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Digitales Leben

Was kommt nach WhatsApp & Co? Slack zeigt es

    Was kommt nach WhatsApp & Co? Slack zeigt es

(Grafik: Slack)

In Startup- und Medien-Kreisen erfreut sich der Team-Kommunikationsdienst Slack großer Beliebtheit. Doch warum eigentlich nur in professionellen Umfeldern? In seiner Kolumne Weigerts World erläutert Martin Weigert, wieso das von Slack und einer Reihe ähnlicher Dienste etablierte Konzept eines zentralen Hubs für mehrgliedrige Gruppenkommunikation die nächste Stufe des Messaging darstellt und was dies für Anbieter wie WhatsApp und Facebook Messenger bedeutet.

Kolumnist Martin Weigert kommuniziert mit seiner Familie jetzt per Slack. (Screenshot: Slack)
Kolumnist Martin Weigert kommuniziert mit seiner Familie jetzt per Slack. (Screenshot: Slack)

Ich kommuniziere jetzt mit meinen Eltern über Slack. Inspiriert wurde ich dazu durch diesen Erfahrungsbericht eines Nutzers, der den vor allem bei Startups angesagten Team-Kommunikationsdienst für den familieninternen Austausch verwendet. Bislang läuft es gut, größere Komplikationen beim Onboarding gab es keine. Zuvor hatte ich mit meinen Eltern via Smartphone-Messaging-App kommuniziert. Mit der grundsätzlichen Funktionsweise von Chat-Diensten waren sie also vertraut. Meine Mutter hat mich schon gefragt, ob sie Slack jetzt auch ihren Freunden und Bekannten empfehlen sollte, wovon ich ihr aber abriet. Letztlich ist der Dienst nicht für deutschsprachige Freizeitnutzer der Generation 55+ optimiert. Zumindest noch nicht.

Ich betone das „noch“ deshalb, weil ich zu der Einsicht gekommen bin, dass der Gedanke hinter Diensten wie Slack oder Rivalen wie Hipchat, Flowdock oder Grape (aus Österreich) und Stackfield (aus Deutschland) die Zukunft der Gruppenkommunikation darstellt. Ich meine nicht nur beruflich motivierte, formelle Teams, sondern jede Art von aus mehreren Menschen bestehenden Gruppen. Die Services repräsentieren die Evolution von Messaging und womöglich gar des Social Networkings.

Die Evolutionsstufen des Messaging

„Slack und ähnliche Angebote demonstrieren die Zukunft.“

Alles fing mit der traditionellen SMS an. Diese erlaubte den Austausch von Kurznachrichten zwischen zwei Personen. Mit der Erfindung des Smartphones übernahmen datenbasierte Chat-Apps diese Aufgabe. Sie boten Nutzern mehr Freiheiten und verursachten zudem keine Kosten. Sukzessive begannen immer mehr User, auch in größeren Gruppen zu kommunizieren. Der Aufstieg des Group-Messagings stellt den nächsten Entwicklungsschritt dar. Slack und ähnliche Angebote demonstrieren jetzt, was folgt: Die bisherigen Single-Thread-Gruppenchats verwandeln sich in Mini-Social-Networks, welche die besten Funktionen von klassischen sozialen Netzwerken sowie von Messaging kombinieren und in Kommunikationshubs für Gruppen verwandeln. Eine Gruppe ist dabei im Prinzip alles ab drei Personen, wobei theoretisch, dank der zahlreichen Integrationen, selbst ein aus nur zwei Personen bestehendes Slack-Team („Team“ ist die von Slack gewählte Bezeichnung für einen geschlossenen Nutzerbereich) eine runde Sache darstellen kann.

Ein Gedankenspiel

Stellen wir uns einmal vor, zehn Mitglieder einer Familie bevölkern ein spezifisch für die Familienkommunikation erstelltes Slack-Team. Im Zeitverlauf werden die Teilnehmer verschiedene öffentliche Kanäle erstellen, die alle zehn Mitglieder einsehen können. Für allgemeines Gequassel, lustige Videos und Fotos von Feierlichkeiten. Sie würden außerdem mehrere Gruppenchats mit ausgewählten Teilnehmern starten, etwa zur Organisation einer Geburtstagsparty oder für die Planung einer Reise, bei der nicht alle mitfahren. Zudem würde das Private-Messaging-Feature für alle privaten Konversationen zwischen zwei Personen zum Einsatz kommen.

Das ist aber noch nicht alles. Dank zahlreicher Integrationen mit externen Diensten, die im Laufe der Zeit noch erweitert werden dürften, gäbe es eine Vielzahl zusätzlich vorstellbarer Einsatzzwecke. Es könnten Channels für den automatischen Import von Nachrichten aus der Region, Filmempfehlungen, Wetterberichte oder Sportresultate eingerichtet werden. Selbst die Verknüpfung mit smarten Geräten im Heim ist denkbar (vorausgesetzt es gibt eine Unterstützung für die notwendigen Dienste). Slack würde so zur Zentrale für das heimische Internet of Things werden – erreichbar für alle Personen mit entsprechenden Berechtigungen.

