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Nach dem Y-Titty-Aus: 5 Thesen zur Zukunft von YouTube-Stars

Nach dem Y-Titty-Aus: 5 Thesen zur Zukunft von YouTube-Stars

Ende vergangener Woche haben Y-Titty das Ende ihres YouTube-Kanals bekannt gegeben. und vor allem seine Stars stecken in einer Umbruchphase. Zeit, einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Nach dem Y-Titty-Aus: 5 Thesen zur Zukunft von YouTube-Stars

(Foto: Universal)

In gewohnter Manier – mit einem humorvollen Musikvideo – haben Y-Titty am Freitag ihren Abgang von der großen YouTube-Bühne bekannt gegeben. Einen kleinen Seitenhieb auf die derzeitige Entwicklung der Videoplattform konnten sich die drei Protagonisten Philipp Laude, Matthias Roll und Oğuz Yılmaz dabei nicht verkneifen: „Heute geht's nur noch um Kohle, Klicks und Schminki-Schminki“, trällern sie in die Mikrofone. Eine Anspielung auf die zahlreichen Beauty-Tippgeber wie Bibi und DagiBee, die in ihren Videos immer häufiger Produkte gegen Bares anpreisen.

Dem Vermarkter Mediakraft geht mit dem Abgang von Y-Titty eine Millionenreichweite flöten. Schon häufiger sind dem Multi-Channel-Network namhafte Künstler abhanden gekommen, wie etwa Simon Unge, ApeCrime oder LeFloid. Letzterer organisiert sich mit zwölf weiteren bekannten YouTube-Gesichtern gar Netzwerk-unabhängig im Verein „301+“. Was sagt das über das System YouTube aus? Kann man auf der Videoplattform überhaupt alt werden und welche Relevanz werden Netzwerke in diesem Gefüge spielen? Fünf Thesen über die Zukunft von YouTube-Stars und Multi-Channel-Networks.

1. YouTube-Stars werden mehr Freiheiten einfordern

„YouTube ist eine tolle Plattform für Menschen, die sich miteinander austauschen wollen und ich hoffe, dass ich diese Entwicklung noch ein paar Jahre begleiten darf. Allerdings entwickelt sich die Plattform derzeit in eine Richtung, die mir nicht mehr ganz gefällt." Diese Worte, die beim diesjährigen Webvideopreis in Düsseldorf gefallen sind, stammen nicht von irgendjemandem, sondern von einem DER deutschen YouTube-Stars schlechthin, Erik Range alias „Gronkh“. Er ist so etwas wie ein Online-Video-Urgestein, ein YouTuber der ersten Stunde. Ebenso wie Y-Titty. Sie lieben die Freiheiten auf der Videoplattform, wollen sich möglichst von Werbungtreibenden nichts reinreden lassen und Content produzieren, wann und wie es ihnen gefällt. Y-Titty hatte sich vor einigen Jahren geweigert, die Nachfrage nach mehreren Videos pro Woche zu bedienen, weil dies auf Kosten der Qualität gehen würde. Nun haben sie ganz aufgehört – auch, weil es eben nur noch um Klicks geht. Nicht ohne Grund wählte etwa Simon Unge bei seinem Mediakraft-Abschied den Hashtag #freiheit. Diese werden immer mehr Künstler einfordern.

2. Auf YouTube kann man nicht alt werden

Die YouTube-Comedy-Trio Y-Titty hat sich getrennt. (Foto: Universal)
Die YouTube-Comedy-Trio Y-Titty hat sich getrennt. (Foto: Universal)

Reichweite generieren – das geht auf YouTube meist sehr schnell. Sie dann aber auch dauerhaft monetarisieren, das ist auf der Videoplattform hierzulande kaum möglich. Zumindest, wenn man seine Integrität bewahren und auf Product-Placements verzichten möchte. Um langfristig als Videokünstler überleben zu können, muss man das YouTube-Universum verlassen. Die ersten Bewegungen sind bereits sichtbar: News-Lieferant Florian Mundt alias LeFloid arbeitete mit dem SWR zusammen und Bullshit-TV-Mitglied Sebastian Meichsner alias C-Bas wurde jüngst vom Pay-TV-Sender Sky als Social-Media-Kommentator verpflichtet. Y-Titty-Star Oğuz Yılmaz will sich nun etwa mit seiner Agentur 1Pfund als Berater einen Namen machen, sein Ex-Kollege Philipp Laude als Schauspieler in TV und Kino durchstarten.

