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Damals und heute: Die Zeiten der Garagen-Startups sind vorbei

    Damals und heute: Die Zeiten der Garagen-Startups sind vorbei

Die Zeiten des Garagen-Startups sind vorbei. (Foto: Andreas Weck)

Jobs und Wozniak sowie Hewlett und Packard haben ihre IT-Konzerne isoliert im Stillen aufgebaut. Heute haben sich die Gründungszentren stark verändert. Die Zeiten der Garagen-Startups sind vorbei, meint Silicon-Valley-Korrespondent Andreas Weck.

Zwischen Schraubenziehern und Autolack begann nicht selten der Siegeszug einiger der wertvollsten IT-Unternehmen unserer Zeit. Jeder Silicon-Valley-Interessierte kennt die legendäre Garage von Hewlett-Packard, in der die Stanford-Absolventen William Hewlett und David Packard bereits 1939 den Tonfrequenzgenerator HP200A konstruierten und damit den Grundstein für einen der traditionsreichsten IT-Konzerne der Welt legten. Auch Apple, der wohl wichtigste Innovationstreiber im Hardware-Segment der letzten Jahrzehnte, hat seinen Ursprung 1976 in einer Garage gehabt. Das Apple-I-Team, das damals von Steve Wozniak geführt wurde, lötete im Elternhaus von Steve Jobs an den Platinen des ersten Heimanwender-Computers.

Die Idee des Garagen-Startups hat ausgedient

Während das Silicon Valley auch heute noch von diesen Geschichten lebt und mutige Gründer sowie findige Entwickler scharenweise nach San Francisco und in das anliegende Silicon Valley drängen, haben sich die Brutstätten ihrer Ideen inzwischen radikal verändert. Es ist seit einigen Jahren nicht mehr das Garagen-Startup, das das nächste große Ding im kleinen Kämmerlein hervorbringt. Viel mehr sind die Gründer in Gemeinschaften untergebracht und entwickeln ihre Ideen Tür an Tür und unter dem selben Dach mit anderen Mitstreitern.

Es sind vor allem Inkubatoren und Accelarator-Programme, die heute die Gründungszentren der modernen IT-Branche bilden. Während die Jung-Unternehmer an ihren Diensten und Services in großflächigen Büros arbeiten, bekommen sie frei Haus auch noch jede Menge Kontakte und Ratschläge von geschäftstüchtigen Köpfen serviert – ein Umstand, von dem die damaligen IT-Revolutionäre nur träumen konnten.

Inkubatoren wie Runway bilden große Startup-Gemeinschaften

Runway ist das Gegenteil eines Garagen-Startups. (Foto: Andreas Weck)
Runway ist das Gegenteil eines Garagen-Startups. (Foto: Andreas Weck)

Über die Jahre haben sich einige der bekanntesten Brutstätten der Gründerszene an der kalifornischen Westküste angesiedelt – wie der berühmte Y Combinator, 500Startups, MINE oder der erst vor einem Jahr gestartete Inkubator Runway, dessen Gründer sogar ganz unverhohlen sagen, dass sie versuchen „die Idee des Garagen-Startups zu killen“.

„Wir möchten die beste Gemeinschaft von Gründern und Entrepreneuren in San Francisco bilden.“ – Runway

Runway wirkt zuerst wie eine ganz normale Einrichtung für junge Startups – wie ein riesiges Coworking-Space aus dem Bilderbuch. Es gibt einen schicken Konferenz-Raum, erfahrene Internetunternehmer geben ihr Wissen in kleinen Veranstaltungen weiter und die klugen Entwickler und pfiffigen Marketing-Fachleute hängen reihenweise über ihre Laptops, um den gestarteten Internetdienst ganz nach vorne zu bringen.

Dabei wirkt die knapp 2.700 Quadratmeter große Bürofläche keines Falles wie eine Legebatterie für Industrie-Vieh: Gut einem Drittel des Runway-Komplexes wurden Areale zum gemeinsamen Austausch gewidmet – Offenheit und Kollaboration sollen den kreativen und fokussierten Mitgliedern, die nötige Motivation und Ideenreichtum liefern. Das Besondere an Runway: Die Erfinder Tom Henderson und Allan Young wollen nicht mehr und nicht weniger, als die „beste Gemeinschaft von Gründern und Entrepreneuren in San Francisco“ bilden.

