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Yapital: Warum Ottos Mobile-Payment-System doch noch zur Branchenlösung werden könnte [Kommentar]

Yapital: Warum Ottos Mobile-Payment-System doch noch zur Branchenlösung werden könnte [Kommentar]

Die Muttergesellschaft Otto ist für den hauseigenen Mobile-Payment-Anbieter Yapital auf der Suche nach einem Investor, das Handelsblatt sieht schon als Flop. Eine etwas kurzsichtige Beurteilung. Ein Kommentar von Jochen G. Fuchs.

Yapital: Warum Ottos Mobile-Payment-System doch noch zur Branchenlösung werden könnte [Kommentar]

(Foto: Yapital)

Yapital, ein Flop?

(Screenshot: Yapital)
In der Branche wird geunkt, Yapital könnte ein Flop sein. (Screenshot: Yapital)

Die Otto-Group ist im Bereich der digitalen Tranformation mittlerweile sehr gut aufgestellt, davon zeugen unter anderem auch innovative Startups wie Yapital. Mit Yapital hat Otto eine sogenannte Multichannel-Payment-Lösung entwickelt, mit der Kunden im Internet und im Laden mit ihrem Smartphone bezahlen können – zum Beispiel deutschlandweit bei Rewe. Allerdings bleibt Yapital hinter den Erwartungen zurück, was die Nutzerzahlen angeht – Grund für das Handelsblatt zu unken, dass Yapital ein Flop sei und Otto  Yapital jetzt loswerden wolle. Es steckt ein Körnchen Wahrheit in dieser Bemerkung, doch trotzdem ist Yapital weit davon entfernt, vor dem Aus zu stehen.

„Bei Yapital laufen auch schon seit Monaten Bänker und Berater durch die Räume, die einen Verkauf prüfen.“

Das Handelsblatt berichtet von einer Vorstandssitzung des Handelsverbandes HDE und davon, wie der Chef der Otto-Gruppe Yapital dort zum Ausbau einer Branchenlösung feilgeboten hat. Das Handelsblatt streicht die schlechte Entwicklung des Anbieters heraus und meint, man wäre weit entfernt, tatsächlich eine Konkurrenz zum übermächtigen US-Dienst Paypal aufzubauen. Faktisch ist die Bewertung nachvollziehbar. Laut unternehmensnahen Kreisen hat Yapital bisher rund 5.000 Nutzer erreicht, angeblich wäre eine halbe Million Nutzer bis zum Start der zwischenzeitlich abgesagten offiziellen Konsumer-Marketing-Kampagne im Herbst diesen Jahres geplant gewesen.

Also scheint ein Ausstieg angebracht zu sein, frei nach dem Motto: „Lieber ein Ende mit Schrecken“. Dafür spricht auch die Beobachtung von Peter Höschl bei Shopanbieter: „Bei Yapital laufen auch schon seit Monaten Bänker und Berater durch die Räume, die einen Verkauf prüfen.“

Tatsache ist, dass Yapital bis heute bessere Nutzerzahlen erreicht haben sollte, als sie tatsächlich haben. Meiner Meinung nach ein Resultat der vielfältigen Usability-Probleme beim Ablauf des Yapital-Bezahlungsvorgangs an der Kasse. In der t3n 39 findet sich eine Kolumne von mir zu diesem Thema. Die Mitarbeiter in den Rewe-Märkten sind größtenteils mit der Zahlung überfordert, weil die mit Yapital vereinbarten Mitarbeiter-Schulungen anscheinens nicht stattgefunden haben – zumindest meiner Erfahrung nach. Dann kommen noch einige Anlaufprobleme mit den Terminals hinzu – und schon ist klar, wieso die erhoffte Zahl der Early-Adopter ausgeblieben ist beziehungsweise warum die vorhandenen Early-Adopter nicht als Multiplikatoren wirken konnten. Ich persönlich bin erst seit ich das Produkt selbst erfolgreich nutzen konnte soweit, meinen Bekanntenkreis miteinzubeziehen.

Das Thema mit der Information und der Schulung hat Yapital auch heute leider noch nicht ganz im Griff. Die Homepage erklärt immer noch nicht realitätsnah, wie die Zahlung funktioniert: „Sagen Sie dazu an der Kasse nur, dass Sie mit Yapital bezahlen möchten. Dann einfach den QR-Code mit der Yapital-App scannen, der auf dem Kassendisplay oder dem Kartenterminal angezeigt wird. Fertig“ Eigentlich: An der Kasse sagen, dass man mit Yapital zahlen will, dem irritiert dreinschauenden Kassierer ein „Egal, drücken sie einfach auf Kartenzahlung“ hinterherschicken, auf dem Bezahl-Terminal den Display-Knopf unter dem Yapital-Schriftzug drücken, dann den QR-Code scannen“.

Fazit: Alles in allem könnte man kurzfristig von einem Flop sprechen – behält man nur die Nutzerzahlen im Blick.

