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Work-Life-Balance? Ein Mythos!

Während man hier nach „Work-Life-Balance“ strebt, wird das Wort im aus dem Wortschatz verbannt. Es gibt nur Leben! Was hat es mit der Einteilung „Arbeit-Leben“ auf sich?

Work-Life-Balance? Ein Mythos!
Work-Life-Balance auf dem Campus von blackbox.

"Work-life-balance": Künstliche Abgrenzung von Arbeit und Leben

Im Silicon Valley sprechen Menschen nur bei expliziter Nachfrage über den Ausdruck „Work-Life-Balance“ und können selten etwas mit dem Begriff anfangen. Dahinter steckt die Einstellung, dass das Leben als ganzes Leben ist und die Arbeit ein Teil davon, der nicht abgetrennt ist. Die Leidenschaft fürs eigene Tun erlebe ich hier erwartungsgemäß viel stärker als in Deutschland, sie liegt sozusagen in der Luft. Hier käme kein Radiomoderator auf die Idee, am Anfang der Woche über den „Montags-Blues“ zu sprechen und ab Mittwoch aufs Wochenende zu vertrösten.

Auch Fadi Bishara, Gründer des Startup-Accelerator blackbox, kommt bei diesem Thema richtig in Fahrt. In seiner Heimatstadt Damaskus, der vermutlich ältesten Stadt der Welt, werde seit Menschengedenken Handel getrieben. „Natürlich ist das auch anstrengend, aber die Menschen lieben es. Letztlich geht es beim Arbeiten darum, an etwas Großem mitzuwirken und einen bleibenden Wert zu schaffen. Darin steckt der Sinn des Lebens.“ Wenn man eine Arbeit gefunden habe, die einem Freude macht, brauche man nicht über die Abgrenzung zwischen Arbeit und restlichem Leben nachzudenken. Work-Life-Balance sei ein Mythos.

Work-Life-Balance auf dem Campus von blackbox.

Trotzdem wichtig: Entspannungsmomente finden

Auch dies eine Besonderheit im Silicon Valley: Alle scheinen ihre Arbeit zu lieben. Ob in den großen Tech-Firmen oder mit ihrem kleinen Startup. Natürlich ist es nicht so außergewöhnlich, als Gründer seinen Job zu lieben, immerhin gibt es eine starke emotionale Bindung zum Produkt. Aber Fadi ist überzeugt, dass man auch die Arbeit in der Fabrik lieben kann. Es gebe genügend Menschen, die sich wohl fühlen, wenn sie bei der Arbeit abschalten und ihren Gedanken nachgehen können. Die Frage sei eher, welche Arbeit den eigenen Fähigkeiten und Leidenschaften entspricht. Das müsse jeder für sich herausfinden. Dann entwickle man auch Freude für die eigene Tätigkeit, werde besser darin und könne die Arbeit oder die Bedingungen so optimieren, dass sie noch mehr Freude macht.

Allerdings: An manchen Stellen möchte man im Silicon Valley das Wort „Work-Life-Balance“ dann doch wieder einbringen. Ich habe hier Gründer erlebt, die nach dem Arbeiten im Büro übernachten, weil sich der Weg nach Hause nicht lohnt. Deren Sozialleben auf absoluter Sparflamme läuft. Es ist aber die Ausnahme. Viele verstehen es hier gut, sich ganz in ihre Arbeit hineinzugeben und sich dennoch an manchen Stellen herauszuziehen. Amerikaner scheinen sogar auf Netzwerkparties zu entspannen, Deutsche zieht es dann manchmal eher zum Wandern. Insgesamt ist es schön, im Silicon Valley die geballte Leidenschaft für das eigene Tun zu erleben. Arbeit ist hier tatsächlich kein Job, sondern ein riesiger und schöner Teil das Lebens. Da ist kein Platz für Montags-Blues.

In einer vierwöchigen Reihe stelle ich einige Themen vor, die ich bei meinem Aufenthalt im Silicon Valley mit Fadi Bishara von Blackbox besprochen habe. In der nächsten und letzten Folge geht es um den Startup-Accelerator selbst.

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9 Antworten
  1. von skp am 20.12.2012 (08:46 Uhr)

    ganz großer unsinn der artikel. weiter so.

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  2. von Suchandt am 20.12.2012 (09:50 Uhr)

    @skp

    Bitte erkläre doch warum?

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  3. von Thomas am 20.12.2012 (10:42 Uhr)

    @Suchandt: muss man das noch erklären? ;-)

    Naja, GANZ großer Unsinn ist es nicht. Es stimmt schon, wir Deutschen sind manchmal etwas melancholisch und die meisten von uns mögen ihre Arbeit, "lieben" sie aber nicht regelrecht.

    Aber es ist doch nichts falsch daran, Beruf und Freizeit etwas zu separieren. Ich denke, wenn man Abends gut abschalten kann, dann ist man am nächsten Morgen auch wieder leistungsfähiger.

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  4. von Sebastian am 20.12.2012 (11:39 Uhr)

    Unsinn ist dieser Artikel nicht, aber großartig verwunderlich ist diese Erkenntnis jetzt auch wieder nicht.
    Im Silicon Valley ist der Großteil der Leute einfach intrinsisch motiviert. Sie WOLLEN etwas erschaffen oder Teil von etwas sein. Genau deswegen gehen sie ja dort hin. Es ist ja nicht so als ob sie schon immer da sind und dann dort etwas machen MÜSSEN.
    Von daher ist es auch nicht großartig verwunderlich das im Valley das Thema Work-Life-Balance nicht so groß zum Tragen kommt wie vielleicht woanders.
    Es ist daher auch eher ungünstig diese besondere Spezies Mensch im Silikon Valley mit den Deutschen allgemein zu vergleichen. Auch in Deutschland gibt es Menschen die viel Spaß an ihrem Beruf haben und daher das Work-Life-Balance Problem nicht haben oder sehen. Nur sind diese nicht so auf einem Punkt konzentriert.

