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Die WordPress-Story: Wie ein 18-Jähriger die beliebteste Blogsoftware der Welt erfand

Die WordPress-Story: Wie ein 18-Jähriger die beliebteste Blogsoftware der Welt erfand

Automattic, das Unternehmen hinter , vereint viele Ideale. In ihrem Artikel blickt Gastautorin Birthe Ziegler hinter den Vorhang und erzählt die Geschichte der weltweit meistverbreiteten Blogplattform.

Die WordPress-Story: Wie ein 18-Jähriger die beliebteste Blogsoftware der Welt erfand

WordPress – So entstand die Blogsoftware. (Foto: Andrew Abogado, …

Was haben Beyonce.com, Techcrunch.com und seit dem 21. Juli auch NewYorker.com miteinander gemeinsam? Alle drei Websites nutzen WordPress als Content-Management-System – so wie 20 Prozent aller Seiten weltweit. Automattic, das Unternehmen hinter der Marke WordPress, beschäftigt mittlerweile 240 Mitarbeiter und wird mit einer Milliarde US-Dollar bewertet. Wie kam dieser unglaubliche Erfolg zustande? Wir haben die Geschichte für Euch nachgezeichnet.

WordPress-Gründer Matt Mullenweg (Quelle: WordPress.tv)
WordPress-Gründer Matt Mullenweg
(Quelle: WordPress.tv)

Die Geschichte von WordPress nimmt ihren Anfang im Jahr 2002. Als der damals 18-jährige Matt Mullenweg nach der Teilnahme an einem Sommercamp in Washington Fotos von dem Trip mit seinen Freunden in Houston teilen will, richtet er dafür einen Blog auf Basis der zur damaligen Zeit einzigen Open-Source-Software b2 ein. Innerhalb von fünf Monaten besuchen 20.000 Menschen die Seite – nicht wenig für einen privaten Blog dieser Zeit. Mullenweg entdeckt seine Leidenschaft fürs Bloggen. Als die Software b2 im Jahr 2003 vor dem Aus steht, ruft er seine Leser dazu auf, mit ihm eine eigene Open-Source-Software zu entwickeln, die auf b2 aufbaut. In einem Kommentar bekundet Mike Little sein Interesse an der Idee; kurz darauf heben sie gemeinsam WordPress aus der Taufe. Bereits davor führte Little als Web-Entwickler sein eigenes Unternehmen zed1, das er bis heute leitet – mittlerweile ist die Firma auf WordPress-Lösungen spezialisiert.

Automattic bringt WordPress den kommerziellen Erfolg

Im Oktober 2004 wird Mullenweg von der Nachrichtenwebsite CNET eingestellt, um WordPress für deren Blogs weiterzuentwickeln. Schon ein Jahr später verlässt er das Unternehmen wieder, um mit Automattic den kommerziellen Zweig von WordPress aufzubauen, der bis heute existiert. Das Unternehmen bietet auf WordPress.com die Einrichtung und den Betrieb eines Blogs oder einer Website an – inklusive Hosting. Das WordPress-CMS ist dort bereits vorinstalliert, womit das Angebot insbesondere Anfänger ansprechen dürfte. Ein Grundpaket mit drei Gigabyte Speicherplatz ist gratis verfügbar – Zusatzfeatures wie weiterer Webspace, eine eigene Domain und direkter Support kosten Geld.

Darüber hinaus gibt es den Premium-Service VIP für umfangreiche Unternehmenslösungen. Mit Akismet entstand 2005 das erste WordPress-Plugin, welches vor Spam in Blog-Kommentaren schützen soll. Das Geschäftsmodell ist heute unter dem Namen Freemium bekannt: Nutzer persönlicher Blogs können die Standard-Variante des Tools für eine unbegrenzte Anzahl nicht-kommerzieller Seiten kostenlos bzw. auf Spendenbasis nutzen; die Business-Variante beinhaltet eine kommerzielle Seite und kostet fünf Dollar pro Monat und Unternehmen, wer die Software für eine unbegrenzte Anzahl kommerzieller Seiten benötigt, muss 50 Dollar monatlich für den Dienst bezahlen.

Gründe für den rasanten Erfolg von WordPress

Byrne Reese, der Gründer von Movable Type, einer anderen zu der Zeit populären Blogging-Software, stellte sich die Frage, wieso WordPress erfolgreicher wurde als seine eigene Lösung. Dazu berücksichtigt er die Diskussion in seiner Community und fasste drei Gründe für die Entwicklung zusammen: Zunächst stellte Movable Type 2004 auf ein intransparentes Lizensierungsmodell um, das viele User verärgert hat und wovon WordPress, das alle Services kostenlos anbot, profitierte. Zum zweiten hätten viele Nutzer begrüßt, dass WordPress komplett Open-Source war – im Gegensatz zu Movable Type. Und schließlich erklärte Reese, WordPress hätte mit PHP als Programmiersprache mehr Leute gewinnen können als Movable Type, das auf Perl basierte. Zum Erfolg von WordPress verhalfen seiner Meinung nach außerdem die einfache Installation sowie die starke Community, die WordPress seit Beginn unterstützte.

Heute wird die die große Popularität von WordPress in der einfachen Nutzbarkeit, der zahlreichen Plugins und der umfangreichen Auswahl an Themes begründet.

