Seitdem hat sich mein Nutzungsverhalten kaum verändert: Mit regelmäßiger Unregelmäßigkeit publiziere ich mal mehr, mal weniger ansehnliche Fotos und gelegentliche Videos. Etwas häufiger öffne ich meinen Feed, um mir mit den „Kunstwerken“ der von mir abonnierten Personen ein paar Minuten zu vertreiben. Dass ich Instagram über vier Jahre lang treu geblieben bin, spricht durchaus für die App. Dennoch hätte ich mir 2010 nicht im Traum ausmalen können, dass Instagram mal zu einem der beliebtesten Social-Media-Angebote überhaupt aufsteigen würde. Und wie erwähnt: Auch heute ist das für mich noch immer eine mittelgroße Überraschung.

Doch angesichts des bisher Erreichten steht für mich fest, dass der Dienst noch weitaus größer wird. Pew Research ist kürzlich in einer Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass Instagram der einzige wichtige Social-Media-Dienst ist, der zwischen 2012 und 2014 in den USA in nahezu allen demografischen Gruppen zulegen konnte. Das belegt Instagrams Wandel vom hippen Nischendienst für Smartphone-Fotografen hin zu einer Kommunikations-App für die breite Masse. Speziell bei jungen Leuten soll Instagram immer mehr die Rolle des Facebook-Streams übernehmen, wie einer Reihe von in letzter Zeit veröffentlichten Anekdoten und Studien zu entnehmen ist. Für endgültige Schlussfolgerungen darüber, ob Instagram dem Facebook-Newsfeed wirklich auf breiter Front die Aufmerksamkeit stehlen kann, ist es noch zu früh. Man braucht sich aber nicht wundern, falls es passiert.

Triviale Funktionalität und kaum Veränderungen

Twenty20 bindet Instagram-Fotos in schicke und hochwertige Rahmen. (Screenshot: Twenty20)
Instagram-Fotos zum Ausdrucken? Auch ein Zeichen für den Erfolg des Netzwerks. (Screenshot: Twenty20)

Instagram stellt in mehrfacher Hinsicht ein Phänomen dar. Die Funktionsweise des Dienstes ist recht trivial, und doch gelang es ihm scheinbar problemlos, das Henne-Ei-Problem zu lösen und die Vielzahl der schnell folgenden Nachahmer abzuwehren. Anders als andere Startup-Produkte hat sich bei Instagram in den fast viereinhalb Jahren seit dem Launch außerdem wenig verändert. Klar: Mit Direktnachrichten, der Video-Funktion, neuen Filtern und Design-Verbesserungen ist Instagram 2015 in vielen Details etwas anderes als Instagram 2010. Doch das generelle Prinzip, die Kernfeatures und die Grundstruktur, gleichen sich. Trotzdem strömen die Nutzer zu Instagram. Oder vielleicht gerade deshalb.

Konkrete Prognosen über die zukünftige Richtung und Popularität neuer Technologien zu machen, ist selten mehr als ein munteres Rätselraten. In Sachen Instagram scheint jedoch garantiert, dass die User-Zahlen weiter wachsen werden. Denn weltweit besitzen immer mehr Menschen ein Smartphone – die Voraussetzung der Partizipation. Mit jedem neuen User gewinnt Instagram zudem an Mehrwert für alle anderen Community-Mitglieder. Spannender als die kurzfristig recht leicht vorhersagbare Nutzerentwicklung ist deshalb, wie lange Instagram-Chef Kevin Systrom und sein Boss Mark Zuckerberg noch die Strategie des minimalen Wandels beibehalten – und was danach kommen könnte. Eine gute Antwort habe ich heute nicht.

Vielleicht werde ich ja in vier Jahren bei einer neuerlichen Instagram-Analyse konstatieren, dass die dann eingetretene Situation logisch und vorhersehbar war. Ich hoffe, ich erinnere mich dann daran, diesen Text hervorzukramen.

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3 Reaktionen
.jke
.jke

Ich sehe das auch so und wundere mich vor allem immer ob der scheinbar fehlenden Navigation. Bis ich dann auch endlich mal gecheckt hatte, dass die Nutzer deswegen alles vertaggen, weil das - und nur diese Hashtags - der Navi bzw. der Erweiterung der Filterblase dient.

Ähnliches könnte man derzeit auch von WhatsApp behaupten, das sich auch trotz all seiner Widrigkeiten so durchsetzen konnte. Rückschaufehler - muss ich mir merken, thx!

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Dominik
Dominik

Instagram hat für mich das Image einer Plattform weg, indem endlich Teens mit völliger Legitimation des dort vertretenen Userstamm & Plattformbetreibers einen Selfie nach dem anderen zur Selbstbeweihräucherung einreichen können ;)

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Tanja
Tanja

Ich vermute fast, dass Instagram noch von einer anderen Fotoplattform überholt wird, mit der Bilder noch leichter und weniger anspruchsvoll hochgeladen werden. Es passiert quasi das, was Instagram mit Pinterest gemacht hat ... mal gespannt, ob Tiny das schon sein wird oder noch etwas anderes kommt, das wird sich zeigen ... jedenfalls sehr spannend!

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