Yapital auf dem Weg zur Branchenlösung

Yapital hat aktuell aber bewiesen, dass in Deutschland technisch funktioniert und im Handel implementiert werden kann. Mit einigen großen Handelspartnern wie der Rewe-Kette ist auch ein großangelegter Roll-Out erfolgt, die technischen „Kinderkrankheiten“ sind behoben. Praktisch steht hier ein technisches System samt einer dazugehörigen Finanz-Infrastruktur und einer Bankenlizenz ausrollfertig bereit, um im Handel Fuß zu fassen.

(Foto: Yapital)
(Foto: Yapital)

Thomas Voigt, Direktor Wirtschaftspolitik und Unternehmenskommunikation bei der Otto-Group, bekräftigt, dass Otto sehr zufrieden mit der Entwicklung von Yapital sei – im Besonderen auf der Händlerseite. Man sei sich aber bewusst, dass die Nutzerzahlen noch nicht zufriedenstellend sind. Trotzdem sei ein großes Interesse in der Branche am Konzept Yapital zu spüren.

Von Anfang an hatte Otto den Plan, Yapital zur Branchenlösung auszubauen. Yapital ist nicht als Otto-interne Lösung gedacht, sondern soll breit Fuß fassen. Die Gespräche mit dem Handelsverband HDE, die laut Otto tatsächlich stattfinden, dienen also dem ursprünglich gefassten Plan, den Mobile-Payment-Anbieter breit aufzustellen. Dazu müssen irgendwann Handels-Partner mit an Bord. Dazu gibt und gab es von Anfang an mehrere Möglichkeiten: Es gelingt alleine, Akzeptanzpartner zu finden und der Roll-Out wird alleine gestemmt oder es werden Partner gesucht und in Form einer Beteiligung eingebunden. Oder: Das Unternehmen wird komplett in eine eigenständige Form ausgegliedert und verkauft. In diesem Fall würde Otto wahrscheinlich nur noch Anteile an Yapital halten.

Kein Flop, aber der Weg zur Branchenlösung ist holprig

Ja, man kann jetzt „Flop“ schreien. Angemessen erscheint mir das aber nicht. Die Entwicklung, dass irgendwann Partner oder Investoren für das Unternehmen gesucht werden müssen, war vorauszusehen: Viele Handelsketten an einen Tisch zu bringen und von einer Lösung zu überzeugen, die im Gegensatz zu Apple Pay nicht die Strahlkraft einer solchen Marke mit sich bringt, ist schwer. Ein fremdkontrolliertes Unternehmen als übergreifende Branchenlösung? Da wird nicht jeder Handelsriese in Begeisterungsstürme ausbrechen. Anders sieht es aus, wenn jeder Beteiligte am Erfolg der Branchenlösung partizipieren kann, wenn der Handelspartner selbst Anteile hält.

Bestand früher in der Otto-Group mal die Hoffnung, dass man es vielleicht im Allgang schafft? Oder bestand zumindest der Plan, Hauptanteilseigner zu bleiben? Gut möglich. Hätte man eine signifkikante Nutzeranzahl erreichen können, wäre das eine gute Verhandlungsposition gewesen. Jetzt dürften alle Optionen zur Verhandlungsmasse zählen: Investor, Partner, Verkauf und Minderheitsbeteiligung.

Fazit: Ein Flop ist Yapital nicht, aber angesichts der aktuellen Marktentwicklungen kann man sicher von einer strategischen Kurskorrektur sprechen, die vorgenommen wurde, um das Ziel der Branchenlösung noch zu erreichen. Schließlich nähert sich jetzt Apple Pay, es nähert sich langsam die Lösung der Deutschen Kreditwirtschaft und auch Google kommt wieder mit einer Mobile-Payment-Lösung.

Zeit auf die Überholspur zu ziehen, bevor Yapital selbst überholt wird.

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9 Antworten
  1. von Guido am 01.03.2015 (16:29 Uhr)

    Natürlich ist Yapital bei einer Nutzerzahl von 5.000 ein totaler Flop. Es stellt sich da das Huhn-Ei-Problem. Für den Handel ist Integration von Yapital nur interessant, wenn damit entsprechende Nutzerzahlen und Umsätze einhergehen. Für die Nutzer ist Yapital erst interessant, wenn das vielerorts als Zahlungsmittel akzeptiert ist.

    Warum soll der Handel die Kosten für die Yapital-Integration stemmen, wenn auf absehbare Zeit damit Umsätze nahe null einher gehen? Unter anderem Onlinegrößen wie Amazon und eBay werden Yapital auch boykottieren, weil mit Otto ein Konkurrent dahinter steht. Paypal hat ca. 500.000 Prozent mehr Nutzer in Deutschland und tut sich schon schwer mit der Offline-Marktdurchsetzung. Wer soll denn da Yapital attraktiv finden?

