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Welche Ziele verfolgt Google im E-Commerce?

Dass und eBay über das Thema Same-Day-Delivery nachdenken, ist naheliegend. Aber Google? Der Internet-Gigant ist neben dem Search-Bereich für das Werbegeschäft (, ) und vielleicht noch für seine Cloud-Services (GMail, Apps, Google Drive) bekannt. Grund genug, sich einmal ausführlicher mit den E-Commerce-Aktivitäten des Suchmaschinenkonzerns zu befassen.

Welche Ziele verfolgt Google im E-Commerce?

Trotz gelegentlicher Vorstöße in E-Commerce-Gefilde zählt der Onlinehandel in der öffentlichen Wahrnehmung nicht zu den Kernkompetenzen von Google. Umso überraschender wirkt es, dass Google nun einen eigenen Same-Day-Delivery-Service testet. Um einen Eindruck von dem Umfang und der Stoßrichtung des E-Commerce-Engagements von Google zu erhalten, macht es Sinn, einige der Angebote in diesem Bereich näher zu betrachten:

Google Shopping wird direkter monetarisiert

Die Vielzahl der Namen, mit welchen die Google-Produktsuche seit ihrem Start 2002 bedacht wurde – „Froogle“, „Google Base“, „Google Product Search“ – deutet schon darauf hin, dass es sich bei dem Service nicht gerade um einen durchschlagenden Erfolg handelte. Andere Produkt- und Preisvergleicher stießen nicht nur bei den Kunden auf größere Resonanz, sondern boten auch den Händlern umfassendere Services. Der einzige Vorteil: Die Google-Produktsuche war kostenlos.

Wurde deutlich aufgehübscht: Der E-Commerce-Suchdienst Google Shopping (Quelle: Google)

Beides will Google derzeit ändern: Die Qualität der gelieferten Daten soll verbessert, die lokale Komponente durch die Anzeige von „Geschäften in der Nähe“ gestärkt und der Stellenwert der Produktsuche durch deren Integration in die Google-Suchergebnisse erhöht werden. Zudem werden die Ergebnisse von Google Shopping seit einiger Zeit durch Produktbewertungen ergänzt. Diese werden allerdings nicht von Google selbst aggregiert, sondern entweder von den Händlern mitübermittelt oder von externen Dienstleister wie Bazaarvoice eingespielt. Gleichzeitig mit diesem Ausbau der Produktsuche hat Google auch eine Kommerzialisierung des Dienstes angekündigt: Händler sollen für das Listing bei Google Shopping Gebühren wie bei vergleichbaren Preisvergleichsdiensten bezahlen.

Zeitgleich mit dieser Änderung hat Google auch den Launch des Zertifizierungsdienstes GoogleTrusted Stores bekanntgegeben. Nicht nur vom Namen her, auch mit seinem Angebot ähnelt der Service dem Zertifizierungsanbieter Trusted Shops: Onlineshops, die den Zertifizierungsstandards von Google entsprechen, können dies ihren Kunden mit einem Button symbolisieren. Im Gegenzug erhalten diese einen Käuferschutz für Bestellungen mit einem Wert bis zu 1.000 US-Dollar.

Nach Auskunft von Google soll das neue Google Shopping in Deutschland übrigens im Laufe des nächsten Jahres gelauncht werden. Ob und wann GoogleTrusted Stores hierzulande eingeführt wird, ist dagegen noch unklar.

Google Wallet: Eine (digitale) Geldbörse für alles

Den Einstieg in das Payment-Geschäft hat Google bereits 2006 mit dem Bezahldienst Google Checkout bewerkstelligt. Ähnlich Vorbildern wie Amazons „1 Click“-Checkout sollte damit Kunden, die ihre Kreditkartendaten hinterlegten, ein schneller und unkomplizierter Bezahlservice angeboten werden.

Mit dem Wechsel der eBay-Managerin Stephanie Tilenius zu Google wuchsen die Ambitionen von Google im Payment-Bereich. Mit dem Sevice Google Wallet zählt der Internet-Konzern zu den Vorreitern beim Bezahlen mittels Near Field Communication (NFC) Technologie. In Geschäften, die über ein entsprechendes Lesegerät verfügen, können Kunden damit kontaktlos mit ihrem Smartphone bezahlen. Um die Verbreitung von NFC-Chips in Mobiltelefonen voranzutreiben, wird das „Google-Phone“ Nexus seit diesem Herbst standardmäßig mit der entsprechenden Technologie ausgeliefert.

