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Zerstört Google das Internet? [Kolumne]

Das Internet gehört allen und wird von Usern für User gemacht. Sollte man meinen. Dieser Grundsatz stammt noch aus den Anfangszeiten des World Wide Web, lange bevor es internationale Konzerne wie Facebook oder gab. Was liegt dem Internet also zugrunde? Richtig: die Freiheit, sich mit anderen unabhängig auszutauschen, selber aktiv zu sein und eigene Inhalte zu verbreiten.

Zerstört Google das Internet? [Kolumne]

Noch bis vor ein paar Monaten war das grundsätzlich kein Problem, doch die Zeiten scheinen sich geändert zu haben. Google versucht sich immer mehr von einer Suchmaschine zu einem direkten Anbieter von Inhalten zu wandeln - scheinbar auf Kosten derer, die den Content wirklich erstellen. Doch was genau steckt hinter den Absichten von Google?

Am Anfang war das Web

Es war eine wundervolle Vision: Ohne seinen aktuellen Standort zu verlassen Informationen, Dateien und Dokumente über große Entfernungen hinweg teilen. Nichts anderes ist das Internet, wenn man an die Zeiten ganz am Anfang zurückdenkt. Das WWW entstammt ursprünglich wissenschaftlich-militärischen Kreisen, die darauf bedacht waren, Informationen an bestimmte Personen weiterzugeben.

So gesehen also ein "Club" mit auserwählten Mitgliedern. Davon hat sich das Internet bis heute emanzipiert, denn jeder Mensch kann mitmachen. Ob man nun konsumiert oder aktiv produziert. Problem: Je mehr produziert wird, desto größer wird die Datenmenge. Um diese Mengen zu beherrschen, braucht man Möglichkeiten, die Ordnung in das Chaos bringen. Und um genau das zu tun ging 1998 Google an den Start.

Der Rest ist Geschichte: Wir alle suchen täglich mit Google. In Deutschland und vielen anderen Ländern der Erde hat Google eine monopolistische Stellung erreicht. Vergessen darf man jedoch nicht, dass es die Nutzerinnen und Nutzer waren, die das ermöglicht haben. Insofern trifft Google keine Schuld.

Anders schaut es aus, wenn man sich vor Augen führt, was Google aktuell versucht, daraus zu machen. Denn die Macht einer monopolistischen Stellung bringt auch einen Haufen Verantwortung mit sich. Und Verantwortung bedeutet auch, die Rechte anderer zu wahren. Doch besonders in diesem sensiblen Bereich gibt es offensichtlich mehr und mehr Probleme.

Zum Geld verdienen verdammt

Google ist eine tolle Sache. Nirgendwo sonst findet man so viele Informationen. Die Herausforderung für die moderne Mediengesellschaft ist es aber, Google nicht mit dem Internet gleichzusetzen. Google ist nur der riesengroße Katalog, der alles indexiert hat und zum Abruf bereitstellt. Das Internet selbst ist viel komplexer und vielschichtiger, man denke nur an das Deep Web - den Teil des WWW also, in den man nur via Login kommt und der Google größtenteils verschlossen bleibt.

Ein an der Börse notiertes Unternehmen wie Google muss Geld verdienen. Das kann schnell zum Problem werden, wenn man aus der Gründerzeit stammende Leitsätze nicht mehr befolgen kann (oder will). "Don't be evil" war mal das Maß aller Dinge. Natürlich kann man Google nicht vorwerfen, dass sie jetzt böse Dinge tun. Die Reichweite einer auf der Bereitstellung von Informationen basierenden Suchmaschine ist allerdings begrenzt.

Es gibt eben nicht unendlich viele potenzielle User auf der Welt und auch die Anzahl der Suchanfragen hat sich irgendwann erschöpft. Nicht falsch verstehen - auch jetzt bekommt Google pro Tag im Schnitt fast 30% Suchanfragen, die jedes Mal komplett neu sind und so noch nie gestellt wurden (und wenn es auch nur um die Formulierung geht). Trotzdem stammen auch diese Anfragen immer von einer bestimmten Anzahl von Menschen.

Um also auch in Zukunft noch mehr Geld verdienen zu können oder um zumindest das hohe Niveau halten zu können, müssen neue Erlösquellen her. Und genau in diesem Segment verhält sich Google seit einiger Zeit teilweise fast schon destruktiv und läuft deswegen Gefahr, das uns bekannte Internet nachhaltig und nicht unbedingt positiv zu verändern.

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8 Antworten
  1. von Sven am 30.01.2013 (15:22 Uhr)

    Und was will mir der Artikel jetzt sagen?

    Viel heißer Brei um nix?
    Neue Informationen gibt es in dem Artikel auch nicht ...

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  2. von Julian am 30.01.2013 (15:39 Uhr)

    Man muss auch dazu sagen, dass Vergleichsportale vielleicht durch Services wie Google pleite gehen, nicht aber die eigentlichen Fluggesellschaften, die ja nach wie vor fliegen.

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  3. von Daniel Gremm am 30.01.2013 (18:12 Uhr)

    Oder kurz gesagt: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!

    Wenn sich Unternehmen jahrelang auf einem unveränderten Geschäftsmodell ausruhen wollen, ist das zwar legitim, aber nicht zeitgemäß und geschäftssichernd. Das gilt für Vergleichsportale genauso wie für Google selbst.