Wer bei Runway einsteigen möchte, muss insofern einige Voraussetzungen erfüllen: Freelancer, Anwälte oder hippe Lifestyle-Unternehmen sind nicht erwünscht. Zudem müssen die Runway-Startups durch die Bank skalierbar und vor allem ein Gewinn in Sachen Unternehmenskultur sein. Kaum ein Startup gleicht dort dem anderen, aber alle haben die gleiche Vision davon, ein einzigartiges Business aufzubauen und ihr Wissen bereitwillig weiterzugeben.

Einblick in Runway: Hier arbeiten die Gründer an ihren Ideen

Runway. (Foto: Andreas Weck)
Runway. (Foto: Andreas Weck)

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Runway. (Foto: Andreas Weck)
Runway. (Foto: Andreas Weck)

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Runway. (Foto: Andreas Weck)
Runway. (Foto: Andreas Weck)

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Um das zu gewährleisten schauen die Betreiber des Inkubators ganz genau hin. Bei Runway erhalten Interessierte nur auf Einladung einen der begehrten Plätze. Aktuell haben 75 Gründungsideen hier einen Raum gefunden um zu arbeiten und zu wachsen. Darunter finden sich Enterprise-Startups wie Assemblage, das sich auf die Entwicklung von Collaboration-Tools konzentriert und HR-Startups wie MentorCloud, das eine Art Mitarbeiter-Suchmaschine konzipiert. Doch auch schräge Ideen wie die von Elysium Space haben dort ein Dach über dem Kopf gefunden. Das Startup möchte den Weg in den Markt der Weltraum-Beerdigungen ebnen.

Garagen-Startups werden aus der Not geboren

Vergleicht man die alten Zeiten des Garagen-Startups und heutige Angebote wie Runway, wird schnell klar, wie sich die IT-Branche in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Nicht nur, dass sie ein tragender Teil vieler Volkswirtschaften ist, um die Bedürfnisse der heutigen Gründer bilden sich auch viele weitere andersartige Geschäftsideen, die auf den Wert von Vernetzung und Fokussierung aufbauen. Den Zugang zum Wissen und das starke Netzwerk lassen sich die Gründer gerne etwas kosten – im Fall von Inkubatoren sind es vor allem Firmenanteile.

Dass so viele Gründer in derartige Gemeinschaften wollen, ist außerdem vergleichbar mit dem Grund, warum Menschen in Städte ziehen. Sie wollen der Isolation entkommen und an Dynamiken teilhaben. Ob ein Garagen-Startup heute noch eine Chance hat groß zu werden? „Natürlich!“, meinen die Runway-Verantwortlichen. „Es gibt hunderte Neugründungen, die ihre ersten Schritte in den Kellern, Küchen und WG-Zimmern der Stadt unternehmen. Jedoch ist auch völlig klar, dass das Garagen-Startup schon immer nur aus der Not heraus geboren wurde.“ Der Grund warum die großartigen Ideen von den HP- und Apple-Gründern im stillen Kämmerlein konzipiert wurden, liegt ihrer Meinung nach ganz einfach daran, dass es damals noch gar kein Äquivalent zu Runway, Y Combinator, 500Startups oder MINE gab.

t3n im Silicon Valley

Andreas WeckAndreas Weck hat 2014 für t3n aus San Francisco und dem Silicon Valley über neue Trends, spannende Tools und interessante Orte des Tech-Epizentrums berichtet. Sein Eindruck: Im Valley gibt es viele schlaue Köpfe und genauso viele bekloppte Geschäftsideen. / Twitter, Facebook.