Wie wird Umsatz generiert?

Für das Jahr 2012 rechnete Mullenweg mit Einnahmen von 45 Millionen US-Dollar für Automattic. Jüngere Zahlen sind nicht bekannt. Im Interview mit dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes aus diesem Juni gab Mullenweg an, dass lediglich jeweils zehn Prozent der Einnahmen durch WordAds und VIP-Programme entstehen. WordAds ist das Advertising-Programm von WordPress, das Blogs bei der Monetarisierung helfen soll. Die übrigen 80 Prozent der Einnahmen werden durch Registrierungen mit eigenen Domain-Namen und Extra-Features generiert.

Über 20 Prozent der weltweiten Webseiten basieren auf WordPress

Über 20 Prozent der zehn Millionen relevantesten Websites weltweit basieren nach Angaben von W3Techs auf WordPress. Zwei Jahre zuvor waren es 15 Prozent. Zu den VIP-Kunden von WordPress gehören unter anderem CNN, TechCrunch, NBC Sports, PandoDaily und seit dem 21. Juli auch der New Yorker. Das Magazin erhoffe sich mit dem Umstieg auf WordPress eine einfachere Bedienbarkeit für die mobile Nutzung. Unternehmen wie Zalando, Ritter Sport, Vodafone und Tchibo gestalten ihre Blogs mit der Software – auf dem Zalando-Blog findet man sogar den Hinweis „Proudly powered by WordPress“. Auch Musikstars bloggen mit WordPress. Zu den bekanntesten Vertretern gehören Justin Bieber, Beyoncé, Justin Timberlake, LL Cool J und Snoop Dogg.

Heute beschäftigt Automattic nach eigenen Angaben 240 Mitarbeiter in vielen Büros weltweit – das größte Office mit 15 Angestellten ist in San Francisco. Ein Drittel seiner Zeit verbringe Mullenweg damit, neue Mitarbeiter zu akquirieren, wobei er das geplante „aggressive“ Mitarbeiterwachstum nicht in Zahlen oder Prozent angibt – er wolle so viele gute Leute einstellen, wie er finden kann.

Eine Milliarde Dollar wert

Im Mai dieses Jahres hat eine Investorengruppe um Insight Venture Partners den Wert von Automattic auf eine Milliarde US-Dollar angegeben und 160 Millionen Dollar in das Unternehmen investiert. Ein Jahr zuvor verkündete Mullenweg noch auf seinem Blog, das Unternehmen brauche keine finanzielle Unterstützung. Seit dieser Aussage hat sich einiges getan: Automattic kaufte 2013 fünf Startups auf, deren Preise nicht bekannt sind. Außerdem tauschten Mullenweg und CEO Toni Schneider die Positionen – seit Januar 2014 ist Mullenweg Chef und Schneider für die Produktentwicklung verantwortlich.

Ursprünglich publiziert bei Online Marketing Rockstars.

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7 Antworten
  1. von notepad am 25.07.2014 (14:47 Uhr)

    Ich weiß nicht warum, aber ich hasse Wordpress! Ich kann es nicht einmal objektiv begründen. Aber ich hasse es!!

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  2. von Karsten Peters am 26.07.2014 (01:24 Uhr)

    Ich halte TYPO3 bei vielen Prokekten für total übermotorisiert. Kunden wechseln mittlerweile vermehrt von TYPO3 zu anderen CMS, weil das erstgenannte viel zu unübersichtlich und zu komplex ist. Da wird der Segen der Möglichkeiten eher zum Fluch

    Es ziehe sich den Schuh an, wem er passt, aber: so manchen Dienstleister habe ich persönlich auch in Verdacht, den Kunden mit TYPO3 möglichst langfristig an sich binden zu wollen, um zusätzlich Umsatz zu generieren. Damit kann man den Kunden nämlich oft nicht wirklich alleine lassen ...

    Im Enterprise-Bereich sicher top, aber wie häufig hat man das ...?

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  3. von Oink am 28.07.2014 (08:34 Uhr)

    Ja das gute alte Wordpress. Nutze es selbst viel lieber als Typo3. Schon allein die Updateproblematik. aber im Wordpress fehlen meiner Meinung nach immer noch wichtige Basics. Ändert man z.B. die Domain eines Wordpress Projektes und man hat in seinen Beiträgen oder Seiten im Content verlinkt, müssen die ganzen Links neu gesetzt werden. Das gleiche gilt für die Bilder, außer die Galerie. Es schneidet auch viele Sachen an, bringt es aber nicht richtig zu Ende. Im Menüassistenten kann man z.B. den Link komplett konfigurieren (target,nofollow,class), in den Widgets, speziell das RSS Widget, geht es nicht. Es gibt keine zentrale Stelle für die Metadaten. Das muss man über Plugins (die meist auch überdimensioniert sind) nachreichen. Gleiches gilt für die Benutzerdefinierten Felder, die gute Möglichkeiten bieten aber nur rein als Texteingabe unkomfortabel sind.
    Generell scheint es gerade einen Trend zu geben auf statische Seiten zurückzugehen. Da gibt es auch interessante Konzepte (Wintersmith, Docpad, ...).

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