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    • von Jochen G. Fuchs am 02.03.2015 (15:20 Uhr)

      „Paypal hat ca. 500.000 Prozent mehr Nutzer in Deutschland und tut sich schon schwer mit der Offline-Marktdurchsetzung.“
      PayPal tut sich meiner Meinung nach nicht schwer mit der Integration in den Offlinehandel, sie integrieren schlicht nichts. Da passiert nichts, gar nichts – nada. Lässt sich in meinem Kommentar hier nachlesen: http://t3n.de/news/paypal-gib-gas-wichtigste-573332/

      „Warum soll der Handel die Kosten für die Yapital-Integration stemmen“ Steht ja schon im Artikel: Weil der Handel an einer Branchenlösung partizipieren kann. Klar, der Handel kann auch einfach weiterpennen und auf Apple Pay und die 500.000 Prozent PayPal warten. Und schön brav weiter Transaktionsgebühren zahlen und die Möglichkeit verpennen, sich mindestens einen Teil der Transaktionsgebühren einzusparen.

      Die führenden Ketten in den USA versuchen es wenigstens: http://www.zeit.de/digital/mobil/2014-09/apple-pay-konkurrent-walmart-currentc

      Viele Grüße aus der Redaktion,
      Jochen

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      • von Flomo am 24.03.2015 (14:09 Uhr)

        Yapital ist ein Flop. Handel oder Banken sollten einen großen Bogen drum machen. Es gibt viel kleinere StartUps die mit weniger mehr erreicht haben z.B. kesh, paycash oder cashcloud. Was mich rasend macht ist das Yapital seit 2 Jahren im Markt rumhüpft und Handel sowie Banken verrückt gemacht haben. Die Arroganz des Führungspersonals war teilweise unsäglich. Damit haben sie vielen tollen innovativen Ansätzen die Luft zum atmen genommen weil alle gedacht haben Yapital ist zu groß um zu Versagen. Und jetzt liest man das StartUps wie unser paij mehr Downloads bzw. Nutzer haben als Yapital. Von den Transaktionszahlen oder MAU ganz zu schweigen. Wenn ich eine Bank oder Handelskonzern wäre würde ich mir ein Schnellboot einverleiben und skalieren anstatt die Titanic zu entern. Selbst Ratten scheinen schlauer zu sein als Bankvorstände.

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  2. von Miro am 01.03.2015 (18:25 Uhr)

    Jetzt verstehe ich warum ich dort seit fast 8 Monaten nicht kündigen und meine Guthaben in Höhe von 9,50 € nicht zurück erhalte.

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  3. von Theodoor am 02.03.2015 (01:52 Uhr)

    In der Rewe Filiale bei mir um die Ecke scheinen die Kassierer mit dem Problem, wieviel Restgeld ich bei einem Betrag von 13,45 von dem zuzahlenden Betrag und 20,05 Bargeld, der/die mir zurück geben sollen. Da wundert mich es nicht, dass manch einer dieser Mitarbeiter mit der Inplementierung neuer Bezahlsysteme völlig überfordert ist.

    In 3 Jahren ist "mobilepayment" so wie so tot, weil wir dann alle entweder via Google's ultrahippes Gedankenlesendes "Retrostirnschweißband" oder unter die Haut implantierte CIA/BND- RFID-Chip bezahlen.

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  4. von Yapital Support am 02.03.2015 (13:09 Uhr)

    Hallo Miro,
    gerne würden wir uns (erneut) um Ihr Anliegen kümmern. Kontaktieren Sie uns dazu doch bitte einfach per Email unter support@yapital.com oder telefonisch unter der Nummer 00800-927 927 10 (gebührenfrei).

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  5. von Arno Nühm am 02.03.2015 (16:37 Uhr)

    Erwähnenswert ist auch, dass die Dienstleistung der Yapital Kreditkarte vor wenigen Tagen für alle Kunden aufgekündigt wurde.

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  6. von NSchmidt am 20.03.2015 (17:10 Uhr)

    Auch mit dem nett gemeinten Kommentar lässt sich das Desaster nicht schön reden:
    Der Laden ist dem Untergang geweiht. Zu dem Zeitpunkt als der Kommentar verfasst wurde, war die gesamte GF bereits einige Zeit entfernt worden. Das hielt man jedoch nicht für nötig zu kommunizieren.
    Die MasterCard wurde gestrichen. Sie funktionierte, zum Zeitpunkt der Kommunikation, bereits seit Monaten nicht mehr.
    Intern wird der Verkauf vorbereitet, das Vertrauen der Kunden, Mitarbeiter und auch von Otto ist aufgebraucht.

    Wer noch ein paar interessante Lektüren benötigt kann sich gern auf Kununu oder Glassdoor umschauen.

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  7. von MuellerF_HH am 21.03.2015 (08:23 Uhr)

    Yapital ist ohne Frage ein Flop. Es hat schon seine Gründe, daß ein Herr Winkler seitens Otto gefeuert worden ist. Nachdem man dann -warum auch immer- noch das einzige Alleinstellungsmerkmal "MasterCard" abgeschafft hat und die Konkurrenz in der Zwischenzeit auch nicht untätig war, ist Yapital nur noch ein Mitstreiter unter vielen anderen Wettbewerbern.

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