Das erste Thema des Abends ist Mac OS X Lion
5.200 Teilnehmer zählt die diesjährige WWDC. Sie war innerhalb von 2 Stunden ausverkauft. Jobs kündigt an, über Lion, iOS und „interessanten Cloud-Kram“ sprechen zu wollen.
Phil Schiller übernimmt die Bühne, um Mac OS X Lion vorzustellen. Apple ist stolz darauf, mittlerweile auf einen Stamm von 54 Millionen aktiven Mac-Usern blicken zu könne, der sich Jahr für Jahr um 28% vergrößere, während der sonstige PC-Markt lediglich ein Wachstum von 1% jährlich verzeichnen kann. Dabei sind 73% aller verkauften Macs Notebooks.
Die nächste Generation des Mac OS X mit dem Namen Lion bietet über 250 neue Features. Schiller zählt einige davon auf. Dazu gehören die Multitouch-Gesten über die Touchpads. Nonchalant deklariert er die Maus für tot.
Ein weiteres neues Feature sind Vollbild-Apps. Also Apps, die wie auf dem iPad ohne umgebende Menüs arbeiten und über Multitouchgesten gesteuert werden können. Schiller stellt die Vollbildmodi von Safari, iCal und der Dateivorschau vor.
Konsequenterweise wurde in Lion das bisherige Exposé durch eine Funktion namens Mission Control ersetzt, die mittels Swipes bedient wird und durch die offenen Apps, die offenen Spaces etc. blättern lässt.
Am Beispiel Safaris wird die neue Multitouch-Funktionalität ausführlicher vorgestellt. Scrollbalken werden überflüssig, lautet das Credo. Das komplette Browsing kann gestengesteuert erfolgen.
Weitere Apps im Vollbildmodus werden präsentiert, darunter Photobooth und iPhoto. Ansätze von Face-Tracking Technologie werden erkennbar. In Mission Control zeigt der Apple-Mann, wie sich Instanzen von Apps gruppieren lassen, wie man darauf zugrieft und wie diese Apps unterschiedlichen Spaces zugeordnet werden können.
Der Mac App Store, der im Januar in Snow Leopard nachgerüstet wurde, ist nun integraler Bestandteil des Betriebssystems, was In-App-Käufe, Sandboxing oder Push-Benachrichtigungen ermöglicht.
Ein neuer App Starter namens Launchpad erinnert an die iOS-Oberfläche. In Launchpad werden die Apps verwaltet und gestartet. Es können wie unter iOS Ordner gebildet werden.
Apps, die unter Lion geschlossen werden, merken sich den Status zum Zeitpunkt des Beendens und kehren nach erneutem Aufruf genau an diese Stelle zurück. Auf der Dateiebene führt Lion die automatische Speicherung und Versionierung ein. So müssen Arbeitsergebnisse nicht mehr manuell gespeichert werden und lassen sich jederzeit auf einen älteren Stand zurücksetzen. Im Rahmen der Versionierung werden lediglich die Änderungsdaten zwischen Dokumentversionen gespeichert.
Dabei können Inhalte zwischen Versionen ausgetauscht werden. Es ist also nicht erforderlich, eine ältere Version komplett zu restaurieren. Es können auch Teile aus älteren Dateiständen zurück geholt werden.
Mit AirDrop integriert Apple ein P2P-Netzwerk, um Dateien in kleinen Gruppen auszutauschen. Das Sharing funktoniert per Drag and Drop auf die angezeigten Benutzerbilder im selben WLAN.
Eine neue Version von Mail zeigt die Designänderung mit Blick auf die Anpassung an das iPad-Design besonders deutlich. Danach erlernt Mail das Threading, also die Kommunikationsorientierte Darstellung von Mail-Verläufen, ebenso wie eine nahezu natürlich sprachliche Suchfunktion. Nachteil: Die E-Mails müssen lokal vorliegen.
Wie bereits vermutet, ist Mac OS X Lion ausschließlich über den Mac App Store zu beziehen, stellt allerdings mit 4 GB einen ordentlichen Boliden dar. Das Update wird für 29 Dollar erhältlich sein, die Developer Preview ist verfügbar, zu erwerben ist Lion ab Juli.
Meine Meinung: Die neue Version Lion des Mac OS X wirkt tatsächlich extrem anders als bisherige Versionen, fast schon könnte man an Windows 8 erinnert sein. Und was bei Windows 8 gilt, kann für Mac OS X nicht unbetrachtet bleiben. Ich bin seit Jahren auch Mac-User und kann mich mit den nun vorgestellten Workflow zumindest spontan nicht anfreunden. Ein Desktop-OS sollte ein Desktop-OS bleiben und nicht versuchen, eine zu Ende gedacht unpraktikable Zwitterstellung einzunehmen.