    Ich finde, der Artikel hat gut auf den Punkt gebracht, dass heute und in Zukunft der Wandel das einzig stetige ist. Und Google hat das mit seinem Google Lab, seinem Glases Projekt etc. verstanden. Ob Google sich damit schnell genug an die relevanten Trends anpassen kann und will? Das steht in den Sternen.

    Man schaue sich nur beispielsweise Nokia an: Anfangs haben die ihr Geschäft mit Papier, dann mit Gummistiefeln und am Ende mit Handys & Co. gemacht. Und auch hier muss ein ehemals marktbeherrschendes Unternehmen jeden Tag aufs Neue seine Existenzberechtigung unter Beweis stellen. Der Börsenkurs spricht Bände.

    Früher hat der Große den Kleinen besiegt. Heute besiegt der Schnelle den Langsamen!

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  4. von lineman am 30.01.2013 (18:32 Uhr)

    Und trotzdem ist es doch ziemlich arrogant von Google mit den Inhalten anderer sein Geld zu verdienen, oder besser Gesagt, nicht gerecht zu teilen. Sicher, das ist bei der schieren Menge an Inhalten nicht leicht. Aber durch diese Situation wird es immer weniger freie Journalisten, Künstler, Musiker, Schauspieler geben. Da sie einfach nicht mehr genug Geld verdienen können mit Ihrer Profession. Das wird über kurz oder lang dazu führen, dass unsere Kreativen (und vor allem die Unabhängigen) mehr und mehr verschwidnen werden und wir mehr und mehr Mainstream betrachten dürfen. Denn wenn man normal arbeitet hat man wohl kaum mehr die Zeit größere andere Projekte zu stemmen. Davon ab hätte man wenn man nur an den eigenen Projekten arbeitet kein Geld, davon zu leben.

    Letztlich kann es zu einer Gleichschaltung der Meinungen und einer Abflachung der Themenbereiche und Meinungsvielfalt kommen.

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  5. von Saarpirat am 30.01.2013 (18:33 Uhr)

    Das Beispiel mit dem IE am Schluss fand ich sehr an den Haaren herbeigezogen. Der IE ist und war NIE tot. Es ist nur der Schlampigkeit der Microsoft-Entwickler (Sicherheitslücken, ignorieren von Webstandards) und den guten Marketingaktionen anderer Browser, insbesondere Firefox, zu verdanken, dass die Zahl der IE Nutzer abgenommen hat. Daran hat das Kartellverfahren aber so gut wie nichts geändert.

    Und zum Artikel allgemein: Klingt für mich sehr nach Leistungsschutzrechts-Propaganda!

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  6. von cephei am 31.01.2013 (04:51 Uhr)

    Google hat mir und unzähligen Anderen tausende Stunden Recherchen erspart. Ob ich eine Lösung für ein IT Problem brauche oder den Weg zum nächsten Bahnhof. Google tut das für mich.
    Google hat das Internet soweit revolutioniert, dass Menschenmassen ins Netz strömten und meinen und deinen Job erst möglich gemacht haben. t3n würde ohne Google nicht existieren, weil es 1. nichts zu berichten gäbe und 2. niemand was davon wissen will.
    Wir verdienen Geld indem mit SEO. Google Analytics hilft uns dabei. Mein Unternehmen wird via Google gefunden, wenn jemand nach einem Produkt sucht, dass ich anbiete. Wenn ich was nicht weiss, finde ich ein passendes Snippet oder ein Tutorial per Google Search. Der Wissenstand vieler Webworker wäre deutlich geringer ohne G.

    Ich vermute mal, die Kollumne bezieht sich auf die Änderungen der Bildersuche. Ich bin nicht sicher ob das in DE schon ausgerollt wurde, aber ich habe das hier und muss sagen; Für mich als Anwender ändert sich nichts. Wenn jemand ein Bild will geht er nicht auf die Webseite, er klickt auf "Bild in Originalgrösse anzeigen". So oder so ändert sich nichts für denjenigen der das Bild online gestellt hat. Und wenn man etwas im internet veröffentlicht, muss man damit rechnet, dass es jemand weiterverwendet. Das ist ein Geben und Nehmen. Man kann nicht ins Internet gehen und sagen das ist Meins. Wo wären die ganzen Unternehmen ohne Google? Lieber einmal Danke sagen, als immer nur das Schlechte zu sehen.

    Sicher wäre, wenn es Google nie gegeben hätte, ein anderes Unternehmen an dessen Stelle getreten, jedoch würde dann einfach ein anderes Unternehmen beschuldigt, "böses" zu tun.

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  7. von Andree am 02.02.2013 (06:37 Uhr)

    Die spannende Frage für mich ist vielmehr ob und wie das Internet ohne Google funktionieren würde. Man mag zu Google stehen wie man will - es gibt schlicht und ergreifend keinen besseren Dienstleister, der eine effiziente Suche mit gutem Ergebnisresultat anbietet und somit eine schnelle und zeitsparende Recherche ermöglicht. Es fehlen einfach echte Alternativen, um diese Monopolstellung zu knacken und dadurch ein Umdenken zu erreichen - beim User und bei Google selbst.

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