Die verschiedenen Arten von iPad-Magazinen
Die simpelste Art, ein Magazin für das iPad zu erschaffen, ist, es eins zu eins aus der Holzwelt zu portieren. So leistet es beispielsweise der Spiegel (iTunes-Link) seit einem guten Jahr. Zusätzlich zum Inhalt des konventionellen Magazins bindet der Spiegel für das iPad etliche Videos von SpiegelTV ein. Auch mit Bildstrecken wird gearbeitet. Das aus meiner Sicht gelungenste portierte Magazin ist die AutoBILD (iTunes-Link). Hier ist die Digitalität an sich schon ein Vorteil. Autos lassen sich mit vielen großformatigen Bildern einfach besser präsentieren. Kommt dann noch ein Video einer Testfahrt hinzu, ist multimedial alles aufgeboten, was sich der Autofreak erträumt.
Eine andere Art von Magazin stellt Flipboard (iTunes-Link) dar. Hier werden aus den Links des eigenen Twitter- und Facebookprofils Magazinseiten generiert. Zusätzlich streut Flipboard noch Artikel aus den eigenen Contentfeeds ein. So ist Flipboard im Grunde nichts anderes, als eine alternative Weise, Twitter und Facebook zu konsumieren.
Wenn man auch einräumen muss, dass die Darstellung wirklich ansprechend gelöst ist, so ist Flipboard doch nicht Jedermanns Sache. Denn im Grunde liegt die Attraktivität von Twitter und Facebook gerade in der Kürze der gebotenen Informationen. Flipboard bläst nun jeden Short Link, den man vielleicht nie aufgerufen hätte, zur Newsstory auf. Das verlangsamt den Konsum deutlich und widerspricht der Herangehensweise eines mit dem Information Overload kämpfenden Digitalnomaden total.
Zite - iPad-Magazin der dritten Art
Die seit letzter Woche im App Store bereit stehende App Zite (phonetisch für Zeit, im Sinne von Zeitgeist) geht teils den Weg von Flipboard, teils einen völlig einzigartigen. Zunächst zu den Gemeinsamkeiten: Neben der Einbindung von durch das Zite-Team vorgewählten Contentfeeds, bindet Zite auch die Twittertimeline des Benutzers ein. Zusätzlich kann der Google Reader integriert werden. Aus Twitter und Google Reader zieht Zite Links heraus und baut diese in ein Magazinlayout ein. Nachteil: Zite arbeitet nur mit englisch-sprachigem Content und ist daher für deutsche Twitterstreams und Reader Feeds unbrauchbar. Das aber liegt an der Technologie.
Zite arbeitet nämlich mit einem Algorithmus, der nach Aussage des Gründers und Geschäftsführers Ali Devar an der University of British Columbia in Vancouver, Kanada über die letzten Jahre entwickelt wurde und in der Lage ist, Beiträge zu ähnlichen Themen zu identifizieren und vorzuschlagen. Vorstellen kann man sich das am Besten wie ein Last.FM für redaktionelle Beiträge. Je intensiver man Zite benutzt, desto mehr lernt Zite über das Leseverhalten des Users.
Unterstützen kann der User aktiv, denn Zite fragt bei jedem Beitrag nach, ob er interessant war, ob man mehr vom gleichen Anbieter sehen will, ob man mehr der gleichen Länge sehen will und ob man mehr vom gleichen Thema lesen möchte. Man kann also davon ausgehen, dass sich Zite bei intensiver Benutzung immer stärker auf den jeweiligen User fokussiert und ihm, ähnlich wie Amazon bei intensivem Einkaufsverhalten, immer interessantere Beiträge anbietet.
Zite - Der Selbstversuch
Ich habe Zite nun seit einer Woche im Selbstversuch benutzt und bin immer weniger begeistert von dem Service. In der Tat ist es so, dass sich Zite stark fokussiert und das auch sehr schnell. Die Lerngeschwindigkeit ist rasant, das Konzept funktioniert. Allerdings, die positiven Effekte bleiben aus. Zite wird immer monothematischer. In spätestens drei Wochen würde ich zum Experten für Thema X, hätte aber vom aktuellen Thema R noch nie was gehört. In der Hauptkategorie Top Stories beispielsweise wirft Zite mich mit Artikeln zum iPad 2 zu, weil ich natürlich nach der Vorstellung des neuesten Apple-Toys viel darüber gelesen habe. Jetzt muss aber mal langsam Schluß damit sein.
