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Wi-Vi: Dank WLAN „durch Wände sehen“

Wi-Vi: Dank WLAN „durch Wände sehen“

Mithilfe von WLAN-Signalen können Forscher am MIT Menschen durch Wände hindurch erkennen. Zum jetzigen Zeitpunkt soll die „Wi-Vi“ genannte Technologie bis zu drei Menschen eindeutig erkennen können – sie könnte in Katastrophengebieten zum Auffinden von Überlebenden genutzt werden. Doch auch Gestensteuerung ohne visuellen Kontakt wäre laut den Wissenschaftlern ein mögliches Einsatzgebiet.

Wi-Vi: Dank WLAN „durch Wände sehen“
Wi-Vi: WLAN zur Erweiterung unserer Sinne. (Bild: Massachusetts Institute of Technology)
Wi-Vi: WLAN zur Erweiterung unserer Sinne. (Bild: Massachusetts Institute of Technology)

Wi-Vi: Mit der WLAN-Funktechnik Menschen aufspüren

Derzeit arbeiten Forscher des renommierten Massachusetts Institute of Technology an einer Technologie, mit deren Hilfe Bewegungen durch Wände erkannt werden sollen. Die Wi-Vi getaufte Technik greift dabei auf einfache WLAN-Signale zurück. Die Technologie erlaubt es, die Position von Menschen auch durch Wände hindurch relativ genau zu bestimmen. Zum jetzigen Zeitpunkt erschöpft sich die Erkennungsrate allerdings bei drei Menschen, die sich zur selben Zeit an einem Ort aufhalten.

Das System arbeitet dabei in zwei Stufen. In der Ersten werden die Signale der zwei eingesetzten Sendeantennen mithilfe der Empfangsantenne gemessen. In der zweiten Stufe werden diese Messungen genutzt, um die Reflexionen von feststehenden Objekten wie Gegenständen oder Wänden herauszufiltern. Dadurch ist es möglich nur noch die Reflexionen von Objekten zu erhalten, die sich zwischen den zwei Messungen bewegt haben.

Die Erkennung von Bewegungen soll bereits so ausgereift sein, dass auch einzelne Gesten identifiziert werden könnten. Somit könnte die Technik beispielsweise dafür genutzt werden, ohne bauliche Eingriffe Gestensteuerung in jedem Zimmer einer Wohnung zu ermöglichen. Heimautomation wäre nicht mehr auf Bewegungssensoren in den einzelnen Räumen angewiesen, um das Licht oder beispielsweise die Heizung in einem Raum an- und auszuschalten. Auch im Spielebereich könnte die Gestensteuerung Verwendung finden. Im Gegensatz zu Microsofts Kinect wird hier keine Sichtlinie benötigt, um diese Funktionalität zu erhalten.

Wi-Vi: Menschliche Bewegungen können mithilfe von WLAN-Signalen geortet werden. (Bild: Massachusetts Institute of Technology)
Wi-Vi: Menschliche Bewegungen können mithilfe von WLAN-Signalen geortet werden. (Bild: Massachusetts Institute of Technology)

Doch auch einen Einsatz bei der Verbrechensbekämpfung können sich die Wissenschaftler für Wi-Vi vorstellen. Polizeikräfte wären in der Lage, den genauen Aufenthaltsort eines Verdächtigen herauszufinden, bevor sie den Raum betreten und möglicherweise ihr Leben aufs Spiel setzen. Natürlich könnte dies weitreichende Konsequenzen für unsere Privatsphäre haben. Wann genau wir uns an welchem Punkt unserer Wohnung aufhalten, klingt zunächst nicht nach einer besonders spannenden Information, in Kombination mit einer halbwegs exakten Gestenerkennung könnten jedoch durchaus Rückschlüsse auf unser Verhalten gezogen werden. In den falschen Händen wäre eine solche Technologie, zumal eine, die mit relativ geringen Hardware-Kosten einhergeht, äußerst besorgniserregend.

Erfreulicher erscheint die Idee, die Technik in Katastrophengebieten einzusetzen. Während heute mit Hunden und oft auch auf gut Glück nach Verschütteten gesucht wird, könnte Wi-Vi zielgerichtet eingesetzt werden, um Menschenleben zu retten. Helfer würden ihre Kräfte effektiver einsetzen können und nur noch da graben, wo wirklich noch Überlebende zu vermuten sind.