„Die konzeptionelle Struktur von Slack ist der nächste Schritt in der Evolution der Gruppen-Kommunikation.“

Letztlich setzen lediglich die technischen Beschränkungen sowie das eigene Vorstellungsvermögen die Grenzen dessen, was sich über eine Gruppen-Kommunikationszentrale à la Slack erledigen ließe. Und natürlich hängt alles auch von den individuellen Bedürfnissen der Gruppe ab. Eine Familie stellt andere Anforderungen als eine Freundesgruppe oder ein Sport-Team. Das Gute ist, dass man in mehreren Teams gleichzeitig dabei sein kann. Diese Tatsache stellt das Fundament des von mir beschriebenen Szenarios dar. Ein User ist Mitglied in verschiedenen Teams, in denen jeweils eine bestimmte Zahl anderer Personen partizipiert.

In meinen Augen stellt die konzeptionelle Struktur von Slack den natürlichen nächsten Schritt in der Evolution der Gruppenkommunikation dar. Denn je bedeutsamer die Rolle von Messaging-Anwendungen im Alltag wird, desto eher stößt der typische „One Thread fits all“-Ansatz von Messenger und WhatsApp hinsichtlich Übersichtlichkeit und Anwenderfreundlichkeit an seine Grenzen.

Die Rolle von WhatsApp, Messenger & Co

(Foto: Kārlis Dambrāns / Flickr Lizenz: CC BY 2.0)
Entwickelt sich der Facebook Messenger in Richtung Slack? (Foto: Kārlis Dambrāns / Flickr, Lizenz: CC BY 2.0)

Angenommen, diese Einschätzung trifft zu, dann stellt sich eine hochinteressante Frage: Wer wird die treibende Kraft hinter dem kommenden Wandel sein? Slack zeigt wie es geht und macht Millionen Nutzer mit der Philosophie eines zentralen, mehrgliedrigen Gruppenkommunikations-Hubs vertraut. Allerdings richtet sich das kalifornische Unternehmen explizit an professionelle Teams – solche Gruppen, die aufgrund ihrer erweiterten Ansprüche bereit sind, Geld für die kostenpflichtigen Versionen von Slack zu zahlen. Der Dienst stemmt sich zwar nicht gegen die Einrichtung von Teams für Familie oder kleine Freundeskreise. Derartige Einsatzgebiete gehören aber nicht zur Marketing-Botschaft und werden nicht gezielt gefördert. Wird sich das eines Tages ändern? Das hängt wohl auch davon ab, wie sich die Konkurrenz verhält.

Womöglich bewegen sich die von Facebook betriebenen Messaging-Dienste Messenger und WhatsApp stärker in Richtung dessen, was Slack anbietet – für alle nicht-professionellen und nicht formell konstituierten Gruppen. Facebook scheut sich nie davor, den eigenen Dienst weiterzuentwickeln, wenn sich die externen Rahmenbedingungen verändern. Mit Facebook at Work macht es mittlerweile auch direkt Slack Konkurrenz. Und die geplante Erweiterung des Messengers um Optionen zur Kommunikation mit Unternehmen wird für Messenger in jedem Fall Veränderungen mitbringen.

Zwei konkurrierende Konzepte

In Zukunft stehen sich zwei Messaging-Konzepte gegenüber. (Grafik: Martin Weigert)
In Zukunft stehen sich zwei Messaging-Konzepte gegenüber. (Grafik: Martin Weigert)

Künftig stehen sich zwei konkurrierende Methoden für die Umsetzung von Messaging-Services gegenüber: Der Ein-Thread-pro-Gruppe-Ansatz, auf dem WhatsApp & Co basieren (Konzept 1), und der Ansatz des mehrgliedrigen Gruppenkommunikation-Hubs von Slack und ähnlichen Diensten (Konzept 2). Konzept 1 ist besonders simpel und intuitiv, weshalb es sich auch für technisch wenig versierte Nutzer eignet. Allerdings stößt es bei komplexerem Kommunikationsverhalten an seine Grenzen. Konzept 2 ist einen Tick weniger intuitiv, speziell für unerfahrene Anwender, bietet dafür aber schier grenzenlose Einsatzmöglichkeiten.

Werden beide Ansätze irgendwann fusionieren? Wird Konzept 1 die dominierende Messaging-Form bleiben, oder wird Konzept 2 irgendwann übernehmen? Mit einer geschätzten Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent gehe ich davon aus, dass Letztgenanntes der Fall sein wird. Doch auch wenn das nicht passiert, bin ich mir sicher, dass Konzept 2 schnell sehr viel größere Verbreitung findet.

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13 Reaktionen
TobiasF
TobiasF

@iButler.me - habt ihr schon erste Erfahrungen mit ryver? Mich würde insbesondere der Vergleich zu slack interessieren.

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iButler
iButler

Wir nutzen bei den Paperless Pioneers auch Slack für die Community. Mit über +200 Mitgliedern gibt es dementsprechend auch viele Meinungen, Ideen, Kritiken usw zu Slack.