5 Reaktionen
BigBen
BigBen

Interessanter Artikel. Ein Inkubator wird mir auch nicht helfen mehr über meinen Kunden zu erfahren. Das muss ich schon selbst Experte auf dem Markt werden. Sonst wäre das ja so zu einfach. Man sperre eine Gruppe aus Unwissenden eng zusammen und fertig ist das Geschäftsmodell.

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mr.hwp
mr.hwp

Die Zeiten der Garage sind eben nicht vorbei!

Hier wird ein Klientel bedient, welches auch die Gründer in den kommerziellen Kindergarten der Medien, Banken, Inverstoren treiben will...

Heute wird viel "brimborium" um Gründungen gemacht, da hier viele, die nicht die eigentlichen Gründer sind, gleich sich einhängen und kräftig mit verdienen wollen. So sind Online-Medien, Startup-Portale, Business Angels, Banken etc. wie moderne "Blutekel" gleich am "Mitsaugen".
Die wenigen guten Mentoren, welche Gründer begleiten sind weiterhin wichtig und auch gelegentlich vorhanden.
Doch in der "Garage" , Werkstatt oder Büro entstehen die unabhängigen Gedanken, Vorstellungen und Träume, welche auch oft wahr werden und ihren unabhängigen Weg erst hierdurch gehen können.
Da hier eben nicht die "Schnorrer" an deren Seite sich berühmen und mit kassierend und strategisch teilhaben wollen und so schon den Gründer in seiner besten Phase womöglich einschränken, reglementieren oder gar "ausboten" - alles passiert hier immer wieder. Ist zunehmend "System" der Etablierten, um hier schon am Anfang "aufzukaufen" oder vertraglich strategisch (auf die Zukunft hin) einzubinden/einzuverleiben.
Es gibt viel Hypgerede und viel Hypgeschreibe - war bisher noch nie nachhaltig.

Also liebe Gründer, wieder ab in die Garage und laßt euch nicht von euren Ideen durch andere abbringen. Finger weg von den Banken und Versprechungen sogenannter Helfer- bleibt real bei euren eigenen Möglichkeiten und "diktiert" eure Anforderungen und unabhängigen Vorstellungen in eventuelle Vertragswerke - nur so bleibt ihr frei und auch ihr werdet zu United Internet (Ralph Dommermuth), WhatsApp (Jan Koum) & Co. Sie starteten auch mit jeweils 16 Jahren in der "Garage" und ohne brimborium - sie machten ihr Ding richtig gut. Hierdrin liegt wirkliche und nachhaltige Zukunft des jeweiligen Gründers und sein Werk. Mit den angeblichen vielen Helfern dieser Szene wird eine Idee kurz und bündig "verfrühstückt" - wirklich Sinnvolles, Nachhaltiges entstand so gut wie nie. Da hier lediglich finanziell interessiert durch viele abgegrast wurde.

Ja, es gibt auch Ausnahmen... - für diese freue ich mich mit.

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Marianne Burri
Marianne Burri

Wenn jemand eine eigene Unternehmung gründen will, braucht es vor allem Wissen. Man muss wissen, wie man zu Kunden kommt, was die eigene USP - Unique Selling Proposition ist, welchen Nutzen man für Kunden anbieten kann und es braucht viel Mut, eine eigene Unternehmung zu gründen. Ein Kriterium, um eine erfolgreiche Start-Up zu gründen, ist vor allem die Fähigkeit, Bestehendes zu etwas Neuem zu kreieren, denn es gibt beinahe nichts neues unter der Sonne. Steve Jobs bzw. Apple hat nicht den MP3-Player erfunden, Jobs sah aber darin eine Chance, etwas Bestehendes so zu kreieren, dass es viele Menschen anspricht und lancierte den iPod.

Die Gründer-Szene hat sich verändert. Es gibt zahlreiche Unternehmen, die für Start-Ups bspw. günstige Büromöglichkeiten zur Verfügung stellen, es gibt Start-Up Awards, die man gewinnen kann, es gibt zahlreiche Kurse für Gründer, etc. Das Gründertum hat sich verändert, weil andere Gründer ebenfalls eine Möglichkeit sahen, mit Start-Up Unternehmen Geld zu verdienen.

