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E-Commerce

Inside Zalando: Die kleine Dampflok der Online-Modehändler

    Inside Zalando: Die kleine Dampflok der Online-Modehändler

Zu Besuch bei Zalando. (Foto: Zalando)

Zalando gehört zu den am schnellsten wachsenden Mode-Händlern im Netz. Robin Wauters hat das Hauptquartier in Berlin besucht und Einblicke in eines der wenigen europäischen Multi-Milliarden-Unternehmen der Tech-Branche bekommen.

Wer in Europa lebt, hat wahrscheinlich schon mal seine Werbeclips online oder im TV gesehen. Und falls du letzte Woche das Wall Street Journal gelesen hast, ist es dir vielleicht als Mitglied des illustren „Billion Dollar Startup Club“ bekannt. Und trotzdem ranken sich Mythen und Legenden um das Online-Mode-Imperium Zalando. Nicht zuletzt, weil es – vor allem in seiner Frühphase – bewusst unter dem Radar geflogen ist.

Um mehr über eine von Europas größten und rasantesten Erfolgsgeschichten zu erfahren, habe ich während meiner letzten Reise nach Berlin das IT-Hauptquartier des Unternehmens besucht. Aber zuerst ein paar Hintergrundinformationen.

Zalando: Von Anfang an auf der Überholspur

Zalando wurde – inspiriert von Seiten wie Zappos – im Oktober 2008 von David Schneider und Robert Gentz gegründet, ursprünglich unter dem Namen Ifansho GmbH. 2009 lag der Nettoumsatz schon bei sechs Millionen Euro. Jetzt, fünf Jahre später, bietet das Unternehmen Wohn-Accessoires, Sportausrüstung, Schuhe und Kleidung für Männer, Frauen und Kinder von über 1.500 internationalen Marken in allen Preisklassen an – inklusive einer Eigenmarke. Ausserdem gibt es Zalando Lounge, eine Liveshopping-Seite. Weitere Experimente sind in Planung.

Derzeit beschäftigt Zalando etwa 4.000 Mitarbeiter, von denen sich rund 75 Prozent um die Logistik kümmern. Von den 1.000 Festangestellten – Durchschnittsalter 29 – gehört etwa die Hälfte zum „Tech Team“, aber dazu später mehr. Letztes Jahr hat Zalando zwei weitere Onlineshops gestartet: Kiomi und Ezema. Beide wurden allerdings nach kurzer Zeit wieder eingestellt, um sich auf die schon etablierte Marke zu konzentrieren. Aus meiner Sicht eine gute Entscheidung.

Zalando. (Foto: Robin Wauters)
Das Hauptquartier von Zalando. (Foto: Robin Wauters)

Inzwischen bietet Zalando über 150.000 Produkte in 15 europäischen Ländern an und hat seinen Nettoumsatz im Zeitraum von 2011 bis 2012 verdoppelt – auf 1,15 Milliarden Euro. Exakte Zahlen für 2013 sind noch nicht verfügbar, aber schon im ersten Halbjahr lag der Umsatz bei 809 Millionen Euro – der Jahresumsatz wird auf 1,7 bis 1,9 Milliarden geschätzt. Ob dabei Profite abfallen oder nicht, ist noch nicht bekannt, aber nach eigenen Angaben hat das Unternehmen in der D-A-CH-Region 2012 (Steuern und Zinsen nicht eingerechnet) den Break-Even erreicht.

Zalando. (Grafik: Zalando)
Zalando. (Grafik: Zalando)

Vom Laufsteg zum Börsengang

Obwohl Zalando für viele Beobachter ein klarer Kandidat für den Börsengang ist, wurde der vom Unternehmen selbst immer wieder nur als ein möglicher Weg bezeichnet. Allerdings wurde im Dezember 2013 die Umwandlung von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft eingeleitet, was als Zeichen für ein IPO im Jahr 2014 gewertet wird. Der größte Rivale, die britische Firma ASOS, ist schon an der Londoner Börse notiert.

Das Finanzierungsrätsel von Zalando

Zalandos Finanzierung ist eine eigene Geschichte.

Zalando. (Foto: Robin Wauters)
Zalando gehört zu den am schnellsten wachsenden Mode-Händlern im Netz. (Foto: Robin Wauters)

Einer der frühesten Teilhaber war Rocket Internet, ein berühmt-berüchtigter Inkubator, den die Samwer-Brüder 2007 gegründet haben. Obwohl es Gerüchte gab, dass diese Anteile alle verkauft wurden, hält Rocket Internet noch ein Prozent an Zalando, weitere 17 Prozent sind im Besitz von Samwers European Founders Fund. Der größte Einzelinvestor ist die 1936 gegründete schwedische Investmentfirma Kinnevik mit einem Anteil von 36 Prozent. Also war niemand wirklich überrascht, als die Financial Times letzte Woche angekündigt hat, dass Cristina Stenbeck, derzeit Vorsitzende bei Kinnevik, demnächst auch bei Zalando im Aufsichtsrat sitzen wird.