Derzeit testen wir in engem Kontakt mit den Entwicklern http://www.ryver.com das gibt es zwar auch nciht auf Deutsch hat aber mit der "Post Promotion" ein nettes Feature damit in der Endlosschleife keine Diskussion unterbrochen wird.

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Freizeitcafe.info
Freizeitcafe.info

Interessant auch mal ein neues Produkt zu sehen. Kannte nur die bis dato erfolgreichen. LG aus Bochum

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Andi
Andi

Wahrscheinlich wird diese Entwicklung von Messaging-Diensten vorangetrieben. In China bietet WeChat z. B. schon viiiel mehr Funktionen als WhatsApp & Co hier (ePayment, geteilte Kalender ...).

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Oliver
Oliver

Ich finde es immer wieder lustig! Das Prinzip von Slack, dass ja Zukunft hier angepriesen wird ist von Microsoft mit Einführung von Windows phone 7 eingeführt worden. Hier konnte man "Gruppen"(respektive Teams bei Slack) anlegen.
Es wollte keiner nutzen und haben. Die Implementation auf anderen OS wurde boykottiert. Es war ein Kommunikationshub.
Und wenn es mich nicht täuscht hat BB ein sehr ähnliches System mit seinem Kommunikationshub. Also wo hat Slack da denn eine Innovation oder etwas zukunftweisendes auf den Markt gebracht?

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Martin Weigert

Das ist doch ein ganz bekanntes Phänomen: Auf die Umsetzung und den Zeitpunkt kommt es ebenso sehr an wie auf die Idee. Im Prinzip keine der Firmen, die heute mit ein Produkt/Dienst erfolgreich ist, war der erste Anbieter, der die jeweilige Idee in Produktform goss. Es war aber derjenigen, der in Sachen Umsetzung und Timing alles besser gemacht hat.

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Oliver
Oliver

Na so Pauschal darf man das nu auch nicht formulieren. Denn wenn das Apple in den falschen Hals bekommt, dann kommt eine Klage geflogen ;-)
Aber Scherz beiseite, mir ist dieser Umstand schon bewußt. Nichts desto trotz finde ich es dann als schlecht das Unternehmen, das die Idee "geklaut" hat als das hinzustellen, dass diese Idee in die Welt gesetzt hat.
Man kann es als das Unternehmen bezeichnen das in dem Bereich das bessere Näschen für den richtigen Zeitpunkt hatte.
Es wird aber leider so dargestellt als das Slack das Unternehmen ist, dass sich dieses Konzept hat einfallen lassen.
Und das ist es was ich eigentlich damit sagen wollte. Ob Sie damit Erfolg haben werden oder nicht wird sich ja noch zeigen.

David Feller
David Feller

Ich würde die Liste noch um Mattermost (https://about.mattermost.com/) ergänzen. Allerdings ist das auch nicht zwingend eine Lösung für den 55+-Stammtisch, weil die initiale "Hürde" durch die Eigenschaft "self-hosted" etwas höher ist. Funktional ist es aber definitiv interessant.

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Eleftherios Hatziioannou
Eleftherios Hatziioannou

Kommunikation verändert sich stetig und ich glaube, dass Messaging-Lösungen noch noch ganz am Anfang stehen, da wird sich in den kommenden Monaten und Jahren noch einiges tun. Der eine wird eher Collaboration machen, der andere mehr B2C, etc... Ich denke, dass es an der Zeit ist auch die lokalen Player zu supporten und nicht immer nur Juhu zu schreien, wenn die nächste US-Lösung gehypet wird. Es gibt viele gute Lösungen, die auch von hier kommen, aber darüber wird viel zu wenig berichtet. Immerhin wurde Grape genannt als Player aus dem DACH-Raum. Aber wir werden nie ein großes Ding aus den eigenen Reihen sehen, wenn immer nur gejubelt wird, wenn was aus den Staaten kommt. Es gibt viele gute lokale Startups und Lösungen, die mit etwas mehr Attention zu Vorzeige-Innovationen werden können, aber die bekommen nicht annähernd soviel Attention von Medien und auch Unternehmen. Wäre cool, wenn ihr auch mehr darüber berichten würdet.

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Paddy Ringo
Paddy Ringo

Das Problem bei Slack scheint mir – genau wie bei WhatsApp – die mangelhafte Sicherheit zu sein, daher kommt m.E. Threema nach WhatsApp, insbesondere für berufliche Belange.

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Tim
Tim

für Deutschland gibts doch Stackfield

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Martin Weigert

Ich wusste doch dass ich einen mir eigentlich bekannten Anbieter in meiner kleinen Aufzählung vergessen hatte. Hab Stackfield noch hinzugefügt.

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DrNo123
DrNo123

Tja, da Slack auch mittelfristig keine deutsche Lokalisation plant, fällt das Werkzeug für einige Nutzer aus, sowohl Firmen als auch meine Eltern. ;)

Ich würde Slack gerne viel häufiger nutzen, vor allem im ehrenamtlichen Bereich, jedoch sind hier auch viele ältere Menschen unterwegs, die Slack zwar bedienen könnten, durch die englischsprachige Oberfläche aber überfordert sind.

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