Deshalb wird es immer wichtiger, sich zu differenzieren, zu polarisieren, dadurch Emotionen zu wecken und zu versuchen, etwas nützliches für andere anzubieten.

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Startups
Startups

Craigslist, Whatsapp, Dwolla und Warren Buffet haben unter 100 Mitarbeitern. (Siehe Wikpedia). Durovis Dive und viele Kickstarter-Projekte zeigen auch, das es klein geht.

Wenn man Versicherungsvertreter ist, ist man natürlich interessiert, das jeder ganz viele Versicherungen hat.
Wenn man BWLer ist und keinen Job bei der Bank oder Unternehmensberatung bekommen hat, ist man vielleicht möglicherweise interessiert, das Verwaltung und Beratung usw. einen großen Anteil an technisch einfachen Dingen wie Bezahl-Vereinfachung, Wetter-Daten, Internet-Of-Things, Car-Sharing, Mini-Job-Börsen... usw. haben obwohl es technisch vielleicht von zu Hause programmiert werden könnte.

Es gibt genug Aussagen im US-TV das man viele große Firmen heute nicht mehr aufbauen könnte wegen der Regularien.
Was leider bei den Startup-Berichten fehlt ist eine glasklare Liste des Verbleibs des Hypes (Das reimt sich) zB dieser Preisträger-Firmen usw. Wenn man älter ist erkennt man das es wohl oft nicht primär darum geht, Startups aufzubauen sondern um Patente und Prototypen für Geschäftsideen, Auslastung der Immobilien, Holding-Ketten, Gebühren, Gehälter, Posten, Steuer-Ersparnisse,... die man mit Praktikanten und Millionen-Investments aufbaut. Kunden, Umsätze, Gewinne usw. sind nicht immer das Hauptziel von Geldgebern.

Fiktives Beispiel: ------------------
Wenn man 1 Mio versteuert zahlt man ca. 430.000 Euro Steuern. Wenn man stattdessen z.B. in einen Trash-Film investiert und nur 429.000 Euro Steuern zahlt und auf Filmfestivals aufhalten kann (Flüge nach New York, London,... evtl steuerlich absetzbar), hat man 1000 Euro gewonnen. Dadurch steigt die Zahl der Trashfilm-Produzenten (oder z.B. Startups die nicht wirklich lange überleben müssen) und eine Blase entsteht. Wenn sich z.B. die Regeln ändern hat man tausende arbeitsloser Trashfilm-Schauspieler, Regisseure, Produzenten, Assistenten, Kameraleuten,.... .
Wenn Deutschland die E-Autos mit Zilliarden Steuern subventioniert, bauen die Chinesen bald billige E-Autos und wir haben nicht so viel davon und viele Arbeitslose weil die Branchen massiv schrumpfen müssen. Siehe Solarzellen.
Dank TTIP, Acta2, Ipred2 usw. gehören den Amerikanern vielleicht bald alle Geschäfts-Ideen. Microsoft streicht 18.000 Stellen. Der Fachkräftemangel ist also möglicherweise vielleicht vorbei. Hier lernt man also vielleicht besser BWL oder Jura statt Informatik.
Ende des Fiktiven Beispiels -----------------------

Teile des Postings gehören eigentlich zu dem Kommentar-Artikel über Startups.

Antworten

Lutz Finsterwalder
Lutz Finsterwalder

Der Beitrag (von Andreas) hier beschreibt - aus Sicht der IT-Branche in Cali - dass das Gründen selber zum Geschäftsmodell geworden ist. Jahrzehnte früher gab es Unternehmer/Gründer oder Angestellte/Freelancer oder Kunden/Geschäftspartner.

In dem erwähntem Beispiel von Runway kommt es mir, dass durch Vorgaben und Teilhabe all die Gründer darin Gründer, Angestellte, Kunden und Geschäftspartner zur gleichen Zeit sind.

Die Welt ist nicht nur komplexer geworden, sie hat auch Grenzen aufgeweicht. Und damit meine ich nicht das gute alte Garagentor.

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