Eins kann man schon einmal festhalten: Die Macher des deutschen WordCamps haben ein Händchen für außergewöhnliche Locations. Hatte man letztes Jahr in Jena im obersten Stockwerk des Intershop-Towers einen beeindruckenden Blick auf Stadt und Umgebung, war das „Betahaus“ eine typisch Berliner Location mit dem rustikalen Charme des „Wir legen dann schonmal los“.
Die Organisation des WordCamps war aus meiner Sicht perfekt. Es wird bestimmt den einen oder anderen geben, der was zum Meckern findet. Aber ich kann den Machern da nur meinen Respekt zollen. Tolle Sache! Gut fand ich auch die Idee, Sessions im Vorfeld über die Website vorzustellen und per Klick Interesse an dem Thema signalisieren zu können. Auf diese Weise gab es schon vor Anreise einige spannende Themen, auf die man sich freuen konnte. Dafür kamen dann zum Start des WordCamps allerdings nur noch wenige Ergänzungen zum Programm hinzu. Dennoch fand ich die Auswahl gut und die von mir besuchten Sessions auf jeden Fall interessant.
Performance einer WordPress-Seite verbessern
So gab Vladimir „perun“ Simovic beispielsweise einen interessanten Überblick zu Performance-Bremsen für eine WordPress-Website. Viele Probleme haben dabei herzlich wenig mit WordPress selbst zu tun. So können beispielsweise Social-Buttons von Facebook und anderen Diensten die Seite gehörig ausbremsen. Überhaupt verbraucht so manche JavaScript-Spielerei mehr Ladezeit als der eigentliche Inhalt. Daneben gilt heute noch wie immer, das Dateiformat der Bilder genau auszusuchen, um Kilobytes zu sparen.
Eine weitere Bremse für eine Website ist möglicherweise der Server selbst, der an sich lahmt. Solche Dinge kann man mit Tools und Diensten wie YSlow, Firebug oder Pingdom recht gut herausfinden.
Ein weiterer Angriffspunkt ist die Zusammenfassung von JavaScript- und CSS-Dateien, um die Zahl der Anfragen zu reduzieren. Generell gab Vladimir die Faustregel aus, sich erst einmal darum zu kümmern, die Requests zu verringern und im Idealfall parallel auch die Größen der jeweiligen Dateien zu verringern. Wobei er auch klarstellte: „Mit 10 Prozent der Maßnahmen erreicht man 90 Prozent des Effekts.“ An jeder kleinen Stellschraube zu drehen ist daher eher weniger sinnvoll - zumal bei kleineren Websites. Dass Spiegel Online durch eine Optimierung die Zahl der Requests und die Gesamtgröße der auszuliefernden Website halbiert hat, fällt natürlich ins Gewicht. Bei einem durchschnittlich frequentierten Blog hingegen ist das nicht unbedingt der Fall. Die oft ins Feld geführten Plugins für WordPress wie beispielsweise Supercache bringen nach Vladimirs Erfahrung übrigens nicht sehr viel.
Tipps und Tricks zum Screencasting
In einer Session von Axel Becker ging es um Screencasting und die besten Tipps und Tricks dazu. Er zeigte es anhand der Software Camtasia Studio. Erster Hinweis: Gutes Mikro kaufen, am Besten ein Headset. Wer hier spart und seinen Zuschauern mit rauschigem oder schwankendem Ton auf die Nerven geht, nimmt sich einige Erfolgschancen. Viele weitere Tipps hatte er im Gepäck. Hier mal einige aus meinen Notizen:
- Probeaufnahmen machen
- Storyboard erstellen, aber nicht ablesen
- Fassen Sie sich kurz
- Folien mit Video mischen
- Effekte von PowerPoint oder Keynote benutzen
- Vor der Aufnahme alles beenden, was „bing“ macht oder Fenster öffnet
- Alle Icons vom Desktop entfernen, einfachen Desktop-Hintergrund wählen
- Große Schrift, viel Kontrast
- Ruhigen Platz zum Aufnehmen finden
- Nehmen Sie erst das Video auf, später den Ton synchronisieren
- Zügiges Tempo durchhalten
- Ton separat mit Audacity aufnehmen
- Nicht laut reden, sondern Micro entsprechend einstellen
- Fehler im Video und Ton beheben
Wer die vielen Features einer Software wie Camtasia nicht braucht, dem könnte übrigens das kostenlose Jing weiterhelfen, dass sich sehr gut für kurze Screencasts eignet, die eher Support-Charakter haben.
Wie barrierefrei ist das neue WordPress-Theme „TwentyTen“?
In einer weiteren Session nahm sich Sylvia Egger das neue WordPress-Standard-Theme TwentyTen vor und untersuchte es auf Barrierefreiheit. Sie stellte dabei fest, dass WordPress insgesamt auf einem guten Weg ist. Ohne Anpassungen geht es allerdings nicht, sofern man mit seiner Website bestimmte offizielle Kriterien erfüllen will. „Mit kleineren Anpassungen kann man schon viel erreichen“, machte sie den Zuhörern Mut.
Beeindruckend für alle Anwesenden war dabei die Vorführung, wie sich ein Blinder oder Sehschwacher per Screenreader durch eine WordPress-Website hangeln muss. Während sich Sehende einen Überblick über die Seite verschaffen können, springen diese Nutzer von Ankerpunkt zu Ankerpunkt, was im Wesentlichen Links und Überschriften sind. Und bei einer umfangreichen Website können die Wege hier schier endlos lang werden, sofern man keine entsprechenden Vorkehrungen getroffen hat.
Den gesamten Vortrag von Sylvia Egger zusammenzufassen wäre an dieser Stelle zu viel. Glücklicherweise hat sie ihre informationsreichen Folien bereits online gestellt.
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