3. Mediakraft wird den Weggang von Y-Titty wegstecken

Schon viele große Namen haben dem Unternehmen den Rücken zugekehrt: LeFloid (2,8 Millionen Abonnenten) und Simon Unge (1,5 Millionen) Ende 2014, ApeCrime (2,9 Millionen) Anfang 2015 oder Nilam Farooq alias „Daaruum“ (1 Million) Mitte 2015. Trotzdem sind bei Mediakraft eigenen Angaben zufolge die Videoaufrufe auf 580 Millionen pro Monat gestiegen. Es ist davon auszugehen, dass auch ohne Y-Titty die Zahlen weiter steigen werden. Denn YouTube steckt nach wie vor erst in den Kinderschuhen, die Szene ist erst dabei sich zu finden, sich zu professionalisieren. Außerdem hat Mediakraft mit den Zwillingen „Die Lochis“ und der Fashion-Liebhaberin „xLaeta“ neue vielversprechende Videokünstler unter Vertrag, die zusammengenommen bereits 2,3 Millionen Abonnenten haben. Tendenz steigend. Alte Stars gehen, neue Stars kommen – das ist YouTube.

4. Die Independent-Szene wird größer

YouTuber haben oft ein Millionenpublikum, das Werbetreibende mit ein paar Tipps gut nutzen können. (Foto: Alexey Boldin / Shutterstock.com)
Immer mehr „alte Hasen“ im YouTube-Business wollen unabhängig von Netzwerken sein. (Foto: Alexey Boldin / Shutterstock.com)

Es ist wie im Musik-Business. Hat der Musiker erst einmal einen bestimmten Bekanntheitsgrad erreicht, ist er auf eine Plattenfirma nicht mehr zwingend angewiesen und wird independent. So ähnlich ist das auch mit YouTubern. Am Anfang der Karriere sind die Netzwerke sinnvoll, nehmen wichtige Arbeiten ab, liefern Technik, bieten Austausch, geben Infos über Copyright-Angelegenheiten. Das ist bei Einsteigern sicherlich hilfreich. Die „alten Hasen“ mit Millionen Fans brauchen aber keine Cross-Promotion mehr, keine Hilfe bei der Koordination, keine Beratung bei der Vernetzung. „Das Netzwerk im Rücken wird zum Netzwerk im Nacken“, sagte Florian Mundt einst im Interview mit dem Medienmagazin ZAPP, der irgendwann bei Mediakraft keinen Mehrwert mehr gesehen hat. Er gründete mit anderen bekannten YouTubern den Verein „301+“, der sich, anders als Netzwerke, nicht als unternehmerischer Dienstleister sieht. Auf diesen Zug könnten mehrere Künstler aufspringen.

5. Junge Zielgruppen erreicht man am besten über Social Influencer

Kids und Teenies erreicht man heutzutage über klassische Medien kaum noch. Social Influencer können die Lösung sein. Wie bringt man beispielsweise ein überaus langweiliges Produkt wie einen Reisekatalog an den Mann, besser noch an einen Jugendlichen? Über Bibi. Die YouTuberin hat sich vor kurzem mit Neckermann Reisen zusammengetan und besagten Katalog in ihren YouTube-Videos angepriesen. Ihre Fans machten sich daraufhin auf in die Reisebüros, hätten für die in der Regel kostenlosen Print-Produkte gar ihr Portemonnaie gezückt. „Wir haben kurz überlegt, für die Kataloge Geld zu verlangen“, scherzte Neckermanns Social-Media-Manager Martin Widenka kürzlich während eines Vortrages. Die anwesenden Marketingleute lachten zwar, rieben sich aber in Gedanken sicherlich bereits die Hände.

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3 Antworten
  1. von Kabakov am 15.12.2015 (14:21 Uhr)

    Also ich feier die Jungs, die haben sich das verdient. Harte Arbeit führt zum Erfolg :)!

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  2. von Konstantin am 15.12.2015 (14:58 Uhr)

    Zu Y-Titty muss man aber sagen, dass die letzten Videos gar nicht mehr so lustig waren, wie noch vor einigen Jahren. Da tut so ein Abgang garnicht mehr weh für die "Fans".

    Auch lag der Grund bestimmt daran, dass die produzierten Videos von Y-Titty viel aufwendiger waren, als bei anderen Youtubern, welche sich einfach nur schminken oder ein Spiel durchzocken. Da kann man ja kaum mehr etwas verdienen, wenn man pro 1.000 Klicks in etwa einen 1 Euro bekommt. Und die waren zu dritt, da muss das verdiente ja nochmal geteilt werden.

    Am besten sollte man einen Youtube Channel als Einzelperson gründen und keine kostenintensive Videos produzieren, z.B. Food Review, Lets Plays, Schmink Tips etc.

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  3. von marcel123456 am 23.06.2016 (18:44 Uhr)

    Hast recht, die bei youtube ist es nicht immer einfach. Aber wie sagt man nochmal, die ersten 1000 Follower sind schwer, die nächsten bis 10000 viel einfacher zu bekommen.

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