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Karriere

Weihnachtsfeier: Last und Lust des Networking-Klassikers

    Weihnachtsfeier: Last und Lust des Networking-Klassikers

(Bild: © ThomasVogel – iStock.com)

Willkommen zur Weihnachtsfeier – für manche schon mit dem Abwasch des letzten Fests das Networking-Event des kommenden Jahres, für andere eine leidige Pflichtveranstaltung. Wir haben die wichtigsten Punkte für euch zusammengefasst, damit eure nächste Weihnachtsfeier (noch) besser läuft ...

Unsicherheit im Trennen von Privat- und Berufsleben

(Screenshot: Indiskretion Ehrensache)
Die Weihnachtsfeier? Kann auch im Vorhinein schon schief gehen. (Screenshot: Indiskretion Ehrensache)

Nörgler Andreas hat Angst, dass er bei der Beförderung übergangen wird, wenn er nicht zum Firmenevent geht. Marketing-Trainee Beate möchte nicht schon wieder von Christian aus der Buchhaltung angegraben werden und setzt sich lieber ans andere Ende des Tischs. Eben dieser Sofort-Duzer-Kollege wollte aber schon immer mal Beate ausquetschen, was denn diese schüchterne Kollegin aus der Nachbarabteilung, wie er findet, privat so für ein Typ ist. Die einen freuen sich darauf, mit Kollegen gemeinsam Zeit für ausgiebigen privaten Tratsch zu haben, die anderen schreckt genau das ab.

Unterhält man sich mit Freunden, Bekannten und Kollegen über die anstehende Feierlichkeit, geht es oft hoch her. Die einen sagen, dass man es sich schließlich verdient hat, vom Chef eingeladen zu werden und man selbstverständlich zu diesem Ritual hingeht, um ganz im Sinne einer Work-Life-Balance mit seinen Kollegen auch mal etwas trinken zu gehen. Die anderen gehen zu dieser Veranstaltung, „weil man es doch so macht“ und wieder andere machen (wenn möglich) einen großen Bogen um die Weihnachtsfeier und sind an diesem Abend leider schon anderweitig verabredet. Schließlich organisiert fast jeder Club seine eigene Feier, vom Angelverein bis zum Zweiradverband.

Diese Unsicherheit im Umgang mit dem „besinnlichen Fest“ vom Arbeitgeber für Arbeitnehmer (und umgekehrt) spiegeln zahlreiche Posts in Ratgeberforen wieder. Die mit am häufigsten gestellten und geklickten Fragen reichen von „Muss ich zur Weihnachtsfeier?“ über „Sind Weihnachtsfeiern Pflichtverantsaltungen?“ bis zum „Was passiert, wenn ich nicht zur Weihnachtsfeier gehe?“.

Die Weihnachtsfeier: Teambuilding bei Christstollen und Glühwein

Soziologisch betrachtet stärken solche Feste wie die jährliche Weihnachtsfeier, der Betriebsausflug oder ein anstehendes Firmenjubiläum die Gemeinschaft im Unternehmen. Denn meist werden alle Mitarbeiter (auch die weniger beliebten) zum netten Beisammensein eingeladen, dem Teambuilding über Abteilungsgrenzen hinaus inklusive Buffet und Freigetränken.

Jens Janasch arbeitet als Business-Coach, systemischer Berater und Elektro-DJ. Ein Personalleiter habe ihm mal gesagt, dass er es doch gar nicht einsehe. tausende von Euro in Mitarbeitertrainings zu investieren. Stattdessen stecke er dieses Geld lieber in die Weihnachtsfeier: „Da setzen sich alle zusammen, trinken ein, zwei Bierchen und alles ist wieder gut“, so der Personalchef.

Die Mär vom Geben und Nehmen

Jens hat mehrere Jahre Erfahrungen in der Kunststoff-Industrie gesammelt, als Ausbilder, Prozessentwickler und Teamleiter. Zusätzlich hat er eine sonderpädagogische Ausbildung gemacht und engagiert sich im Sozialbereich als Gruppenleiter. Dabei hat Jens die unterschiedlichsten Networking-Typen kennengelernt. Diese reichen vom emotional gesteigerten Geben, „weil doch Weihnachten ist“, bis zum Nehmen, um die zur Weihnachtszeit besonders große Hilfsbereitschaft anderer für sich zu nutzen.

Letztes Jahr war Jens wieder auf einer richtig tollen Weihnachtsfeier, auf die er sich schon lange gefreut hatte. Was war daran so besonders, dass es auch Weihnachtsmuffel glücklich macht? Jens lobt die Kommunikation der Kollegen untereinander. Und die sei nicht nur an diesem Abend förmlich korrekt: „Wir pflegen in unserem Team eine offene Kommunikation, das ganze Jahr über“, sagt Jens. Ohne es explizit Networking oder Teambuilding nennen zu wollen, würden heiße Debatten geführt, klare Absprachen getroffen, Projekte diskutiert, selbst mit Kritik werde zu dieser Jahreszeit erstaunlich konstruktiv umgegangen.

Umgang mit Lob und Tadel zu Weihnachten

Jens Janasch arbeitet als Business Coach, systemischer Berater und Elektro-DJ - Netzwerken kennt er aus beiden Perspektiven: Geben und Nehmen
Jens Janasch arbeitet als Business Coach, systemischer Berater und Elektro-DJ - Netzwerken kennt er aus beiden Perspektiven: Geben und Nehmen

„Wenn es Unstimmigkeiten gibt, werden sie angesprochen und nicht länger mit sich rumgetragen.“

Harmonie beim geselligen Glühweintrinken tut gut, vertuscht aber nicht jede Gemeinheit oder gar einen offenen Konflikt, der sich über das Jahr hinweg aufbaut. Jens’ Tipp dazu: „Wenn es Unstimmigkeiten gibt, werden diese angesprochen und nicht länger mit sich rumgetragen.“ Natürlich sei das ein Prozess, an dem man kontinuierlich arbeiten müsse, nicht nur zum gemeinsamen Anstoßen aufs neue Geschäftsjahr.

Ein gute Atmosphäre im Büro stellt sich nicht immer von heute auf morgen ein, manches Miteinander braucht mehr Zeit. Chefs kann man meist ebenso wenig ändern wie Kollegen, man könnte aber damit anfangen zu lernen, mit ihnen besser umzugehen. Zahlreiche Tools und Coaching-Möglichkeiten könnten diesen Prozess unterstützen, so Jens. „Dabei  lernt man mit den Eigenschaften des Chefs umzugehen, ohne gleich zu kündigen oder die Kritik zu nah an sich persönlich ran zu lassen oder ständig dafür Rechenschaft ablegen zu müssen.“

Wenn Mitarbeiter das ganze Jahr über mit Gram, Neid und Leistungsdruck zur Arbeit gehen, der Chef die vergangenen Monate nur leere Versprechungen gemacht hat oder das Betriebsklima generell nicht stimmt, könne die Frage „Weihnachtsfeier ja oder nein?“ sogar zur inneren Zerreißprobe werden, findet Jens. Wer dagegen mit seinen Kollegen das ganze Jahr über bestens auskommt, freue sich natürlich, sie zum Weihnachtsfeier-Ritual in einem entspannteren Rahmen wiederzusehen.

3 Tipps für das Organisieren der nächsten Weihnachtsfeier

  1. Betriebliche Weihnachtsfeiern sind vor allem in Großunternehmen eine Art Ritual. Es gibt weder einen gesetzlichen Anspruch auf das Durchführen einer Weihnachtsfeier, noch besteht für Mitarbeiter eine Anwesenheitspflicht. Der Ablauf von diesen Festen ist vor allem in größeren Betrieben seit Jahren identisch, bei Startups ist das anders: Man kennt sich noch nicht so lange, dafür aber fast jeder jeden aus den sich erst noch bildenden Abteilungen. Und einige junge Firmen beschäftigen schon Feel-Good-Manager.
  2. Weihnachtsfeiern stärken den inneren Zusammenhalt im Kollegenkreis. Buffet oder Menü, Musik, Freigetränke tragen zu einem geselligen Abend bei. Nicht jeder ist gleich motiviert für diese jährlich stattfindende Veranstaltung. Das Motto „Weil man das so macht“ hört sich dabei eher an wie die klassische Konditionierung vom Pawlowschen Hund. Der russische Forscher Iwan Petrowitsch Pawlow fand vor 100 Jahren heraus, dass wir auf bestimmte Reize unbewusst reagieren – allgemein auch als die Macht der Gewohnheit bekannt.
  3. Auch Weihnachtsmuffel wollen integriert werden. Einmal pro Jahr auf Knopfdruck Freude, Begeisterung und Anteilnahme am Leben der anderen Kollegen auszudrücken, ist kaum der richtige Weg zum cleveren Networking. Es hilft dagegen, sich schon im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, wie man die Weihnachtsfeier am besten absagt, ohne in ein schlechtes Licht gestellt zu werden. Vielleicht geht man aber doch hin, aus Angst, etwas zu verpassen oder –  noch besser – hilft vielleicht sogar bei der Event-Organisation, statt alle Jahre wieder zu motzen.

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1 Reaktionen
christof_versacommerce.de
christof_versacommerce.de

Ja, Weihnachten kommt: Im Supermarkt schon seit Wochen, in der TV-Werbung jetzt auch (Es wird bald Winter wenn... ? ... Wick Medinait und Lego zugleich schalten.) - und im E-Commerce bekommen alle Shop-Betreiber jede Menge Weihnachts-Tipps: http://www.netzaktiv.de/weihnachtsgeschaeft/

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