Bei mir ist das Risiko der synaptischen Vereinsamung gering, denn das Fehlen deutschsprachiger Themen stört mich ohnehin und sorgt dafür, dass ich weiterhin in the wild unterwegs bin. Angelsachsen könnten viel schneller in die neue Informations-Einbahnstraße Zite einfahren. Beginnend kann man sich das wie ein umgekehrtes Flussdelta feststellen. Von der Vielfalt zum Einheitsbrei.
Sieht so wirklich die Zukunft der Information aus?





9 Answers
von Janet Torres 16.03.2011 (13:59Uhr) 1.
Super Thema, welches mich schon seit längerem interessiert, da ich immer noch auf der Suche nach DER personalisierten Zeitung bin. Da ich kein iPad habe, hat mich deine Erfahrung umso mehr interessiert. Klingt ja nun nicht sehr überzeugt und ich hoffe, dass sich die ZITE-Macher entweder neues oder weiterentwickeltes einfallen lassen. Und zu deiner Frage am Schluss, ob die Zukunft der Information so aussieht, verweise ich gerne auf einen Artikel, als alles noch mal zu schreiben:)
von Für Zite fehlt mir einfach die Zeit! |… 16.03.2011 (14:02Uhr) 2.
[...] So ist es im Falle von Zite, der Knüller-iPad-App, die einem ein Magazin zusammen klöppelt, das ausschließlich interessante Beiträge enthält auch. Große Worte, nix dahinter. Bei T3N erzähle ich noch ein bisschen was dazu… [...]
von Jan Borns 16.03.2011 (15:11Uhr) 3.
Die Gegenwart und die Zukunft ist also wirklich eine Insel.
von Torsten 16.03.2011 (16:07Uhr) 4.
Die Kritik an FlipBoard kann ich sehr gut nachvollziehen.
Der Nachteil lässt sich ansatzweise durch Twitter-Listen und Erstellung eines Nachrichtenfeeds mit einzelnen Accounts (z. B. ein Contentfeld für die Twitter-Newsfeeds von Tagesschau, FAZ etc.) kompensieren.
von Raphael 16.03.2011 (18:30Uhr) 5.
Texte, Bilder und Videos zusammen kombinieren geht auch auf einer Webseite. Da muss ich kein iTunes haben und könnte die AutoBild trotzdem lesen.
Ich verstehe auch den App Wahn nicht ganz. Nachdem man endlich eine plattformunabhängige Möglichkeit hatte Applikationen und Inhalte zur Verfügung zu stellen muss nun jeder eine App machen und das dann wieder für jedes Ökosystem. Ich nenne das einen Rückwärtsschritt!
von dpetereit 16.03.2011 (18:40Uhr) 6.
Klar. Im Prinzip weg mit den Apps, her mit HTML5. Ich bin dabei. Grundsätzlich. Da ich aber nicht überall Netzzugang habe, lassen wir bitte die AutoBILD-App leben...
von der alte.mann und das meer ~ Schaut mal… 16.03.2011 (22:02Uhr) 7.
[...] KLICK für Dr. Brandt [...]
von Flipboard: Der Hoffnungswert der neuen M… 27.03.2011 (11:24Uhr) 8.
[...] in Sachen Social Reading und Social curation Formate [t3n hat dafür die interessante Bezeichnung algorithmisches Magazin gefunden], von Investoren frische Millionen Dollar auf Basis einer netten 200 Millionen [...]
von dosentelefon.eu - Google Currents versus… 17.05.2012 (23:43Uhr) 9.
[...] Flipboard und Feedly. Weitere Alternativen laut netzwertig.com sind die Apps Pulse, FLUD, NewsMix, Zite und BroadFeed. Google Currents Library: Auswahl der Editions und Zugriff auf Google [...]