Vorheriger Artikel Nächster Artikel

.XXX – Die Pornodomains kommen

Nach mehrjährigem Disput und weiterhin bestehender Kritik hat die ICANN in der letzten Woche die Domainendung .xxx genehmigt. Die Firma ICM Registry wird die Top-Level-Domain verwalten und bereits ab Juni freischalten. Bisher ist noch unklar, ob Anbieter pornografischen Inhalts die .xxx Domain nutzen müssen. Während vereinzelte Staaten und einige Konservative den Schritt willkommen heißen, entbrennen vielerorts Proteste, die neue Regelung sei geradezu eine Einladung zur Internetzensur.

.XXX – Die Pornodomains kommen

.xxx Domain vereinfacht Zensur

Wer als Internetnutzer künftig eine .xxx Seite betritt, kann sich sicher sein, pornografische Gefilde zu betreten. Das Regelwerk sieht nämlich vor, Anwärter auf eine .xxx Domain vor der Vergabe auf ihr Vorhaben hin zu überprüfen. So ist es ein Leichtes, jugendgefährdende Inhalte effektiv von Software blockieren zu lassen. Was vordergründig sinnvoll erscheint, birgt in der Praxis zahlreiche Probleme. Berechtigterweise zeigen sich die Macher der Pornoindustrie besorgt. Großflächigen Zensurmaßnahmen wird damit nicht nur Tür und Tor geöffnet, sie wurden sogar bereits angekündigt. So kündigte ein Sprecher der saudischen Botschaft in Washington gegenüber der Washington Post an, Saudi-Arabien werde „selbstverständlich“ den Zugang zu der Domain .xxx sperren. Hinzu kommt, dass eine ganze Branche durch die neue Domain eingekreist wird. Exklusive staatliche Richtlinien könnten dadurch mit einem Schlag der gesamten Branche auferlegt werden.

Die .xxx Domain soll ausschließlich pornografischen Inhalt anbieten. Gerade diese Tatsache lade dazu ein, Inhalte zu zensieren und zu blockieren, klagen die Vertreter der Pornoindustrie, aber auch die Verfechter des freien Internets (Foto: PinkMoose / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

ICM Registry profitiert finanziell von den Registrierungen

Darüberhinaus werden die Anbieter in gewisser Weise gezwungen auf die .xxx Domain um- beziehungsweise nachzurüsten. Um Trittbrettfahrern zuvorzukommen, müssen Anbieter begehrter Adressen praktisch das Pendant ihrer derzeitigen Domain auch für .xxx kaufen. ICM Registry nimmt schon jetzt Vorbestellungen entgegen. Ungefähr 300.000 Vorregistrierungen sollen der Firma eigenen Angaben zufolge bereits vorliegen. Bei einem Preis von etwa 60 US-Dollar pro Registrierung wurden also schon jetzt etwa 20 Millionen US-Dolllar Umsatz erwirtschaftet. Zwar sollen davon Teile in eine Stiftung zur Bekämpfung der Kinderpornografie und dem Einsatz für die Redefreiheit weitergeleitet werden – die von ICM-Manager Stuart Lawley prognostizierten 200 Millionen US-Dollar jährlicher Jahresumsatz zeigen jedoch deutlich an, wer die Gewinner an der .xxx Domain sind.

Weiterführende Links:

Bildnachweis für die Newsübersicht: Foto: PinkMoose / flickr.com, Lizenz: CC-BY

Newsletter Newsletter

Abonniere unseren Newsletter und erhalte einen exklusiven Artikel aus dem aktuellen t3n Magazin.

Jetzt lesen: t3n Newsletter Nr. 543

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
2 Antworten
  1. von René am 23.03.2011 (10:08 Uhr)

    Ich finde es persönlich gut, da die wie oben angesprochen Filter besser arbeiten können. Nur dann finde ich sollte es auch ein muss sein!

    Antworten Teilen
  2. von abouttheweb am 23.03.2011 (12:04 Uhr)

    Sehe ich genau so, wie René. Es sollte auf jeden Fall Pflicht sein, als Seitenbetreiber einer pornografischen Webseite, eine xxx Domain zu benutzen. Das macht es Filtern etc. wesentlich einfacher.

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema
Flash-Player-Alternative: Project Shumway von Mozilla macht verhasstes Adobe-Plugin überflüssig
Flash-Player-Alternative: Project Shumway von Mozilla macht verhasstes Adobe-Plugin überflüssig

Mozilla entwickelt mit dem „Project Shumway“ seit 2012 eine Flash-Player-Alternative, die Web-Inhalte auch ohne Flash-Plug-in korrekt darstellt. » weiterlesen

Makey Makey Go verwandelt selbst ein Steak in einen Button
Makey Makey Go verwandelt selbst ein Steak in einen Button

Makey Makey Go ist ein kostengünstiges Maker-Set für Erfinder. Egal ob ihr eure Tablet-Kamera mit einem Druck auf einen Donut auslösen oder einen Skype-Anruf mit einer Schere tätigen wollt … » weiterlesen

The Next Web zeichnet Amazon-CTO und Politikerin für digitales Lebenswerk aus
The Next Web zeichnet Amazon-CTO und Politikerin für digitales Lebenswerk aus

Auf der aktuell in Amsterdam stattfindenden The Next Web Conference Europe wurden soeben erstmals die Lifetime Achievement Awards an zwei Technologie-Veteranen verliehen. » weiterlesen

Alle Hefte Jetzt abonnieren – für nur 35 €

Kennst Du schon unser t3n Magazin?

t3n-Newsletter t3n-Newsletter
Top-Themen der Woche für Web-Pioniere
Jetzt kostenlos
anmelden
Diesen Hinweis verbergen