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  5. von Zorkan am 20.12.2012 (11:57 Uhr)

    @Thomas: "die meisten von uns mögen ihre Arbeit". Wie kommst Du darauf? Gibt es da Statistiken oder schließt Du von Dir auf andere?

    Ich persönlich vermute, daß es nur zwei Arten von Leuten gibt, die ihre Arbeit lieben:
    1. diejenigen, die sich darin ihren Traum verwirklicht haben und
    2. diejenigen, die zuwenig Phantasie haben um sich vorzustellen, was sie sonst den ganzen Tag machen sollten.

    Alle dazwischen sind die Tapferen, die sich jeden Morgen viel zu früh aus dem Bett quälen, weil das Geld ja irgendwo herkommen muß. Diese Einstellung wird übrigens nicht zwangsläufig von mangelnder Motivation begleitet, der Arbeitgeber soll ja auch was bekommen für sein Geld. Aber wenn das Geld da wäre, könnte ich mir eine Million andere Dinge vorstellen, die man machen könnte, anstatt in einem stickigen Büro zu sitzen und dem Chef zuzunicken. Und wer das nicht kann, fällt eben unter 2.

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  6. von kirchberg am 20.12.2012 (14:36 Uhr)

    Manchmal schaden Fakten nicht, siehe eine aktuelle Gallup-Umfrage:
    "Jeder vierte Arbeitnehmer hat innerlich gekündigt

    Es ist ein verheerendes Ergebnis: Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Gallup haben 23 Prozent der deutschen Mitarbeiter gar keine Bindung zu ihrem Job. Hauptgrund ist schlechte Personalführung. Durch sie entstehen volkswirtschaftliche Schäden im Milliardenhöhe."

    Weitere Infos auf SpOn: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/fast-jeder-vierte-angestellte-hat-innerlich-gekuendigt-a-822519.html

    Und zur Work-Life-Balance könnte man ja auch mal Gewerkschaften befragen. Dann sieht das Bild nämlich nicht mehr so rosig aus.

    (Disclosure: Bin Redakteur bei der IG BCE)

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  7. von Stefan Wehmeier am 23.12.2012 (12:25 Uhr)

    Der Sinn des Lebens

    Was ist überflüssig und was ist der Sinn des Lebens? Wer über "diese Welt" nicht hinaus denken kann und sich nicht eingehend mit der Zukunft beschäftigt hat, könnte endlos darüber nachdenken, ohne eine Antwort zu finden. Glücklicherweise gab es jemanden, der weiter dachte als alle anderen:

    "Ich glaube – und hoffe – auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten.

    Die Schaffung von Reichtum ist durchaus nichts Verachtenswertes, aber auf lange Sicht gibt es für den Menschen nur zwei lohnende Beschäftigungen: die Suche nach Wissen und die Schaffung von Schönheit. Das steht außer Diskussion – streiten kann man sich höchstens darüber, was von beidem wichtiger ist."

    Arthur C. Clarke (Profile der Zukunft)

    Um den Kinderkram überflüssig und alles Sinnvolle nicht nur erstrebenswert, sondern auch für alle Menschen erreichbar zu machen, bedarf es "lediglich" der Überwindung der Religion, der Entwicklung des Menschen zum "Übermenschen" (nach Nietzsche).

    Dass diese Entwicklung erst heute erfolgen kann, liegt nicht an mangelndem Wissen, das in den wesentlichen Grundzügen erstmals durch den Propheten Jesus von Nazareth erkannt und bereits vor der Geburt von Sir Arthur Charles Clarke von dem Sozialphilosophen Silvio Gesell explizit beschrieben wurde, sondern an der Unterdrückung des Wissens durch alle aktiven und passiven Erfüllungsgehilfen von Politik (Machtausübung) und Religion (Machterhalt). Aktive Erfüllungsgehilfen sind jene, die etwas "regeln" wollen, was nicht geregelt werden kann, solange es sich durch das vom Kapitalismus befreite Spiel der Marktkräfte nicht selbst regelt; und die passiven Erfüllungsgehilfen sind alle, die nicht selber denken wollen, sondern sich diesen tatsächlich sinnfreien Existenzen unterordnen.

    Getreu dem Motto "wer nicht hören will, muss fühlen" wird somit der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation, die Natürliche Wirtschaftsordnung, allein durch das Verhältnis zweier kollektiver Ängste bestimmt. Die reale Angst vor der bevorstehenden Auslöschung unserer gesamten "modernen Zivilisation" durch die globale Liquiditätsfalle (Armageddon) muss insgesamt größer werden als die seit Urzeiten eingebildete Angst vor dem "Verlust" der Religion, dem Erkenntnisprozess der Auferstehung:

    http://www.juengstes-gericht.net

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  8. von oliverfritsch am 05.01.2013 (09:26 Uhr)

    Guter Artikel, danke. Als Deutsch-Amerikaner, der im Silicon Valley gearbeitet hat, kenne ich beide Seiten gut. Mein Buch Alles Anders -15 Fragen, die Ihr Leben verändern habe ich in den USA geschrieben, war dort ein Flop und in Deutschland ein Bestseller...wichtig ist einfach nur, das man ab und zu mal innehält und reflektiert ... Wer will kann sich mal ein Tool anschauen, das wir genau dazu entwickelt haben http://www.kraftboxx.com

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