Zu anderen Großanlegern gehören der dänische Milliardär Anders Holch Povlsen (zehn Prozent) und die Investmentfirmen DST Global (acht Prozent), Holtzbrinck Ventures (acht Prozent) und Tengelmann Ventures (sechs Prozent). Weitere 15 Prozent der Firma gehören unbekannten Investoren, zu denen man wahrscheinlich J.P. Morgan und Quadrant Capital zählen kann – beide haben im August zusammen mit dem Ontario Teachers’ Pension Plan und Putnam in das Unternehmen investiert. Nur am Rande: Der drittgrößte Anleger, Modemacher und Author Anders Holch, hält auch bedeutende Anteile an ASOS, Zalandos größtem Konkurrenten in Großbritannien.

Nun stellt sich die Frage: Wie viel Kapital konnte Zalando bisher beschaffen? Das Unternehmen selbst gibt darüber (noch) keine Auskunft, also wird heftig spekuliert. Die auf Daten von CrunchBase basierende Schätzung des Wall Street Journal von 49 Millionen Dollar wurde von Zalando allerdings als vollkommen falsch bezeichnet. Wir wollen uns an solchen Spekulationen nicht beteiligen, doch wahrscheinlich liegt die wirkliche Zahl viel höher.

Zalando. (Foto: Robin Wauters)
Längst rekrutiert Zalando nicht mehr nur in Deutschland. (Foto: Robin Wauters)

Ein Herz für Technik

Was auf den ersten Blick nicht klar wird ist, wie wenig Zalando eigentlich mit Mode zu tun hat – in Wirklichkeit ist das Unternehmen extrem technologielastig.

Zalando. (Grafik: Zalando)
Zalando ist mehr als nur ein Händler. (Grafik: Zalando)

In einem großen Bürogebäude in der Berliner Mollstraße entwickelt und wartet das „Zalando-Tech“-Team fast die gesamte firmeninterne Technologie, etwa die maßgeschneiderte Logistik-Software. Richtiger wäre es allerdings, zu sagen, dass Zalando noch Programme von Drittanbietern verwendet – und zwar solange, bis diese ausgereizt sind. In jedem Fall wird der größte Teil des Betriebs mit proprietärer Software abgewickelt.

Auf dem Bild unten sieht man Christoph Lange, Zalandos Chief Product Officer (rechts) und den CIO der Firma, Philipp Erler (links). Beide kümmern sich um die Verwaltung und Optimierung der eingesetzten Technologie. (Falls du mehr wissen willst, schau dir mein Video-Interview mit Lange und Erler an.)

Zalando. (Foto: Robin Wauters)
Christoph Lange und Philipp Erler. (Foto: Robin Wauters)

Zusammen managen sie fast 500 Mitarbeiter – Ingenieure, Produktmanager, Analysten und QA-Manager, und bis Ende 2014 sollen es knapp 1.000 werden. Zalandos E-Commerce-Plattform basiert größtenteils auf Open-Source-Software (Linux, Java, PostgreSQL, Hadoop, Solr und so weiter) und weit verbreiteten Tools, Libraries, Skriptsprachen und NoSQL-Datenbanken.

Schon lange rekrutiert die Firma nicht mehr nur in Deutschland, und so finden sich in der Mollstraße Menschen aus der ganzen Welt. Im Stil anderer Berliner Technologieunternehmen wie Wooga versucht man, neuen Mitarbeitern beim Einstieg und dem Umgang mit der entstehenden Bürokratie zu helfen.

Zalando. (Foto: Robin Wauters)
„Let's Hack This Shit.“ (Foto: Robin Wauters)

Killer-Feature Distribution

Über die Logistik spricht man bei Zalando gerne, ist es doch eine der Stärken des Unternehmens. Hat man sich anfangs noch an Zappos orientiert, so ist das aktuelle Modell doch eher mit Amazon vergleichbar – was nicht weiter überrascht, hat Amazon Zappos doch inzwischen übernommen. Vom Hauptquartier in Berlin und drei anderen Standorten in Deutschland wird in Zusammenarbeit mit DHL der Versand für den gesamten europäischen Markt orchestriert.

Zalando. (Grafik: Zalando)
Zalando sitzt mitten in Europa. (Grafik: Zalando)

Ende 2012 hat Zalando sein erstes selbstentworfenes Logistik-Zentrum in Erfurt eröffnet, aufgrund seiner Größe von 120.000 Quadratmetern liebevoll „Europas größter Kleiderschrank“ genannt. Außerdem gibt es ein noch mal 10.000 Quadratmeter größeres Abwicklungszentrum in Mönchengladbach und ein kleineres (25.000 Quadratmeter) in Brieselang.