9 Answers
von Johannes 06.06.2011 (21:53Uhr) 1.
"Ich bin seit Jahren auch Mac-User und kann mich mit den nun vorgestellten Workflow zumindest spontan nicht anfreunden. Ein Desktop-OS sollte ein Desktop-OS bleiben und nicht versuchen, eine zu Ende gedacht unpraktikable Zwitterstellung einzunehmen."
Dem schließ ich mich komplett an! Das waren auch meine ersten Gedanken, als ich das erste mal Lion gesehen habe. Obowhl ich die Mail-Version ganz gut finde. Der Rest ist sehr iOS like.
von jati 06.06.2011 (22:03Uhr) 2.
So wie ich das sehe, wirst du den Mac aber weitgehend so wie bisher nutzen können. Den Finder haben sie z.B. nicht gezeigt, weil der halt aussieht wie immer. Dinge wie das Launchpad bleiben ja optional. Was aber speziell das Launchpad soll, ist mir schon bei der ersten Präsentation von Lion nicht klar geworden. Mein Tipp: Das soll halt all jenen helfen, die entweder schon ein iPhone oder noch passender: ein iPad haben. Die finden viele vertraute Elemente.
Skeptisch machen mich die vielen Multitouch-Gesten, die man ja erst einmal kenne muss. Da wird's wieder ein paar Poweruser geben, die die alle draufhaben oder vielleicht sogar üben und die anderen gucken nur und staunen...
Bin gespannt, das selbst auszuprobieren.
von Christian 06.06.2011 (22:26Uhr) 3.
Ich weiß nicht, ob man einen Desktop-Rechner nun auf Krampf wie ein mobiles Gerät bedienen können soll/muss. Was auf einem mobilen Gerät Sinn macht behindert einen eher auf nem Desktop. Befremdlich finde ich auch die Lösung, dass die neue Version nur über den App-Store verfügbar sein soll. Ich denke, da hat Apple nicht zu Ende gedacht. Stationäre Macs werden auch schon mal abseits schneller Internetanbindungen eingesetzt, wie soll man die denn bitte auf Lion updaten?
Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das Lion trotz des Hypes der jetzt darum gemacht wird, letztlich wie Vista enden wird. Als ein ungeliebtes Kind.
von WWDC 2011 Keynote: Mac OS X Lion kommt f… 06.06.2011 (23:39Uhr) 4.
[...] Weiterlesen bei t3n >> [...]
von mark 07.06.2011 (09:03Uhr) 5.
"....ist Mac OS X Lion ausschließlich über den Mac App Store zu beziehen."
Dann wirds wohl auf meinen Maschinen nie laufen, finde diese Praxis schon beim IPhone mühsam, ich glaube auch nicht das Apple sich damit viele Freunde macht.
von jami 07.06.2011 (09:55Uhr) 6.
Der Vertrieb über den Mac App Store ist doch ein genialer Schachzug. Denn selbst wer ihn bisher nicht genutzt hat, wird nun einen Blick hinein werfen. Von einigen Teilnehmern der WWDC hab ich bereits gehört, dass es die Möglichkeit geben wird Lion auch auf DVD oder USB Stick zu befördern. Nach der Installation ist dann aber der Aufruf der App Stores notwendig um festzustellen, ob der Mac autorisiert ist. Alles andere wäre auch Irrsinn und würde Apples Bemühungen den Mac auch im Unternehmenseinsatz zu platzieren, im Wege stehen. Apple war schon immer sehr Detailverliebt. Das wird sich bei OS X Lion kaum verändert haben.
von Alex 07.06.2011 (10:07Uhr) 7.
Ich sehe auch nicht, wie die neuen Funktionen alte Arbeitsabläufe durcheinander bringen könnten. Das sind doch alles zusätzliche Features.
Wenn man sie nicht nutzen will löscht man einfach das Icon aus dem Dock oder deaktiviert sie in den Systemeinstellungen.
von toodoo 07.06.2011 (11:50Uhr) 8.
Ich sage nur...
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Und nein, Apple-Hardware ist nicht, bzw. nur sehr geringfügig teuerer als vergleichbare!! PC-Hardware. Nur werden immer 0815 Netbooks mit z.B. einem MacBook Air verglichen.
von dirk.stuebing 05.07.2011 (02:01Uhr) 9.
Hi toodoo,
das sind nicht die schlechtesten Vergleiche...
Ich werde mir Lion auch auf meinen Mac laden. Der Preis tut nicht wirklich weh.