Systeme wie Wi-Vi könnten unterschiedlichste Folgen auf unser Leben haben

Die Technik befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase. Dass sie aber Potenzial hat, zeigt nicht zuletzt der Umstand, dass Forscher aus Washington mit WiSee erst kürzlich ein ähnliches System vorgestellt haben. Dieses war allerdings noch auf fünf Antennen angewiesen, während das MIT-Projekt einen ähnlichen Effekt mit lediglich drei Antennen erreicht. Wann und in welcher Art wir ein System wie Wi-Vi in unserem Alltag erleben können, bleibt abzuwarten. Eine Serienproduktion wird es auf absehbare Zeit nicht geben, trotzdem könnte die Technologie weitreichende Folgen auf verschiedenen Lebensgebieten mit sich bringen.

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Eine Antwort
  1. von durch die Decke am 28.06.2013 (13:37 Uhr)

    Israelis haben sowas ähnliches vor ein paar Jahren schon mit Mobilfunk-Masten gemacht und konnten die Wasserdichte (Wolken) damit messen.

    Klingt auch so ähnlich wie Passiv-Radar aber für Räumlichkeiten wie Wohnungen.
    Für Parkplätze, Supermarkt-Überwachung, Zugangs-Kontrollen usw. wäre das vielleicht auch interessant wo Leute herumlungern oder sich verstecken. Zugangsregeln besagen beispielsweise, das man ein paar Meter Abstand vom Zaun zu den Lagerhallen haben soll damit man Einbrecher die Kisten wegtragen sehen kann. Man hat also um Lagerhallen oft kleine Wiesen welche bei Bewegungs-Kontrolle nicht mehr so stark beleuchtet sind und einem nach Verschwendung vorkommen. Da könnten ja die Arbeiter parken. Auch Supermärkte hatten früher zumindest nachts oft das Licht an. Bewegungsmelder haben nur einen beschränkte Reichweite wie man an den automatischen Türen schnell erkennt.
    Als Maßnahme gegen "böse" Reiher welche teure Koi-Karpfen fressen wäre das u.u. ganz interessant und würde schnell Kunden finden. Auch könnte man bei den Roboter-Rasenmähern und Robo-Staubsaugern auf externe Kontrolle umstellen und spart sich die Draht-Induktions-Schlingen am Rasen-Rand bzw. den Random-Betrieb beim Robo-Staubsauger wenn man ja immer weiss wo die Geräte sind.

    Muss man sich bewegen ? Das können Leute unter Trümmern in Erdbeben-Gebieten (Türkei) oder brennenden oder abgerutschten Favelas (Südamerika) evtl nicht mehr um mal die häufigsten immer wiederkehrenden Beispiele zu nennen.
    Trotzdem wäre nett wenn Rotes Kreuz usw. sowas bald einsetzen könnten. Und vielleicht auch die Feuerwehr um zu sehen wo Leute im brennenden Gebäude oder hinterm Qualm sind. Aber wer schläft (auch Krankenhäuser, Pflegeheime oder Altersheime brennen leider schon mal) bewegt sich auch nicht nennenswert. Wenn man die Geräte bewegt oder dreht (Kompass ist ja genauer als GPS-Position) kann man evtl auch weiche Personen von harten Wänden mit anderem Wifi-Durchleitungs-Verhalten unterscheiden.
    Schon traurig, das wir nur 2,4 GHz nutzen können.

    Interessant wäre auch Durchleuchung von Erde oder Müll-Deponie-Erde um die Gold-Nuggets oder nicht-magnetische-Metalle wie Alu-Folien in Gelbe-Sack-Müll zu finden und (von der Maschine) gezielt "herauspicken" zu können.
    Wifi"Leuchttische" sind also eine kleinere Version der Wolken-Messung bzw. Personen-Erfassung.

    Mal sehen was da noch kommt. In Diktaturen und rückständigen Ländern kann man solche (eigentlich recht einfachen) Forschungen ja nicht ohne Ärger und Schikane wie Trivialpatente oder Schutz-Abgaben betreiben. Und man braucht ja nur bilige WiFi-Geräte (oder Bluetooth) für ein paar Euros und keine zilliarden-teuren Forschungs-Geräte. Ich glaube Tschechien hatte das Passiv-Radar realisiert.

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