Zalando. (Grafik: Zalando)
Die Standorte von Zalando. (Grafik: Zalando)

Zalando Logistics, eine Tochterfirma, kümmert sich ständig um die Prozessoptimierung. So wird sichergestellt, dass jedes Paket schnell und verlässlich versendet wird. Durch die Lage im Zentrum Europas kommen Kunden in den Genuss von kurzen Lieferzeiten, Gratis-Versand und kostenloser Rücksendung. Allerdings gibt es unterschiedliche Ansichten über die Qualität von Zalando’s Logistik.

Der Offline-Aspekt

Im Juli 2012 brachte das ZDF einen alarmierenden Bericht über ein Verteilzentrum in Großbeeren – Zalando wurde „moderne Sklaverei“ vorgeworfen, die Arbeitsbedingungen wären „ein Alptraum“. Nach der Ausstrahlung meldeten sich ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens zu Wort und bestätigten die harten Arbeitsbedingungen (speziell für Zeitarbeiter) im Zentrum, das von der holländischen Firma DocData geleitet wird. Obwohl Zalando selbst niemanden an diesem Standort beschäftigte, konnte das Unternehmen dem resultierenden Shitstorm nicht entkommen und veröffentlichte eine offizielle Stellungnahme.

Man sprach von unklaren Verantwortungen, nahm die Schuld aber größtenteils auf sich. Dazu kam das Versprechen, in Zukunft mehr auf die Arbeitsbedingungen bei Partnergesellschaften zu achten, um sicherzustellen, dass diese sich an die hohen Standards des Unternehmens halten.

Zalando. (Foto: Zalando)
Das Lager von Zalando. (Foto: Zalando)

Bei einem Interview mit Tech.eu wurde seitens Zalando erklärt, man habe – so wie fast alle Berliner E-Commerce-Startups – mit DocData zusammengearbeitet. Offizielle Ermittlungen fanden in Großbeeren „nichts illegales oder inhumanes“. Der ZDF-Bericht führte zu einer breiteren Debatte über die Arbeitsbedingungen in deutschen Logistikunternehmen, die sich nicht nur auf Zalando konzentriere. Hier wäre zu erwähnen, dass auch Amazon immer wieder Probleme mit den deutschen Gewerkschaften hat. Zalando bestätigte, dass sie auch weiterhin ein „gutes Verhältnis“ zu DocData unterhalten und mit der Firma zusammenarbeiten. Allerdings kontrolliert man inzwischen mehr als 80 Prozent der eigenen Logistik.

Zalando. (Foto: Robin Wauters)
Sieht immer noch aus wie bei einem Startup. (Foto: Robin Wauters)

Demnächst wird Zalando in Frankfurt, so wie schon in Berlin, ein Ladengeschäft eröffnen. Ein Sprecher erklärte, dass diese Geschäfte dazu dienen sollen, Produkte anzubieten, die nicht über die Webseite oder mobile Apps verkauft werden – das Kerngeschäft bleibt aber der Online-Handel.

Und wenn man die bisherige Entwicklung betrachtet, klingt das nach einer ziemlich guten Idee.

Zalando. (Foto: Zalando)
Der Zalando-Outlet-Store in Berlin. (Foto: Zalando)

tech.eu-logo-RGB-300x78Dieser Artikel wurde zuerst auf tech.eu veröffentlicht. Übersetzung: kewagi

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4 Reaktionen
xage
xage

Ich habe erstmal geguckt ob das ein gesponsorter Beitrag ist, denn der Artikel liest sich fast wie Werbung oder eine "Homestory" von Zalando.

Nichts desto trotz an vielen Stellen einigermaßen interessant. Bin gespannt wann der IPO oder ein LBO o.ä. kommt.

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Bla
Bla

"Die auf Daten von CrunchBase basierende Schätzung des Wall Street Journal von 49 Millionen Dollar wurde von Zalando allerdings als vollkommen falsch bezeichnet. Wir wollen uns an solchen Spekulationen nicht beteiligen, doch wahrscheinlich liegt die wirkliche Zahl viel höher."

WTF??? Ist das euer Ernst? 49 Millionen Dollar? haha der war gut

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Florian Blaschke

Oha! Das ist uns durchgerutscht. Danke für den Hinweis, Nessi. :-) Wird geändert!

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Nessi
Nessi

Entschuldigt bitte, aber das untere/ letzte Foto im Artikel ist nicht das Hauptqartier sondern der Zalando Outlet Store.

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