Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Startups

„Mein Herz sagt nein, mein Kopf sagt ja“: Die Wunderlist-Story hinter dem Millionen-Exit

    „Mein Herz sagt nein, mein Kopf sagt ja“: Die Wunderlist-Story hinter dem Millionen-Exit

Das Team von 6Wunderkinder. (Foto: 6Wunderkinder)

Anfang der Woche hat Wunderlist seine Übernahme durch Microsoft verkündet. Als Founding-Investor und Mitschöpfer der ersten Produktversion wollte ich meine persönliche Wunderlist-Geschichte erzählen, und wie ich den Gründer Christian Reber und sein Team getroffen habe.

Ich hoffe, dass mein Artikel andere Gründer und Investoren dazu inspiriert, Risiken zu übernehmen und Teams in herausfordernden Zeiten zu unterstützen. Startups sind unglaublich anstrengend, und es ist eine inspirierende Geschichte, wie Christian eine simple Idee in eine phänomenal erfolgreiche weltweite Firma verwandelt hat. Es war außerdem außergewöhnlich, seine persönliche Reise zu erleben – er ist vom Design- und Technologie-Gründer zu einer starken Führungspersönlichkeit und einem strategischen Vordenker gewachsen. Ich war immer ein Unterstützer und habe es genossen, mit ihm an dem Produkt zu arbeiten, aber wie in jeder anderen Firma, gab es Zeiten die unglaublich schwer waren ...

An alle Gründer, die das lesen: Ich hoffe, diese Geschichte ermutigt euch dazu, selbstbewusst und voller Energie zu bleiben, um weiter aufzubauen, zu liefern und deinen Weg zum Erfolg zu finden!

Warum ich in Wunderlist investieren konnte

Ich gründe seit 1992 Startups und habe auf meinem Weg viele Fehler gemacht. Viele Jahre war keins meiner Produkte erfolgreich genug, um ein größeres Team zu finanzieren oder interessant genug, um von einem großen Unternehmen übernommen zu werden. Aber ich habe nie aufgegeben und schließlich eine Fotoservice-Plattform aufgebaut, (ip.labs) die wirklich funktioniert hat. Marc Sieberger, Alex Koch, Georg Sommershof und ich schafften es, ein erfolgreiches Business aufzubauen, das über 100 Millionen Konsumenten in mehr als 50 Ländern erreichte. Nachdem wir 2008 die Firma an Fujifilm verkauft hatten, entschieden Marc und ich uns, einen Teil des Geldes, das wir verdient hatten, in ein kleines Investement-Fond namens e42 (unsere Investmentfirma) zu investieren. Wir wollten Design- und Technologie-affine Gründer mit unsere Erfahrung und Seed-Finanzierung unterstützen.

wunderlist1

Wie ich Christian getroffen habe

Ein paar Monate nachdem wir ip.labs verkauft hatten, trafen Marc und ich Christian bei einem lokalen Meetup in Berlin, zu der Zeit führt er seine eigene Agentur. Wir vernetzten uns auf Xing, und ein paar Wochen später sah ich seine Meldung:

„Wer möchte mit mir zusammen die neue Generation einer Projekt-Management-Software schaffen?“

Ich war neugierig. Ich mochte keines der existierenden Produkte am Markt, und ich hatte ein eigenes Projekt-Management-Tool für unsere Firma erstellt. Daher war ich sehr vertraut mit der Branche und potentiellen Wettbewerbern. Also entschloss ich mich, Christian anzurufen und nachzusehen, woran er arbeitete.

Christian zeigte mir erste Entwürfe einer Projekt-Management-Software mit dem Arbeitstitel Lunchbox. Das Produkt war web-basiert, wunderschön gestaltet und löste viele Probleme mit anderen Produkten. Christian wollte eine kostenlose Basis-Version erstellen, aber Kunden sollten für zusätzliche Features bezahlen (ein App-Store für Projekt-Management sozusagen). Ich mochte das Design, die Liebe zu Details und den neuen Ansatz. Viel wichtiger war aber, dass Christian und ich von sehr ähnlichem Charakter waren, abgesehen davon, dass er viel jünger ist als ich :)

Er liebt Design, versteht etwas von Technologien und gründet Firmen auf die gleiche Art wie ich – progressiv und produktgetrieben. Er war eigentlich seit der Schulzeit Entwickler. Ich erinnere mich, ihn über Assembler, Basic, Delphi und ein Menge PHP-Frameworks reden zu hören (die damals ziemlich beliebt waren). Wir passten wirklich zusammen, es war faszinierend und hat Spaß gemacht.

Marc und ich fassten schnell den Entschluss, 100.000 Euro zu investieren, wussten aber auch, dass das Team viel mehr Geld brauchte, um das Produkt zu machen, von dem wir träumten. Das Team war sehr jung, also war es zu diesem Zeitpunkt unglaublich schwer, erfahrene Investoren anzusprechen. Also entschieden wir uns, erst etwas zu schaffen und zu veröffentlichen, bevor wir an Investoren herangingen. Außerdem war das Investieren in „Projekt-Management-Software“ für keinen Investor, den wir kannten, wirklich spannend. Wir entschlossen uns, ein kleines Produkt zu erstellen, das Task-Management-Feature aus der Projekt-Management-Suite herauszunehmen, die wir schaffen wollten, und sie als kleinen Prototypen auf Basis eines neuen Frameworks zu bauen, welches das Schreiben von nativer Software mit JavaScript ermöglichte.

