Vorheriger Artikel Nächster Artikel

Wikipedia-Hoax: Erfundener Krieg überlebte 5 Jahre als Enzyklopädie-Eintrag

Falls euch bei der Webrecherche einmal etwas über den „Bicholim-Konflikt“ unterkommt, vergesst alles rund um dieses Thema schnell wieder, denn diesen Konflikt hat es nie gegeben. Und das, obwohl die Geschichte fünfeinhalb Jahre lang als Artikel in der englischsprachigen zu finden war. Vor wenigen Tagen ist der Wikipedia-Hoax dann doch aufgeflogen, der entsprechende Artikel wurde mittlerweile gelöscht. Die Suche nach dem Autor läuft. Der falsche Konflikt hat sich allerdings bereits in das Internet-Gedächtnis eingebrannt.

Wikipedia-Hoax: Erfundener Krieg überlebte 5 Jahre als Enzyklopädie-Eintrag

Wikipedia-Hoax geistert weiter durchs Web

Denn der Konflikt, den es nie gab, wurde in zahlreiche andere Nachschlagewerke übernommen, ist bei Barnes & Noble zum Preis von 19,33 statt 19,95 US-Dollar sogar in gedruckter Form erhältlich. Der 4.500-Wörter-Artikel drehte sich um einen – fiktiven – Konflikt zwischen der Kolonialmacht Portugal und dem indischen Maratha-Reich, der in den Jahren 1640/41 in eine kriegerische Auseinandersetzung gipfelte, inklusive Friedensvertrag, wie The Daily Dot berichtet. Bicholim ist eine Region im Norden Indiens, in der der Großteil der Kämpfe stattgefunden haben soll. Der Bicholim-Konflikt habe die Rolle Goa's als eigenständigen Bundesstaat zementiert.

Wikipedia: Vor dem einen oder anderen Hoax nicht gefeit (Foto: throwthedamnthing / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Der Autor oder die Autorin hat sich nicht nur beim Erstellen des Artikels besondere Mühe gegeben, sondern den Spaß an dem eigenen Wikipedia-Hoax sogar noch auf die Spitze getrieben und den falschen Geschichtsbericht als „Featured Article“ vorgeschlagen. Das schaffte der Artikel zwar nicht, allerdings aufgrund der dünnen Quellenlage. Dass diese „Quellen“ eigentlich gefälscht waren, hatte die Wikipedia-Jury nicht bemerkt. So kam es auch, dass der Wikipedia-Eintrag zum erfundenen Bicholim-Konflikt den Status „Good Article“ verliehen bekam, was insgesamt nur rund einem Prozent der englischsprachigen Wikipedia-Artikel gelingt.

Während der Name des Entdeckers des Wikipedia-Hoax – ShelfSkewed – bekannt ist, liegt die Identität des Verfassers des gefälschten Eintrags im Dunkeln. Unter Verdacht steht ein Wikipedia-User namens „A-b-a-a-a-a-a-a-b-a“. Diese Person soll sowohl große Teile des Artikels verfasst als auch die Nominierung zum „Featured Article“ abgegeben haben, wie es beim Standard heißt. Klar ist jedenfalls, dass der gefälschte Bericht zum Bicholim-Konflikt jetzt in der Liste der Wikipedia-Hoax-Geschichten wandert. Dort findet sich der Artikel in guter Gesellschaft und in der Top Ten der falschen Behauptungen, die sich am längsten in der Wikipedia halten konnten. In die Liste der 25 beliebtesten Wikipedia-Artikel 2012 hat es der Artikel verständlicherweise nicht geschafft, aber vielleicht findet sich ja auch hier der eine oder andere Hoax?

Weiterführende Links:

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
Eine Antwort
  1. von Dirk am 10.01.2013 (16:43 Uhr)

    Der Artikel über Stalins Badezimmer ist gelungen! :-)

    Damit die URL zu Stalins Badezimmer nicht umgebrochen wird, poste ich es noch einmal, aber als gekürzte URL:
    http://goo.gl/LUV5S

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Wikipedia
Wikipedia-App: Schickes neues Design stellt Fotos in den Fokus
Wikipedia-App: Schickes neues Design stellt Fotos in den Fokus

Die Wikimedia Foundation hat der mobilen Wikipedia-App ein schickes Design-Update verpasst. Ein besonderer Fokus liegt auf Fotos. » weiterlesen

Wikipedia: Was Deutschland 2014 wissen wollte
Wikipedia: Was Deutschland 2014 wissen wollte

Wikipedia ist für viele zu einer ungemein wichtigen Informationsquelle geworden. Welche Themen die Nutzer im Jahr 2014 am meisten interessiert haben, verraten wir euch in diesem Artikel. » weiterlesen

Wikipedia nicht zuverlässig genug: Russland plant „objektive“ Alternative für Online-Enzyklopädie
Wikipedia nicht zuverlässig genug: Russland plant „objektive“ Alternative für Online-Enzyklopädie

Weil Wikipedia zu wenig detaillierte und vertrauenswürdige Informationen liefere, wenn es um die Darstellung der staatlichen Strukturen und des Lebens in Russland geht, soll nun eine eine … » weiterlesen

Kennst Du schon unser t3n Magazin?

t3n 38 jetzt kostenfrei probelesen! Alle Inhalte des t3n Magazins Diesen Hinweis verbergen