NFC-Bezahlung mittels Google Wallet (Quelle: Google)

Auch Google Checkout ist inzwischen in das Google Wallet integriert. Zudem kann der Bezahlservice auch für Einkäufe auf den digitalen Plattformen Google Play, YouTube und Google+ Games eingesetzt werden: Das Ziel: Ein einziges Wallet, das vom stationären Handel bis in die Cloud eingesetzt werden kann.

Google Offers: Frontalangriff auf Groupon & Co.

Stephanie Tilenius (die Google übrigens im Sommer 2012 in Richtung der VC-Firma Kleiner Perkins verlassen hat) war auch eine treibende Kraft bei den Versuchen von Google, den boomenden Couponing-Anbieter Groupon zu übernehmen. Nach dem Scheitern der Übernahme startete der Internet-Konzern mit Google Offers Mitte 2011 kurzerhand einen eigenen Rabatt-Service.

Ganz nach dem Groupon-Vorbild bietet Google Offers zusammen mit lokalen Einzelhändlern und Dienstleistern tägliche Angebote an, die von den Kunden in den folgenden 24 Stunden gekauft werden können. Interessant ist, dass Google Ende 2011 eine Kooperation mit anderen Couponing-Anbietern wie Gilt City, Plum District und Juice in the City startete und seitdem auch Deals dieser Affiliate-Partner ausliefert.

Groupon-Klon: Der Rabatt-Service Google Offers (Quelle: Google)

Google bleibt auch im E-Commerce ein Vermittler

Betrachtet man nun die Beispiele für die E-Commerce-Aktivitäten, lassen sich einige Handlungsmuster erkennen: Zum einen stellt der für Google sehr wohl ein strategisches Geschäftsfeld dar. Mit Vergleichs-, Couponing- und vor allem Payment-Diensten setzt der Suchmaschinenkonzern auf einige der wichtigsten E-Commerce-Funktionen. Gleichzeitig bleibt Google aber auch im E-Commerce seinem Prinzip treu, sich stets nur als Service-Anbieter und Vermittler in Szene zu setzen: Google verkauft nicht selbst über das Internet Produkte, sondern vergleicht die Online-Angebote anderer Händler; Google will stationären Händlern via NFC-Bezahlung eine Schnittstelle in die digitale Einkaufswelt bieten; Google vermittelt lokale Deals – und setzt dabei noch auf die Zusammenarbeit mit anderen Couponing-Anbietern.

Auch der Vorstoß in Sachen Same-Day-Delivery ist aus dieser Perspektive zu betrachten: Das Angebot, Waren im Auftrag von lokalen Händlern innerhalb kürzester Zeit zu Online-Bestellern zu bringen, entspricht letztlich derselben Philosophie wie die altbekannte Statusmeldung der Google-Suche: „Ungefähr 999.000.000 Ergebnisse (0,01 Sekunden)“. Google setzt auch im E-Commerce auf sein Erfolgsprinzip und bleibt damit seiner Intermediärs-Rolle treu.

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2 Antworten
  1. von Atilla W. am 05.11.2012 (13:07 Uhr)

    Ich halte einen Einstieg in den "echten" Versandhandel ebenfalls für unwahrscheinlich. Googles Spezialität ist und bleibt die unterstützende Dienstleistung von Firmen durch Werbeanzeigen, Clouddienste oder eben auch Payment Services.
    Auch der Launch des Same-Day-Projektes spricht dafür. Schliesslich wäre es auch kein Problem für Google ein Lagerhaus aufzumachen - aber wer will schon einen Supermarkt, der Google heißt? ;)

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  2. von Dennis am 05.11.2012 (13:45 Uhr)

    Als Vermittler müssen Sie noch einiges verbessern und die Qualität steigern aber ich denke da wird google endlich seinen Weg finden. Und Same Day Lieferungen sind ja nix neuess. Machen Pizza Dienste seit Jahrzehnten schon so. Neu ist nur das man es jetzt auf mehr Produkte ausweitet und eben online ordern kann.

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