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Yandex: Muss Google sich vor der Konkurrenz aus Russland fürchten?

Yandex streckt die Fühler nach Europa aus. Mit personalisierten Suchergebnissen und einem eigenen App Store will die russische Suchmaschine auch auf dem deutschen Markt punkten.

Yandex: Muss Google sich vor der Konkurrenz aus Russland fürchten?

Wer in Deutschland online etwas suchen will, der „googelt“. Doch das ist nicht überall so. Den russischen Suchmaschinenmarkt beispielsweise dominiert Anbieter Yandex: Das Unternehmen hält einen Anteil von über 60 Prozent auf dem heimischen Markt, setzte allein in Q3/2012 mehr als 235 Millionen Euro um. Und Yandex streckt seine Fühler seit einigen Monaten verstärkt in Richtung Westeuropa aus.

Die Geschichte des von Ilja Segalowitsch und Arkadi Wolosch aufgebauten Unternehmens weist erstaunliche Parallelen zu der seines westlichen Konkurrenten auf. Nach der Gründung 1997 gesellten sich vielfältige Online-Angebote zur Suche, unter anderem Wörterbuch, Staumelder, Spiele, Foto- und Musikdienste. ging bereits 2004 an die Börse, Yandex erst 2011. Mit den Diensten Yandex.Karty und Yandex.News war der russische Anbieter dagegen schneller auf dem Markt als die Pendants Google Maps und Google News.

Derzeit verarbeitet die Suchmaschine ca. 200 Millionen Suchanfragen pro Tag. Wie bei den meisten kommerziellen läuft die Monetarisierung über Werbebuchungen: Über die Services Display Ads, Text Ads (Yandex.Direct) und das hauseigene Yandex Ad Network wurden 2012 über 90 Prozent des Ertrages generiert.

Von Russland aus Schritt für Schritt in weitere Märkte

In seinem Heimatland hat Yandex durch die Vertrautheit mit dem kyrillischen Alphabet einen deutlichen Vorteil: „In Russland sprechen wir dieselbe Sprache wie unsere User, verstehen ihre Mentalität und ihr Suchverhalten intuitiv. Das verschafft uns einen Vorsprung gegenüber Google & Co.“, erklärt Bernard Lukey, Kopf der Yandex Europe AG. Weitere Kernmärkte sind Ukraine, Weißrussland und Kasachstan.

Yandex.com im Einsatz.

Doch bei diesen Ländern soll es nicht bleiben. Seit 2010 stellt Yandex unter der Domain Yandex.com eine internationale Suche zur Verfügung – einerseits als englisches Suchportal für die jetzigen Stammkunden, aber auch als Testfeld für neue Such-Algorithmen. Nach Angaben des Unternehmens ist die internationale Index-Datenbank schon auf demselben Level wie die von Google oder Bing.

2011 expandierte der Suchmaschinenbetreiber auf den türkischen Markt und treibt mit einem eigenen Kundensupport von Istanbul aus das dortige Endkundengeschäft voran – eine erste Bilanz stellt Yandex für die DLD Konferenz in Aussicht, die Ende Januar in München stattfindet.

Yandex Europe: Brücke nach Osten für Werbetreibende

Der Yandex.Store für das mobile Betriebssystem Android.

Eine vorerst andere Strategie verfolgt Yandex in Westeuropa: Neben einem Entwicklungsstandort in Zürich eröffnete das Unternehmen 2012 mit der Yandex Europe AG eine neue Division in Luzern. Von hier aus werden europäische Kunden betreut, die über Display oder Text Ads in den östlichen Märkten werben möchten. Im Herbst 2012 war Yandex zum ersten Mal auf der Dmexco vertreten – nicht zum letzten Mal, wie Lukey betont: „Unseren Technologien wurde großes Interesse entgegengebracht.“

Ohnehin gehöre Deutschland, ebenso wie Großbritannien und Frankreich, zu den Schlüsselmärkten für den europäischen Werbe-Absatz. Daher denkt Yandex auch über ein eigenes deutsches Web-Interface für B2B Tools wie Yandex.Direct nach.

Ebenfalls interessant für viele deutsche Unternehmen dürfte der Yandex App Store (Yandex.Store) sein. Schon jetzt können Entwickler ihre dort einstellen – bald soll er auf Android Smartphones und Tablets verfügbar sein und die Vermarktung der Apps an russische User deutlich verbessern.

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2 Antworten
  1. von Nikolai am 21.01.2013 (11:04 Uhr)

    Der russische Markt ist sehr homogen, auf dem die heimischen „Klone“ es oft einfacher haben, als die westlichen Originale. Nicht nur Yandex hat einen größeren Marktanteil, als Google. Zum Beispiel sind das soziale Netzwerk VK.com und der Coupon-Anbieter Biglion viel erfolgreicher als ihre westlichen Pendants Facebook und Groupon.

    Die Gründe dafür sind teils objektiv: Besondere Sprachregeln, einschließlich der kyrillischen Buchstaben und teils subjektiv: Die „geheimnisvolle russische Seele“, besondere Wirtschaftsverhältnisse und teilweise sehr undurchsichtige rechtliche Lage.

    Da diese Vorteile außerhalb von Russland wegfallen, wird es für solche Dienste in Europa und den USA sehr schwierig. VK hat es ja letztes Jahr auch wenig erfolgreich versucht. Jetzt ist Yandex an der Reihe. Natürlich wünsche ich Yandex viel Erfolg, aber ich befürchte, es wird nichts.

    Meiner Meinung nach haben viel mehr Potential solche Unternehmen, deren Produkte nicht zu sehr an die russischen Begebenheiten „getrimmt“ sind. Das Paradebeispiel dafür ist Kaspersky, mein Role Model und Vorbild :-) Etwas weniger bekannt, aber nicht minder erfolgreich ist der Virtualisierungsanbieter Parallels. Auch unser Social Intranet-Service (www.bitrix24.de), für den ich persönlich auf dem D-A-CH-Markt verantwortlich bin, läuft nach dem super-erfolgreichen Start in Russland auch in Deutschland sehr gut an.

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  2. von Lea am 21.01.2013 (12:01 Uhr)

    Hallo Nikolai,

    es wird sicherlich keine leichte Aufgabe für Yandex, in Europa Fuß zu fassen, da hast Du völlig Recht. Allerdings habe ich auch nicht den Eindruck, dass das Unternehmen einen zu ambitionierten oder überstürzten Weg beschreitet. Yandex versucht ja durchaus, eigene Lösungen für die neuen Märkte zu entwickeln, anstatt die russischen Angebote einfach nur zu exportieren. Zusammen mit dem sehr kleinschrittigen Vorgehen spricht das in meinen Augen schon für eine durchdachte Strategie. Auch wenn Yandex nicht so schnell zur ernsthaften europäischen Konkurrenz für Google wird, kann ich mir durchaus vorstellen dass sie sich mit bestimmten Services hier etablieren können.

    Viele Grüße
    Lea

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