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Yandex: Muss Google sich vor der Konkurrenz aus Russland fürchten?

Yandex: Muss Google sich vor der Konkurrenz aus Russland fürchten?

Suchmaschinen-Trend Personalized Search

Dass Yandex auch in punkto Innovation nicht nur Branchenprimus nachläuft, zeigt die personalisierte Suche, die das Unternehmen Anfang Dezember einführte. Die an sprachlichen Präferenzen, Suchhistorie und Klicks in angezeigten Suchergebnissen orientierte Personalisierung funktioniert derzeit noch am besten auf Russisch, räumt Yandex ein. „Je mehr internationale Suchanfragen die Maschine verarbeitet, desto spürbarer wird der Effekt aber auch für alle anderen Nutzer“.

Die personalisierte Suche von Yandex im Schaubild.

Personalisierung beginnt bei Yandex bei den Suchvorschlägen, die als automatische Vervollständigungsoptionen nach dem Eintippen der ersten Buchstaben eingeblendet werden. Um dabei möglichst jedem Nutzer gerecht zu werden, teilt Yandex Nutzer in rund 400.000 Gruppen mit vergleichbaren Interessenslagen ein. Die Gruppen sind durchlässig – ändert sich das Online-Verhalten, ändert sich auch die Kategorisierung.

Für die personalisierten Ergebnisse einer Online-Suche geht Yandex noch genauer vor. Ein individueller, täglich angepasster Algorithmus bestimmt, in welcher Rangordnung dem User seine Suchergebnisse angezeigt werden. So soll die größtmögliche Relevanz der Ergebnisse für den Suchenden erreicht werden. Damit die zugrunde gelegten Präferenzen möglichst aktuell sind, wertet die Suchmaschine nur die Aktivitäten der letzten Monate aus.

Yandex: Totale Personalisierung unerwünscht

Bernard Lukey ist Direktor der Yandex Europe AG.

Die personalisierte Suche ist für regelmäßige Nutzer automatisch voreingestellt, kann aber jederzeit manuell deaktiviert werden. Überhaupt sei Transparenz gegenüber den Usern bei diesem Thema unerlässlich: „Es ist wichtig ihnen zu erklären, dass wir die Ergebnisse zuschneiden – und dass wir dabei jedem Einzelnen gerecht werden möchten“, so Lukey.

Personalisierung sei nicht als das künftige Allheilmittel der zu verstehen: „Wir haben die Funktion über ein Jahr lang getestet. Dabei hat sich gezeigt, dass viele User eine komplette Ausrichtung an ihren Präferenzen negativ, als Limitierung ihres Horizonts empfinden.“ Daher personalisiere Yandex nur 75-80 Prozent der Ergebnisse.

Schluss mit Googles Monopolstellung

Bei der russischen Google-Konkurrenz tut sich derzeit also viel. Muss der Suchmaschinen-Gigant sich also vor Yandex fürchten? Vielleicht nicht direkt: „Wir respektieren Google, sie haben eine Reihe großartiger, intelligenter Services“, sagt Lukey. Ob und wann das Unternehmen plant, in den deutschen Endkundenmarkt einzusteigen, möchte er nicht kommentieren.

Doch weist er grundsätzlich auf die positiven Effekte einer dynamischeren Marktsituation hin, die sicherlich auch Westeuropa zu wünschen seien: In Russland gebe es wesentlich mehr Services für die Nutzer als in Europa. Neben der Innovationskraft steigere der Wettbewerb auch die Qualität der Suchergebnisse und beeinflusse die Preise für Werbekunden zu deren Vorteil.

Vielleicht ist es an der Zeit, sich vom östlichen Nachbarn eine Lehre in Sachen Pluralismus erteilen zu lassen.

Über die Autorin

Lea Weitekamp (Twitter) ist PR-Beraterin bei pr/ip. Sie steht in keiner geschäftlichen Beziehung zu Yandex.

 

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2 Antworten
  1. von Nikolai am 21.01.2013 (11:04 Uhr)

    Der russische Markt ist sehr homogen, auf dem die heimischen „Klone“ es oft einfacher haben, als die westlichen Originale. Nicht nur Yandex hat einen größeren Marktanteil, als Google. Zum Beispiel sind das soziale Netzwerk VK.com und der Coupon-Anbieter Biglion viel erfolgreicher als ihre westlichen Pendants Facebook und Groupon.

    Die Gründe dafür sind teils objektiv: Besondere Sprachregeln, einschließlich der kyrillischen Buchstaben und teils subjektiv: Die „geheimnisvolle russische Seele“, besondere Wirtschaftsverhältnisse und teilweise sehr undurchsichtige rechtliche Lage.

    Da diese Vorteile außerhalb von Russland wegfallen, wird es für solche Dienste in Europa und den USA sehr schwierig. VK hat es ja letztes Jahr auch wenig erfolgreich versucht. Jetzt ist Yandex an der Reihe. Natürlich wünsche ich Yandex viel Erfolg, aber ich befürchte, es wird nichts.

    Meiner Meinung nach haben viel mehr Potential solche Unternehmen, deren Produkte nicht zu sehr an die russischen Begebenheiten „getrimmt“ sind. Das Paradebeispiel dafür ist Kaspersky, mein Role Model und Vorbild :-) Etwas weniger bekannt, aber nicht minder erfolgreich ist der Virtualisierungsanbieter Parallels. Auch unser Social Intranet-Service (www.bitrix24.de), für den ich persönlich auf dem D-A-CH-Markt verantwortlich bin, läuft nach dem super-erfolgreichen Start in Russland auch in Deutschland sehr gut an.

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  2. von Lea am 21.01.2013 (12:01 Uhr)

    Hallo Nikolai,

    es wird sicherlich keine leichte Aufgabe für Yandex, in Europa Fuß zu fassen, da hast Du völlig Recht. Allerdings habe ich auch nicht den Eindruck, dass das Unternehmen einen zu ambitionierten oder überstürzten Weg beschreitet. Yandex versucht ja durchaus, eigene Lösungen für die neuen Märkte zu entwickeln, anstatt die russischen Angebote einfach nur zu exportieren. Zusammen mit dem sehr kleinschrittigen Vorgehen spricht das in meinen Augen schon für eine durchdachte Strategie. Auch wenn Yandex nicht so schnell zur ernsthaften europäischen Konkurrenz für Google wird, kann ich mir durchaus vorstellen dass sie sich mit bestimmten Services hier etablieren können.

    Viele Grüße
    Lea

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