Christian und sein Team kamen auf die Idee, die Firma 6Wunderkinder zu nennen, und die Produkte Wunderkit und Wunderlist. Zu Beginn war ich sehr skeptisch. Warum 6 (was, wenn das Team größer wird), warum ein deutsches Wort? Aber er überzeugte uns und er hatte absolut Recht: es funktionierte international, es war ein tolles Fundament für unsere Produktnamen Wunderkit und Wunderlist und die Leute liebten die persönliche Note. Heute mag ich den Namen und die Marke wirklich. Meine Lektion: Vertraue und folge dem Instinkt der Gründer.

Erstes externes Funding

Als wir die erste Version von Wunderlist veröffentlichten, begann ich mit einem Freund von mir zu sprechen, Alex Frankenberg. Er ist der Managing Director des Hightech Foundersfund (mit Sitz in Bonn), und sie investieren normalerweise 500.000 Euro für 15 Prozent Beteiligung. Es ist eine Wandelanleihe mit Meilensteinen. Nicht die ideale Deal-Struktur, aber gut für ein schnell-wachsendes und unvorhersehbares Startup. Nach ein paar Wochen Diskussion über das Investment und das Pitchen von Wunderkit als die Produktivitäts-Plattform der neuen Generation schlossen wir den Deal. Die Firma wuchs so schnell, dass sie nur 300.000 Euro von den 500.000 Euro nahm, weil sie bessere Deals fand.

wunderlist2

Statt dass wir das wirkliche Produkt entwickelten, pitchten wir (Wunderkit), wir entschieden uns, den Großteil des Geldes zu verwenden, um den Erfolg von Wunderlist zu verstärken. Nachdem die Runde abgeschlossen war, war Wunderlist nur als Desktop-App erhältlich, also wollten wir auch mobile Apps veröffentlichen. Ich rief Christian an und fragte ihn: „Ich weiß, dass wir unserem Investor versprochen haben, Wunderkit zu entwickeln, aber ich denke, wir sollten zuerst eine Cloud-Sync für Wunderlist erstellen.“ Er stimmte mir zu, also fing er an, am Sync-Code zu arbeiten. Wir planten vier Wochen, aber es dauerte mehr als zwei Monate, bis wir die erste Version fertig bekamen. Es war hakelig, aber es funktionierte. Eine einfache, ausbaufähige MySQL-Datenbank, ein versionsbasierter PHP-Sync-Algorithmus, und das war's! Keine smart skalierende AWS-Infrastruktur, nur ein einfaches LAMP-Setup, und das Team veröffentlichte Wunderlist auf dem iPhone (mit dem neuen Icon).

Christians Co-Founder Robert schickte Mails an alle großen Tech-Blogs raus, und nur ein paar Stunden später machte Lifehacker ein Video über Wunderlist und pries das Design und die Einfachheit an. Ein ganz schöner Erfolg für nur ein paar Wochen Arbeit, es war toll zu sehen, wie schnell ein kleines, aber 24/7-fokussiertes Team abliefern konnte. Viele Wochen arbeiteten wir zwölf bis 14 Stunden, sechs Tage in der Woche, und genossen es, am Entstehen mitzuwirken. Aber Christian kümmerte sich nicht nur darum, die Sachen schnell zu erstellen, er hatte ein eindrucksvolles Gespür für Qualität und geschliffene Ankündigungen.

Oh, warte – während er den Code für Wunderlist schrieb, arbeitete er mit seinem anderen Mitgründer Sebastian an Wunderkit. Wir investierten eine Menge Zeit dafür, die Designs auszufeilen, weil wir glaubten, dass wir das auch noch machen mussten, um die Firma zum Erfolg zu bringen (das war übrigens ein teurer Fehler). Nach ein paar Monaten Arbeit an Wunderlist verlegte sich das Team auf Wunderkit und begann damit, den Code zu schreiben. Ich pitchte das aktuelle Wunderlist-Wachstum und unsere Wunderkit-Vision zur zweiten VC-Firma in Bonn: T-Venture, die Investment-Firma der Deutschen Telekom. Wir schlossen einen weiteren 600.000-Euro-Deal ab und der Druck wurde größer, aber wir fanden jemand weiteres, der an Wunderkit glaubte – „Die Produktivitäts-Plattform“.

wunderlist3

Finde einen Job, den du liebst zum Thema SEA

3 Reaktionen
Peter Wanker
Peter Wanker

tl;dr $

Antworten
9heroes

Sehr guter Artikel,

schön immer mehr große Exits in Deutschland zu sehen.
Der Wunderlist Exit ist sehr wichtig für Berlin und wenn das
Team noch 30% behält um so besser.
Wunderbar macht weiter mit Berichten über die Startup Szene.

Markus
http://www.9heroes.com/nyc
http://www.9heroes.com

Antworten
Mark Herberg
Mark Herberg

Viel Lob für eure seit jüngster Zeit gestarteten Artikelserien über Gründer und Projekte. Die Berichte werden umfangreicher und bekommen echte Informationstiefe, sehr interessant!

Antworten

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen